Stellen Sie sich vor, ein Drittel Ihrer Lieferanten meldet binnen zwölf Monaten Insolvenz an. Klingt drastisch, beschreibt aber den Kurs, den die deutsche Industrie 2026 nach Auswertungen der Restrukturierungsberatung Falkensteg nimmt. Die Zahl der Großinsolvenzen hat 2025 einen Höchststand erreicht, und 2026 wird die 500er-Marke nach Expertenschätzung gerissen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- 471 Unternehmen mit über 10 Millionen Euro Jahresumsatz haben 2025 Insolvenz angemeldet, ein Plus von 25 Prozent
- Metallwarenhersteller erstmals Spitzenreiter mit 65 Verfahren, plus 35 Prozent
- Autohändler-Insolvenzen schnellten um fast 200 Prozent nach oben
- Falkensteg-Prognose für 2026: weitere 10 bis 20 Prozent mehr, über 500 Fälle erwartet
- Im Vergleich zum Corona-Tiefpunkt 2021 hat sich die Zahl der Großinsolvenzen fast verdreifacht
Vom konjunkturellen Tief zum strukturellen Kollaps?

Die Falkensteg-Auswertung für das Handelsblatt vom Januar 2026 sortiert die Lage neu ein. „In manchen Branchen geht es mittlerweile nur noch ums reine Überleben“, erklärt Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg und Studienautor. Sein Befund: Der zyklische Abschwung wird zum strukturellen Kollaps. Georgiy Michailov von Struktur Management Partner spricht im Handelsblatt sogar von einem Kipppunkt. Viele Mittelständler stünden unter Druck, weil hohe Verschuldung den Zugang zu neuen Krediten erschwere.
Welche Branchen trifft es am härtesten?

Die Metallwarenhersteller, die unter anderem Blechteile für die Autoindustrie fertigen, übernehmen erstmals die Spitzenposition. 65 Verfahren bedeuten ein Plus von 35 Prozent. Bei den Autohändlern verdreifachte sich die Zahl der Anträge nahezu, ein Indikator für die fortgesetzte Schwäche im Pkw-Markt. Auch in der Elektrotechnik liegt die Produktion laut Falkensteg unter dem Niveau von vor zehn Jahren. Die Treiber sind Überkapazitäten aus China, sinkende Margen und blockierte Investitionen, dazu Fachkräftemangel und hohe Energiekosten.
Wenn der deutsche Mittelstand 2026 wieder über 500 Großinsolvenzen verzeichnet, ist das kein Konjunktur-Schluckauf mehr, sondern ein Hinweis auf eine grundlegend kaputte Standortarithmetik.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Geschäftsführer jetzt tun sollten

Für Entscheider in deutschen Mittelstandsbetrieben bedeutet die Pleitewelle vor allem zwei Dinge. Erstens: Bonitätsprüfungen bei Lieferanten und Kunden gehören 2026 zur Routine, nicht zur Ausnahme. Zweitens: Liquiditätsreserven sind wichtiger als Wachstumspläne. Wer sich selbstständig gemacht hat oder ein kleines Team führt, sollte zusätzlich seinen tatsächlichen Stundenlohn kennen, um Preise stabil halten zu können.
Den vollständigen Großinsolvenz-Report stellt Falkensteg quartalsweise unter dem Titel „5 nach 12″ bereit. Eine Trendwende sehen die Experten frühestens 2027, und auch dann nur unter günstigen Rahmenbedingungen.
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