Über 500 Großinsolvenzen 2026: Wen trifft es zuerst?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Über 500 Großinsolvenzen 2026: Wer trifft es zuerst?

Stellen Sie sich vor, ein Drittel Ihrer Lieferanten meldet binnen zwölf Monaten Insolvenz an. Klingt drastisch, beschreibt aber den Kurs, den die deutsche Industrie 2026 nach Auswertungen der Restrukturierungsberatung Falkensteg nimmt. Die Zahl der Großinsolvenzen hat 2025 einen Höchststand erreicht, und 2026 wird die 500er-Marke nach Expertenschätzung gerissen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • 471 Unternehmen mit über 10 Millionen Euro Jahresumsatz haben 2025 Insolvenz angemeldet, ein Plus von 25 Prozent
  • Metallwarenhersteller erstmals Spitzenreiter mit 65 Verfahren, plus 35 Prozent
  • Autohändler-Insolvenzen schnellten um fast 200 Prozent nach oben
  • Falkensteg-Prognose für 2026: weitere 10 bis 20 Prozent mehr, über 500 Fälle erwartet
  • Im Vergleich zum Corona-Tiefpunkt 2021 hat sich die Zahl der Großinsolvenzen fast verdreifacht

Vom konjunkturellen Tief zum strukturellen Kollaps?

Oranger Kreisring mit Schild „500+“ und grauem Band auf weißem Grund
Falkensteg-Auswertung zeigt: Viele Branchen kämpfen ums Überleben, zyklischer Abschwung wird zum strukturellen Kollaps

Die Falkensteg-Auswertung für das Handelsblatt vom Januar 2026 sortiert die Lage neu ein. „In manchen Branchen geht es mittlerweile nur noch ums reine Überleben“, erklärt Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg und Studienautor. Sein Befund: Der zyklische Abschwung wird zum strukturellen Kollaps. Georgiy Michailov von Struktur Management Partner spricht im Handelsblatt sogar von einem Kipppunkt. Viele Mittelständler stünden unter Druck, weil hohe Verschuldung den Zugang zu neuen Krediten erschwere.

Welche Branchen trifft es am härtesten?

Stapel bunter Ziegel mit zwei Flamingo-Miniaturen und Gepäck obenauf vor weißem Hintergrund
Metallwarenhersteller führen Insolvenzanträge an: 65 Verfahren bedeuten Plus von 35 Prozent. Autohändler verzeichnen fast dreifache Antragszahl

Die Metallwarenhersteller, die unter anderem Blechteile für die Autoindustrie fertigen, übernehmen erstmals die Spitzenposition. 65 Verfahren bedeuten ein Plus von 35 Prozent. Bei den Autohändlern verdreifachte sich die Zahl der Anträge nahezu, ein Indikator für die fortgesetzte Schwäche im Pkw-Markt. Auch in der Elektrotechnik liegt die Produktion laut Falkensteg unter dem Niveau von vor zehn Jahren. Die Treiber sind Überkapazitäten aus China, sinkende Margen und blockierte Investitionen, dazu Fachkräftemangel und hohe Energiekosten.

Wenn der deutsche Mittelstand 2026 wieder über 500 Großinsolvenzen verzeichnet, ist das kein Konjunktur-Schluckauf mehr, sondern ein Hinweis auf eine grundlegend kaputte Standortarithmetik.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Geschäftsführer jetzt tun sollten

Gebrauchter weißer Helm mit orangefarbenem „Ü“-Logo und ein Kegel mit einem Schild davor
Mittelständler müssen 2026 Bonitätsprüfungen routinemäßig durchführen und Liquiditätsreserven vor Wachstum priorisieren

Für Entscheider in deutschen Mittelstandsbetrieben bedeutet die Pleitewelle vor allem zwei Dinge. Erstens: Bonitätsprüfungen bei Lieferanten und Kunden gehören 2026 zur Routine, nicht zur Ausnahme. Zweitens: Liquiditätsreserven sind wichtiger als Wachstumspläne. Wer sich selbstständig gemacht hat oder ein kleines Team führt, sollte zusätzlich seinen tatsächlichen Stundenlohn kennen, um Preise stabil halten zu können. 

Den vollständigen Großinsolvenz-Report stellt Falkensteg quartalsweise unter dem Titel „5 nach 12″ bereit. Eine Trendwende sehen die Experten frühestens 2027, und auch dann nur unter günstigen Rahmenbedingungen.

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Ein Stapel heller Tassen mit der Aufschrift „NEUZUGANG GROSSINSOLVENZ #1“ und einem Partyhut obenauf
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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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