Code wird öfter betrieben als gelesen

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Code wird öfter betrieben als gelesen

Ein bekanntes Entwickler-Sprichwort sagt: Code wird öfter gelesen als geschrieben. Facundo Olano denkt es weiter und kommt zu einer Prioritätenlehre, die weit über das Schreiben hinausreicht.

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Sein Kerngedanke zur Softwareentwicklung: Code wird öfter betrieben als gelesen. Mit „betreiben“ meint Olano den gesamten Alltag in Produktion, vom Ausrollen über das Beobachten bis zum Abschalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Olano ordnet die Beteiligten in eine Rangfolge: Geschäft, Nutzer, Betrieb, Entwicklung.
  • Die langfristigen Betriebskosten eines Systems übersteigen den Aufwand beim Bauen meist bei Weitem.
  • Viele typische Probleme entstehen, wenn diese Rangfolge verletzt wird.

Was bedeutet „betreiben“ statt nur „ausführen“?

Eine Hand ölt ein Zahnrad mit einer Ölkanne vor weißem Hintergrund
Betriebszuverlässigkeit kostet mehr als Programmierung: Ausrollen, Überwachen, Prüfen und Reparieren verursachen Langzeitkosten

Betrieb vor Eleganz. Ein Programm auszuführen ist das eine, es zuverlässig in Produktion zu halten das andere. Ausrollen, überwachen, prüfen, reparieren, abschalten: Genau dort entstehen die Kosten, die über Jahre anfallen. Olano fasst das in seinem lesenswerten Essay zusammen.

Daraus folgt eine schlichte Konsequenz. Weniger bewegliche Teile bedeuten weniger Fehlerquellen. Das alte KISS-Prinzip bekommt im Betrieb eine neue Bedeutung, weil jede zusätzliche Komponente nachts um drei jemanden aus dem Bett klingeln kann. Wie weit Einfachheit trägt, zeigt unser Bericht, wie eine HTML-First-Website ihre Nutzerzahl verdoppelte.

Woran erkennt man eine verdrehte Rangfolge?

Umgedrehte weiße Tasse mit Text
Entwickler, Betreuer und Nutzer müssen gleichrangig priorisiert werden, sonst entstehen schlecht wartbarer Code oder überfrachtete Programme

Symptome statt Schuldige. Steht der Autor über dem späteren Betreuer, entsteht cleverer Code, den niemand mehr pflegen mag. Steht die Technik über dem Nutzer, entstehen überkonstruierte Programme, die vertraute Funktionen kaputtmachen. Jede dieser Fehlstellungen lässt sich auf eine vertauschte Priorität zurückführen.

Besonders bissig benennt Olano die „imaginäre Software“, die gebaut wird, aber nie in Produktion geht. Solche Projekte testen ihre Annahmen nie an der Realität und kosten trotzdem volle Aufmerksamkeit.

Diese Rangfolge klingt theoretisch, beschreibt aber den Alltag jedes Teams. Den Betrieb erst nach dem Deployment mitzudenken, rächt sich später doppelt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was nehmen Teams daraus mit?

Horizontaler Schraubendreher mit orangem Griff, drei Wackelaugen und Schnurrbart
Olano hinterfragt Software, die Nutzer manipuliert. Eine ethische Grenze: dem Nutzer nicht schaden. Bei Architekturentscheiden sollte bedacht werden, wer mit dem System leben muss

Perspektive gewinnen. Am Ende stellt Olano selbst das Geschäft über dem Nutzer infrage. Software, die ihre Nutzer manipuliert oder zum Produkt macht, erfülle ihren eigentlichen Zweck nicht. Eine ethische Untergrenze bleibt: dem Nutzer nicht schaden.

Prüfen Sie bei Ihrem nächsten Architekturentscheid, wer am Ende mit dem System leben muss. Eine langweilige, gut beherrschbare Lösung schlägt fast immer die elegante mit vielen beweglichen Teilen. 

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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