Millionen Pokémon-Go-Spieler filmten jahrelang Straßen, Parks und Gebäude, um Belohnungen im Spiel zu kassieren. Diese Aufnahmen trainierten ein Navigationssystem, das nun den Weg in Militärdrohnen finden könnte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWie aus Pokémon-Go-Scans eine Technik für den Drohnenkrieg wurde, deckte die niederländische Zeitung Trouw auf. Rund 30 Milliarden Umgebungs-Scans der Spieler gehören heute Niantic Spatial, einem US-Unternehmen aus dem Umfeld des Spieleentwicklers Niantic.
Das Wichtigste in Kürze
- Aus rund 30 Milliarden Spieler-Scans baute Niantic Spatial ein kamerabasiertes Navigationssystem, das ohne GPS-Signal auskommt.
- Im Dezember 2025 verkündete Niantic Spatial eine Partnerschaft mit dem Rüstungsunternehmen Vantor für den Einsatz in Drohnen und Militärrobotern.
- Einen direkten Beleg, dass das konkrete Militärmodell mit Spiel-Scans trainiert wurde, gibt es laut Trouw nicht; beide Firmen lassen die Frage offen.
Wie wird aus einem Spiel ein Navigationssystem?

Sehen statt Satellit. Das Spiel belohnte Spieler dafür, ihre Umgebung abzufilmen. Niantic Spatial verarbeitete diese Aufnahmen zu einem detaillierten 3D-Modell und baute daraus ein Visual Positioning System. Ein solches System bestimmt die eigene Position über den Abgleich des Kamerabilds mit dem Modell.
Anders als GPS lässt sich diese Technik nicht ohne Weiteres stören. Auf modernen Schlachtfeldern, etwa in der Ukraine, gehört das gezielte Stören von Satellitensignalen längst zum Alltag. Genau dort wird eine kamerabasierte Navigation wertvoll, wie der frei zugängliche Bericht der NL Times auf Basis der Trouw-Recherche zeigt.
Wie eindeutig ist die Verbindung?

Belegte Kette, offenes Ende. Niantic Spatial bestätigte, dass die Scans eine frühe Version des Modells trainierten. Vantor bestreitet eine direkte Nutzung der Spieldaten, will aber nicht sagen, ob das einzusetzende Modell je mit den Scans trainiert wurde.
Dokumentiert ist eine Kette aus mehreren Schritten: Spieler-Scans, frühe Modellversion, kommerzieller Einsatz, schließlich die Rüstungspartnerschaft. Ob das konkrete Militärmodell den Abdruck der Spieldaten trägt, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Vorsicht bei der Einordnung bleibt deshalb geboten.
Der Fall zeigt, wie weit ein einmal erteiltes Einverständnis reichen kann. Beim Sammeln von Nutzerdaten muss klar sein, wofür sie am Ende dienen. Sonst zahlen Vertrauen und Reputation den Preis.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den Datenschutz?

Einwilligung mit Tragweite. Die Spieler stimmten den Nutzungsbedingungen zu, die Niantic eine übertragbare und unterlizenzierbare Lizenz an den Aufnahmen einräumten. Ein niederländischer Spieler scannte dabei sogar das Innere seiner eigenen Wohnung. „Ich habe nur ein Spiel gespielt“, sagte er Trouw.
Ethikprofessor Jeroen van den Hoven von der TU Delft sieht die Spieler getäuscht. Ohne die gewaltige Zahl an Scans wäre das System nie so schnell entstanden. Für Unternehmen im DACH-Raum ist das eine Mahnung, Einwilligungen und Datenweitergaben unter der DSGVO sauber zu fassen. Wie heikel Kameradaten in der Robotik sind, zeigt unser Bericht zu humanoiden Robotern am Flughafen.
Prüfen Sie in Ihrem Unternehmen, welche Lizenzrechte Sie sich an Nutzerdaten einräumen lassen und wie transparent der Zweck kommuniziert ist. Eine übertragbare Lizenz kann Daten in Kontexte tragen, die kein Nutzer erwartet. Einen Überblick über die Robotik-Trends des Jahres bietet unser Robotik-2026-Report.
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