Frankreich tauscht Windows gegen Linux

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Frankreich tauscht Windows gegen Linux

Frankreich will seine Verwaltung von Windows auf Linux umstellen und damit die Abhängigkeit von US-Technik verringern. Der Schritt gilt als der bislang umfassendste Vorstoß für digitale Souveränität in Europa.

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Hinter der Entscheidung steht ein klares Ziel: digitale Souveränität. Die zuständige Digitalbehörde DINUM verlässt Windows zuerst selbst und verpflichtet jedes Ministerium, bis Herbst 2026 einen Plan zum Ausstieg aus außereuropäischer Technik vorzulegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die französische Digitalbehörde DINUM migriert ihre Arbeitsplätze von Windows auf Linux und macht damit den Anfang.
  • Jedes Ministerium muss bis Herbst 2026 einen Plan zur Reduktion außereuropäischer Abhängigkeiten vorlegen.
  • Als Hauptsorge gilt der US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Anbieter erlaubt.

Was genau hat Frankreich beschlossen?

Ein orangefarbener Schukostecker mit weißem Kabel auf einem weißen Tisch vor einer Wandsteckdose
DINUM kündigt Ausstieg aus Windows und Microsoft-Produkten an. Umstieg auf offene Alternativen bei Betriebssystem, Cloud und KI-Plattformen geplant

Raus aus der Abhängigkeit. Bei einem interministeriellen Seminar am 8. April 2026 kündigte die DINUM den Ausstieg aus Windows an. Die Direktive reicht weit über das Betriebssystem hinaus und umfasst Kollaborationswerkzeuge, Cloud, KI-Plattformen und Netzwerktechnik. Die offizielle Mitteilung steht auf der Regierungsseite.

Public-Accounts-Minister David Amiel begründete den Schritt damit, die Kontrolle über das eigene digitale Schicksal zurückzugewinnen. Der Staat könne nicht länger hinnehmen, dass seine Daten und Infrastruktur von Lösungen abhängen, deren Regeln und Preise er ebenso wenig bestimme wie deren Risiken.

Warum gerade jetzt?

Holzkiste mit Linux-Pinguin und Text, davor Maus und Papier
Frankreich setzt auf Open-Source statt Microsoft: Cloud Act, steigende Lizenzkosten und reifes französisches Ökosystem fördern Souveränität

Mehr als Technik. Drei Entwicklungen treffen zusammen. Der US CLOUD Act erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Firmen, unabhängig vom Speicherort. Zugleich steigen die Microsoft-Lizenzkosten durch das Abomodell, und das französische Open-Source-Ökosystem ist reif genug für den Staatsbetrieb. Eine ähnliche Strategie verfolgt Paris bereits bei der souveränen Cloud mit SAP.

Vorbilder gibt es im eigenen Land. Die Gendarmerie Nationale betreibt seit fast zwanzig Jahren über 100.000 Rechner unter Linux. Parallel ersetzt die Verwaltung Microsoft Teams und Zoom durch die heimische Plattform Visio.

Frankreich macht vor, was auch in Deutschland diskutiert wird. Souveränität ist kein Beiwort mehr, sondern eine harte Anforderung an jede Beschaffung, sobald geopolitische Risiken ins Budget einfließen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für die DACH-Region?

Brauner Koffer mit Reise-Stickern, einem Pinguin und Anhänger „FÜR DIE DACH-REGION?“
Schleswig-Holstein ersetzt Windows und Microsoft Office durch Linux und quelloffene Software. Der Bund entwickelt souveräne Cloud-Strukturen

Signal nach Berlin. Der Vorstoß erhöht den Druck auf Deutschland und seine Nachbarn, ähnliche Wege zu prüfen. Schleswig-Holstein ersetzt bereits Windows und Microsoft Office durch Linux und quelloffene Alternativen. Auch der Bund baut mit Partnern an souveränen Cloud-Strukturen, wie unser Bericht zur Bundes-KI-Cloud zeigt.

Ein solcher Umstieg ist allerdings kein Spaziergang. Altanwendungen müssen angepasst und Hunderttausende Beschäftigte geschult werden, ohne dass die Produktivität während des Wechsels leidet. Frankreich setzt deshalb auf Pilotprojekte und einen schrittweisen Fahrplan.

Bewerten Sie die eigene Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, bevor Sie der nächste Lizenz- oder Sanktionsschock trifft. Eine quelloffene Alternative im Rücken stärkt jede Verhandlungsposition und senkt das politische Risiko. Wie Deutschland beim Hyperscaler-Anschluss aufholt, lesen Sie in unserem Beitrag zur T Cloud Public der Telekom.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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