Microsoft entfernt die Copilot-Buttons aus mehreren eingebauten Windows-11-Apps. Nach Jahren des aggressiven KI-Ausbaus rudert der Konzern bei der sichtbarsten Stelle zurück.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBetroffen vom Rückzug der Copilot-Schaltflächen sind Notepad, das Snipping Tool, die Fotos-App und die Widgets. Die KI-Funktionen selbst bleiben erhalten, nur die aufdringlichen Knöpfe und das Branding verschwinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft streicht die Copilot-Buttons aus Notepad, Snipping Tool, Fotos und Widgets, behält die KI-Funktionen aber bei.
- In Notepad ersetzt ein schlichtes Stift-Symbol „Schreibwerkzeuge“ den bisherigen Copilot-Knopf.
- Auslöser ist ein Nutzer-Protest, der sich über mehr als ein Jahr aufgebaut hat.
Was ändert sich konkret in den Apps?

Knopf weg, Funktion bleibt. In Notepad weicht der auffällige Copilot-Button einem Stift-Icon mit Schreibwerkzeugen, die Text umformulieren und zusammenfassen. Die Einstellung wandert von „KI-Funktionen“ zu „Erweiterte Funktionen“ und lässt sich abschalten. Im Snipping Tool verschwindet der Knopf sogar ganz, ohne Wahlmöglichkeit. Den Kurswechsel beschreibt Windows-Manager Pavan Davuluri in einem Blogbeitrag.
Verschwunden ist die proaktive Werbung, nicht die Technik. Über Taskbar, das Kürzel Win+C und das Kontextmenü bleibt Copilot weiter erreichbar. Microsoft trennt also bewusst zwischen aufgedrängter und bewusst abgerufener KI.
Warum rudert Microsoft ausgerechnet jetzt zurück?

Der Protest wirkt. Davuluri räumt offen ein, die KI-Integration zu aggressiv vorangetrieben zu haben. Nach Monaten der Rückmeldungen verspricht er einen überlegteren Umgang mit Copilot und kündigt an, unnötige Einstiegspunkte zu entfernen. Ein einzelner Wunsch stand dabei besonders weit oben in Microsofts eigenem Feedback-Hub.
Bemerkenswert ist die Begleitmusik: Berichten zufolge drohten zahlreiche Nutzer mit dem Wechsel zu Linux. Diese Drohung scheint gewirkt zu haben. Wie heftig KI-Aufpreise und KI-Zwang derzeit auf Widerstand stoßen, zeigt auch unser Bericht zum Credit-Meter von Anthropic.
Hier zeigt sich, dass sichtbare KI nicht automatisch gute KI ist. Nutzer wollen Werkzeuge, die helfen, wenn sie gebraucht werden, und schweigen, wenn nicht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für IT-Verantwortliche?

Kosmetik mit Kleingedrucktem. Für verwaltete Geräte führt Microsoft eine neue Gruppenrichtlinie ein, die das Deinstallieren der Copilot-App erlaubt. Die Bedingungen sind allerdings streng: Die App darf 28 Tage nicht gestartet worden sein, muss von der IT verteilt sein, und Microsoft 365 Copilot muss vorhanden sein. Unterm Strich ist das Entfernen der Knöpfe vor allem kosmetisch und kehrt die tiefe Integration nicht um.
Behandeln Sie die Änderung als Update der Oberfläche, nicht als Abkehr von der KI. Planen Sie Audits Ihrer Images und Starteinstellungen ein, statt auf einen echten Rückbau zu hoffen. Welche Rolle KI künftig im Arbeitsalltag spielt, ordnet unser LLM-Ratgeber ein.