Krones hat zum 30. Juni 2026 einen Auftragsbestand von 4,33 Milliarden Euro in den Büchern, 3,3 Prozent mehr als zum Jahreswechsel.[1] Der Umsatz dagegen liegt mit 2,71 Milliarden Euro fast exakt auf Vorjahresniveau. Für Entscheider im Maschinenbau und in der Konsumgüterindustrie steckt genau in dieser Schere das eigentliche Signal.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Auftragseingang ist im Halbjahr um 4,5 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro gestiegen, die Book-to-Bill-Quote liegt bei 1,05.
- Der Umsatz stagniert bei 2,71 Milliarden Euro, weil der schwache Dollar rund 60 Millionen Euro gekostet hat; währungsbereinigt legt er um 1,8 Prozent zu.
- Die EBITDA-Marge ist auf 10,8 Prozent geklettert, Krones bestätigt die Ziele für 2026.
- Die Nachfrage treiben zunehmend die EU-Recyclingquoten und die Automatisierung der Abfülllinien.
Warum wächst das Auftragsbuch, wenn der Umsatz steht?

Der flache Umsatz täuscht. Der schwache US-Dollar hat den Halbjahresumsatz um etwa 60 Millionen Euro belastet, währungsbereinigt hat Krones um 1,8 Prozent zugelegt.[1] Aussagekräftiger als die reine Umsatzzahl ist die Book-to-Bill-Quote von 1,05: Das Unternehmen nimmt mehr Aufträge herein, als es im gleichen Zeitraum abarbeitet.
Dieser Vorlauf verschiebt Wachstum in die zweite Jahreshälfte. Der Auftragseingang ist im Halbjahr um 4,5 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro gestiegen, der Bestand auf 4,33 Milliarden. Dass die EBITDA-Marge trotz stehendem Umsatz von 10,6 auf 10,8 Prozent geklettert ist, geht nicht auf die Menge zurück, sondern auf Kostenprogramme und einen besseren Produktmix.
Was die Getränkeindustrie zum Umrüsten zwingt
Die Nachfrage nach Abfüll- und Verpackungstechnik hängt immer weniger am Konjunkturzyklus und immer mehr an Vorschriften. Die EU-Einwegkunststoffrichtlinie verlangt ab 2030 mindestens 30 Prozent Rezyklat in PET-Getränkeflaschen, die neue Verpackungsverordnung PPWR zieht weitere Mindestquoten nach. Getränkehersteller müssen ihre Linien darauf umbauen und in eigene PET-Recyclinganlagen investieren.
Krones liefert beides, die Abfülllinie und die Recyclinganlage unter der Marke MetaPure. Dass der PET-Kreislauf technisch reif genug für den Industriemaßstab ist, zeigen auch neue Aufschlussverfahren, die das enzymatische PET-Recycling serientauglich machen. Denselben Regulierungsdruck spüren Zulieferer quer durch die Industrie, von der Baustoffbranche bis zu den Materialkreisläufen großer Chemiekonzerne wie bei BASF und Pirelli.
Der zweite Treiber ist Effizienz. Energieverbrauch und Ausschuss je abgefüllter Flasche sinken mit jeder Automatisierungsstufe einer Linie, was bei hohen Energiepreisen oft den Ausschlag für die Neuanschaffung gibt.
Ein Auftragsbestand über der Vier-Milliarden-Marke ist keine Konjunkturwette, sondern die Rechnung für zwei Pflichttermine: die Recyclingquote 2030 und jede Kilowattstunde, die eine alte Abfülllinie zu viel verbraucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Entscheider im DACH-Raum jetzt einplanen
Für Getränke-, Konsumgüter- und Verpackungsbetriebe im deutschsprachigen Raum wird die Lieferzeit zum Planungsrisiko. Eine Book-to-Bill-Quote über 1 bedeutet wachsende Wartelisten: Eine erst 2028 bestellte Abfülllinie kann die Rezyklatpflicht 2030 kaum noch rechtzeitig erfüllen.
Krones selbst bleibt vorsichtig optimistisch und bestätigt die Ziele für 2026: währungsbereinigt 3 bis 5 Prozent Umsatzwachstum und eine EBITDA-Marge von 10,7 bis 11,1 Prozent.[1] Für Zulieferer und Wettbewerber ist die Botschaft klarer als jede Quartalszahl: Das Geschäft mit der Abfülltechnik verschiebt sich vom reinen Durchsatz zur Kreislauf- und Effizienztechnik.
Quelle
[1] Krones AG: „Krones steigert Auftragseingang und Ertragskraft im ersten Halbjahr 2026 weiter“ (29. Juli 2026)
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