Qihoo 360 hat mit Nano Work eine KI-Agenten-Plattform vorgestellt, die ganze Arbeitsabläufe von Software-Agenten erledigen lässt. Gründer Zhou Hongyi verspricht 1.000 kleinen Betrieben den schnellen Einstieg. Der Vorstoß zeigt, wohin sich der betriebliche KI-Einsatz gerade verschiebt.

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Eine KI-Agenten-Plattform entsteht nicht über Nacht: 166 Versionen in fünf Monaten hat Qihoo 360 intern durchgespielt, bevor Nano Work am 28. Juli an den Start ging. Der chinesische Sicherheitskonzern verlagert sein Geschäft damit vom Virenschutz zur betrieblichen Automatisierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nano Work bündelt mehrere KI-Agenten zu einem Arbeitsplatz, der Aufgaben eigenständig erledigt.
  • 360 stellt Erstnutzern 100 Millionen Token gratis bereit und will 1.000 kleine Unternehmen beim KI-Einstieg begleiten.
  • Fünf Bausteine tragen die Plattform, darunter eine Multi-Agenten-Engine und ein Cloud-Büro.
  • Für deutsche Entscheider zählt weniger das Produkt als das Muster dahinter.

Was steckt in Nano Work?

Ein kleiner Roboter steht auf einer blauen Stempeluhr, daneben eine weitere Stempeluhr mit Karte
Nano Work stellt automatisch KI-Experten zusammen und wählt passende Sprachmodelle basierend auf Nutzerzielen aus

Agenten statt Chatbot. Nutzer geben Nano Work nur ein Ziel vor, dann stellt die Plattform automatisch passende KI-Experten zusammen und wählt das dazu passende Sprachmodell.[1] Fünf Bausteine tragen das System, darunter eine Multi-Agenten-Engine und ein Cloud-Büro.

Vom Modell zum Agenten. Zhou Hongyi ordnet den Schritt als Wende ein: Die Branche bewege sich vom Wettlauf um die besten Modelle zum Wettlauf um die besten Agenten. Beide entwickelten sich gemeinsam weiter, statt einander zu verdrängen.

Warum bauen Chinas Konzerne jetzt alle Agenten-Plattformen?

Ein Wettlauf. 360 steht nicht allein. In derselben Woche hob Meituan seinen Assistenten auf eine Stufe, die Aufgaben nicht nur beantwortet, sondern selbst ausführt; auf der Weltkonferenz für KI in Schanghai zeigten Baidu und weitere Anbieter eigene Agenten-Systeme.

Der Mechanismus. Der Reiz liegt in der Orchestrierung: Mehrere spezialisierte Agenten teilen sich eine Aufgabe, während die Plattform Modelle und Frameworks im Hintergrund verbirgt. Auch Kai-Fu Lees 01.AI schwenkt gerade auf dieses Enterprise-Geschäft um.

Nano Work in Zahlen
Womit Qihoo 360 seine KI-Agenten-Plattform an den Start bringt
100 Mio.
Token gratis je Erstnutzer zum Ausprobieren
1.000
kleine Unternehmen sollen zuerst KI einführen
56.000+
Rückmeldungen im internen Test gesammelt
166
Versionen in nur fünf Monaten durchlaufen

Vor dem Start hat 360 seine Agenten in über 1.000 echten Geschäftsszenarien im eigenen Haus erprobt.

Die Nachricht ist nicht das nächste chinesische Tool, sondern dass der Agenten-Arbeitsplatz zum Standard wird. Darauf braucht auch der deutsche Mittelstand bald eine eigene Antwort.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für den Mittelstand?

Kurz gesagt: Der betriebliche KI-Einsatz verschiebt sich vom Chatten zum Handeln. Wer Agenten selbst Aufgaben ausführen lässt, braucht klare Freigaben und Haftungsregeln, bevor die Automatisierung in den Echtbetrieb geht.

Bekannte Muster. Was 360 in China baut, kennen deutsche Firmen als Microsoft Copilot oder SAP Joule. Seit dem 2. August greifen die Transparenzpflichten des EU AI Act, und die Verantwortung liegt beim einsetzenden Unternehmen, nicht beim Anbieter.

Handeln heißt haften. Zhou Hongyi bringt das Risiko selbst auf den Punkt: Ein Modell, das sich irrt, sagt etwas Falsches; ein Agent, der sich irrt, tut etwas Falsches. Bevor ein Agent Rechnungen verschickt oder Datensätze ändert, gehören abgestufte Freigaben und eine klare Zuständigkeit fest, dazu ein lückenloses Protokoll jeder Agentenaktion.

Quelle

[1] East Money: „360 stellt die Enterprise-Agenten-Plattform Nano Work vor“

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