Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat ein Verfahren gegen Microsoft eröffnet. Im Kern steht die Frage, ob Abonnenten von Microsoft 365 den günstigeren Classic-Tarif je zu sehen bekommen haben, bevor ihr Vertrag auf die teurere Copilot-Variante umgestellt wurde. Auch Australien und Italien prüfen den Fall.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

25 Pfund im Jahr, rund 29 Euro, trennen in Großbritannien den Microsoft-365-Tarif mit Copilot vom Classic-Tarif ohne die KI-Funktionen. Genau diese Differenz beschäftigt die Competition and Markets Authority seit dem 29. Juli 2026. Der Vorwurf zielt nicht auf die Höhe des Preises, sondern auf die Kommunikation vor der Verlängerung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die CMA prüft seit dem 29. Juli 2026, ob Microsoft Privat- und Familienkunden vor der Vertragsverlängerung unvollständig informiert hat.
  • Seit Januar 2025 steckt Copilot in den Tarifen Personal und Family. Zum Ablauf ist das Abo automatisch auf der teureren Variante weitergelaufen.
  • Den Classic-Tarif ohne Copilot gab es weiter, aber nur befristet und nur für Bestandskunden.
  • Australien klagt bereits, Italien ermittelt. Microsoft drohen in Großbritannien bis zu 10 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes als Bußgeld.

Was wirft die CMA Microsoft konkret vor?

Kartenhalter mit Preis, Schlüssel und Text
CMA untersucht Microsofts Kommunikation zur Copilot-Verlängerung. Nutzer erfuhren nicht von der dritten Option: Classic-Tarif zum ursprünglichen Preis neben teurem Copilot-Tarif oder Kündigung

Die CMA untersucht, ob Microsofts Nachrichten vor der Verlängerung irreführend waren. Kunden sollen nicht klar erfahren haben, dass es neben dem teureren Copilot-Tarif und der Kündigung eine dritte Möglichkeit gab: den gleich ausgestatteten Classic-Tarif zum alten Preis.

Seit Januar 2025 hat Microsoft bestehenden Abonnenten Copilot ohne Aufpreis für die Restlaufzeit freigeschaltet. Zum Ende des Abos ist der Vertrag automatisch auf den teureren Tarif gewechselt, sofern der Kunde nicht eingegriffen hat. Neukunden bekamen die Tarife ohne die neuen Funktionen gar nicht mehr.[1]

In Großbritannien kostet Personal Classic 59,99 Pfund im Jahr, die Variante mit Copilot 84,99 Pfund, also rund 70 gegen 99 Euro (EZB-Referenzkurs vom 28. Juli 2026, 0,8555 Pfund je Euro).[1] „Ändert ein Unternehmen seine Abo-Tarife, brauchen die Kunden klare und rechtzeitige Informationen über ihre Optionen“, sagt Hayley Fletcher, Senior Director for Consumer Protection bei der CMA.

Warum hat kaum jemand den Classic-Tarif gefunden?

Laut der australischen Wettbewerbsbehörde ACCC haben Kunden den Classic-Tarif erst zu sehen bekommen, nachdem sie den Kündigungsvorgang gestartet hatten. Sichtbar waren bis dahin nur zwei Wege: der teurere Tarif oder das Ende des Abos.

Die ACCC hat Microsoft deshalb am 27. Oktober 2025 vor dem australischen Federal Court verklagt und wirft dem Konzern vor, rund 2,7 Millionen Abonnenten in die Irre geführt zu haben.[2] Der Jahrespreis für Personal ist dort um rund 45 Prozent gestiegen.

Der Mechanismus dahinter ist im Verbraucherrecht gut bekannt. Die günstige Option bleibt formal verfügbar, wandert aber an eine Stelle, die erst im Kündigungsdialog auftaucht. Microsofts deutsche Preisübersicht bestätigt das Muster: Ein Classic-Tarif kommt dort bis heute nicht vor.[3] Die italienische Kartellbehörde AGCM prüft zusätzlich, ob das Vorgehen eine aggressive Geschäftspraxis darstellt.[1]

Neu ist weniger der Vorwurf als das Instrument. Seit April 2025 darf die CMA selbst feststellen, ob Verbraucherrecht gebrochen wurde, ohne den Umweg über die Gerichte. Mit diesen Befugnissen hat sie bislang mehr als 1,95 Millionen Pfund an Erstattungen durchgesetzt und knapp 6,2 Millionen Pfund an Bußgeldern verhängt.[1]

Microsoft hat zuletzt Copilot in Excel und Outlook auf eigene Modelle umgestellt und bei GitHub Copilot die Flatrate abgeschafft. Wie stark Voreinstellungen den Ausschlag geben, zeigt auch die Mozilla-Studie zur Browserwahl unter Windows.

Der Streit dreht sich nicht um den Preis von Copilot, sondern um die Frage, an welcher Stelle im Bestellweg ein Anbieter die günstigere Option zeigen muss. Genau daran entscheidet sich, ob KI-Funktionen verkauft oder untergeschoben werden.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Copilot-Aufschlag in Zahlen

Was die KI-Umstellung bei Microsoft 365 kostet und welche Behörden sie prüfen

29 €
Mehrkosten pro Jahr

25 Pfund Unterschied zwischen Classic und Copilot-Tarif bei Microsoft 365 Personal in Großbritannien.

42 %
Aufpreis gegenüber Classic

59,99 gegen 84,99 Pfund im Jahr, also rund 70 gegen 99 Euro.

3
Behörden ermitteln

Großbritannien, Australien und Italien prüfen dieselbe Tarifumstellung.

10 %
Obergrenze für ein Bußgeld

Anteil am weltweiten Konzernumsatz, den die CMA nach britischem Verbraucherrecht verhängen darf.

Großbritannien

Personal Classic, ohne Copilot70 €
Personal, mit Copilot99 €
Family Classic, ohne Copilot93 €
Family, mit Copilot123 €

Deutschland

Single, vor Januar 202569 €
Single, heute99 €
Family, vor Januar 202599 €
Family, heute129 €

Was ändert sich für Abonnenten in Deutschland?

In Deutschland ist die Umstellung genauso verlaufen: Microsoft 365 Single kostet seit Januar 2025 statt 69 nun 99 Euro im Jahr, Family statt 99 nun 129 Euro. Classic-Tarife existieren auch hier, für Neukunden gilt aber ausschließlich der Preis mit Copilot.

Ein britisches Verfahren wirkt nicht über die Grenze hinaus. Der Maßstab in Deutschland steht in § 5a UWG, der die Irreführung durch Unterlassen erfasst und wesentliche Informationen genau dort verlangt, wo der Verbraucher entscheidet. Europäische Grundlage ist Artikel 7 der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken.

Die EU-Kommission arbeitet zudem am Digital Fairness Act gegen Dark Patterns, Abo-Fallen, erschwerte Kündigungen und irreführende Influencer-Werbung. Der erste Entwurf wird für Herbst 2026 erwartet, verbindlich wird das Regelwerk frühestens gegen Ende des Jahrzehnts. Damit gilt dieselbe Reihenfolge wie bei den Transparenzpflichten der KI-Verordnung: Die Regel steht, die Durchsetzung folgt später.

Prüfen Sie deshalb vor jeder Verlängerung im Microsoft-Konto unter „Dienste und Abonnements“, welcher Tarif hinterlegt ist und ob eine Classic-Variante angeboten wird. Heben Sie außerdem die Ankündigungs-E-Mail auf, denn diese Nachricht belegt im Streitfall, welche Optionen Microsoft genannt hat.

Die CMA hat bislang keine Schlussfolgerung darüber gezogen, ob Microsoft geltendes Recht gebrochen hat.[1] Bis zu einer Entscheidung bleibt die Kontrolle des eigenen Tarifs die verlässlichste Absicherung.

Quellen

[1] Competition and Markets Authority: „CMA investigates Microsoft over marketing of subscription plans“

[2] Australian Competition and Consumer Commission: „Microsoft in court for allegedly misleading millions of Australians over Microsoft 365 subscriptions“

[3] Microsoft: „Alle Microsoft 365-Pläne und -Preise vergleichen“

Mehr Newshunger?

4,2 15 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?