Microsoft tauscht in seinen meistgenutzten Produkten die Bild-KI von OpenAI gegen ein eigenes Modell. In PowerPoint läuft der Wechsel bereits, Bing und Copilot folgen. Für den größten Geldgeber von OpenAI ist das ein strategischer Bruch mit Signalwirkung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMicrosoft ersetzt die Bildgenerierung von OpenAI in PowerPoint, Bing und Copilot durch das hauseigene Modell MAI-Image-2.5. Hunderte Millionen Office-Nutzer erzeugen ihre KI-Grafiken damit ab sofort mit Microsofts eigener Technik. Hinter dem stillen Austausch steckt eine simple Rechnung: Jede Bildanfrage an ein fremdes Modell kostet Geld.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft ersetzt OpenAIs Bildmodelle in PowerPoint (bereits live), Bing und Copilot durch das eigene MAI-Image-2.5.
- Das Modell rangiert laut Microsoft auf Platz 2 der Arena-Bestenliste fürs Bildbearbeiten und auf Platz 3 bei der Text-zu-Bild-Generierung.
- MAI-Image-2.5 ist Teil einer ganzen Modellfamilie, mit der Microsoft die Abhängigkeit von OpenAI und die Rechenkosten senkt.
- Für Microsoft-365-Kunden im DACH-Raum wechselt damit das Standard-Bildmodell, ohne aktive Auswahl, mit Folgen für Compliance und Kennzeichnung.
Warum ersetzt Microsoft ausgerechnet die Bildmodelle?

Bildgenerierung ist rechenintensiv und läuft in Office-Produkten millionenfach. Wo OpenAIs Modell pro Anfrage abrechnet, spart Microsoft mit einem eigenen Modell bei jeder einzelnen Grafik und kontrolliert Kosten, Tempo und Moderation selbst.
Microsoft hat über die Jahre rund 13 Milliarden Dollar (etwa 11,3 Milliarden Euro, Umrechnungskurs 0,87, Stand 23.07.2026) in OpenAI investiert und dessen Modelle tief in Office, Bing und Copilot verankert, wo zuletzt schon die Moderationsregeln der eingekauften Modelle für Diskussionen gesorgt haben. Genau diese Reichweite macht den Austausch lohnend: Jede in PowerPoint oder Bing erzeugte Grafik lief bisher über eine kostenpflichtige Schnittstelle.
Mit MAI-Image-2.5 fällt dieser Posten weg. Microsoft nennt für das Modell einen Listenpreis von 47 Dollar (rund 41 Euro) je Million erzeugter Bild-Token, die schnellere Flash-Variante kostet weniger als die Hälfte.[1] Wichtiger als der Preis ist die Kontrolle: Latenz, Inhaltsfilter und Datenverarbeitung liegen jetzt bei Microsoft selbst.
Was steckt hinter der MAI-Strategie?
MAI-Image-2.5 gehört zu einer ganzen Modellfamilie aus eigenem Haus, die von Sprache über Bild bis zur Transkription reicht. Microsoft baut damit systematisch eine Alternative zu OpenAI auf und macht sich vom einstigen Vorzeigepartner unabhängig.
Der Bildwechsel ist kein Einzelfall, sondern der bisher sichtbarste Schritt eines Musters. Auf seiner Build-Konferenz hat Microsoft im Juni gleich mehrere hauseigene Modelle vorgestellt, darunter den Sprachsynthesizer MAI-Voice und das Transkriptionsmodell MAI-Transcribe. Die Bild-KI verdrängt nun als erste einen OpenAI-Dienst direkt im Massenprodukt, wie Bloomberg berichtet.
Der Schritt reiht sich in eine Branchenbewegung ein: Große Cloud-Anbieter lösen ihre Abhängigkeit von einem einzigen Modelllieferanten. Amazon setzt neben eigenen Modellen auf Anthropic, Google auf Gemini. In Europa positioniert sich Microsoft zusätzlich mit Partnern wie Mistral für regulierte Branchen.
Ein eingekauftes KI-Modell kostet Marge und Kontrolle zugleich. Microsoft zeigt, dass die eigentliche Macht bei dem liegt, der das Modell besitzt, nicht bei dem, der es nur lizenziert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Listenpreis je Million erzeugter Bild-Token (Foundry, in Euro)
Was bedeutet der Modellwechsel für Unternehmen im DACH-Raum?
Für Microsoft-365-Kunden ändert sich das Standard-Bildmodell in Copilot und PowerPoint, ohne dass sie es aktiv auswählen. IT-Verantwortliche sollten dokumentieren, welches Modell ihre Bilder erzeugt, denn Datenverarbeitung und Kennzeichnung hängen daran.
Für Entscheider im DACH-Raum ist der stille Wechsel mehr als eine Randnotiz. Microsoft 365 ist in vielen Unternehmen gesetzt, und mit dem Modelltausch verändert sich, wo und wie die KI-Bilder entstehen. Betroffen sind die DSGVO-Dokumentation ebenso wie interne Freigabeprozesse.
Regulatorisch kommt der EU AI Act hinzu: Anbieter großer KI-Modelle mit systemischem Risiko müssen für angemessene Cybersicherheit sorgen und schwere Vorfälle an das EU-KI-Büro melden.[2] Generierte Bilder unterliegen zudem einer Kennzeichnungspflicht, die maschinenlesbar sein muss.
Konkret sollten IT-Verantwortliche im Admin-Center prüfen, welches Bildmodell Copilot aktuell nutzt, und die Angabe in die eigenen Compliance-Unterlagen übernehmen. Vor jeder Veröffentlichung bleibt die maschinenlesbare Kennzeichnung KI-generierter Grafiken Pflicht.
Quellen
[1] Microsoft AI: „Introducing MAI-Image-2.5″ ↩
[2] Europäische Kommission: „General-Purpose AI Models in the AI Act (Fragen und Antworten)“ ↩
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