Die Endung .web gehört zu den letzten großen Wörtern, die im Netz noch frei waren. Nach einem Jahrzehnt Streit hat die Internetverwaltung ICANN sie an Verisign delegiert. Für Website-Betreiber und Markeninhaber beginnt damit ein kurzes Zeitfenster.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 117 Millionen Euro hat der Weg zur Domain-Endung .Web gekostet, und er hat zehn Jahre gedauert. Am 22. Juli 2026 hat ICANN die Top-Level-Domain in die Root-Zone der DNS eingetragen und damit den längsten Rechtsstreit der jüngeren Domain-Geschichte beendet.[1] Verisign, Betreiber der Endungen .com und .net, darf .web nun vermarkten.
Das Wichtigste in Kürze
- ICANN hat .web am 22. Juli 2026 in die DNS-Root-Zone delegiert; der Verkauf über Vertriebspartner ist noch für dieses Jahr geplant.
- Verisign sicherte sich die Endung 2016 in einer Auktion für 135 Millionen Dollar, rund 117 Millionen Euro (Kurs 0,87 zum 23. Juli 2026).
- Der unterlegene Bieter Altanovo, früher Afilias, hat jahrelang die ICANN-Schiedsstelle bemüht; 2023 hat der ICANN-Vorstand endgültig zugunsten von Verisign entschieden.
- Für Marken zählt vor allem die Sunrise-Phase, denn nur dort lassen sich geschützte Namen vor dem freien Verkauf sichern.
Warum kommt .Web erst jetzt?

Begehrt war die Endung .web schon in der großen gTLD-Runde 2012. Gewonnen hat die Versteigerung 2016 aber nicht Verisign selbst, sondern die kleine Firma Nu Dot Co mit einem Gebot von 135 Millionen Dollar, mehr als dem Dreifachen des bisherigen Auktionsrekords. Wenige Tage später ist herausgekommen: Verisign hatte das Gebot finanziert und sich die Endung vertraglich zusichern lassen.
Genau diese Konstruktion hat den Streit ausgelöst. Der zweitplatzierte Bieter Afilias, heute Altanovo, hat die Auktionsregeln für verletzt gehalten und 2018 die unabhängige Schiedsstelle von ICANN angerufen. Erst 2021 hat ein Schiedsspruch die Frage an den ICANN-Vorstand zurückverwiesen, der 2023 kein Fehlverhalten festgestellt hat. Auch das US-Justizministerium hatte den Deal geprüft und die Untersuchung 2018 ohne Auflagen eingestellt.
Was hat Verisign mit der Endung vor?
Verisign begründet den Zukauf damit, dass bei .com die guten Namen knapp werden. Der eigentliche Grund liegt tiefer. Als Betreiber von .com verwaltet Verisign die mit über 150 Millionen Adressen größte Endung der Welt, allerdings zu einem Preis, den der Vertrag mit ICANN und der US-Regierung deckelt. Eine frische Endung wie .web unterliegt dieser Preisbindung nicht.
Für Verisign wird .web damit zum ersten großen generischen Wort mit selbst bestimmtem Preis. Genau das hatten Kritiker wie Altanovo und Wettbewerbshüter befürchtet: Der Marktführer sichert sich die aussichtsreichste Alternative zu .com. Wann der Verkauf startet und was eine .web-Adresse kostet, hat Verisign offengelassen.
Eine neue Endung wie .web verbessert kein Google-Ranking und ersetzt für ein deutsches Unternehmen nicht das vertraute .de. Teuer wird eher der Verzicht, weil sich sonst Fremde den eigenen Markennamen sichern.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die drei Endungen im Vergleich
Was bedeutet .Web für Unternehmen im DACH-Raum?
Für den deutschsprachigen Markt bleibt .de die erste Wahl. Mit über 17 Millionen Registrierungen zählt die Länderendung zu den größten der Welt und gilt bei deutschen Kunden als Vertrauenssignal. An dieser Stellung ändert eine .web-Adresse kurzfristig nichts.
Praktisch relevant wird .web vor allem defensiv. Markeninhaber sollten die Sunrise-Phase im Blick behalten, in der sich Namen aus dem Trademark Clearinghouse vor dem allgemeinen Verkauf reservieren lassen. Eine im Clearinghouse hinterlegte Marke sichert den passenden .web-Namen, bevor Dritte zugreifen.
Einen SEO-Vorteil bringt die Endung nicht. Google behandelt neue Top-Level-Domains wie jede andere; für Sichtbarkeit in der Suche und in KI-Antworten zählen gute Inhalte und Autorität, nicht das Wort hinter dem Punkt.
Konkret heißt das: Markeninhaber prüfen jetzt, ob ihr Name im Trademark Clearinghouse steht, und behalten Verisigns Ankündigungen zur Sunrise-Phase im Auge. Für alle anderen bleibt .web eine Branding-Option, kein Muss. Wichtiger als die Endung bleibt eine schnelle, gut gepflegte Website.
Quelle
[1] Verisign: „Verisign Announces Delegation of .Web“ (Business Wire, 22. Juli 2026) ↩
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