Die EU-Kommission hat gegen Google eine Strafe von 890 Millionen Euro verhängt, die erste unter dem Digital Markets Act gegen den Konzern. Im Zentrum stehen zwei Verstöße: die Selbstbevorzugung eigener Dienste in der Suche und die Fesselung von App-Entwicklern im Play Store. Für alle, die um Sichtbarkeit bei Google ringen, wiegt die angeordnete Pflicht zum fairen Ranking schwerer als die Summe.

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460 Millionen Euro für die Suche, 430 Millionen für den Play Store: Am 23. Juli 2026 hat die EU-Kommission Google unter dem Digital Markets Act zur Kasse gebeten.[1] Die eigentliche Nachricht steckt aber nicht in der Strafhöhe, sondern in dem, was Brüssel von Google jetzt verlangt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 890 Millionen Euro Gesamtstrafe, aufgeteilt in 460 Millionen für die Selbstbevorzugung in der Suche und 430 Millionen für Anti-Steering im Play Store.
  • Google muss Dienste Dritter künftig fair und diskriminierungsfrei ranken und Entwicklern erlauben, außerhalb des Play Stores auf günstigere Angebote zu verweisen.
  • 60 Tage bleiben für die Umsetzung, bei Verstoß drohen Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des weltweiten Tagesumsatzes.
  • Erste DMA-Strafe gegen Google überhaupt, nach Apple und Meta im April 2025.

Warum sind 890 Millionen für Google fast eine Fußnote?

Alte Waage auf Holztisch mit Preisschild und Papierstapel
EU verhängt 50-Mio-Euro-Strafe gegen Google. Möglich wären bis zu 10% des Jahresumsatzes, im Wiederholungsfall 20%

Gemessen am Maximum wirkt die Strafe fast bescheiden. Der Digital Markets Act erlaubt Bußgelder von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, im Wiederholungsfall bis zu 20 Prozent. Bei einem Konzern von Alphabets Größe läge diese Obergrenze im zweistelligen Milliardenbereich.

Verhalten statt Vergeltung ist das erklärte Ziel der Verordnung. Die Kommission hat Google sogar substanzielle Fortschritte bei der Umstellung der Suchdarstellung und der Steuerungsregeln bescheinigt.

Der wahre Hebel ist deshalb nicht das Geld, sondern die Auflage. Faires Ranking für Dienste Dritter und ein offener Weg für Entwickler an Google vorbei wiegen schwerer als eine Summe, die Alphabet aus der Portokasse begleicht.

Dieselbe Selbstbevorzugung, nur schneller bestraft?

Bekanntes Muster: Neu ist der Vorwurf nicht. Schon 2017 hat die Kommission Google für die Bevorzugung des eigenen Preisvergleichs mit 2,42 Milliarden Euro belegt, ein Fall, den der Europäische Gerichtshof im September 2024 endgültig bestätigt hat. Der DMA ahndet dasselbe Verhalten nur schneller und ohne jahrelange Marktanalyse.

Teil einer Serie: Die Strafe reiht sich in die junge DMA-Durchsetzung ein. Im April 2025 hat Brüssel bereits Apple mit 500 und Meta mit 200 Millionen Euro belegt, und erst vor einer Woche hat die Kommission Google die Öffnung von Android-Funktionen und Suchdaten für KI-Rivalen vorgeschrieben.

Nicht die 890 Millionen Euro schmerzen Google, sondern der Zwang, die eigene Suche für Wettbewerber zu öffnen. Genau dort entscheidet sich, wer im KI-Zeitalter überhaupt noch sichtbar bleibt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
890 Millionen Euro: Googles erste DMA-Strafe
Wofür Brüssel Google am 23. Juli 2026 zur Kasse bittet
890 Mio. €
Gesamtstrafe unter dem Digital Markets Act
460 Mio. €
für Selbstbevorzugung eigener Dienste in der Suche
430 Mio. €
für Anti-Steering im Google Play Store
60 Tage
Frist zur Umsetzung der Auflagen
5 %
Zwangsgeld je Tag vom weltweiten Tagesumsatz bei Verstoß

Kein neuer Vorwurf

Dieselbe Selbstbevorzugung kostete Google 2017 bereits 2,42 Milliarden Euro im Fall Google Shopping. Das Landgericht Berlin sprach dem Preisvergleich Idealo im November 2025 zusätzlich 465 Millionen Euro Schadenersatz zu.

Was bedeutet die Google-Strafe für SEO im DACH-Raum?

Vor deutschen Gerichten ist die Selbstbevorzugung längst angekommen. Das Landgericht Berlin hat Google im November 2025 zu 465 Millionen Euro Schadenersatz an das Preisvergleichsportal Idealo verurteilt, das ursprünglich 3,3 Milliarden gefordert hatte. Faires Ranking ist damit ein handfester Wettbewerbsfaktor für deutsche Anbieter.

Chance für Wettbewerber: Betreiber, die mit Idealo, Check24 oder Trivago konkurrieren oder eine eigene Nische bedienen, könnten sichtbarer werden, sobald Google eigene Boxen nicht länger über die organischen Treffer stellt. Dasselbe verlagert sich in die generative Suche, wo Sichtbarkeit in KI-Antworten zum eigenen Wettbewerb wird.

Jetzt handeln: Prüfen Sie, für welche Suchbegriffe eigene Google-Dienste heute Ihre organischen Treffer verdrängen, und dokumentieren Sie den Effekt als Beleg. Verlagern Sie außerdem Sichtbarkeit dorthin, wo Google keine Torwächter-Rolle innehat, etwa in die generative Suche nach den Regeln der Generative Engine Optimization.

Quelle

[1] Europäische Kommission: „Commission fines Google €890 million for breaches of the Digital Markets Act“ (23. Juli 2026)

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