Die EU-Kommission hat Google am 16. Juli 2026 zwei verbindliche Spezifizierungsbeschlüsse nach dem Digital Markets Act zugestellt. Fremde KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude erhalten künftig denselben Android-Zugriff wie Gemini, und Wettbewerber bekommen anonymisierte Suchdaten.

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Google bekommt für den Digital Markets Act erstmals ein behördliches Pflichtenheft: Zwei Beschlüsse der EU-Kommission legen bis ins Detail fest, wie der Konzern Android für konkurrierende KI-Assistenten öffnen und die Suchdaten teilen muss[1]. Rund 60 Prozent der EU-Nutzer verwenden ein Android-Gerät, entsprechend groß ist der Hebel der Behörde.

Das Wichtigste in Kürze

  • Android 18 muss bis zum 1. August 2027 elf Kernfunktionen für fremde KI-Assistenten bereitstellen, von der Sprachaktivierung bis zum Zugriff auf das On-Device-Modell Gemini Nano.
  • Ab Januar 2027 erhalten Suchmaschinen und KI-Chatbots mit Suchfunktion anonymisierte Ranking-, Query-, Klick- und View-Daten von Google Search, zu einem Preis nahe den Bereitstellungskosten.
  • Bei Verstößen gegen den DMA drohen Bußgelder von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Was genau hat Brüssel beschlossen?

Schlüssel mit „Brüssel“-Anhänger, Dose „Bürokratie-Späne“ und orange EU-Fahne
Kommission zwingt Google, elf Android-Funktionen für KI-Assistenten zu öffnen und Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen

Die Kommission hat am 16. Juli 2026 zwei verbindliche Spezifizierungsbeschlüsse erlassen: Google muss elf Android-Funktionen für fremde KI-Assistenten öffnen (Artikel 6(7) DMA) und anonymisierte Suchdaten zu fairen Konditionen mit Wettbewerbern teilen (Artikel 6(11) DMA).

Die beiden Verfahren laufen seit Januar 2026 und enden nicht mit einer Strafe, sondern mit einer Gebrauchsanweisung: Brüssel schreibt dem Gatekeeper vor, wie Compliance konkret auszusehen hat. Marktöffnung statt Bußgeld liegt in Brüssel im Trend; SAP hat einer EU-Kartellstrafe zuletzt durch die Öffnung des Wartungsmarkts entgehen können.

EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen hofft auf „neue Alternativen zu Google Search und zu Googles KI-Diensten wie Gemini“. Googles oberster Jurist Kent Walker hält dagegen: Die Beschlüsse riskierten, „zentrale Schutzmechanismen für Privatsphäre und Sicherheit von Millionen Europäern auszuhöhlen“[2].

Welche Android-Funktionen muss Google öffnen?

Elf Funktionen in vier Gruppen: Sprach- und Tastenaktivierung, Kontextzugriff auf App- und Sensordaten, Aktionen wie App-Steuerung, Bildschirm-Automation und Systemeinstellungen sowie Ressourcen wie Hintergrundausführung und das On-Device-Modell Gemini Nano.

Nutzer wecken ihren bevorzugten Assistenten damit künftig per Sprachbefehl und lassen direkt in Apps arbeiten: Der Assistent bucht dann etwa ein Taxi oder schlägt Antworten in Chat-Apps vor. Bislang besitzt nur das vorinstallierte Gemini diesen Vollzugriff, Drittanbieter arbeiten mit angezogener Handbremse.

Der Zeitplan ist sportlich: Mit Android 18 müssen die elf Funktionen spätestens zum 1. August 2027 bereitstehen, die parallele Hotword-Erkennung mehrerer Assistenten folgt mit Android 19 ein Jahr später[3]. Zugriff erhält nur, wer Googles objektive Sicherheits- und Datenschutzkriterien erfüllt.

Die Kommission verhängt kein Bußgeld, sondern schreibt Google ein Pflichtenheft. Genau deshalb wirkt der Beschluss stärker als jede Strafe: Der Gemini-Vorsprung schmilzt per Verwaltungsakt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Googles Zwangsöffnung: Die DMA-Beschlüsse vom 16. Juli 2026
Was die EU-Kommission Google für Android und die Suche vorschreibt
11
Android-Funktionen muss Google für fremde KI-Assistenten öffnen
60 %
der EU-Nutzer verwenden ein Android-Gerät
1.000
Nutzer umfasst jede anonymisierte Suchdaten-Gruppe mindestens
10 %
des weltweiten Jahresumsatzes drohen bei DMA-Verstößen als Bußgeld

So geht der Fahrplan weiter

Januar 2027
Google Search stellt Wettbewerbern anonymisierte Ranking-, Query-, Klick- und View-Daten bereit, das Preismodell ist final.
1. Mai 2027
Die finalen Sicherheits- und Datenschutzkriterien für den Android-Zugang fremder KI-Assistenten sind veröffentlicht.
1. August 2027
Android 18 stellt alle elf Funktionen bereit, von der Sprachaktivierung bis zum Zugriff auf Gemini Nano.
1. August 2028
Android 19 erlaubt die parallele Hotword-Erkennung mehrerer KI-Assistenten auf demselben Gerät.

Was bedeutet der Beschluss für Suche, SEO und GEO?

Der Suchdaten-Zugang ab Januar 2027 senkt die Eintrittshürde für alternative Suchmaschinen und KI-Chatbots deutlich. Sichtbarkeit entsteht künftig in mehreren Assistenten parallel; Inhalte müssen dafür zitierfähig und strukturiert aufbereitet sein.

Das Instrument hat ein Vorbild: Im März 2025 hat die Kommission Apple per Spezifizierungsbeschluss zur iOS-Öffnung verpflichtet, jetzt trifft dieselbe Logik Google. Der DMA von 2022 erwähnt KI-Assistenten mit keinem Wort; mit den neuen Beschlüssen dehnt Brüssel die Gatekeeper-Pflichten erstmals systematisch auf den KI-Markt aus. Parallel fordern fünf Cloud-Verbände ein EU-Eilverfahren gegen Broadcom.

Bei den Suchdaten greift ein mehrstufiges Anonymisierungsverfahren: Direkte Identifikatoren und sensible Anfragen verschwinden, jede Datengruppe muss mindestens 1.000 Nutzer bündeln. Anspruch haben Suchmaschinen und KI-Chatbots mit Suchfunktion ab 50.000 monatlichen EU-Nutzern, ausdrücklich auch OpenAI, das vor dem EU-Gericht gerade erst einen Markenstreit verloren hat.

Für den DACH-Markt kommen die Vorgaben zur rechten Zeit: Erst am 14. Juli hat die deutsche Medienaufsicht KI-Antworten von Google und Perplexity zu eigenen Inhalten erklärt, und die Berliner Suchmaschine Ecosia zählt zu den möglichen Datenempfängern. Wie Inhalte in KI-Suchsystemen sichtbar werden, zeigt unser GEO-Ratgeber.

Entscheider richten ihre Suchstrategie deshalb am besten schon jetzt auf mehrere Systeme aus, mit gepflegten strukturierten Daten und zitierfähigen Inhalten; ab Januar 2027 zeigt sich dann, welche Alternativen aus den Google-Daten entstehen. Der Wettbewerb um den Platz hinter dem Hotword ist eröffnet.

Quellen

[1] Europäische Kommission: „Commission provides guidance to Google for AI interoperability on Android and sharing of Google Search data under the Digital Markets Act“

[2] Google, Kent Walker: „The DMA should not undercut security & privacy for Europeans“

[3] Europäische Kommission: „Q&A on the Alphabet specification decision on interoperability for AI services“

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