105 Gründer aus dem Y-Combinator-Netzwerk arbeiten heute bei OpenAI oder Anthropic, die meisten als angestellte Entwickler ohne Führungsrolle. Die Auswertung des Projekts Startups.RIP zeigt erstmals in Zahlen, wie stark die beiden KI-Labore Talent aus der Startup-Szene anziehen. Für Entscheider steckt darin ein Signal, das weit über das Silicon Valley hinausreicht.

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Die YC-Gründer zieht es zu OpenAI und Anthropic, und seit dem 13. Juli folgt ihnen sogar einer ihrer Mentoren: Y-Combinator-Partner Tom Blomfield, Mitgründer der Digitalbank Monzo, hat an diesem Tag seinen Wechsel zu Anthropic bekannt gegeben. Blomfield geht damit einen Weg, den zwei Datenanalysten nun erstmals systematisch vermessen haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • 105 Karrieren: Das Projekt Startups.RIP zählt 70 Ex-Gründer bei OpenAI und 35 bei Anthropic.
  • 60 Prozent davon arbeiten als „Member of Technical Staff“, nur 7 Prozent in einer Führungsposition.
  • Bekanntes Muster: Der Trend folgt den Reverse Acquihires, die Microsoft, Google, Amazon und Meta vorgemacht haben.
  • Prominenter Neuzugang: YC-Partner Tom Blomfield wechselt in Anthropics Compute-Team.

Was zeigt die Auswertung der Gründer-Karrieren?

Schwarzer Bürostuhl mit Namensschild von Max Müller und Kaffeetassen-Logo an der Seite
105 gescheiterte Startup-Gründer arbeiten bei KI-Laboren: 70 bei OpenAI, 35 bei Anthropic

Datengrundlage: Oscar und Javokhir, die Macher des Projekts Startups.RIP, haben 1.841 gescheiterte oder verkaufte Startups untersucht und nachverfolgt, wo deren Gründer heute arbeiten.[1] 105 von ihnen sind bei den beiden großen KI-Laboren gelandet: 70 bei OpenAI, 35 bei Anthropic.

Rollenwechsel: Bemerkenswert ist weniger, wohin die Gründer gehen, sondern in welcher Rolle sie ankommen. 60 Prozent der Gewechselten tragen den Titel „Member of Technical Staff“, die Standardbezeichnung für angestellte Entwickler und Forscher. Ehemalige CEOs und CTOs schreiben also wieder selbst Code, nur 7 Prozent haben eine Führungsrolle übernommen.

Größenordnung: Gemessen an den mehr als 5.000 Startups, die Y Combinator seit 2005 finanziert hat[3], bleibt die Quote klein. Als Trendsignal taugt sie trotzdem, denn allein aus den YC-Batches des Jahres 2024 zählt die Auswertung 14 Übertritte.

Warum geben Gründer das eigene Startup auf?

Etabliertes Muster: Die Bewegung folgt einem bekannten Drehbuch. Microsoft hat im März 2024 Inflection-Mitgründer Mustafa Suleyman samt dem Großteil des Teams übernommen, Google hat die Character.AI-Gründer zurückgeholt, Amazon die Führungsriege von Adept eingestellt, und Meta hat sich 2025 Scale-AI-Chef Alexandr Wang gesichert. Solche Reverse Acquihires übertragen Talent ohne formale Übernahme und haben den Schritt vom Chefsessel in die Angestelltenrolle normalisiert.

Wirtschaftliche Logik: Anthropic drängt mit einer Bewertung von 840 Milliarden Euro an die Börse, und Aktienpakete dieser Größenordnung versprechen vielen Ex-Gründern mehr als ein weiterer Anlauf mit ungewissem Ausgang. Dazu kommt die Mission: „Leistungsfähige KI hat das Potenzial, das Leben jedes Menschen auf der Erde zu verbessern“, hat Blomfield seinen Wechsel in das Compute-Team von Anthropic-Mitgründer Tom Brown begründet.[2]

Die wichtigste Zahl ist nicht die 105, sondern die 60 Prozent: Aus Kapitänen werden freiwillig Matrosen. Das sagt mehr über die Anziehungskraft der KI-Labore als jede Bewertungsrunde.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Vom eigenen Startup ins KI-Labor
105 Gründerkarrieren aus dem Y-Combinator-Umfeld im Überblick
70
Ex-Gründer arbeiten heute bei OpenAI
35
Ex-Gründer arbeiten heute bei Anthropic
60 %
tragen den Titel „Member of Technical Staff“
7 %
haben noch eine Führungsrolle

Was die Ex-Gründer heute machen

Member of Technical Staff60 %
Forschung & Safety10 %
Ohne Angabe10 %
Vertrieb & Partnerschaften8 %
Führung7 %
Daten, Produkt & Design6 %

Was bedeutet die Talentkonzentration für Entscheider?

Doppelte Verknappung: Die Labore konkurrieren längst nicht mehr nur um Kunden, sondern um genau die Leute, die sonst gründen oder in die Tech-Teams des Mittelstands wechseln würden. Deutsche Arbeitgeber trifft das an zwei Fronten, denn während die Labore erfahrene Senior-Entwickler an sich ziehen, hat die KI zugleich den Einstiegsmarkt für Junioren abgeräumt.

Gegenbewegung: Die Bewegung verläuft allerdings nicht nur in eine Richtung. Ex-OpenAI-Managerin Mira Murati hat mit Thinking Machines gerade ein eigenes offenes KI-Modell veröffentlicht, und Anthropic baut mit Finanzinvestoren eine eigene Umsetzungsschicht für Unternehmenskunden auf. Für Personalplaner heißt das: Wechselwillige Ex-Gründer sind ein unterschätzter Talentpool, und die Konditionen der Labore setzen den Maßstab für jedes Angebot an Senior-Tech-Talent. Weitere Analysen finden Sie in unserer KI-Rubrik.

Quellen

[1] Startups.RIP: „Where are YC founders now?“

[2] Tom Blomfield auf X: Ankündigung des Wechsels zu Anthropic (13. Juli 2026)

[3] Y Combinator: „The YC Startup Directory“

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