Die Knorr-Bremse-Tochter KB Signaling modernisiert die Signaltechnik der privaten Erzbahn von Fortescue in Westaustralien. Der Auftrag liegt im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und läuft bis Mitte 2027. Der Deal zeigt, wie schnell sich ein Schienennetz digitalisieren lässt, sobald der Betreiber selbst zahlt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKnorr-Bremse holt seine Signalsparte nach Australien: Der Bergbaukonzern Fortescue lässt die Zugsteuerung seiner Erzbahn in der Pilbara-Region aufrüsten[1]. Bis zu 5.000 Tonnen wiegt dort ein beladener Erzzug, und künftig erhält der Zug neue Fahrdaten bei voller Fahrt statt im Stillstand.
Das Wichtigste in Kürze
- KB Signaling rüstet Fortescues Zugsteuerungssystem ITCS auf die Plattform ElectroLogIXS um; das Volumen liegt im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
- Die Arbeiten laufen schrittweise bis Mitte 2027, über Hunderte Kilometer Strecke in Westaustralien.
- Neu hinzu kommen der digitale Gleisstromkreis EC6 für hochpräzise Zugortung und Rail TempEst für die Echtzeitmessung der Schienentemperatur.
- Zugparameter lassen sich künftig remote und in Echtzeit aktualisieren; die Züge müssen dafür nicht mehr anhalten.
Was baut Knorr-Bremse bei Fortescue um?

KB Signaling migriert das bestehende Zugsteuerungssystem ITCS der Fortescue-Erzbahn auf die Plattform ElectroLogIXS, ergänzt um den digitalen Gleisstromkreis EC6 für hochpräzise Zugortung und das Monitoring-System Rail TempEst. Die Umsetzung läuft schrittweise bis Mitte 2027.
Fortescue fährt sein Eisenerz auf einer eigenen Strecke über Hunderte Kilometer von den Minen zu den Verladehäfen, quer durch Wüstengebiet. Der Auftrag hat ein Volumen im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich; KB Signaling rüstet dabei im laufenden Betrieb nach, statt neu zu bauen.
„Fortescue ist und bleibt Vorreiter bei der Einführung fortschrittlicher Bahntechnologien und stellt deren Mehrwert unter anspruchsvollen Bedingungen täglich unter Beweis“, sagt Jeff Baker, Managing Director von KB Signaling. Die Sparte ist 2024 aus dem Zukauf des nordamerikanischen Signalgeschäfts von Alstom hervorgegangen[2].
Warum zählt in der Wüste jedes Grad auf der Schiene?
Hitze dehnt Schienen aus und kann das Gleis verwerfen. Ohne Messdaten bremsen Betreiber im Zweifel ganze Streckenabschnitte pauschal ein. Rail TempEst misst die Schienentemperatur in Echtzeit, damit Fortescue Tempolimits gezielt setzt und die Auslastung des Netzes steigt.
Der zweite Hebel heißt Zugortung: Der digitale Gleisstromkreis EC6 meldet präziser, wo ein Zug unterwegs ist, und erlaubt damit eine dichtere Zugfolge auf den langen Abschnitten. Bislang muss ein Zug für geänderte Zugparameter anhalten; künftig laufen solche Updates remote und in Echtzeit.
Zentralisierte Zugsteuerung braucht allerdings robuste Kommunikation. Wie schnell ein Netz stillsteht, sobald der Funk versagt, hat der Zugfunk-Ausfall bei der Deutschen Bahn Anfang Juli gezeigt: zwei Stunden Stillstand trotz eingeplanter Redundanz.
Fortescue behandelt Signaltechnik wie Software: Update aufspielen, weiterfahren. Europas Bahnsektor plant für denselben Schritt in Jahrzehnten.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt der Deal für Europas Schiene?
Knorr-Bremse baut die Signaltechnik zum zweiten Standbein neben dem Bremsgeschäft aus und beziffert den weltweiten Markt für Zugsteuerung auf bis zu 20 Milliarden Euro. Der Fortescue-Auftrag führt zugleich das Tempo privater Netze vor: Umbau in rund zwei Jahren statt in Jahrzehnten.
Die von Alstom übernommene Einheit bringt rund 800 Beschäftigte und etwa 300 Millionen Euro Jahresumsatz mit[2]. Australien wird nun zum Expansionsfeld über Nordamerika hinaus, und die Region liefert das passende Umfeld: In der Pilbara rollen längst fahrerlose Erzzüge, und Fortescue erprobt mit dem Infinity Train einen Batteriezug, der seine Akkus beim beladenen Bergabfahren selbst lädt.
Europa arbeitet im selben Zeitraum an den Grundlagen: Allein der Wechsel des Zugfunks auf den 5G-Standard FRMCS läuft bis 2040, wie der jüngste Kontron-Großauftrag belegt. Parallel legen Sabotageakte auf Kabelschächte offen, wie verwundbar die Bestandsinfrastruktur bleibt.
Für Entscheider mit eigener Infrastruktur taugt das Projekt als Blaupause: erst Sensorik und präzise Ortung nachrüsten, dann den Betrieb automatisieren. Der teure Neubau ist selten der erste Schritt, die Nachrüstung im Bestand fast immer.
Quellen
[1] Knorr-Bremse: „Fortescue setzt bei Bahninfrastruktur-Upgrade in Australien auf smarte Lösungen von Knorr-Bremse“ ↩
[2] Knorr-Bremse: „Signaling technology as growth market: Knorr-Bremse finalizes acquisition of Alstom Signaling North America“ ↩
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