OpenAI hat die Anzeigenschaltung in ChatGPT für Unternehmen jeder Größe geöffnet und Budget-Untergrenzen gestrichen. Für das Suchmaschinen- und GEO-Marketing verschiebt sich damit eine Grenze, die Firmenchef Sam Altman selbst noch als heikel bezeichnet hat.

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Werbung in ChatGPT galt bei OpenAI lange als Tabu. „Ich halte Werbung eher für einen letzten Ausweg als Geschäftsmodell“, sagte Firmenchef Sam Altman im Oktober 2024 bei einem Gespräch an der Harvard University. Gut anderthalb Jahre später steht die Anzeigenplattform allen Unternehmen offen, ohne Mindestbudget.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Anzeigen erscheinen unter der Antwort, klar als „Sponsored“ gekennzeichnet und von der Antwort getrennt.
  • Betroffen sind nur der Gratis- und der Go-Tarif; Plus, Pro und alle Business-Pläne bleiben werbefrei, ebenso Nutzer unter 18.
  • Der Selbstbedienungs-Zugang ist offen, die Budget-Untergrenzen sind gefallen.
  • Bislang läuft die Schaltung nur für eingeloggte US-Nutzer, nicht im DACH-Raum.

Was OpenAI jetzt freischaltet

Die Anzeige besteht aus Firmenname, Bild, Schlagzeile und Beschreibung und erscheint am Ende einer Antwort, sobald ein Produkt oder Dienst zum Gesprächsverlauf passt. Ausgespielt wird nach den Stichworten im laufenden Chat, nicht nach einem klassischen Keyword-Gebot.

Ein neues, größeres Format ergänzt das bisherige Standardmodul um ein anpassbares Bild und einen Handlungsknopf mit Optionen wie „Jetzt kaufen“ oder „Termin buchen“. Für den Handel kommt eine Variante mit Preis und Kundenbewertungen dazu. Als Testpartner der ersten Stunde nennt OpenAI unter anderem Target, Adobe, Williams-Sonoma und Albertsons.

Wichtig für zahlende Kunden: Keine Werbung sehen Nutzer der Tarife Plus, Pro und aller Business-Pläne, und niemand, den OpenAI jünger als 18 einschätzt.[2]

Warum ausgerechnet jetzt?

OpenAI braucht vor dem geplanten Börsengang eine zweite Erlösquelle neben den Abos. Die Gratisnutzer machen den Großteil der ChatGPT-Basis aus und zahlen bislang nichts. Werbung macht genau diese Reichweite erstmals zu Umsatz.

Der Druck ist real: Der Konzern hat bereits sein IPO-Prospekt bei der SEC eingereicht, und Abo-Umsatz allein deckt die Rechenkosten nicht. Der strukturelle Haken steckt aber im Produkt selbst. Eine Antwortmaschine liefert eine einzige Antwort statt zehn blauer Links, weshalb der Interessenkonflikt zwischen Nutzer und Werbekunde schärfer ausfällt als in der klassischen Suche. Genau das meinte Altman mit seinem Vorbehalt. Vorerst sitzt die Werbung sichtbar getrennt unter der Antwort.

Werbung in ChatGPT: die Eckdaten
So funktioniert OpenAIs neue Anzeigenplattform
0 €
Mindestbudget im Selbstbedienungs-Zugang, offen für Unternehmen jeder Größe
Unter der Antwort
Position der Anzeige, gekennzeichnet als „Sponsored“ und getrennt vom Ergebnis
Nur USA
Bislang nur für eingeloggte US-Nutzer, noch nicht im DACH-Raum

Mit Werbung

  • Gratis-Tarif
  • Go-Tarif

Ohne Werbung

  • Plus und Pro
  • alle Business-Pläne
  • Nutzer unter 18 Jahren

Was zeigt der Blick auf Google?

Google AdWords startete vor über 20 Jahren ebenfalls mit klar getrennten, dezenten Textanzeigen. Über die Jahre rückten Werbung und organische Treffer optisch immer näher zusammen, bis die Grenze für viele Nutzer verschwamm. Genau diese Erosion ist das Risiko.

„Gekennzeichnet“ und „getrennt von der Antwort“ ist heute dasselbe Versprechen, das Google einst zu seinen Textanzeigen gab. Der Blick auf die Suche zeigt, wie schnell aus AI Overviews und bezahlten Flächen ein Gedränge wird: Schon jetzt halbieren KI-Antworten die Klickrate trotz Platz eins, und der AI Mode hat die Milliardengrenze geknackt. Anders als in der Suche lässt sich die Nennung in der Antwort selbst weiterhin nicht kaufen, wie unsere Analyse zur Unbuchbarkeit von Platz eins zeigt.

Marken sollten ChatGPT ab jetzt als neuen Werbekanal verstehen, doch die organische Nennung bleibt der wertvollste Platz.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Ihr Marketing im DACH-Raum?

Kurzfristig nichts Unmittelbares, denn die Anzeigen laufen nur in den USA. Doch die Trennung von organischer Antwort und bezahlter Fläche gehört ab sofort in jede GEO-Strategie: Die Nennung in der Antwort bleibt unbuchbar, der Werbeplatz darunter wird kaufbar.

Für Marketingverantwortliche entstehen damit zwei getrennte Hebel. Der eine ist die redaktionelle Sichtbarkeit in der KI-Antwort, die über die Generative Engine Optimization auf sauberen Inhalten und belastbaren Fakten aufbaut, so wie klassisches SEO auf Struktur und Relevanz. Der andere ist der bezahlte Platz darunter, sobald OpenAI ihn im DACH-Raum freigibt.

Die Handlungsempfehlung lautet deshalb: Budget noch nicht verschieben, aber die Grenze zwischen Antwort und Anzeige im Blick behalten und die eigene GEO-Grundlage jetzt festigen, bevor die Werbung auch hier startet.

Quellen

[1] OpenAI: „Our approach to advertising and expanding access to ChatGPT“

[2] OpenAI Hilfe-Center: „Ads in ChatGPT: The Basics“

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