Vier europäische Netzbetreiber wollen laut Bloomberg gemeinsam ein Satellitennetz aufbauen, das Mobiltelefone direkt aus dem All erreicht. Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica zielen dabei auf ein Frequenzband, das die EU-Kommission europäischen Anbietern vorbehalten will. Pikant wird der Vorstoß durch einen Widerspruch: Die Telekom kooperiert seit März 2026 selbst mit Starlink.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Frequenzband von zwei Gigahertz bringt Europas größte Netzbetreiber an einen Tisch. Nach einem Bericht von Bloomberg sondieren die Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica, ob sie gemeinsam dafür bieten und darauf ein europäisches Satellitennetz gegen Starlink stellen. Kommentieren wollten die vier Konzerne die Gespräche nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica prüfen laut Bloomberg ein gemeinsames Satellitennetz für den direkten Handyempfang.
- Auslöser ist die EU-Kommission: Das 2-GHz-Band soll ab 2027 bevorzugt an europäisch kontrollierte Betreiber gehen.
- Der staatliche Teil des Bandes fließt in das EU-Programm IRIS² für sichere Behördenkommunikation.
- Brisant: Die Telekom schloss erst im März 2026 eine Starlink-Partnerschaft für zehn europäische Länder.
Worum geht es bei dem Bündnis?

Vier Netzbetreiber wollen zusammenrücken, um Handys ohne Funkmast direkt per Satellit zu erreichen. Nach dem Bloomberg-Bericht sprechen Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica über ein gemeinsames Gebot für europäische Satellitenfrequenzen. Ziel ist ein sogenannter Direct-to-Device-Dienst, der das Smartphone auch dort versorgt, wo kein Mobilfunknetz reicht. Genau dieses Feld besetzt bislang Elon Musks Starlink, dessen Geschäftsmodell wir bereits eingeordnet haben.
Ein europäisches Netz käme spät. Beim Bordinternet zeigt sich das Muster schon heute: Die Lufthansa rüstet ihre Flotte mit Starlink aus, während Europas eigene Lösung erst 2029 starten soll.
Warum treibt die EU-Frequenz die Konzerne zusammen?
Die EU-Kommission will das knappe 2-GHz-Band künftig bevorzugt an Betreiber unter europäischer Kontrolle vergeben, und genau diese Bedingung erzwingt das Bündnis. Ende Mai 2026 legte die Kommission dafür einen Verordnungsentwurf vor.[1] Zwei Drittel des Bandes sind für kommerzielle Direct-to-Device-Dienste vorgesehen, ein Teil davon bleibt europäischen Marktneulingen vorbehalten, Anbieter von außerhalb dürfen nur um einen begrenzten Anteil mitbieten. Die alten Lizenzen laufen im Mai 2027 aus.
Der staatliche Block wandert in das Satellitenprogramm IRIS², über das die EU eine sichere Behörden- und Verteidigungskommunikation aufbaut. Wie mühsam die Aufholjagd im Orbit verläuft, zeigt der Bau dieses Netzes, den inzwischen ein Start-up statt Airbus stemmt.
Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum geht es um mehr als Empfang im Funkloch. Eine europäisch kontrollierte Direktverbindung ins All verspricht Ausfallsicherheit und Datenhoheit, statt einen einzelnen US-Anbieter über kritische Kommunikation entscheiden zu lassen.
Über ein europäisches Satellitennetz entscheidet nicht das Tempo des Starts, sondern die Kontrolle im Ernstfall. Der schnellste Anbieter nützt wenig, wenn im Krisenfall ein einzelner Konzern den Schalter umlegt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was hinter dem geplanten Bündnis der Netzbetreiber steckt
Was macht den Vorstoß so widersprüchlich?
Drei der vier Konzerne sind bereits an konkurrierende Satellitenprojekte gebunden, und die Telekom sitzt sogar mit Starlink im selben Boot. Im März 2026 vereinbarte die Deutsche Telekom mit SpaceX, den Starlink-Direktempfang in zehn europäischen Ländern anzubieten. Vodafone wiederum hält die Hälfte an einem Gemeinschaftsunternehmen mit AST SpaceMobile, das unter den EU-Regeln nicht als europäisch kontrolliert gälte.
Der Vorstoß reiht sich in Europas Ringen um digitale Souveränität ein, vom souveränen Behörden-Arbeitsplatz bis zur eigenen Cloud. Entscheider sollten die Ankündigung dennoch nüchtern lesen: Die Frequenzen werden erst gegen 2029 vergeben, verbindliche Verträge fehlen. Für die eigene Konnektivitätsplanung bleibt das europäische Netz vorerst eine Option für das nächste Jahrzehnt, keine kurzfristige Alternative.
Quelle
[1] Europäische Kommission: „Commission proposes new authorisation for mobile satellite services for EU’s resilience and competitiveness“
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