Beim ersten Start im März 2025 zerbrach die Rakete nach gut einer halben Minute. Beim zweiten Versuch am 5. September 2026 brachte Isar Aerospace die Spectrum in den Orbit und setzte die ersten Satelliten aus. Der Raketenbauer aus Ottobrunn bei München ist damit der erste kommerzielle Anbieter, der die Umlaufbahn vom europäischen Festland aus erreicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSieben Minuten nach dem Abheben hatte die Spectrum von Isar Aerospace am 5. September 2026 Orbitalgeschwindigkeit erreicht und die Nutzlasten abgesetzt. Der Start vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya macht das Unternehmen zum ersten kommerziellen Raketenbauer, der vom europäischen Festland aus den Orbit erreicht. Für Entscheider zählt weniger der Rekord als die Frage, wer Europa künftig unabhängig ins All bringt.
Das Wichtigste in Kürze
- Isar Aerospace erreichte am 5. September 2026 beim zweiten Flug der Spectrum den Orbit und setzte mehrere Kleinsatelliten aus.
- Der Erstflug im März 2025 endete nach rund einer halben Minute mit dem Abbruch.
- Spectrum bringt bis zu 1.000 Kilogramm in den niedrigen Orbit und zielt auf den Markt für Kleinsatelliten.
- Mit über 400 Millionen Euro Kapital gilt Isar Aerospace als am höchsten finanzierter New-Space-Anbieter Europas.
Was hat Isar Aerospace beim zweiten Flug geschafft?

Die 28 Meter hohe Spectrum hob am Abend des 5. September 2026 vom norwegischen Bahnhof Andøya ab und erreichte nach gut sieben Minuten eine stabile Umlaufbahn.[1] An Bord saßen keine zahlenden Kunden, sondern Nutzlasten aus einem Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur für Hochschulen und Start-ups. Der Flug war damit ein Qualifikationsflug, der die Technik unter realen Bedingungen bestätigen sollte.
Bemerkenswert ist das Tempo. Der Erstflug im März 2025 endete nach rund 30 Sekunden mit der Sprengung der Rakete, ein üblicher Rückschlag im Raketenbau. Dass der zweite Versuch bereits die Umlaufbahn erreicht, gelingt nur wenigen Neuentwicklungen so früh und verkürzt den Weg zu regelmäßigen kommerziellen Starts.
Warum reicht Ariane 6 nicht als Antwort auf SpaceX?
Einen souveränen Zugang zum All hat Europa bereits, über die Ariane 6 vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana. Was fehlte, war ein kommerzieller Anbieter, der vom europäischen Boden aus startet und den Markt für kleine Satelliten bedient. Genau diese Lücke besetzt Isar Aerospace. Das erklärte Ziel ist der wendige, günstige Start im Wochentakt.
Der Wettbewerb ist eng. In Bayern arbeitet die Rocket Factory Augsburg am selben Markt, dazu kommen PLD Space aus Spanien und die ArianeGroup-Tochter MaiaSpace. Die Bundesregierung verteilte 95 Millionen Euro auf drei deutsche Anbieter, ein Muster, das an die staatlich gestützte Aufholjagd in der Chipfertigung erinnert.
Europas Zugang zum All hing zuletzt am Fahrplan weniger Anbieter. Ein kommerzieller Start vom eigenen Kontinent macht Europa bei Konnektivität und Verteidigung unabhängiger von SpaceX.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Start für Europas Souveränität?
Für deutsche und europäische Entscheider geht es um mehr als Technikstolz. Unternehmen und Behörden mit eigenen Satelliten für Erdbeobachtung, Kommunikation oder das geplante EU-Netz IRIS² gewinnen mit einem heimischen Anbieter eine Alternative zu SpaceX. Dieselbe Logik treibt derzeit viele Staaten an, von Saudi-Arabien, das auf eine souveräne KI setzt, bis zu Chinas Rechenzentren ohne Nvidia.
Hinter Isar Aerospace steht Kapital von über 400 Millionen Euro, unter den Geldgebern auch der NATO Innovation Fund.[2] Diese Beteiligung unterstreicht die strategische Dimension: Zugang zum All ist längst eine Frage der Verteidigungs- und Wirtschaftssouveränität, nicht nur der Forschung.
Für die Praxis heißt das: Planungen für eigene Satelliten gehören nicht mehr allein in die Hände von US-Anbietern, europäische Anbieter kleiner Trägerraketen rücken als Partner nach. Der nächste Gradmesser ist die Kadenz, also der Sprung von einzelnen Testflügen zu regelmäßigen kommerziellen Starts.
Was hat Isar Aerospace erreicht?
Isar Aerospace hat am 5. September 2026 beim zweiten Flug seiner Rakete Spectrum den Orbit erreicht und mehrere Kleinsatelliten ausgesetzt. Das Unternehmen aus Ottobrunn bei München ist damit der erste kommerzielle Raketenbauer, der die Umlaufbahn vom europäischen Festland aus erreicht.
Wo startete die Spectrum-Rakete?
Die Spectrum hob vom Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens ab. Der Standort liegt auf europäischem Festland, anders als der europäische Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, von dem die Ariane 6 abhebt.
Warum ist der Start für Europa wichtig?
Europa hatte mit der Ariane 6 bereits souveränen Zugang zum All, aber keinen kommerziellen Anbieter, der vom eigenen Kontinent aus kleine Satelliten ins All bringt. Isar Aerospace schließt diese Lücke und bietet eine europäische Alternative zu SpaceX.
Was ist die Rakete Spectrum?
Spectrum ist eine zweistufige Trägerrakete, 28 Meter hoch, die bis zu 1.000 Kilogramm in den niedrigen Erdorbit bringt. Sie zielt auf den wachsenden Markt für kleine Satelliten und soll künftig regelmäßig und vergleichsweise günstig starten.
Quellen
[1] Isar Aerospace: „History for European spaceflight: Isar Aerospace reaches orbit and deploys payloads on second flight“
[2] Isar Aerospace: „Isar Aerospace extends Series C to over EUR 220m with strong commitment from NATO Innovation Fund“
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