Eine Chrome-Einstellung verspricht, beim Schließen des Browsers alle Website-Daten zu löschen. Bei www.google.com greift sie nicht: Der Entwickler Jeff Johnson fand nach dem Beenden von Chrome 152 noch rund 1.216 KB Cookies und Speicher der Google-Suche auf der Festplatte.[1] Denselben Effekt räumte Google schon 2020 als Fehler ein und behob ihn.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Chrome-Funktion zum automatischen Löschen der Website-Daten ist für datenschutzbewusste Nutzer ein zentraler Baustein. Genau hier klafft nun eine Lücke, ausgerechnet bei den Domains des Browser-Herstellers selbst. Für Unternehmen, die Chrome flächendeckend ausrollen, ist das mehr als eine Randnotiz.
Das Wichtigste in Kürze
- Chrome 152 behielt nach dem Beenden rund 1.216 KB an Cookies, Local Storage und Session Storage von www.google.com, obwohl die Löschen-beim-Schließen-Einstellung aktiv war.
- Der Fund stammt vom Entwickler Jeff Johnson und ließ sich auf zwei Macs nachstellen. Andere Websites wurden korrekt gelöscht.
- Bereits 2020 hatte Google ein praktisch identisches Verhalten nach öffentlicher Kritik als Bug behoben.
- Für DSGVO-Verantwortliche zählt die verlässliche Löschung als technische Maßnahme. Greift sie selektiv nicht, wird die Kontrolle über Tracking-Daten löchrig.
Was genau bleibt nach dem Schließen übrig?

Selektive Ausnahme. Der unabhängige Entwickler Jeff Johnson stellte Chrome so ein, dass der Browser beim Schließen aller Fenster sämtliche lokal gespeicherten Website-Daten entfernt. Nach einer einzigen Google-Suche und dem Beenden von Chrome 152 blieben laut seiner Dokumentation trotzdem rund 1.216 KB von www.google.com zurück, darunter Cookies, Local Storage und Session Storage.[1]
Andere Websites verschwanden wie vorgesehen, allein die Google-Domain überlebte den Neustart. Der Effekt trat auf zwei verschiedenen Macs reproduzierbar auf. Die naheliegende Erklärung eines aktiven Google-Logins scheidet aus, weil die Chrome-Anmeldung im Test deaktiviert war.
Ist das ein neuer Fehler oder ein altes Muster?
Bekanntes Muster. Neu ist der Befund nicht. Schon 2020 hatte Johnson dokumentiert, dass Chrome Google-eigene Seiten wie die Suche und YouTube von derselben automatischen Löschung ausnahm.[2] Nach Berichten in Fachblogs und auf Nachrichtenseiten korrigierte Google das Verhalten damals und stufte es als Fehler ein.
Ob hinter der Neuauflage erneut ein Programmierfehler oder eine gewollte Bevorzugung steckt, ist offen. Das Grundproblem bleibt: Ein Konzern kontrolliert zugleich den meistgenutzten Browser und die Dienste, deren Daten dort liegen. Genau diese Doppelrolle nimmt die EU mit dem Digital Markets Act ins Visier, der designierten Gatekeepern die Selbstbevorzugung untersagt. Erst kürzlich musste Google im Kartellverfahren sein Werbegeschäft umbauen.
Ein Browser, der die Löschregel für alle Seiten durchsetzt, nur nicht für die eigene, verliert genau das Vertrauen, das ihn groß gemacht hat. Datenschutz ist keine Funktion, die man selektiv gewährt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen im DACH-Raum?
Kontrolle sichern. Für Verantwortliche zählt die verlässliche Löschung von Tracking-Daten zu den technischen Schutzmaßnahmen der DSGVO. Greift sie ausgerechnet beim größten Datensammler nicht, entsteht eine blinde Stelle in der eigenen Datenhygiene. Der Fall liegt auf einer Linie mit anderen Plattform-Streitfällen, etwa der Klage gegen Apples App Tracking Transparency.
Für sensible Vorgänge sollte die Bordfunktion nicht die einzige Absicherung sein. Löschen Sie kritische Website-Daten gezielt über die Verwaltung oder trennen Sie berufliche Recherche in einem zweiten, strikt konfigurierten Browser. Welche Alternativen der Markt hergibt, zeigt unser Browser-Vergleich für den DACH-Raum. Den Fund selbst nachstellen lässt sich über chrome://settings/content/siteData, wo sich nach dem Neustart zeigt, welche Domain übrig bleibt.
Bis Google reagiert, bleibt die Lehre einfach: Eine Datenschutz-Einstellung ist nur so viel wert wie die Kontrolle darüber. Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihr Browser wirklich löscht, was er zu löschen verspricht.
FAQ: Chrome, Google und die Website-Daten
Wie lösche ich in Chrome wirklich alle Cookies und Website-Daten?
Öffnen Sie chrome://settings/content/siteData und aktivieren Sie das Löschen der Daten beim Schließen aller Fenster. Für volle Kontrolle löschen Sie zusätzlich manuell über die Funktion Browserdaten löschen und starten Chrome neu. Prüfen Sie danach, ob einzelne Domains wie google.com noch Daten behalten haben.
Ist der Google-Datenrest in Chrome ein Bug oder Absicht?
Das ist offen. Der Entwickler Jeff Johnson dokumentierte den Datenrest reproduzierbar, doch ob ein Programmierfehler oder eine gewollte Bevorzugung dahintersteckt, hat Google bislang nicht erklärt. Ein praktisch gleiches Verhalten stufte Google 2020 als Bug ein und behob es nach öffentlicher Kritik.
Welche Browser gelten als datenschutzfreundlicher als Chrome?
Als besonders datensparsam gelten Browser wie Firefox, Brave oder der auf Tracking-Schutz ausgelegte Mullvad Browser. Welcher zum Arbeitsalltag passt, hängt von Erweiterungen, Synchronisierung und Unternehmensrichtlinien ab. Ein strukturierter Vergleich hilft bei der Auswahl der passenden Alternative.
Verstößt die selektive Ausnahme gegen die DSGVO?
Nicht automatisch. Die DSGVO verlangt wirksame technische Maßnahmen. Verlässt sich ein Unternehmen allein auf eine Browserfunktion, die selektiv nicht greift, kann die Kontrolle über personenbezogene Daten lückenhaft werden. Verantwortlich bleibt, wer die Datenverarbeitung steuert, nicht der Browser.
Quellen
[1] Jeff Johnson: „Chrome again exempts Google from user site data settings“
[2] Jeff Johnson: „Chrome exempts Google sites from user site data settings“ (2020)
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