Verisign schaltet die dritte Ebene der .name-Domains ab. Rund 22.000 Adressen samt ihren E-Mail-Postfächern verlieren damit die Grundlage. Der Entwickler Neil Fraser hat seine Adresse sogar bis 2040 im Voraus bezahlt. Trotzdem endet sie vorzeitig.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen.name-Domains galten ihren Besitzern lange als sichere Bank, jetzt verschwindet ihre komplette dritte Ebene. Verisign hat bei der Internet-Verwaltung ICANN durchgesetzt, dass Adressen der Form vorname.nachname.name auslaufen. Der Vorgang betrifft nur eine Nische, die Lehre daraus reicht aber weit darüber hinaus.
Das Wichtigste in Kürze
- Verisign beendet voraussichtlich im Februar 2027 alle .name-Adressen der dritten Ebene, also Namen der Form vorname.nachname.name.
- Rund 22.000 Registrierungen fallen weg, samt der daran hängenden E-Mail-Adressen und Weiterleitungen.
- Als Begründung nennt Verisign sinkende Nutzung und mangelnde Unterstützung durch die Registrare.
- Das eigentliche Risiko: Wird die zweite Ebene wie nachname.name frei, kann ein Fremder darüber alte Konten übernehmen.
Was genau schaltet Verisign ab?

Drei Ebenen statt zwei: Die Endung .name kam 2001 auf den Markt und war von Anfang an ein Sonderfall. Statt nur Adressen der zweiten Ebene zu vergeben, erlaubte sie Privatpersonen eine dritte Ebene, also den eigenen Vor- und Nachnamen als vorname.nachname.name samt passender E-Mail-Adresse. Genau diese dritte Ebene streicht Verisign nun. Die Systematik solcher Endungen ordnet das Verzeichnis aller TLDs ein.
22.000 Adressen: Nach Verisigns Angaben gegenüber ICANN existieren noch rund 22.000 dieser Registrierungen.[1] Ab voraussichtlich Februar 2027 verstummen Webseite und E-Mail dieser Namen. Verisign ordnet sein Domain-Geschäft ohnehin gerade neu, wie der Start der Endung .Web nach zehn Jahren Rechtsstreit zeigt.
Warum ist das mehr als ein Nischenproblem?
Offene Flanke zweite Ebene: Solange nur einzelne Personen unter einem Nachnamen registriert waren, teilten sich viele Familien eine zweite Ebene wie fraser.name. Gibt Verisign diese zweite Ebene später zur freien Registrierung frei, kann sich ein Fremder fraser.name sichern und damit jede Adresse darunter kontrollieren. Ein an eine solche E-Mail geknüpftes Login oder eine Passwort-Wiederherstellung öffnet dann die Tür zur Übernahme ganzer Konten.
Bezahlt heißt nicht sicher: Der Entwickler Neil Fraser dokumentiert, dass er seine Adressen seit rund 25 Jahren nutzt und bis 2040 im Voraus bezahlt hat.[2] Das schützt nicht vor dem vorzeitigen Aus. Dieselbe trügerische Dauerhaftigkeit traf Kunden, als ein Cloud-Anbieter samt 70 Jahren Archiv verschwand.
Eine Domain bleibt gemietet, niemals gekauft, der Vermieter kann sie jederzeit zurücknehmen. Geschäftskritische Post und Logins an eine einzige Adresse zu hängen, heißt sein Haus auf fremdem Grund zu bauen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Domain-Inhaber im DACH-Raum?
.de steht anders da: Im deutschsprachigen Raum bietet eine .de-Domain unter der Genossenschaft DENIC vergleichsweise stabile Verhältnisse. Riskant wird es bei exotischen Endungen und bei E-Mail-Adressen, die an einer einzigen, fremd verwalteten Domain hängen. Dass eigene Postfächer ohnehin seltener werden, zeigt der Rückgang selbst gehosteter Mailserver.
Jetzt gegenprüfen: Unternehmen sollten auflisten, welche Logins und Wiederherstellungswege an einer einzigen Domain hängen. Für kritische Konten empfiehlt sich eine zweite, unabhängig kontrollierte Adresse. Wie viel Marktmacht bei den großen Registries liegt, führte zuletzt eine Domain-Sperre in der .com-Registry vor Augen.
Kontrolle statt Vertrauen: Das Ende der dritten .name-Ebene ist ein kleiner Vorgang mit großer Lehre. Behandeln Sie jede Domain als geliehene Infrastruktur und sichern Sie E-Mail und Identität so ab, dass der Wegfall einer einzigen Adresse nicht das halbe digitale Leben mitnimmt.
Quellen
[1] ICANN: Zustimmung zur Einstellung der Registrierungen dritter Ebene für .name (28. Juli 2026)
[2] Neil Fraser: „.name Termination“
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