Ein Zivilgericht in Texas hat Verisign angewiesen, die Adresse motherless.com in der .com-Registry zu sperren. Seit dem 18. Juni 2026 trägt die Domain den Statuscode serverHold und löst weltweit nicht mehr auf, auch nicht in Deutschland. Betreiber, Registrar und Server sitzen sämtlich außerhalb von Texas.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Domain-Sperre auf Registry-Ebene wirkt anders als eine Netzsperre beim Zugangsanbieter: Nicht ein Land verliert den Zugang, sondern die Adresse verschwindet aus dem globalen Verzeichnis. Diesen Hebel hat jetzt die Justiz eines einzelnen US-Bundesstaats gezogen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein texanisches Zivilgericht hat Verisign angewiesen, motherless.com in der .com-Registry zu sperren, gestützt auf das Altersprüfungsgesetz HB 1181.
- Der Registry-Status serverHold nimmt die Namensserver aus der .com-Zonendatei, die Adresse löst dadurch weltweit nicht mehr auf.
- Zurück bekommt der Betreiber die Domain nur gegen 7,95 Millionen Euro Kaution (9,14 Millionen US-Dollar, Kurs 0,87, Stand 12. August 2026) und eine nachgerüstete Altersprüfung.
- Über .de entscheidet die DENIC in Frankfurt nach deutschem Recht, jede .com-Adresse dagegen hängt an einem US-Unternehmen.
Was passiert technisch, wenn eine Registry eine Domain sperrt?

Vier Statuscodes stehen seit dem 18. Juni 2026 im WHOIS-Eintrag: serverHold, serverDeleteProhibited, serverTransferProhibited und serverUpdateProhibited. Das Präfix server bedeutet nach ICANN-Systematik, dass der Registry-Betreiber sie gesetzt hat, nicht der Registrar.[2] Den Ausschlag gibt serverHold: Die Namensserver fallen damit aus der .com-Zonendatei.
Der Effekt lässt sich nachmessen. Eine DNS-Abfrage nach der Adresse liefert weder eine IP-Adresse noch einen Namensserver. Hosting, Inhalte und Zertifikate bleiben unangetastet, allein der Wegweiser dorthin fehlt.
Das Verzeichnis aller Domainendungen nennt zu jeder TLD den zuständigen Betreiber. Dieselbe Registry startete im Juli 2026 die Top-Level-Domain .web.
Warum trifft der Beschluss Verisign und nicht den Betreiber?
Der Zugriff auf die Domain ersetzt hier den Zugriff auf die Firma. Generalstaatsanwalt Ken Paxton hatte Kick Online Entertainment im April 2024 wegen der fehlenden Altersprüfung verklagt und ein Versäumnisurteil samt Unterlassungsanordnung erwirkt. Das Unternehmen ignorierte beides.[1]
Ein texanisches Gericht kann eine Firma im Ausland nicht zwingen. Die Registry dagegen sitzt in Reston im US-Bundesstaat Virginia und untersteht amerikanischem Recht. Das Gericht behandelt die Domain deshalb als pfändbaren Vermögenswert und greift dort zu, wo der Eintrag geführt wird. Der Prager Registrar Gransy verlor die Kontrolle über den Eintrag, ohne je Partei des Verfahrens gewesen zu sein.
Neu ist die Instanz, nicht das Werkzeug. Domain-Beschlagnahmen liefen in den USA bisher über Bundesbehörden und Bundesgerichte. Paxton spricht selbst von einem Präzedenzfall, damit steht die Konstruktion jedem der 50 Bundesstaaten offen.[1] Wie bereitwillig US-Gerichte den Jugendschutz gegen Plattformen einsetzen, zeigte die Entscheidung zur Plattformhaftung nach Section 230.
Eine .com-Adresse ist kein Eigentum, sondern ein Eintrag in einer amerikanischen Datenbank. Fällt der Eintrag, hilft kein Hoster und kein Backup, sondern nur eine zweite Adresse unter anderer Hoheit.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Fall motherless.com, Stand 12. August 2026
Der Statuscode, mit dem die Registry die Namensserver aus der .com-Zone nimmt
Kaution für die Freigabe, umgerechnet aus 9,14 Millionen US-Dollar zum Kurs 0,87
Sperr-Status auf Registry-Ebene, im WHOIS-Eintrag seit dem 18. Juni 2026
Die DNS-Abfrage liefert weder eine IP-Adresse noch einen Namensserver
Zwei Endungen, zwei Rechtsräume
.com bei Verisign
- Registry in Reston, US-Bundesstaat Virginia
- erreichbar für Bundes- und Einzelstaatsgerichte
- Inhaber und Registrar sitzen oft im Ausland
- eine Sperre wirkt weltweit
.de bei der DENIC
- Registry in Frankfurt am Main
- deutsches Recht, deutsche Gerichte
- Genossenschaft der Registrare als Träger
- US-Beschlüsse greifen nicht direkt durch
Was heißt das für Domains aus dem DACH-Raum?
Zwei Rechtsräume liegen zwischen .de und .com. Die DENIC in Frankfurt am Main verwaltet .de nach deutschem Recht, .eu liegt bei EURid in Brüssel. Jede .com-, .net- und .org-Adresse hängt dagegen an einer US-Registry, unabhängig vom Sitz der Firma.
Deutschland geht bei denselben Inhalten einen anderen Weg. Die Kommission für Jugendmedienschutz lässt Zugangsanbieter zu Sperren verpflichten, bestätigt zuletzt für Pornhub und YouPorn. Eine solche Netzsperre endet an der Landesgrenze und lässt sich per DNS-Wechsel umgehen. Der texanische Beschluss wirkt weltweit. Dass die Altersprüfung im Netz zum Machtinstrument geworden ist, zeigt auch der Ausbau der Altersprüfung auf Android.
Drei Schritte sichern die eigene Adresse ab:
- Im WHOIS-Eintrag die Statuscodes der eigenen Domain prüfen und den Transferschutz clientTransferProhibited aktivieren.
- Für geschäftskritische Auftritte eine zweite Adresse unter europäischer Endung anlegen und deren DNS-Konfiguration mitpflegen.
- Mit Registrar und Hoster klären, wie schnell sich eine Zone umziehen lässt.
FAQ: Domain-Sperre in der .com-Registry
Was bedeutet der Domain-Status serverHold?
serverHold ist ein Statuscode, den der Registry-Betreiber setzt und der die Domain im DNS deaktiviert. Die Namensserver verschwinden aus der Zonendatei der Endung, dadurch löst die Adresse weltweit nicht mehr auf. Hosting, Inhalte und Zertifikate bleiben davon unberührt, nur der Wegweiser dorthin fehlt.
Kann ein US-Bundesstaat eine deutsche Firmendomain sperren lassen?
Bei .com, .net und .org ist das technisch möglich, weil die zuständigen Registry-Betreiber US-Unternehmen sind und amerikanischem Recht unterliegen. Bei .de führt der Weg über die DENIC in Frankfurt am Main und damit über deutsche Gerichte. Der Sitz von Firma, Registrar und Server ändert daran nichts.
Worin unterscheidet sich eine Registry-Sperre von einer Netzsperre?
Eine Netzsperre setzt beim Zugangsanbieter an und wirkt nur in dessen Land, umgehen lässt sie sich über einen anderen DNS-Dienst. Eine Registry-Sperre setzt an der Wurzel der Endung an und wirkt weltweit, kein Provider und kein Hoster kann daran etwas ändern.
Wie prüfe ich den Status meiner eigenen Domain?
Eine WHOIS-Abfrage zeigt alle gesetzten Statuscodes. Codes mit dem Präfix client stammen vom Registrar und lassen sich dort lösen, Codes mit dem Präfix server stammen vom Registry-Betreiber. Sinnvoll ist zusätzlich der aktive Transferschutz clientTransferProhibited gegen unbefugte Umzüge.
Welche Rolle spielt der Registrar in so einem Fall?
Keine entscheidende. Im Fall motherless.com sitzt der Registrar in Prag und war an dem texanischen Verfahren nie beteiligt, verlor aber trotzdem jede Verfügung über den Eintrag. Ein Wechsel des Registrars hilft gegen eine Sperre auf Registry-Ebene nicht.
Quellen
[1] Office of the Attorney General of Texas: „Attorney General Ken Paxton Secures Landmark Legal Victory to Lock Pornographic Website Domain“
[2] ICANN: „EPP Status Codes: What Do They Mean, and Why Should I Know?“
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