Google hat am 11. August 2026 drei neue Seekabel für Amerika angekündigt: Alisios verbindet Chile über Panama mit der Dominikanischen Republik, Canoa führt nach Bermuda, OlaLuz nach Florida.[1] Zusammen mit einem neuen Abzweig des bestehenden Firmina-Kabels schließen die Strecken drei Ringe im Pazifik, in der Karibik und im Atlantik. Verlegt wird damit vor allem Reserve für den Tag, an dem ein Anker eine Leitung durchtrennt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Alisios, Canoa und OlaLuz ergänzen die vorhandenen Google-Kabel Curie, Nuvem und Sol zum Verbund Americas Connect.
- Die Strecken bilden geschlossene Ringe, sodass ein einzelner Kabelbruch keine Region vom Netz trennt.
- Weltweit zählt das International Cable Protection Committee rund 200 Kabelschäden pro Jahr, zwei Drittel davon durch Fischerei und Ankermanöver.
- Die EU hat über das Programm BELLA 26,5 Millionen Euro in ein einziges Kabel nach Lateinamerika gesteckt, EllaLink.
Was steckt hinter Americas Connect?

Americas Connect bündelt die drei Neubauten mit den vorhandenen Kabeln Curie, Nuvem und Sol zu einem zusammenhängenden Netz.[1] Im Pazifik entsteht aus Alisios und einer dritten Verbindung von Panama an die US-Westküste ein Ring, der die Google-Cloud-Regionen in Chile, Los Angeles und Las Vegas anbindet. Canoa koppelt Bermuda erstmals direkt an die Dominikanische Republik und dort an Nuvem und Sol, also an die Standorte in South Carolina, Virginia und Madrid. Investitionssumme und Starttermin nennt der Konzern nicht. „Eine schnellere, widerstandsfähigere und sicherere Anbindung würde die lokalen Unternehmen zweifellos stärken und das Wirtschaftswachstum fördern“, sagt Louis de Grange, Verkehrs- und Telekommunikationsminister Chiles.
Warum verlegt ein Cloud-Konzern eigene Kabel?
Früher finanzierten Konsortien aus Telekomkonzernen die Ozeanstrecken und verkauften Kapazität an alle weiter. Inzwischen haben private Netzbetreiber wie die großen Cloud-Anbieter die klassischen Backbone-Betreiber beim Kapazitätsausbau überholt.[4] Für Google rechnet sich der Eigenbau doppelt: Der Konzern verbraucht die Kapazität selbst und legt die Route dorthin, wo seine Rechenzentren stehen. Der Ring ist die logische Folge, denn rund 200 Kabelschäden pro Jahr sind Alltag, zwei Drittel davon verursachen Fischerei und Ankermanöver. Was ein einzelner durchtrennter Strang anrichtet, führte zuletzt ein Kabelbrand vor, der über 200 Züge ausfallen ließ. An Land gilt dieselbe Rechnung, wo der Glasfaserausbau der Telekom schneller wächst als die gebuchte Basis.
Google kündigt drei Ringe auf einmal an, die EU hat mit EllaLink ein einziges Kabel kofinanziert. Über Europas Anbindung entscheidet damit, wo ein Cloud-Konzern als Nächstes investiert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Unterschied: Google plant den Ersatzweg gleich mit, Europa finanziert einzelne Strecken.
Was heißt das für europäische Entscheider?
Europa kennt das Risiko und hat eine andere Antwort gewählt. Die EU-Kommission und der Hohe Vertreter beschlossen am 21. Februar 2025 einen Aktionsplan für Kabelsicherheit und fordern die Mitgliedstaaten darin auf, NIS2 auf alle Betreiber von Seekabel-Infrastruktur anzuwenden.[2] Dieselbe Richtlinie macht längst die Produktionshalle zur Haftungsfalle, während Brüssel 28.700 Mittelständler von der Hauptlast befreit. Bei der Hardware bleibt der Kontinent dünn: EllaLink erreicht Brasilien seit Juni 2021 mit 72 Terabit pro Sekunde über vier Faserpaare, gefördert mit 26,5 Millionen Euro aus dem Programm BELLA.[3] Google kündigt drei Systeme in einer einzigen Mitteilung an. Für die Praxis folgen daraus zwei Aufgaben, die auch in die Sicherheitsplanung der Geschäftsführung gehören:
- Verträge mit Cloud- und Netzanbietern auf physisch getrennte Wege prüfen, nicht nur auf die Verfügbarkeitszusage im SLA.
- Für Anwendungen mit Bezug nach Lateinamerika oder in die Karibik einen zweiten, geografisch getrennten Pfad festschreiben.
Souveräne Kapazität in Europa bleibt knapp, wie der Blick auf die zehn größten Rechenzentren Deutschlands zeigt. Anbieter wie Microsoft und Mistral werben deshalb mit abgeschotteten Standorten. Die Leitung darunter gehört trotzdem meist jemand anderem.
Quellen
[1] Google Cloud: „Introducing Americas Connect“ (11. August 2026)
[2] Europäische Kommission und Hoher Vertreter: EU-Aktionsplan für Kabelsicherheit, JOIN(2025) 9 vom 21. Februar 2025
[3] Europäische Kommission: „Neues Hochleistungs-Seekabel verbindet Europa und Lateinamerika“ (1. Juni 2021)
[4] TeleGeography: Submarine Cable FAQs (Fehlerzahlen des International Cable Protection Committee)
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