Knorr-Bremse verlagert die Software-Pflege fürs Nutzfahrzeug in die Cloud. Seit Juli 2026 verlangt die UN-Regel R156, dass jedes Update an einem zugelassenen Lkw-Steuergerät lückenlos dokumentiert wird. Der Münchner Zulieferer bündelt diese Nachweispflicht jetzt für die Fahrzeughersteller auf einer offenen Plattform.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 3. September 2026 stellte Knorr-Bremse ein erweitertes Digitalangebot für Erstausrüster vor. Kern ist eine cloudbasierte Plattform, die Konfiguration, Diagnose und Software-Updates zusammenführt und den Herstellern die manuelle Meldung jeder Änderung abnimmt.
Das Wichtigste in Kürze
- Knorr-Bremse führt Konfiguration (OCT), Software-Update-Management (SUMS) und Diagnose für Nutzfahrzeug-Hersteller auf einer cloudbasierten Plattform zusammen.
- Das SUMS ist nach ISO 24089 zertifiziert und in Serie; damit erfüllt der Zulieferer die UN-Regeln R155 (Cybersicherheit) und R156 (Software-Updates).
- Die Plattform arbeitet herstellerunabhängig; über den Cojali Digital Hub laufen zentrale Softwareverwaltung und Updates über die Luftschnittstelle.
- Änderungen an der Fahrzeugsoftware meldet die Cloud automatisch an den Hersteller, ohne dass die Werkstatt Daten von Hand einreicht.
Was steckt hinter der neuen Update-Pflicht?

Software steuert im modernen Lkw immer mehr Funktionen, vom Bremsassistenten bis zur Abstandsregelung. Genau deshalb schreiben die UN-Regelungen R155 und R156 seit 2024 beziehungsweise Juli 2026 vor, dass Hersteller ein zertifiziertes Management für Cybersicherheit und Software-Updates vorhalten. Ohne diesen Nachweis erteilt keine Behörde eine Typgenehmigung, und ohne Typgenehmigung rollt kein Neufahrzeug auf die Straße.
Für einen Zulieferer wie Knorr-Bremse verschärft das die Lage an jedem einzelnen Steuergerät. Das elektronische Trailer-Bremssystem iTEBS X etwa bündelt Bremsfunktion, Sensorik und Steuerung in einer Architektur, deren Software sich über die Nutzungsdauer ändert. Jedes dieser Updates muss revisionssicher protokolliert und dem Fahrzeughersteller gemeldet werden. Verteilt sich diese Aufgabe auf getrennte Werkzeuge, reißt die Nachweiskette. Andere Zulieferer gehen denselben Weg und verlagern Rechenleistung direkt aufs Steuergerät.
Wie automatisiert die Cloud die Nachweispflicht?
Die Antwort liegt in zwei cloudbasierten Anwendungen. Das Online Configuration Tool (OCT) übernimmt Konfiguration und Diagnose, das Software Update Management System (SUMS) steuert die Updates und ist nach ISO 24089 zertifiziert. Beide laufen in Serie und automatisieren die Prozesse, die R155 und R156 verlangen.[1]
Den herstellerunabhängigen Teil liefert eine Partnerschaft mit dem spanischen Diagnosespezialisten Cojali. Über dessen Digital Hub verwalten Hersteller Software zentral und spielen Updates über die Luftschnittstelle ein; die Werkstatt-Diagnose stützt sich zusätzlich auf Jaltest. Der praktische Gewinn zeigt sich beim Nachweis: Die Cloud überträgt jede Softwareänderung automatisch an den Fahrzeughersteller, das Einreichen von Daten per Hand entfällt.
Bernd Spies, im Vorstand für die Sparte Commercial Vehicle Systems, ordnet den Schritt so ein: „Die Zukunft des Nutzfahrzeugs ist softwaregetrieben und vernetzt. Für die Erstausrüster setzen wir auf offene, herstellerunabhängige Plattformen.“
Die Compliance-Pflicht wird hier zum Produkt. Knorr-Bremse verkauft den Herstellern nicht mehr nur Bremsen, sondern die automatisierte Nachweiskette für jedes Software-Update gleich mit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Entscheider?
Die UN-Regelungen R155 und R156 gelten in der EU über das Typgenehmigungsrecht und binden damit jeden Hersteller, der Nutzfahrzeuge oder Anhänger in Verkehr bringt. Parallel verschärft die NIS2-Richtlinie die Anforderungen an die Cybersicherheit in der Lieferkette. Für Flottenbetreiber und Anhängerbauer heißt das konkret: Läuft die Software-Pflege nicht über ein zertifiziertes SUMS, droht der Verlust der Typgenehmigung.
Der Umbau reiht sich in einen Trend ein: Tier-1-Zulieferer verschieben ihre Wertschöpfung von der Hardware zur Software, wie zuletzt auch Aumovio mit dem Verkauf seines Bremsenwerks. Entscheider in Fuhrpark und Werkstatt klären am besten drei Punkte: ob die Steuergeräte ihrer Fahrzeuge unter ein zertifiziertes Update-Management fallen, wer die Nachweise gegenüber der Typgenehmigungsbehörde führt, und ob die Diagnoseplattform herstellerübergreifend arbeitet. Vorgestellt wird die Technik auf der IAA Transportation 2026 in Hannover.
Digitalangebot für Erstausrüster, Stand Pressemitteilung vom 3. September 2026.
Quelle
[1] Knorr-Bremse: „Knorr-Bremse Expands Digital Services for OEMs“ (3. September 2026)
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