Aumovio hat den Verkauf seines Werks im belgischen Mechelen an die Dumarey Group abgeschlossen. Knapp ein Jahr nach der Abspaltung von Continental steht der Autozulieferer damit für einen harten Kurs: raus aus der klassischen Mechanik, rein in die Fahrzeugsoftware. Der Fall Mechelen zeigt, wie Europas Zulieferer ihr Kapital gerade umschichten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Werk mit über 50 Jahren Geschichte samt rund 300 Beschäftigten abzugeben, klingt nach Sanierung. Dahinter steckt eine Strategie. Aumovio verkauft ausgerechnet gut laufende Bremsentechnik, um Geld und Fläche für softwaredefinierte Autos frei zu bekommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Aumovio hat den Verkauf des Werks Mechelen an die belgische Dumarey Group abgeschlossen. Standort und rund 300 Beschäftigte wechseln, die Kundenverträge bleiben bei Aumovio.
- Das 1971 gegründete Werk fertigt Elektroventile, Steuergeräte und Raddrehzahlsensoren für Bremssysteme, also klassische Elektromechanik.
- Aumovio begründet den Schritt mit sinkenden Produktionszahlen und Preisdruck in Europa und konzentriert sich auf softwaredefinierte Fahrzeuge.
- Fast zeitgleich verliert Aumovio zum 21. September 2026 seinen Platz im Aktienindex Stoxx Europe 600.
Was verkauft Aumovio in Mechelen?

Standort und Team. Die Dumarey Group übernimmt das Werk samt der rund 300 Beschäftigten und führt die Fertigung zunächst als Auftragsproduktion weiter. Aumovio verlagert die betroffenen Bauteile schrittweise in das eigene Netzwerk, die Kundenverträge bleiben beim Konzern. Das 1971 gegründete Werk in Mechelen stellt Elektroventile, hydraulische und elektronische Steuergeräte sowie Raddrehzahlsensoren für Bremssysteme her.[1]
Perspektive statt Schließung. „Wir setzen unsere Strategie mit einem weiteren Schritt um und sichern zugleich die Kontinuität. Mit der Dumarey Group, die in Belgien verwurzelt ist und über langjährige Erfahrung in mehreren Branchen bis hin zur Automobilindustrie verfügt, geben wir dem Standort und seinen Beschäftigten eine Perspektive“, sagt Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt.[1] Dumarey, ein belgischer Antriebsspezialist mit rund 750 Millionen Euro Umsatz, will in Mechelen neue Produkte ansiedeln.
Warum trennt sich Aumovio von der Bremsentechnik?
Sinkende Stückzahlen. In Europa fallen die Produktionszahlen, zugleich drücken die Hersteller die Einkaufspreise. Elektroventile und Raddrehzahlsensoren sind ausgereifte Massenware mit dünner Marge, kein Feld, auf dem sich ein Zulieferer noch abhebt. Aumovio passt sein Werksnetz deshalb an die geschrumpfte Nachfrage an, wie es auch die deutsche Autoindustrie insgesamt trifft.
Geld für Software. Das Wachstum liegt für Aumovio in Sensorik, Displays und Assistenzsystemen für softwaredefinierte Autos, nicht in der Bremsmechanik. Jeder verkaufte Standort setzt Kapital und Entwicklungskapazität für dieses Rennen frei, in dem chinesische Anbieter das Tempo vorgeben. Wie ernst die Lage ist, zeigt der Vorstoß, mit dem Bosch chinesische Fahrassistenz-Chips nach Europa holt.
Aumovio verkauft nicht aus Not ein Werk, sondern verschiebt Kapital von der Mechanik zur Software. Zulieferer, die diese Wende verpassen, bauen bald Teile, die kein softwaredefiniertes Auto mehr braucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Europas Zulieferer?
Muster statt Einzelfall. Der Verkauf reiht sich in einen Umbau der ganzen Branche ein. Die Konzernmutter hat sich auf das reine Reifengeschäft zurückgezogen. ZF verkleinert sich bewusst um seine schwächelnde Antriebssparte. Überall schiebt die Zulieferbranche Kapital von der Hardware in Elektronik und Software.
Markt bleibt skeptisch. Dass Aumovio zum 21. September aus dem Stoxx Europe 600 fällt, zeigt: Der Kapitalmarkt honoriert die Software-Wette bislang nicht, die Aktie dümpelt seit dem Börsenstart. Für Einkäufer in der DACH-Region heißt das, den Zuliefermarkt genau zu beobachten. Eine Zweitquelle für Bauteile aus Standorten mit ungewisser Zukunft gehört früh in die Planung, nicht erst in den nächsten Engpass.
Quelle
[1] Aumovio: „AUMOVIO to sell its Mechelen manufacturing site to Dumarey Group“
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