Chinesische Fahrassistenz-Chips stecken künftig in Kameras, die Bosch und Continental an Autohersteller in aller Welt liefern. Der Zulieferer aus Reutlingen baut seine mittlere Assistenz-Familie auf dem Journey-6-Prozessor von Horizon Robotics auf, einem Pekinger Entwurf mit Europazentrale in München. Damit sitzt das Rechenhirn des assistierten Fahrens immer öfter nicht mehr in Europa.

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Horizon Robotics liefert die Chips, auf denen Bosch und Continental ihre Fahrassistenz rechnen lassen, und drückt damit einen chinesischen Entwurf tief in die europäische Lieferkette. Der Fahrassistenz-Chip Journey 6 sitzt bereits in über hundert Serienmodellen, jetzt geht die von Bosch entwickelte Mittelklasse-Assistenz in die weltweite Serie. Für europäische Autobauer verschiebt diese Entwicklung eine Grundsatzfrage: Woher kommt das Gehirn des Autos?

Das Wichtigste in Kürze

  • Bosch und Continental bauen ihre Fahrassistenz auf dem Journey-6-Chip von Horizon Robotics auf, dem ersten großserientauglichen KI-Prozessor eines chinesischen Anbieters in westlichen Zulieferersystemen.
  • Über 20 Autohersteller setzen Journey 6 ein, mehr als 100 Modelle fahren damit, die Auslieferungen liegen bei über zehn Millionen Chips.
  • Das erste Übersee-Projekt der Bosch-Mittelklasse-Assistenz geht Anfang 2026 in Serie.
  • Die EU-Ausgleichszölle treffen das importierte Auto, nicht den chinesischen Chip in einem europäischen Bauteil.

Warum steckt ein Pekinger Chip in einem Bosch-Produkt?

Miniaturauto mit Prozessor statt Motor, Hand bedient Pinzette, Notizzettel auf Motorhaube
Horizon Robotics Journey 6 vereint Wahrnehmung und Fahrplanung auf einem Chip, während Bosch und Continental Rechenleistung zukaufen

Assistiertes Fahren zerfällt heute in zwei Teile: das teure Rechenhirn und die Software darum herum. Bosch und Continental entwerfen längst keinen eigenen Fahrchip mehr, sondern kaufen die Rechenleistung zu und ergänzen sie um Kameras, Radar und eigene Algorithmen. Genau in diese Lücke stößt Horizon Robotics mit dem Journey 6, der Wahrnehmung und Fahrplanung auf einem Prozessor bündelt.

Für Autos der Mittelklasse zwischen 12.800 und 25.600 Euro (umgerechnet zum Kurs von 0,128 Euro je Yuan) rechnet sich kein Chip von Nvidia oder Mobileye, deren Spitzenplattformen auf teure Roboterwagen zielen. Der Journey 6E und 6M liefern städtisches assistiertes Fahren zu einem Preis, der zu dieser Klasse passt. Bosch setzte den Journey 6B als erster westlicher Zulieferer produktionsreif ins Kamerasystem ein.[1]

Wie weit reicht Chinas Griff nach dem Fahr-Gehirn?

Horizon Robotics markiert die Spitze eines größeren Musters. Volkswagen lässt das Assistenzhirn seiner China-Autos über die Tochter CARIAD von Horizon rechnen; auch Denso setzt auf die Journey-Chips. Huawei wiederum bringt sein Qiankun-System in die Budgetklasse. Chinas Zulieferer exportieren damit nicht mehr nur günstige Autos und ganze Robotaxis, sondern die Rechenschicht des Fahrens.

Die von Bosch entwickelte Mittelklasse-Assistenz sicherte sich Aufträge von fünf Herstellern, darunter JeTour, Dongfeng und GAC Aion.[2] Anfang 2026 startet die Serienfertigung erstmals in einem Überseemodell. Parallel testet das Gemeinschaftsunternehmen von Horizon und Continental bereits an mehreren Orten in Europa. Das Fachportal EE Times China nennt 16 europäische Länder als Ziel der Bosch-Lösung.

Am europäischen Auto ist das Blech noch europäisch; das Denkvermögen kommt zunehmend aus China. Die Zollpolitik zielt auf die Karosserie und übersieht den Chip, der das Fahren steuert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Chinas Fahr-Chip in westlichen Assistenzsystemen
Wie tief Horizon Robotics in die Serie der Zulieferer reicht
100+
Serienmodelle fahren mit dem Journey-6-Chip
20+
Autohersteller setzen die Horizon-Prozessoren ein
10 Mio.+
ausgelieferte Journey-Chips insgesamt
12.800 bis 25.600 €
Fahrzeug-Preisklasse der Bosch-Mittelklasse-Assistenz

Serienstart der Bosch-Mittelklasse-Assistenz im ersten Übersee-Markt: Anfang 2026. Das Fachportal EE Times China nennt 16 europäische Länder als Ziel.

Was bedeutet das für Europas Autoindustrie?

Die EU-Ausgleichszölle von bis zu 35,3 Prozent treffen das importierte chinesische Elektroauto, nicht den Chip in einem Bosch-Bauteil. Ein in München mitentwickeltes Kamerasystem mit Pekinger Prozessor läuft zollfrei in ein Auto europäischer Marken. Dieselbe Zoll-Lücke, die Volkswagen bei den Plug-in-Hybriden anmahnt, öffnet sich beim Rechenchip.

Für Entscheider verschiebt sich die Sicherheitsfrage damit von der Karosserie zur Software. Ein Fahrassistenz-Chip verarbeitet Kamera- und Sensordaten in Echtzeit, und die Typgenehmigung nach UN-Regelung R155 verlangt einen Nachweis über die gesamte Lieferkette. Wie kritisch westliche Behörden chinesische Sensorik prüfen, zeigt der Streit um den Lidar-Hersteller Hesai.

Für die Beschaffung folgt daraus ein klarer Auftrag: Die Herkunft der Rechenplattform gehört in jedes Lastenheft, nicht nur die des Zulieferers. Einkäufer von Assistenzsystemen prüfen die Cybersecurity-Typgenehmigung und die Datenflüsse des Chips, bevor der Preis entscheidet.

FAQ: Chinesische Fahrassistenz-Chips von Horizon Robotics

Wem gehört Horizon Robotics?

Horizon Robotics ist ein börsennotierter chinesischer Chipentwickler mit Sitz in Peking, seit Oktober 2024 an der Börse Hongkong gelistet und mit einer Europazentrale in München. Das Unternehmen entwickelt KI-Prozessoren für assistiertes und autonomes Fahren, keine eigenen Autos.

Was ist der Journey-6-Chip?

Journey 6 ist die aktuelle Fahrassistenz-Chipfamilie von Horizon Robotics mit den Varianten 6B, 6E und 6M. Die Prozessoren bündeln Wahrnehmung und Fahrplanung auf einem Chip und treiben Assistenzsysteme von der Einstiegsklasse bis zum städtischen assistierten Fahren.

Sind chinesische Fahrassistenz-Chips in Europa erlaubt?

Ja. Für Fahrassistenz-Chips gibt es kein Einfuhrverbot. Die EU-Ausgleichszölle gelten für importierte Fahrzeuge, nicht für einzelne Bauteile. Für die Zulassung zählt die Typgenehmigung, darunter der Cybersecurity-Nachweis nach der UN-Regelung R155 über die gesamte Lieferkette.

Arbeitet Bosch mit Horizon Robotics zusammen?

Ja. Bosch entwickelt eine Multifunktionskamera und eine Mittelklasse-Assistenzfamilie auf Basis der Journey-6-Chips und war der erste westliche Zulieferer mit einer produktionsreifen Journey-6B-Integration. Auch Continental betreibt ein Gemeinschaftsunternehmen mit Horizon.

Quellen

[1] Horizon Robotics: „Horizon Robotics and Bosch Intensify Collaboration to Provide Assisted Driving Solutions for Multiple Automakers“

[2] Horizon Robotics: „Horizon Journey: Smart-Driving-Chips und -Plattform“

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