Huaweis Assistenzsystem Qiankun fährt jetzt in einem Auto für rund 13.400 Euro mit. Der erste Dongfeng Forthing Xinghai V6 mit dem System ADS 5 verlässt das Band und zieht hochwertige Fahrassistenz in ein Preissegment, das deutschen Premiumherstellern bisher als Alleinstellungsmerkmal diente.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAssistiertes Fahren kostete in der Oberklasse jahrelang einen kräftigen Aufpreis, jetzt sitzt es im Budget-Van. Am 18. August lief bei Dongfeng Forthing der erste Serienwagen mit Huaweis Qiankun ADS 5 vom Band, wie der chinesische Sender Ifeng meldet. Der Sechssitzer Xinghai V6 startet mit dem System bei 104.900 Yuan, umgerechnet rund 13.400 Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- Huawei bringt sein Fahrassistenz-System Qiankun ADS 5 erstmals in ein Auto ab rund 13.400 Euro.
- Das Modell ist der Sechssitzer Xinghai V6 von Dongfeng Forthing; der erste Serienwagen lief am 18. August 2026 vom Band.
- Die günstige Stufe ADS 5 SE liefert Autobahn-Navigation, Spurführung in der Stadt und automatisches Einparken, verzichtet aber auf Lidar und Stadt-Navigation.
- Für deutsche Hersteller schrumpft ein teures Verkaufsargument.
Was steckt hinter dem 13.400-Euro-Preis?

Der Xinghai V6 ist ein 4,84 Meter langer Elektro-Van mit sechs Sitzen. Für die Huawei-Varianten ruft Dongfeng Forthing zur Vorbestellung 104.900 bis 124.900 Yuan auf, also rund 13.400 bis 16.000 Euro (Stichtag 18. August 2026). Die 510-Kilometer-Version bildet die Spitze, die 400-Kilometer-Version den Einstieg mit Qiankun-Technik.
Mit an Bord ist die Stufe ADS 5 SE: Navigation auf der Autobahn, Spurführung im Stadtverkehr, automatisches Ein- und Ausparken sowie das aktive Sicherheitssystem CAS 5.0. Lidar, die punktgenaue Stadt-Navigation und das Fahren von Parkplatz zu Parkplatz bleiben den teureren Baureihen vorbehalten, wie das Technikportal Ifanr aufschlüsselt.[1] Damit rückt hochwertige Assistenz in eine Preisklasse, in der schon BYD mit dem Qin MAX die Lidar-Assistenz in die 13.000-Euro-Klasse zog.
Wie drückt Huawei den Preis so weit?
Der Hebel heißt Baukasten. Huawei staffelt sein Qiankun-System in Stufen und streicht für die günstige SE-Variante die teuersten Bauteile, allen voran den Lidar-Sensor. Übrig bleibt ein kamera- und radarbasiertes Paket, das die häufigsten Fahrsituationen abdeckt.[2]
Den zweiten Hebel bildet die Stückzahl. Je mehr Marken dieselbe Plattform verbauen, desto tiefer sinken die Kosten pro Fahrzeug. Huawei verteilt seine Technik über zahlreiche Partner; erst kürzlich band der Konzern mit Changan gleich fünf Marken an sein Auto-Geschäft. Chinas Zulieferer wie Horizon Robotics treiben denselben Preisverfall bei der Rechenhardware voran. Aus einem Technikwettlauf ist so ein Wettlauf um die breite Masse geworden.
Bisher: Premium
Lidar-Sensor, punktgenaue Stadt-Navigation und Fahren von Parkplatz zu Parkplatz, gebunden an deutlich teurere Baureihen.
Jetzt: Budget
Ohne Lidar und Stadt-Navigation, dafür Autobahn-Navigation, Spurführung und Einparken ab rund 13.400 Euro.
Fahrassistenz war jahrelang das Verkaufsargument der deutschen Oberklasse. Rutscht dieselbe Funktion in China auf 13.400 Euro, verliert dieses Argument seinen Preis und damit seine Wucht.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Autobauer?
In Europa gilt ADS 5 SE als Level 2: Das System unterstützt, die fahrende Person bleibt verantwortlich. Echtes autonomes Fahren nach Level 3 braucht eine eigene Zulassung nach UN-Regelung R157. Der Preis aber setzt die hiesige Branche unter Druck, denn deutsche Hersteller verkaufen Assistenz bisher als Premium-Merkmal.
Die Antwort der Zulieferer läuft bereits über China. Bosch entwickelt mit dem chinesischen Chip-Anbieter Horizon ein kostengünstiges Assistenzpaket für die Serie ab Mitte 2026. Auch Volkswagen überlässt Horizon Robotics das Fahrassistenz-Hirn seiner China-Autos. Der Angriff auf die deutsche Oberklasse läuft damit nicht nur über den Fahrzeugpreis, sondern über die Kosten der Assistenz selbst.
Für Entscheider bedeutet das vor allem, Fahrassistenz nicht länger als dauerhaften Aufpreis-Baustein einzuplanen. Ebenso lohnt der Blick auf die Zulieferer aus China, denn die EU-Zölle auf Autos aus China bremsen zwar die Einfuhr der Fahrzeuge, nicht aber den Preisverfall der Technik, die über Lieferverträge längst nach Europa wandert.
Häufige Fragen
Was ist Huaweis Qiankun ADS 5?
Qiankun ADS 5 ist Huaweis System für assistiertes Fahren. Es übernimmt in der günstigen Stufe ADS 5 SE die Navigation auf der Autobahn, die Spurführung im Stadtverkehr, das automatische Ein- und Ausparken und die aktive Sicherheit. Huawei liefert die Technik an mehrere chinesische Autobauer.
Was kostet das erste Auto mit Huawei Qiankun ADS 5?
Der Dongfeng Forthing Xinghai V6 startet mit dem Qiankun-System bei 104.900 Yuan, umgerechnet rund 13.400 Euro (Stichtag 18. August 2026). Die Topversion mit 510 Kilometern Reichweite kostet 124.900 Yuan, also etwa 16.000 Euro. Damit erreicht hochwertige Fahrassistenz erstmals das Budgetsegment.
Ist der Xinghai V6 ein selbstfahrendes Auto?
Nein. Die Stufe ADS 5 SE gilt in Europa als Level 2: Das System unterstützt, die fahrende Person bleibt jederzeit verantwortlich und muss den Verkehr beobachten. Echtes autonomes Fahren nach Level 3 braucht eine eigene Zulassung nach der UN-Regelung R157 und fehlt in dieser Preisklasse.
Quellen
[1] Ifanr: „星海 V6 预售 10.49 万元起“ (Xinghai V6, Vorverkauf ab 104.900 Yuan)
[2] IT之家: „东风风行星海 V6 乾崑版预售开启:10.49 万元起“
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