Volkswagen lässt seine neuen Elektroautos in China künftig von einem chinesischen Zulieferer assistiert fahren. Das Fahrassistenz-System stammt aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit Horizon Robotics, dem nach Branchenzahlen führenden heimischen Entwickler von Rechenchips für automatisiertes Fahren. Für die deutsche Autoindustrie kehrt sich damit ein gewohntes Abhängigkeitsverhältnis um.

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Horizon Robotics hat diese Woche die Zielrechenleistung seiner nächsten Chip-Generation festgezurrt und seine kombinierte Cockpit-und-Fahr-Linie „Starry“ benannt.[2] Hinter der Meldung steht eine größere Verschiebung: Der wichtigste Kunde für diese Technik heißt nicht BYD oder Nio, sondern Volkswagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Horizon Robotics gilt als führender chinesischer Anbieter von Rechenchips für assistiertes Fahren und beliefert bereits über 100 Fahrzeugmodelle.
  • Über das Gemeinschaftsunternehmen CARIZON liefert Horizon das Fahrassistenz-System für sieben neue China-Modelle von Volkswagen.
  • Volkswagen hat rund 2,4 Milliarden Euro in die Partnerschaft mit Horizon gesteckt und hält die Mehrheit an CARIZON.
  • Ausländische Hersteller wie Audi und Mercedes-Benz setzen in China zunehmend auf lokale Assistenz-Technik.

Was steckt hinter dem Deal mit Horizon Robotics?

Modell-Mikrochip mit VW-Schlüssel vor dem Wolfsburger VW-Werk; im Vordergrund kleiner Bauhelm
CARIZON-Gemeinschaftsunternehmen: VW-Softwaretochter CARIAD (60 Prozent) und Horizon Robotics (40 Prozent) mit 2,4 Milliarden Euro Investitionen

Serienreif. Das 2022 gegründete Gemeinschaftsunternehmen CARIZON gehört zu 60 Prozent der Volkswagen-Softwaretochter CARIAD und zu 40 Prozent Horizon Robotics. Insgesamt hat Volkswagen rund 2,4 Milliarden Euro in die Zusammenarbeit gesteckt, teils als direkte Beteiligung an Horizon, teils als Kapital für das gemeinsame Unternehmen.

Der Assistent hat die Serienreife erreicht und rollt ab dem dritten Quartal 2026 über sieben neue Elektromodelle aller China-Werke von Volkswagen aus, wie CARIAD mitteilt.[1] Das System beherrscht assistiertes Fahren bis zur Stufe L2++, inklusive Navigation im dichten Stadtverkehr, und läuft auf dem hauseigenen Chip C7H aus der aktuellen Horizon-Generation. Chinas Chip-Industrie greift Nvidia inzwischen auch bei Rechenzentren an.

Warum baut Volkswagen den Assistenten nicht selbst?

Tempo entscheidet. Der eigene Software-Aufbau bei CARIAD ist jahrelang nur schleppend vorangekommen, während chinesische Anbieter das assistierte Fahren in Rekordzeit zur Serienreife gebracht haben. Im chinesischen Markt entscheidet die Geschwindigkeit der Software-Updates über den Verkaufserfolg, und die künstliche Intelligenz im Auto folgt dort eigenen Regeln.

Daten vor Ort. Ein Fahrassistent lernt aus den Kamera- und Sensordaten realer Fahrten. Rechenleistung, Trainingsdaten und Freigabeschleife bündelt Horizon direkt im chinesischen Markt, eine Nähe, die Volkswagen aus Wolfsburg heraus nicht abbilden kann. Genau deshalb kauft der Konzern das Können ein, statt es allein aufzubauen.

Ausgerechnet beim automatisierten Fahren, der Königsdisziplin der Branche, wird ein deutscher Weltkonzern in seinem größten Markt zum Kunden eines chinesischen Start-ups. Das hätte vor fünf Jahren niemand für möglich gehalten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Volkswagen und Horizon Robotics: die Zahlen zum China-Deal
Wie tief der Wolfsburger Konzern beim assistierten Fahren im chinesischen Markt auf einen lokalen Partner setzt.
2,4 Mrd. €
Gesamtinvestment von Volkswagen in die Partnerschaft mit Horizon Robotics
60 / 40
Anteile am Gemeinschaftsunternehmen CARIZON: CARIAD hält die Mehrheit, Horizon 40 Prozent
7 Modelle
Neue Elektromodelle aller China-Werke starten ab dem 3. Quartal 2026 mit dem Assistenten
100+
Fahrzeugmodelle nutzen bereits Horizons Journey-6-Plattform
2027
geplanter Serienstart der nächsten Chip-Generation Journey 7

Ist Volkswagen mit dieser Abhängigkeit allein?

Kein Einzelfall. Audi lässt seine China-Modelle von Huawei assistiert fahren, Mercedes-Benz und Toyota kooperieren mit dem Start-up Momenta. Aus einzelnen Kooperationen ist ein Muster geworden: Ausländische Marken, die im Reich der Mitte vorne mitfahren wollen, kaufen die Assistenz-Software zunehmend im Land selbst. Auch die neuen Elektroautos chinesischer Hersteller setzen dabei die Maßstäbe.

Die europäische Kehrseite. Während die EU Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos erhebt, vertieft die europäische Autoindustrie ihre Abhängigkeit von chinesischer Fahr-Software, deren Batterien ohnehin oft aus demselben Land kommen. Das Wissen um das automatisierte Fahren und die dazugehörige Datenschleife wandern nach China ab, vorerst nur für den dortigen Markt.

Für Entscheider im deutschsprachigen Raum liegt die Lehre weniger im einzelnen Vertrag als im Prinzip: Technologische Führung des Westens ist keine Selbstverständlichkeit mehr, und lokale KI-Lieferketten werden zum Wettbewerbsfaktor. Dieselbe Not treibt auch deutsche Hersteller wie BMW, ihre Fahrzeug-Software neu aufzustellen. Beim Einkauf von Fahrzeug- oder KI-Software gehört die Frage nach Datenherkunft und Compliance deshalb an den Anfang, nicht ans Ende.

Quellen

[1] CARIAD: „Volkswagen Group China Accelerates L3 and L4 Development through Deepened AI Collaboration with Horizon Robotics“

[2] Autohome / LatePost: „Horizon legt die Zielrechenleistung von Journey 7 fest, Cockpit-und-Fahr-Produkt heißt Starry“

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