Leapmotor, Chinas profitabelster E-Auto-Newcomer, kauft sich beim langsameren Staatsriesen FAW ein, statt sich von ihm kaufen zu lassen. Der Hersteller unterzeichnete am 17. September in Huzhou zwei Verträge mit FAW-Töchtern und beteiligt sich als strategischer Investor an dessen Antriebssparte. Gemeinsam wollen beide die nächste Batteriegeneration entwickeln.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Leapmotor unterzeichnete am 17. September in Huzhou eine Investitionsabsicht mit FAWs Antriebstochter Qixin Power und einen Technik-Kooperationsvertrag mit der Batterietochter Zhongqi New Energy.
  • Leapmotor steigt als strategischer Investor in die A-Finanzierungsrunde von Qixin Power ein; geteilt werden künftig Hybridmotoren, elektrische Antriebe und Range-Extender.
  • Bei der Batterietechnik nehmen beide gemeinsam die nächste Generation ins Visier, darunter Feststoff- und Natrium-Ionen-Zellen.
  • FAW ist zugleich seit Jahrzehnten der China-Partner von Volkswagen und Audi und kooperiert nun mit deren Rivalen Leapmotor.

Was steckt hinter dem Pakt?

Eine alte, verwitterte Batterie neben einer neuen, glänzenden Batterie mit
Leapmotor unterzeichnet Investitions- und Kooperationsverträge mit zwei FAW-Töchtern für Hybrid-Antriebe und Batterietechnologie

Zwei Verträge. Leapmotor unterschrieb mit gleich zwei FAW-Töchtern: mit der Changchuner Qixin Power eine Investitionsabsicht und mit der Batteriefirma Zhongqi New Energy einen Technik-Kooperationsvertrag.[1] Qixin Power steht für Hybridmotoren, elektrische Antriebe und Range-Extender, Zhongqi New Energy für die Batterie der übernächsten Jahre. Vorausgegangen war am 24. August ein Rahmenabkommen zur vertieften Zusammenarbeit.

Wachstum trifft Trägheit. Leapmotor lieferte im ersten Halbjahr 356.487 Fahrzeuge aus, ein Plus von 60,8 Prozent. Der Nettogewinn stieg auf 208 Millionen Yuan, rund 27 Millionen Euro (Kurs 19. September 2026: 1 Yuan = 0,13 Euro).[2] Der Konzern verkaufte im August erstmals über 100.000 Autos in einem Monat und peilt für 2026 rund 1,05 Millionen an. FAW verdient sein Geld dagegen vor allem über die Gemeinschaftsmarken von Volkswagen und Toyota, während die eigene Marke Hongqi schwächelt.

Warum verbündet sich ein Gewinner mit einem Riesen?

Kapital gegen Technik. Der Deal läuft in beide Richtungen. Leapmotor bringt Kapital und seine günstige Elektroplattform ein, FAW liefert Skala und staatlichen Rückhalt, den ein privater Hersteller im chinesischen Preiskampf gut gebrauchen kann. Leapmotor schreibt bereits schwarze Zahlen, während viele Rivalen Geld verbrennen, und sucht nun Partner statt Größe um jeden Preis.

Weg vom Batterieriesen. Der zweite Vertrag zielt auf die Zelle. FAW baut mit Zhongqi New Energy eine eigene Batteriesparte auf, um von Marktführer CATL unabhängiger zu werden, an dem sich Chinas Autobauer gerade abarbeiten. Feststoff- und Natrium-Ionen-Zellen gelten als der nächste Sprung. Der Hersteller mit der ersten Serienzelle verschiebt die Kostenkurve des gesamten Marktes.

Nicht der Batterieriese diktiert die nächste Runde, sondern die Allianz aus flinkem Newcomer und geduldigem Staatskapital. Europas Hersteller sollten genau hinsehen, mit wem ihr eigener China-Partner plötzlich die Feststoffbatterie baut.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Leapmotor und FAW: die Zahlen zum Pakt
Kennzahlen zur Allianz, Stand September 2026
27 Mio. €
Nettogewinn im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 531 Prozent
356.487
Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 60,8 Prozent
1,05 Mio.
angepeiltes Absatzziel für 2026, erstmals über 100.000 Autos im August
21 %
Stellantis-Anteil an Leapmotor, größter Einzelaktionär des Herstellers

Was bedeutet das für Europas Autobauer?

Der eigene Partner rüstet auf. FAW ist seit Jahrzehnten der Partner von Volkswagen und Audi in deren chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Dass dieser Konzern nun mit einem Stellantis-nahen Rivalen an Antrieb und Batterie forscht, zeigt, wie chinesische Staatskonzerne ihre Technik von den deutschen Marken abkoppeln. Volkswagen überlässt in China bereits das Fahrassistenz-Hirn einem lokalen Zulieferer.

Die Technik kommt nach Europa. Stellantis hält gut 21 Prozent an Leapmotor und verkauft dessen Modelle über ein gemeinsames Joint Venture bis nach Deutschland. Die Produktion läuft ab Herbst auch im spanischen Saragossa. Was Leapmotor mit FAW entwickelt, kann so in europäisch gebauten Autos landen und den EU-Ausgleichszoll auf chinesische Importe aushebeln, sobald hier gefertigt wird.

Für Entscheider. Wichtig ist die Frage nach dem Eigentum an der Schlüsseltechnik. Antrieb und Zelle wandern zu Allianzen, die chinesisches Kapital mit staatlicher Skala verbinden, und europäische Zulieferer sollten prüfen, wo sie in dieser Kette noch unersetzlich sind.

Quellen

[1] Sina Finance (新浪财经): „一汽子公司与零跑汽车签约,共研下一代电池等新能源技术“

[2] IT之家: „零跑汽车 2026 年上半年归母净利润 2.08 亿元“

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