Chinesische Marken drängen mit E-Autos nach Europa. Für die meisten deutschen Zulieferer ist der Vorstoß eine Bedrohung, für Continental-Chef Christian Kötz eine Chance. Viele der in China gebauten Exportwagen rollen längst auf Continental-Reifen, gerade bei BYD.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenContinental verkauft künftig nur noch Reifen. Ausgerechnet die chinesische Autooffensive soll dabei das Wachstum sichern. Der neue Vorstandschef Christian Kötz nennt die Expansion chinesischer Hersteller im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Chance für den Konzern.
Das Wichtigste in Kürze
- Continental ist nach der Aumovio-Abspaltung und dem ContiTech-Verkauf ein reiner Reifenhersteller.
- Vorstandschef Christian Kötz sieht in Chinas Europa-Expansion einen Wachstumsmarkt statt einer Bedrohung.
- Viele chinesische Exportwagen fahren ab Werk auf Continental-Reifen, das lukrative Ersatzgeschäft folgt markenunabhängig.
- Für 2026 peilt der Konzern 17,3 bis 18,9 Milliarden Euro Umsatz an, gebremst durch Zölle und hohe Energiekosten.
Warum fürchtet Continental Chinas Autobauer nicht?

Für einen reinen Reifenhersteller ist jeder neue Wettbewerber im Automarkt zugleich ein möglicher Kunde. Seit die Elektroniksparte als Aumovio an die Börse ging und ContiTech verkauft wurde, lebt Continental allein vom Reifengeschäft, geführt seit Jahresbeginn von Christian Kötz.[1] Ein chinesischer Hersteller, der in Europa Marktanteile gewinnt, verdrängt deutsche Autobauer, nicht deutsche Reifenlieferanten. Wie die abgeschlossene Neuaufstellung zum reinen Reifenkonzern zeigt, hängt der Umsatz jetzt an rollenden Fahrzeugen, nicht am Markenlogo.
Den Beleg liefert der Konzernchef selbst. „Viele in China produzierte Fahrzeuge, die jetzt nach Europa exportiert werden, fahren auf Continental-Reifen. Unsere Produkte sind bei BYD zum Beispiel schon sehr präsent, wie bei vielen anderen chinesischen Marken“, sagte Kötz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Chinesische Marken haben ihren Anteil am europäischen Automarkt zuletzt auf über elf Prozent ausgebaut, und jedes dieser Fahrzeuge braucht vier Reifen ab Werk und später Ersatz.
Wie verdient ein Reifenhersteller an fremden Marken?
Das Geschäft läuft über zwei Kanäle. In der Erstausrüstung liefert Continental Reifen direkt ans Band, etwa den PremiumContact 6 für den elektrischen Zeekr 001. Im weit lukrativeren Ersatzgeschäft zählt die Marke des Autos gar nicht mehr: Jeder abgefahrene Satz wird nachgekauft, ob unter dem Wagen ein VW oder ein BYD steht.
In China selbst, dem größten Automarkt der Welt, baut der Konzern seine Stellung aus. Das Werk in Hefei fertigt jährlich rund vier Millionen Pkw-Reifen für den asiatischen Markt. Mit etwa 57.000 Beschäftigten in über 40 Ländern zählt die Reifensparte zu den drei größten der Welt, und mit jedem zusätzlichen Auto auf der Straße wächst die Nachfrage nach Ersatzreifen.
Continental macht aus der China-Angst der Autobauer ein Abo-Geschäft. Jeder chinesische Stromer auf Europas Straßen braucht in wenigen Jahren neue Reifen, unabhängig von der Marke auf der Haube.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den Standort Deutschland?
Die China-Chance ändert nichts am teuren Heimatmarkt. Kötz verweist auf hohe Energiekosten und den scharfen Wettbewerb am Standort Deutschland. Andere Zulieferer wie ZF ziehen sich aus dem Pkw-Antrieb zurück, und Continentals eigene Ex-Sparte Aumovio holt ihre ersten Serienaufträge aus China.
Die EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos treffen die Hersteller, nicht den Reifenlieferanten. Für 2026 rechnet Continental dennoch mit einem Umsatzrückgang auf 17,3 bis 18,9 Milliarden Euro, auch wegen der Handelsbarrieren. Zugleich erwirtschaftet der Konzern nach Zinsen und Steuern rund eine Milliarde Euro Cashflow im Jahr. Bei einer Konsolidierung der Reifenbranche will Kötz mehrere Milliarden für Zukäufe mobilisieren.
Für Entscheider im Zuliefergeschäft zeigt der Fall eine einfache Regel: Markenneutrale Komponenten und Verschleißteile gewinnen mit jedem neuen Anbieter im Markt, statt zu verlieren. Entscheidend ist damit weniger die Herkunft der Autos als die eigene Stellung in der Lieferkette.
FAQ: Continental und Chinas Autobauer
Ist Continental noch ein Autozulieferer?
Continental ist seit 2026 ein reiner Reifenhersteller. Das Automobil- und Elektronikgeschäft wurde 2025 als Aumovio abgespalten und an die Börse gebracht, die Kunststoffsparte ContiTech für rund vier Milliarden Euro verkauft. Übrig bleibt das Reifengeschäft mit stabilen Milliardengewinnen.
Warum ist Chinas Autooffensive für Continental eine Chance?
Als reiner Reifenhersteller konkurriert Continental nicht mit Autobauern, sondern beliefert sie. Jede chinesische Marke, die in Europa wächst, ist ein möglicher Kunde in der Erstausrüstung und im markenunabhängigen Ersatzgeschäft. Mehr Fahrzeuge auf der Straße bedeuten mehr Nachfrage nach Reifen.
Fährt BYD auf Continental-Reifen?
Ja. Vorstandschef Christian Kötz erklärte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Continental sei bei BYD und vielen weiteren chinesischen Marken bereits sehr präsent. Viele in China gebaute Exportwagen rollen ab Werk auf Reifen des Konzerns.
Plant Continental Zukäufe?
Ja. Kötz will das Reifengeschäft durch Übernahmen und eine stärkere Präsenz in Asien und Amerika ausbauen. Bei einer Konsolidierung der Reifenindustrie könnte der Konzern mittelfristig mehrere Milliarden Euro für einen Zukauf mobilisieren.
Quelle
[1] Continental AG: „Christian Kötz Appointed CEO of Continental“
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