Das deutsche Wasserstoff-Kernnetz bekommt seinen nächsten Industriekunden: Der Chemiekonzern Wacker hat mit dem Fernleitungsbetreiber bayernets einen Vertrag über reservierte Transportkapazitäten für seinen Standort Burghausen geschlossen.[1] Statt den Wasserstoff wie einst geplant selbst zu erzeugen, sichert sich der Konzern die Versorgung künftig über die Leitung. Für das bayerische Chemiedreieck wird die Wasserstoff-Versorgung damit vom Plan zur gebuchten Leitung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Wacker reservierte bei bayernets Transportkapazität im genehmigten Wasserstoff-Kernnetz für den Standort Burghausen.
- Die 15 Kilometer lange Leitung HyPipe one soll Wasserstoffquellen in Gendorf mit der Industrie in Burghausen verbinden.
- Nach der Raffinerie BAYERNOIL ist Wacker das zweite große bayerische Industrieunternehmen, das Kapazität bucht.
- Das bundesweite Kernnetz umfasst 9.040 Kilometer, kostet rund 18,9 Milliarden Euro und soll bis 2032 stehen.
Warum bucht Wacker die Leitung, statt selbst zu produzieren?

Wacker erzeugt den grünen Wasserstoff nicht mehr selbst. Das eigene Elektrolyse-Vorhaben RHYME Bavaria in Burghausen stoppte der Konzern Anfang 2024 aus wirtschaftlichen Gründen. Die Reservierung bei bayernets dreht die Logik nun um: Der Standort bezieht den Wasserstoff künftig über die Leitung, statt ihn vor Ort herzustellen.
In Burghausen fließt Wasserstoff schon heute in großen Mengen in die Produktion, als Rohstoff für Polysilicium und für pyrogene Kieselsäure. Über die rund 15 Kilometer lange HyPipe one soll der Nachschub aus Gendorf kommen. Diese Leitung gehört zum genehmigten Kernnetz und bindet das Chemiedreieck über Österreich an internationale Importe an, langfristig über den SoutH2-Korridor aus Nordafrika.
Was bedeutet der Anschluss für das Wasserstoff-Kernnetz?
Jede gebuchte Kapazität macht das Milliardenprojekt Kernnetz belastbarer. Die Bundesnetzagentur genehmigte das bundesweite Netz im Oktober 2024.[2] Geplant sind 9.040 Kilometer Leitung für rund 18,9 Milliarden Euro, die bis 2032 stehen sollen. Etwa 60 Prozent davon entstehen aus umgestellten Gasleitungen, der Rest aus Neubau. Der Bau rechnet sich aber nur, sofern genug Industrie den Wasserstoff später auch abnimmt.
Genau diese Nachfrage liefern verbindliche Reservierungen wie die von Wacker und treiben den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft voran. Nach der Raffinerie BAYERNOIL ist der Chemiekonzern das zweite große bayerische Industrieunternehmen, das Transportkapazität bucht. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nannte den Schritt ein Signal: „Wasserstoff kommt immer mehr in die Praxis. Jetzt haben wir auch im Chemiedreieck einen starken Industrieabnehmer.“
Ein gestopptes Elektrolyse-Projekt und eine gebuchte Leitung ergeben für Wacker dieselbe Rechnung: Eigenproduktion lohnt sich derzeit nicht, der Anschluss ans Kernnetz schon. Der Anschluss verlagert das Risiko vom Werkstor zum Fernleitungsbetreiber.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
So schließt sich der Chemiestandort Burghausen an die Wasserstoff-Fernleitung an
Nach der Raffinerie BAYERNOIL ist Wacker das zweite große bayerische Industrieunternehmen, das verbindlich Transportkapazität im Kernnetz bucht.
Was heißt das für Entscheider im Chemiedreieck?
Der Anschluss ans Kernnetz wird zum Standortfaktor. Energieintensive Betriebe in Bayern müssen die eigene Wasserstoff-Strategie an den Bauplan der Fernleitungen koppeln. Die Reihenfolge der Inbetriebnahmen entscheidet, welcher Standort wann grünen Wasserstoff bekommt, und verbindliche Buchungen sind das Instrument, um sich einen Platz zu sichern. Für Wacker passt der Schritt zum jüngsten Kurswechsel auf die Kapitalrendite: teure Eigenanlagen weichen einer Versorgung über geteilte Infrastruktur.
Für Betreiber im Chemiedreieck lohnt der Blick auf die deutsche Wasserstoffstrategie und die Anschlussfenster ihres Fernleitungsbetreibers, bevor sie in eigene Erzeugung investieren. Wackers Reservierung zeigt, dass die Leitung derzeit die günstigere Wette ist.
FAQ: Wacker und das Wasserstoff-Kernnetz
Was ist das Wasserstoff-Kernnetz?
Das Wasserstoff-Kernnetz ist die bundesweite Startinfrastruktur für den Wasserstofftransport. Die Bundesnetzagentur genehmigte das Netz im Oktober 2024 mit 9.040 Kilometern Leitung und rund 18,9 Milliarden Euro Investition. Etwa 60 Prozent entstehen aus umgestellten Erdgasleitungen, der Rest aus Neubau, fertig sein soll das Netz bis 2032.
Was ist die Leitung HyPipe one?
HyPipe one ist ein rund 15 Kilometer langer Abschnitt des Wasserstoff-Kernnetzes im bayerischen Chemiedreieck. Die Leitung soll Wasserstoffquellen in Gendorf mit den Industriebetrieben in Burghausen verbinden und das Chemiedreieck über Österreich an internationale Importrouten anschließen.
Wofür braucht Wacker Wasserstoff?
Wacker nutzt Wasserstoff in Burghausen als Rohstoff, vor allem für die Herstellung von Polysilicium und pyrogener Kieselsäure. Grüner Wasserstoff soll diese Produktion klimaneutraler machen. Ein eigenes Erzeugungsprojekt stoppte der Konzern 2024, seither setzt Wacker auf Belieferung über das Netz.
Was ist der SoutH2-Korridor?
Der SoutH2-Korridor ist eine geplante Wasserstoff-Importroute von Nordafrika über Italien und Österreich nach Bayern und weiter ins deutsche Kernnetz. Über diesen Korridor soll das bayerische Chemiedreieck langfristig große Mengen importierten Wasserstoff beziehen.
Quellen
[1] Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie: „Aiwanger: Wasserstoff kommt immer mehr in die Praxis“ (16.09.2026)
[2] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur genehmigt Wasserstoff-Kernnetz“ (22.10.2024)
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