Algerien liefert Deutschland heute Erdgas, künftig soll grüner Wasserstoff dazukommen. Mit einem Abkommen sichert sich Siemens Energy früh den Zugang zu diesem Markt und damit zur Herkunft des Wasserstoffs.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGrüner Wasserstoff aus der Sahara soll bald durch eine 3.300 Kilometer lange Leitung nach Deutschland gelangen. Während des Staatsbesuchs des algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune in Berlin unterzeichnete Siemens Energy dazu eine Absichtserklärung mit dem Staatskonzern Sonatrach.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Siemens Energy und Sonatrach wollen Algerien zu einem Zentrum für grünen Wasserstoff ausbauen; das Abkommen fiel in den Staatsbesuch von Präsident Tebboune in Berlin.
- Der Konzern prüft, die Elektrolyseure künftig direkt in Algerien zu fertigen, und übernimmt Wartung und vorausschauende Instandhaltung.
- Über den geplanten SoutH2 Corridor sollen bis zu vier Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr nach Mitteleuropa fließen.
- Deutschland muss 2030 zwischen 45 und 90 Terawattstunden Wasserstoff importieren, gut die Hälfte des erwarteten Bedarfs.
Was steckt hinter dem Wasserstoff-Pakt mit Algerien?

Das Abkommen reicht über eine reine Liefervereinbarung hinaus. Siemens Energy will grüne Wasserstofftechnik nach Algerien bringen und dort die Fertigung der Elektrolyseure aufbauen, jener Anlagen also, die mit Sonnen- und Windstrom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spalten.[1]
Algerien bietet dafür günstige Voraussetzungen: viel Sonne, viel Wind und eine bestehende Gasinfrastruktur nach Europa. Parallel schloss Sonatrach ein zweites Abkommen mit Bosch, das ebenfalls auf Elektrolyse und Wasserstoffproduktion zielt.
Beide Vereinbarungen gehören zu einem Paket von 31 Abkommen aus dem Staatsbesuch. Konkrete Kapazitäten oder Investitionssummen nannten die Beteiligten bisher nicht.
Wie kommt der Wasserstoff nach Deutschland?
Den Transport soll der SoutH2 Corridor übernehmen, eine rund 3.300 Kilometer lange Wasserstoffleitung von Algerien über Tunesien und Italien bis nach Österreich und Deutschland.[2]
Über die Trasse sollen bis zu vier Millionen Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr nach Mitteleuropa fließen, den Vollbetrieb peilen die Betreiber um 2030 an. Rund 60 bis 70 Prozent der Strecke entstehen aus umgewidmeten Erdgasleitungen und senken so Kosten und Bauzeit.[2]
Hinter dem Korridor steht ein Konsortium aus Sonatrach und Sonelgaz, dem deutschen Versorger VNG, den italienischen Betreibern Snam und Sea Corridor sowie Verbund aus Österreich. Damit reiht sich der Pakt in Europas Suche nach verlässlichen Quellen ein, die vom Ausbau des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes bis zu Brennstoffzellen-Projekten der Luftfahrt reicht.
Algeriens Sonne lässt sich nicht sanktionieren, genau darin liegt der Reiz für die deutsche Industrie. Die Fertigung vor Ort sichert Siemens Energy mehr als ein paar Terawattstunden, nämlich einen Platz in der Lieferkette.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der geplante SoutH2 Corridor soll grünen Wasserstoff aus Nordafrika bis nach Mitteleuropa transportieren.
Die Route durch fünf Länder
Vier Zahlen zum Wasserstoff-Korridor
Was bedeutet der Wasserstoff-Deal für deutsche Entscheider?
Deutschlands Wasserstoffbedarf übersteigt die heimische Produktion bei Weitem. Nach der Importstrategie der Bundesregierung von 2024 muss das Land 2030 zwischen 45 und 90 Terawattstunden importieren, also 50 bis 70 Prozent des erwarteten Bedarfs.[3]
Für energieintensive Betriebe in Chemie, Stahl und Logistik rückt damit eine strategische Frage nach vorn: über welche Korridore der Wasserstoff kommt und zu welchem Preis. Frühe Lieferverträge entlang dieser Trassen gewinnen an Gewicht.
Für Entscheider zahlt sich frühe Planung aus: den eigenen Bedarf abschätzen und den möglichen Anschluss an das entstehende Kernnetz prüfen. Der Solar- und Windausbau in Deutschland deckt nur einen Teil, den Rest sichert Europa über Importrouten wie diese. Parallel entscheidet der Ausbau des Wasserstoffnetzes über die letzten Genehmigungen.
Quellen
[1] Algérie Presse Service (APS): „Two agreements signed in Berlin with Bosch, Siemens Energy to enhance energy transition cooperation“ ↩
[2] SoutH2 Corridor: „The SoutH2 Corridor project“ ↩
[3] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: „Bundeskabinett beschließt Importstrategie für Wasserstoff und Wasserstoffderivate“ (24. Juli 2024) ↩
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