Während der Zulieferer ZF Friedrichshafen Zehntausende Stellen abbaut und seine Antriebssparte für Pkw verkleinert, meldet ausgerechnet die Nutzfahrzeugsparte einen Rekord: über fünf Milliarden Euro an vergebenen Aufträgen allein 2026. Für Flottenbetreiber und Hersteller im DACH-Raum entscheidet sich hier, wer die Elektrifizierung schwerer Lkw technisch liefert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie ZF-Nutzfahrzeugsparte, offiziell die Division Commercial Vehicle Solutions, hat seit Jahresbeginn 2026 Aufträge im Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro eingesammelt. Bei fast neun von zehn Ausschreibungen bekam der Konzern den Zuschlag. Das Signal fällt in eine Zeit, in der ZF an anderer Stelle hart spart.
Das Wichtigste in Kürze
- Über fünf Milliarden Euro an vergebenen Aufträgen seit Jahresbeginn 2026 in der Nutzfahrzeugsparte
- Erfolgsquote von fast 90 Prozent bei Kundenakquisen, im Wachstumsmarkt Indien 41 Prozent mehr Volumen
- Rückenwind kommt von den EU-CO2-Grenzwerten für schwere Lkw und der Abgasnorm Euro 7
- Vorgestellt wird das Portfolio auf der IAA Transportation vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover
Warum wird die Nutzfahrzeugsparte zum Wachstumsmotor?

Der Kontrast ist bemerkenswert. ZF hat den Konzernumbau ausgerufen, streicht in Verwaltung und Pkw-Antrieb Tausende Stellen und trennt sich von der volatilen Pkw-Antriebssparte. Die Nutzfahrzeugsparte läuft gegenläufig: Sie sammelt Aufträge, während der Rest schrumpft. Erst im ersten Halbjahr kehrte der Konzern in die Gewinnzone zurück.
„Eine Erfolgsquote von fast 90 Prozent und ein Auftragsvolumen von über fünf Milliarden Euro zeigen das Vertrauen in unser Technologieportfolio“, sagt Fabian Schlegel, Vertriebschef der Sparte.[1] Die Mechanik dahinter: Lkw-Hersteller kaufen Antrieb, Bremse und Assistenz zunehmend als fertiges System ein, statt selbst zu entwickeln.
Welche Technik ZF an die Hersteller verkauft?
Das Portfolio zielt auf zwei Kernprobleme der Branche, sinkende Emissionsgrenzen und wachsende Sicherheitsanforderungen, und legt eine Softwareschicht darüber. Für den elektrischen Antrieb liefert ZF die E-Achse AxTrax 2 und ein modulares Baukastensystem, das Hersteller je nach Reichweite bestücken. Die Lenkung behält der Konzern bewusst im eigenen Haus.
Bei der Bremse kommt die luftgeführte Scheibenbremse MAXX Uniper, ausgelegt auf die Abgasnorm Euro 7. Dazu liefert ZF ein Kamera-Radar-Paket mit 360-Grad-Funktionen gegen tote Winkel und eine Software-Roadmap für den vernetzten Lkw. Abnehmer sind Hersteller, die parallel eigene Wege gehen, etwa Daimler Truck mit dem eActros oder Traton mit seinem Fahrzeug-Betriebssystem.
Nicht der Lkw-Bauer gewinnt gerade das Rennen um die Elektrifizierung, sondern der Zulieferer, der Achse, Bremse und Software als Paket liefert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den DACH-Markt?
Den Rückenwind liefert Brüssel. Die EU-Verordnung 2024/1610 schreibt schweren Lkw von 2030 an 45 Prozent weniger CO2 vor, ab 2040 sind es 90 Prozent gegenüber 2019.[2] Reißt ein Hersteller diese Flottengrenzwerte, zahlt er. Also bestellen die Hersteller elektrische Antriebe. Die Aufträge landen bei Zulieferern wie ZF.
Für Entscheider im DACH-Raum steckt darin eine Verschiebung. Die Wertschöpfung wandert vom Fahrzeugbauer zum Systemlieferanten, während klassische Zulieferer wie ZF, Bosch und Continental zugleich Zehntausende Stellen abbauen. Flottenbetreiber sollten Antriebs- und Softwarepartner ihrer Wunsch-Lkw früh prüfen. Im Zulieferumfeld liegen die stabileren Stellen eher in der Nutzfahrzeug- als in der Pkw-Technik.
Vom 15. bis 20. September 2026 zeigt ZF in Hannover die Euro-7-Bremse MAXX Uniper, die elektrische Achse AxTrax 2 und eine Software-Roadmap für den vernetzten Lkw.
Plant ein Betrieb die Elektrifizierung schwerer Flotten, lohnt der genaue Blick auf das Zusammenspiel aus E-Achse, Euro-7-Bremse und Software, bevor 2030 die nächste CO2-Stufe greift. Auf der IAA Transportation führt ZF dieses Paket vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover vor.
Wie viele Aufträge hat ZFs Nutzfahrzeugsparte 2026 gewonnen?
Die ZF-Division Commercial Vehicle Solutions hat seit Jahresbeginn 2026 Aufträge im Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro gewonnen. Die Erfolgsquote bei Kundenakquisen lag bei fast 90 Prozent, im Wachstumsmarkt Indien stieg das Volumen um 41 Prozent gegenüber 2025.
Warum wächst die ZF-Nutzfahrzeugsparte trotz Konzernumbau?
Während ZF in Verwaltung und Pkw-Antrieb Tausende Stellen streicht, kaufen Lkw-Hersteller elektrische Antriebe, Bremsen und Assistenzsysteme zunehmend als fertiges System ein. Diese Nachfrage trägt die Nutzfahrzeugsparte, zusätzlich getrieben von den EU-CO2-Grenzwerten für schwere Lkw.
Welche CO2-Vorgaben gelten für schwere Lkw in der EU?
Die EU-Verordnung 2024/1610 schreibt neuen schweren Lkw von 2030 an 45 Prozent weniger CO2 vor, ab 2035 sind es 65 Prozent und ab 2040 90 Prozent gegenüber dem Wert von 2019. Reißt ein Hersteller die Flottengrenzwerte, zahlt er, was die Nachfrage nach elektrischen Antrieben antreibt.
Quellen
[1] ZF Friedrichshafen: „ZF Advances Practical, Technology-Open Pathways to Commercial Vehicle Decarbonization“ (Pressemitteilung, September 2026)
[2] Europäische Kommission: „Lorries, buses and coaches“ (CO2-Emissionsnormen für schwere Nutzfahrzeuge, Verordnung (EU) 2024/1610)
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