Daimler Truck beantwortet die teuerste Frage der Lkw-Branche mit zwei Antworten zugleich. Auf der IAA Transportation 2026 rollt der batterieelektrische eActros Lowliner mit bis zu 621 Kilowattstunden neben den Wasserstoff-Lkw NextGenH2, der über 1.000 Kilometer weit fährt. Statt sich auf einen Antrieb festzulegen, sortiert der Konzern den Fernverkehr nach Streckenprofil. Für Speditionen entscheidet ab 2027 die Route darüber, welches Fahrzeug günstiger fährt.

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Der eActros Lowliner ist einer von zwei Elektro-Lkw, die Mercedes-Benz Trucks auf der IAA Transportation 2026 in Hannover zeigt. Der Gegensatz zum zweiten Modell könnte kaum größer sein: Das eine Fahrzeug lädt Batteriestrom, das andere tankt flüssigen Wasserstoff. Beide sollen den Fernverkehr vom Diesel lösen, den die CO2-Flottengrenzen der EU unter Druck setzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der eActros Lowliner nutzt einen LFP-Akku mit 414 oder 621 Kilowattstunden und kommt rund 500 Kilometer weit.
  • Seine niedrige Sattelhöhe macht den Stromer für volumiges Frachtgut tauglich, das bisher dem Diesel vorbehalten war.
  • Der Wasserstoff-Lkw NextGenH2 fährt mit flüssigem Wasserstoff über 1.000 Kilometer je Tankfüllung; die ersten rund 100 Fahrzeuge starten ab Ende 2026 bei Dachser in Karlsruhe.
  • Treiber ist die EU-Flottenvorgabe: 45 Prozent weniger CO2 bis 2030, 90 Prozent bis 2040.

Was kann der eActros Lowliner?

E-Auto-Ladekabel, Wasserstoff-Zapfpistole und Wegweiser vor weißem Hintergrund
Der eActros Lowliner senkt die Sattelkupplung auf Dieselniveau, ermöglicht Mega-Trailern volle Innenhöhe und macht leichte, sperrige Frachten elektrisch transportierbar

Volumen statt Reichweite ist der Kniff des neuen Modells. Der eActros Lowliner senkt die Sattelkupplung auf Diesel-Niveau, sodass Mega-Trailer ihre volle Innenhöhe ausnutzen. So wird auch leichtes, sperriges Frachtgut elektrisch fahrbar, das an der Bauhöhe bisheriger E-Lkw scheiterte.

Zwei Akkugrößen deckt der 800-Volt-Antrieb ab: 414 Kilowattstunden für den eActros 400 Lowliner, 621 Kilowattstunden für die 600er-Variante mit rund 500 Kilometern Reichweite.[1] Die LFP-Zellen nutzen über 95 Prozent ihrer Kapazität und altern langsamer, worauf schon die Batterie-Degradation im Pkw hindeutet. Bestellbar ist der Lkw ab dem dritten Quartal 2026, gebaut wird ab Mitte 2027 in Wörth am Rhein. Den Serieneinstieg im Depotbetrieb hat Amazon mit 27 eActros 600 vorgezeichnet.

Warum setzt Daimler zusätzlich auf Wasserstoff?

Energiedichte trennt die beiden Wege. Für den schweren Langstreckenverkehr wird die Batterie zu schwer und lädt zu lange, deshalb tankt der NextGenH2 flüssigen Wasserstoff und kommt damit über 1.000 Kilometer weit.[1] Die Brennstoffzelle stammt vom Gemeinschaftsunternehmen cellcentric.

Kleinserie statt Prototyp lautet der Schritt: Rund 100 Fahrzeuge gehen ab Ende 2026 in den Kundenbetrieb, das erste bei der Spedition Dachser in Karlsruhe. Der Antrieb baut auf der Technik auf, in die Daimler Truck bereits Hunderte Millionen in den Wasserstoff-Lkw gesteckt hat, samt dem Tankstellennetz mit Volvo und Toyota.

Daimler Truck legt sich bewusst nicht auf einen Antrieb fest. Genau das ist die klügere Wette: Die Batterie allein verliert den schweren Fernverkehr, der Wasserstoff allein wartet zu lange auf sein Tankstellennetz.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Speditionen in der DACH-Region?

Die EU rechnet vor. Neue Lkw müssen ihren CO2-Ausstoß um 45 Prozent senken bis 2030 und um 90 Prozent bis 2040, gemessen an 2019.[2] Ein Diesel-Fuhrpark allein reißt diese Marke, weshalb jeder große Hersteller parallel elektrifiziert, von MAN bis Volvo, während chinesische Anbieter mit dem Batteriewechsel nachrücken.

Das Streckenprofil entscheidet über den Fahrzeugtyp. Regionale Touren mit Depotladung passen zum Lowliner, durchgehende Fernstrecken eher zum Wasserstoff, solange das Megawattladen noch fehlt. Zulieferer wie ZF richten ihr Nutzfahrzeuggeschäft bereits darauf aus.

Daimler Trucks zwei Wege für den Fernverkehr

Batterie und Wasserstoff im Vergleich der Eckdaten

621 kWh
größter LFP-Akku des eActros 600 Lowliner
500 km
Reichweite des batterieelektrischen Lowliner
1.000+ km
Reichweite des NextGenH2 je Wasserstoff-Tankfüllung
100
geplante NextGenH2-Lkw ab Ende 2026
Bestellstart des eActros Lowliner ist das dritte Quartal 2026, die Fertigung beginnt Mitte 2027 in Wörth am Rhein. Der erste Wasserstoff-Lkw geht bei der Spedition Dachser in Karlsruhe in den Betrieb.

Für Fuhrparkleiter lohnt der frühe Blick auf die Gesamtkosten: Neben dem Kaufpreis zählen die Ladekosten, die Reichweite auf der realen Route und die Frage, ob eine Wasserstofftankstelle in der Nähe liegt. Der Umstieg zum Modelljahr 2027 braucht Vorlauf, die Bestellung beginnt also besser jetzt.

FAQ: eActros Lowliner und Wasserstoff-Lkw von Daimler Truck

Was ist der eActros Lowliner?

Der eActros Lowliner ist eine batterieelektrische Sattelzugmaschine von Mercedes-Benz Trucks. Seine niedrige Sattelkupplung macht ihn für volumiges Frachtgut tauglich. Der Akku fasst 414 oder 621 Kilowattstunden und reicht rund 500 Kilometer weit. Bestellt werden kann ab dem dritten Quartal 2026, gebaut wird ab Mitte 2027 in Wörth am Rhein.

Wie weit fährt der Daimler NextGenH2 mit Wasserstoff?

Der Mercedes-Benz NextGenH2 fährt mit flüssigem Wasserstoff über 1.000 Kilometer je Tankfüllung. Die Brennstoffzelle stammt vom Gemeinschaftsunternehmen cellcentric. Rund 100 Fahrzeuge gehen ab Ende 2026 in den Kundenbetrieb, das erste bei der Spedition Dachser in Karlsruhe.

Warum baut Daimler Truck Batterie- und Wasserstoff-Lkw parallel?

Daimler Truck teilt den Fernverkehr nach Streckenprofil auf. Regionale Touren mit Depotladung passen zum batterieelektrischen Lowliner, schwere Langstrecken eher zum Wasserstoff-Lkw. Beide Antriebe sollen die CO2-Flottengrenzen der EU erfüllen, die ein Diesel-Fuhrpark allein nicht mehr schafft.

Welche CO2-Vorgaben gelten für neue Lkw in der EU?

Neue schwere Nutzfahrzeuge müssen ihren CO2-Ausstoß gegenüber 2019 stufenweise senken: um 45 Prozent bis 2030, um 65 Prozent bis 2035 und um 90 Prozent ab 2040. Die Vorgaben stammen aus der 2024 beschlossenen EU-Verordnung und treiben die Elektrifizierung der Branche.

Quellen

[1] Daimler Truck: „Outlook for IAA Transportation 2026: Mercedes-Benz Trucks focuses on progress across the entire range of powertrain technologies“

[2] Rat der Europäischen Union: „Heavy-duty vehicles: Council signs off on stricter CO2 emission standards“

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