Der Wasserstoff-Lkw bekommt bei Daimler Truck neues Gewicht: Der Konzern kündigt an, bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in die Brennstoffzellen-Technik zu stecken. Konzernchefin Karin Rådström will dem Wasserstoff damit ausdrücklich zum Durchbruch verhelfen, zusätzlich zum batterieelektrischen Lkw.

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Der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt legt sich damit nicht auf einen einzigen Antrieb fest. Die Details zum geplanten Wasserstoff-Ökosystem will Daimler Truck kommende Woche auf der IAA Transportation in Hannover nachreichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Daimler Truck steckt bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in den Wasserstoff-Lkw, parallel zum Batterie-Lkw.
  • Der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck fährt mit flüssigem Wasserstoff bei minus 253 Grad und kommt über 1.000 Kilometer weit.
  • Eine Kleinserie von 100 Fahrzeugen geht ab Ende 2026 an Kunden, die Serienproduktion ist für die frühen 2030er Jahre geplant.
  • Bund, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fördern Entwicklung und Einsatz mit 226 Millionen Euro.

Worauf setzt Daimler Truck beim Wasserstoff?

Gefrorene Gasflasche mit Aufschrift
Daimler Truck setzt auf zwei Antriebstechnologien: Batterieelektrische Lkw für Regionalstrecken, Wasserstoff-Lkw für Fernverkehr mit höherer Reichweite und Nutzlast

Zwei Antriebe statt einer Wette. Daimler Truck fährt eine Doppelstrategie: batterieelektrische Lkw für planbare Regionalstrecken, Brennstoffzellen-Lkw für lange und schwere Ferntouren. Der Grund liegt in der Physik des Energieträgers. Flüssiger Wasserstoff speichert auf gleichem Raum mehr Energie als eine Batterie. Im Fernverkehr bringt der dichtere Kraftstoff höhere Nutzlast und größere Reichweite, ohne tonnenschweren Zusatzakku.

Nicht allein unterwegs. Die Brennstoffzelle steuert das Gemeinschaftsunternehmen cellcentric bei, an dem seit Kurzem auch Toyota beteiligt ist. Beim Tanknetz verbündet sich Daimler Truck mit Volvo und Toyota, um entlang europäischer Fernkorridore überhaupt erst Wasserstoff-Tankstellen aufzubauen.

Was kann der NextGenH2 Truck?

Über 1.000 Kilometer am Stück. Der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck fasst bis zu 85 Kilogramm flüssigen Wasserstoff und kommt damit bei voller Ausladung über 1.000 Kilometer weit.[1] Nachgetankt ist der Lastwagen in 10 bis 15 Minuten, fast so schnell wie ein Diesel.

Ab Ende 2026 beim Kunden. Eine Kleinserie von 100 Fahrzeugen läuft im Mercedes-Benz-Werk Wörth vom Band und geht ab Jahresende an ausgewählte Speditionen, die Serienproduktion folgt in den frühen 2030er Jahren. Bund, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fördern Entwicklung und Einsatz mit 226 Millionen Euro.

Wasserstoff im Lkw war lange ein Versprechen für übermorgen. Mit einer Kleinserie beim Kunden und Hunderten Millionen dahinter rückt der Termin nach vorn.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt die Doppelstrategie für Speditionen?

Der Zeitdruck kommt aus Brüssel. Die EU verschärft die CO2-Flottengrenzwerte für neue Lkw stufenweise bis 2040, und Diesel allein genügt dafür nicht mehr. Speditionen stehen vor der Wahl zwischen Batterie, Wasserstoff und Übergangslösungen wie Bio-LNG.

Noch fehlt das Tankstellennetz. Für den Wasserstoff-Lkw entscheidet die Infrastruktur über den Alltag, denn dichte Stationsnetze existieren bislang kaum. Bei der Flottenplanung zählt zuerst der Blick auf die eigenen Strecken: kalkulierbare Rundläufe sprechen für den Batterie-Lkw wie den eActros 600, lange Fernrelationen für die Brennstoffzelle.

Daimler Truck: der Wasserstoff-Lkw in Zahlen
Mercedes-Benz NextGenH2 Truck, Stand September 2026
über 1.000 km
Reichweite mit einer Tankfüllung, auch bei voller Ausladung
minus 253 °C
Temperatur, bei der der flüssige Wasserstoff (sLH2) an Bord gespeichert wird
100
Fahrzeuge der Kleinserie, im Kundeneinsatz ab Ende 2026
226 Mio. €
Förderung durch Bund, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Jetzt die Weichen stellen. Ob sich der Wasserstoff-Lkw durchsetzt, hängt weniger am Fahrzeug als am Netz aus Tankstellen und grünem Wasserstoff. Für die eigene Beschaffung lohnt der frühe Kassensturz: Welche Touren laufen kalkulierbar elektrisch, und welche brauchen die Reichweite der Brennstoffzelle?

FAQ: Daimler Truck und der Wasserstoff-Lkw

Was ist ein Wasserstoff-Lkw?

Ein Wasserstoff-Lkw fährt elektrisch, erzeugt den Strom aber an Bord in einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff, statt ihn nur aus einer Batterie zu ziehen. Getankt wird gasförmiger oder flüssiger Wasserstoff. Im Betrieb entsteht nur Wasserdampf. Der Antrieb eignet sich vor allem für lange, schwere Fernstrecken.

Wie weit fährt der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck?

Der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck kommt mit einer Tankfüllung über 1.000 Kilometer weit, auch bei voller Ausladung. Der flüssige Wasserstoff bei minus 253 Grad macht die Reichweite möglich, bis zu 85 Kilogramm passen an Bord. Nachgetankt ist der Lastwagen in 10 bis 15 Minuten.

Warum setzt Daimler Truck auf Wasserstoff und Batterie zugleich?

Daimler Truck verfolgt eine Doppelstrategie, weil kein Antrieb allein alle Einsätze abdeckt. Batterie-Lkw passen zu planbaren Regionalstrecken mit Lademöglichkeit, Wasserstoff-Lkw zu langen und schweren Ferntouren, bei denen Reichweite und kurze Tankzeit zählen. So bedient der Konzern beide Streckenprofile.

Ab wann ist der NextGenH2 Truck verfügbar?

Eine Kleinserie von 100 NextGenH2 Trucks geht ab Ende 2026 an ausgewählte Kunden, gebaut im Mercedes-Benz-Werk Wörth. Die reguläre Serienproduktion plant Daimler Truck für die frühen 2030er Jahre. Bund, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fördern Entwicklung und Einsatz mit 226 Millionen Euro.

Quelle

[1] Daimler Truck: „Daimler Truck stellt Mercedes-Benz NextGenH2 Truck vor“ (Pressemitteilung)

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