ZF steckt mitten im Konzernumbau und sucht sein Wachstum ausgerechnet dort, wo die Marge dünn ist: beim Lkw. Bis zu 9 Milliarden Euro soll das Nutzfahrzeug-Geschäft in vier Jahren einbringen, nach rund 7,8 Milliarden im Jahr 2025. Vor der IAA Transportation zeigt der Zulieferer, womit die Rechnung aufgehen soll.

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Rund 7,8 Milliarden Euro Umsatz stammen bei ZF aus dem Nutzfahrzeug-Geschäft, knapp ein Fünftel des Konzerns. Genau dieser Teil soll den Zulieferer aus der Krise ziehen, während das klassische Pkw-Antriebsgeschäft schrumpft. Auf der IAA Transportation in Hannover legt ZF die Belege dafür vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • 9 Milliarden Euro Umsatz peilt ZF im Nutzfahrzeug-Geschäft an, binnen vier Jahren (2025: rund 7,8 Milliarden).
  • Der Zulieferer setzt technologieoffen auf Diesel, Hybrid und Elektro, statt allein auf die Batterie.
  • Ein hybrider Schwerlast-Antrieb spart laut ZF bis zu 50 Prozent CO2.
  • Software-defined vehicle und 360-Grad-Sicherheit sollen das Nutzfahrzeug zum vernetzten Produkt machen.

Warum verschiebt ZF sein Geschäft auf den Lkw?

Wegweiser aus Holz mit Aufschrift Pkw nach links und Lkw nach rechts, Anhänger mit Preis
ZF verlagert Investitionen von schrumpfender Pkw-Antriebssparte zu rentableren Nutzfahrzeugkomponenten

Der Grund liegt im schrumpfenden Kerngeschäft. ZF verdient sein Geld bisher vor allem mit Antrieben und Komponenten für Personenwagen, doch dieser Markt bröckelt unter Kostendruck und dem Umstieg auf Elektroautos. Der Konzern verkleinert deshalb die eigene Pkw-Antriebssparte und schichtet Kapital und Entwicklung ins Nutzfahrzeug um, wo Bremsen, Fahrwerk, Lenkung und Software noch wachsen. 2025 kamen rund 7,8 Milliarden Euro aus diesem Bereich, knapp ein Fünftel des Konzernumsatzes.[1] Auf 9 Milliarden Euro soll der Wert binnen vier Jahren steigen.

Warum setzt ZF auf Hybrid statt auf die reine Batterie?

Weil sich der Diesel im schweren Fernverkehr noch nicht vollständig ersetzen lässt. ZF fährt deshalb technologieoffen und bringt mit dem TraXon 2 Hybrid ein Getriebe, das Verbrenner und E-Antrieb kombiniert, dazu elektrische Achsen für den innerstädtischen Verteilerverkehr. „Der hybride Schwerlastverkehr kann bis zu 50 Prozent CO2 einsparen“, sagt ZF-Chef Matthias Miedreich. Der Vorteil: Die Einsparung greift sofort, ohne dass die Speditionen auf ein flächendeckendes Ladenetz warten müssen.

Für einen Zulieferer, dem das Pkw-Geschäft wegbricht, ist der Lkw keine Nische, sondern die Lebensversicherung. Ob die 9 Milliarden aufgehen, entscheidet weniger die Technik als die Frage, ob die Speditionen den Hybrid bezahlen wollen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Umbau für die deutsche Zulieferindustrie?

ZF steht nicht allein. Continental hat seine Antriebs- und Automotive-Sparte in die Aumovio ausgegliedert, Bosch streicht Tausende Stellen. Alle reagieren auf denselben Druck aus China: Die Hersteller dort bauen günstiger und schneller. Mehr als 30 Prozent der in China verkauften Lkw fahren laut ZF bereits elektrisch. Die Antwort des Konzerns heißt nicht nur Antrieb, sondern Software. Neue Funktionen sollen künftig per Update ins Fahrzeug kommen, ähnlich wie TRATON sein Betriebssystem für Partner öffnet. Für deutsche Speditionen und Zulieferer entscheidet sich damit, ob die Wertschöpfung im Land bleibt oder nach Asien abwandert.

ZF und das Nutzfahrzeug in Zahlen
Der Zulieferer verlagert sein Wachstum auf den Lkw. Vier Kennzahlen zum Umbau.
9 Mrd. €
Umsatzziel im Nutzfahrzeug-Geschäft, angepeilt binnen vier Jahren
7,8 Mrd. €
Nutzfahrzeug-Umsatz 2025, knapp ein Fünftel des Konzernumsatzes
bis 50 %
CO2-Einsparung durch einen hybriden Schwerlast-Antrieb, laut ZF
über 30 %
Anteil elektrischer Lkw an den Lkw-Verkäufen in China

Für Fuhrparkbetreiber lohnt der genaue Blick auf die IAA Transportation vom 15. bis 20. September in Hannover, wo ZF zeigt, welche Hybrid- und E-Komponenten ab wann bestellbar sind. In der Flottenplanung gehört der Hybrid damit als Brücke auf die Liste, nicht allein der Diesel oder der reine E-Lkw.

FAQ: ZF und der Umbau zum Nutzfahrzeug

Warum baut ZF Friedrichshafen um?

ZF baut um, weil das klassische Pkw-Antriebsgeschäft unter Kostendruck und dem Umstieg auf Elektroautos schrumpft. Der Konzern verkleinert diese Sparte gezielt und verlagert Kapital und Entwicklung in das wachsende Nutzfahrzeug-Geschäft mit Bremsen, Fahrwerk, Lenkung und Software.

Wie hoch ist das Umsatzziel von ZF bei Nutzfahrzeugen?

ZF peilt rund 9 Milliarden Euro Umsatz im Nutzfahrzeug-Geschäft an, erreichbar binnen vier Jahren. 2025 lag der Wert bei etwa 7,8 Milliarden Euro und damit bei knapp einem Fünftel des gesamten Konzernumsatzes.

Setzt ZF beim Lkw auf Wasserstoff, Batterie oder Hybrid?

ZF fährt technologieoffen und kombiniert Verbrenner, Hybrid und Elektroantrieb. Für den schweren Fernverkehr gilt der Hybrid als Brücke, weil er laut ZF bis zu 50 Prozent CO2 spart, ohne ein flächendeckendes Ladenetz vorauszusetzen.

Wann findet die IAA Transportation 2026 statt?

Die IAA Transportation 2026 läuft vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover. ZF stellt dort sein Nutzfahrzeug-Portfolio aus, darunter das Getriebe TraXon 2 Hybrid, elektrische Achsen sowie Konzepte für das software-defined vehicle.

Quelle

[1] ZF: „ZF at IAA Transportation 2026“

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