Wasserstoff-Lkw bleiben teuer, solange die Brennstoffzelle in Kleinserie von Hand entsteht. Mit Toyota holen sich Daimler Truck und Volvo einen dritten Eigentümer an Bord, der genau dieses Problem lösen soll: die bezahlbare Serienfertigung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDrei der weltweit größten Lkw-Bauer teilen sich künftig eine Brennstoffzelle. Toyota, die Volvo Group und Daimler Truck haben eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, nach der Toyota als gleichberechtigter Eigentümer beim Stuttgarter Gemeinschaftsunternehmen cellcentric einsteigt.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Toyota wird dritter gleichberechtigter Gesellschafter von cellcentric; jeder der drei Konzerne hält künftig ein Drittel. Vorausgegangen ist eine unverbindliche Absichtserklärung vom 31. März 2026.
- cellcentric entwickelt Brennstoffzellen für schwere Lkw, ist 2021 als Joint Venture von Daimler Truck und Volvo entstanden und hält rund 700 Patente.
- Toyota bringt seine Großserien-Erfahrung aus dem Pkw-Modell Mirai ein; gemeinsam wollen die drei die teure Kerntechnik bezahlbar machen.
- Den Abschluss erwarten die Partner für Ende 2026 oder Anfang 2027, vorbehaltlich der Freigabe durch die Kartellbehörden.
Was genau haben die drei Lkw-Konzerne vereinbart?

Aus dem deutsch-schwedischen Zweier-Bündnis wird eine globale Dreier-Allianz. Jeder der drei Partner hält nach dem Vollzug ein Drittel an cellcentric, das mit über 560 Beschäftigten in Kirchheim/Teck, Esslingen und im kanadischen Burnaby entwickelt und fertigt.[1]
Im Zentrum steht die Zelle selbst. Toyota und cellcentric wollen die Entwicklung und Produktion der Brennstoffzellen-Einzelzellen künftig gemeinsam steuern, also des teuersten und technisch anspruchsvollsten Bauteils. Den Abschluss haben die Beteiligten unter den üblichen Vorbehalt der behördlichen Freigaben gestellt.
Warum tut sich Toyota mit seinen Rivalen zusammen?
Der Grund liegt im Stückpreis. Eine Brennstoffzelle bleibt teuer, solange sie in kleinen Mengen entsteht, und ohne Skaleneffekt kommt der Wasserstoff-Lkw preislich nie an den Diesel heran. Toyota hat mit dem Pkw Mirai als einziger Partner bereits Zellen in echter Großserie gebaut, und dieses Fertigungswissen soll die Kosten je Kilowatt drücken.
Der Schritt ist Konsolidierung, kein Wettlauf. Dieselbe Logik zeigt sich in der Luftfahrt, wo Airbus und MTU ihre Brennstoffzellen-Aktivitäten in einem gemeinsamen Unternehmen bündeln. Zugleich hat Toyota seinen Anteil am japanischen Lkw-Bauer Archion zurückgefahren und konzentriert seine Nutzfahrzeug-Wette damit auf die Brennstoffzelle.
Drei Wettbewerber teilen sich eine Kerntechnologie, weil keiner die Brennstoffzelle allein bezahlbar bekommt. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von einem Markt, der ohne Skaleneffekt nicht abhebt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Toyota, Daimler Truck und Volvo bündeln die Wasserstoff-Brennstoffzelle für schwere Lkw.
Der Weg zum Dreier-Bündnis
Vier Zahlen zum Brennstoffzellen-Pakt
Was bedeutet der Brennstoffzellen-Pakt für deutsche Flotten?
Den Druck macht die Regulierung. Die EU-Flottengrenzwerte verlangen von schweren Lkw bis 2030 einen um 45 Prozent geringeren CO2-Ausstoß, doch batterieelektrische Fahrzeuge dominieren die Zulassungen, wie das Verhältnis von 45 Prozent Ziel zu 2 Prozent Realität bei Daimler Truck zeigt. Für die Serienfertigung hat sich cellcentric ein Grundstück in Weilheim/Teck gesichert, geplanter Start um 2030.[2]
Für Flottenbetreiber bleibt der Wasserstoff-Lkw damit eine Wette auf die Zeit nach 2030, vor allem für lange Strecken und schwere Lasten. Im Alltag der Dekarbonisierung führt heute kein Weg am Batterieantrieb vorbei, wie die Zulassungszahlen des E-Lkw-Jahres 2026 belegen. Offen bleibt zudem, woher der grüne Wasserstoff kommt, den erst Projekte wie der Import-Hub in Algerien in großer Menge liefern sollen.
Quellen
[1] Daimler Truck, Volvo Group, Toyota Motor Corporation: „Toyota, Volvo Group and Daimler Truck have signed binding agreement for Toyota to join cellcentric as equal shareholder“ (27. Juli 2026) ↩
[2] Daimler Truck: „Daimler Truck presents Mercedes-Benz NextGenH2 Truck with small-series production planned from end of 2026″ ↩
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