Oracle baut die Rechenzentren für die KI-Cloud im Rekordtempo und bezahlt einen Teil davon mit gestrichenen Stellen. Nur zwei Tage nach dem gefeierten Quartalsbericht vom 10. September hob der Konzern das Budget seines Sparprogramms um rund 609 Millionen Euro an, alle Beträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je Dollar.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Oracle hob die Kosten seines Restrukturierungsprogramms um rund 609 Millionen auf etwa 2,4 Milliarden Euro an.
- Der Bau der Rechenzentren verschlang 2026 rund 48,5 Milliarden Euro und riss ein Loch von 20,6 Milliarden Euro in den freien Cashflow.
- Zur Finanzierung nahm der Konzern 37,4 Milliarden Euro an Schulden auf und gab Aktien für 4,4 Milliarden Euro aus.
- Die Belegschaft schrumpfte binnen eines Jahres um 21.000 Stellen auf rund 141.000.
Warum streicht ein Rekordquartal Stellen?

Rekord und Sparzwang fallen bei Oracle zusammen. Am 10. September meldete der Konzern einen Bestwert im Auftragsbuch der KI-Cloud,[2] doch im selben Geschäftsjahr kletterten die Investitionen in Rechenzentren auf 48,5 Milliarden Euro, von 18,4 Milliarden ein Jahr zuvor.[1] Der Bau kostete damit weit mehr, als das Geschäft einbrachte.
Das Sparprogramm wächst deshalb mit. Oracle stockte die Kosten der Restrukturierung um rund 609 Millionen auf etwa 2,4 Milliarden Euro auf. Ein Teil der Einschnitte hängt direkt am eigenen KI-Umbau, weil der Konzern Aufgaben an die eigene Software verlagert.
Wer bezahlt den Ausbau der KI-Cloud?
Fremdkapital trägt die Hauptlast. Allein 2026 nahm Oracle 37,4 Milliarden Euro an neuen Schulden auf und gab Aktien für weitere 4,4 Milliarden aus.[1] Der freie Cashflow rutschte auf minus 20,6 Milliarden Euro, weil die Ausgaben die Einnahmen so deutlich übertrafen.
Teurer Kredit wird dabei zum Risiko, seit Ratingagenturen an Oracles Bonität zweifeln. Für das laufende Jahr plant der Konzern rund 35 Milliarden Euro weiter über Schulden und Aktien einzusammeln. Das Muster reicht über Oracle hinaus, denn viele Hyperscaler blähen ihre Gewinne mit langen Abschreibungen auf.
Kennzahlen aus Oracles Geschäftsjahr 2026, umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar.
Oracle zeigt die eigentliche Rechnung des KI-Booms: Der Rekord im Auftragsbuch steht neben 37 Milliarden Euro frischer Schulden und 21.000 gestrichenen Stellen. Den Vorsprung in der KI-Cloud finanziert der Konzern also aus der Substanz.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für europäische Entscheider?
Abhängigkeit wächst mit jedem Vertrag. Unternehmen, die ihre Anwendungen auf die Rechenzentren der KI-Wirtschaft stützen, verlassen sich zunehmend auf schuldenfinanzierte US-Anbieter. Laut Schätzungen der Investmentbank TD Cowen könnten in der neuen Runde 20.000 bis 30.000 Stellen wegfallen, nachdem die Belegschaft binnen eines Jahres bereits um 21.000 auf rund 141.000 geschrumpft ist.
Zwei Kennzahlen gehören künftig zusammen gelesen: der Auftragsbestand und die Barmittel dahinter. Kunden sollten zudem das Kreditrating als Frühwarnsignal nehmen und für kritische Systeme eine zweite Cloud einplanen. Ein Klumpenrisiko bleibt der Großkunde OpenAI, dessen Aufträge einen erheblichen Teil des Wachstums ausmachen.
Der Kraftakt lohnt sich nur, solange die Aufträge tatsächlich in bezahlte Umsätze münden. Ähnlich vorsichtig kalkuliert die Branche bereits, wie Nvidias gekürzte Kreditgarantie für ein OpenAI-Rechenzentrum zeigt. Bis dahin bezahlt Oracle den Vorsprung mit Zinsen und Personal.
FAQ: Oracle finanziert die KI-Rechenzentren mit Schulden und Stellenabbau
Warum baut Oracle so teure KI-Rechenzentren?
Oracle vermietet Rechenkapazität an KI-Firmen wie OpenAI und muss die Rechenzentren dafür vorab bauen. 2026 stiegen die Investitionen auf 48,5 Milliarden Euro, weil die Nachfrage nach KI-Cloud die vorhandene Kapazität übersteigt.
Wie viele Stellen streicht Oracle?
Im Geschäftsjahr bis Ende Mai 2026 schrumpfte die Belegschaft um rund 21.000 auf etwa 141.000. Für die neue Runde schätzt die Investmentbank TD Cowen 20.000 bis 30.000 weitere Stellen, eine offizielle Zahl nennt Oracle nicht.
Was bedeutet ein negativer freier Cashflow?
Negativer freier Cashflow heißt, dass ein Unternehmen mehr Geld ausgibt, als das laufende Geschäft einbringt. Bei Oracle klaffte 2026 eine Lücke von 20,6 Milliarden Euro, die der Konzern mit Schulden und neuen Aktien deckte.
Bleibt die Oracle Cloud für Kunden sicher nutzbar?
Der Betrieb der Oracle Cloud läuft normal weiter, die Sorge betrifft die Finanzierung. Kunden sollten Bonität und Auftragslage beobachten und für kritische Systeme eine zweite Cloud vorsehen.
Quellen
[1] Oracle Corporation: Form 10-K für das Geschäftsjahr zum 31. Mai 2026 (SEC)
[2] Oracle Corporation: Oracle Announces Q1 Fiscal 2027 Results
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