BASF hat vier Großbanken für den Börsengang seiner Agrarsparte an Bord geholt. Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan sollen ein Geschäft mit 9,6 Milliarden Euro Umsatz bis 2027 an die Frankfurter Börse bringen. Der Schritt zeigt, wie ernst es dem Konzern mit der Trennung von Pflanzenschutz und Saatgut ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer BASF Agrar-Börsengang nimmt Gestalt an: Am 14. September 2026 wurde bekannt, dass der Ludwigshafener Chemiekonzern die Konsortialbanken für den geplanten Gang an die Börse mandatiert hat. Damit rückt eine der größten europäischen Neuemissionen der kommenden Jahre näher, auch wenn der finale Startschuss noch aussteht.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Konsortialbanken (Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan) begleiten den geplanten Börsengang.
- Die Agrarsparte kam 2025 auf 9,6 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit mehr als 14.000 Menschen.
- BASF bündelt das Geschäft in einer eigenständigen Europa-AG und will Mehrheitseigner bleiben.
- Die Börsenreife ist für Mitte 2027 angepeilt, der Kapitalmarkttag folgt am 23. und 24. November 2026.
Wer begleitet den Börsengang, und wann kommt er?

Vier Großbanken übernehmen die Rolle der globalen Koordinatoren: Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan. Ob und wann der Börsengang stattfindet, hält sich BASF bewusst offen. Die Reife dafür soll bis Mitte 2027 erreicht sein.[1]
Das Zielobjekt ist kein Randgeschäft. Die Agrarsparte, in der BASF Pflanzenschutz, Saatgut sowie biologische und digitale Lösungen bündelt, setzte 2025 rund 9,6 Milliarden Euro um und zählt weltweit über 14.000 Beschäftigte.
Warum spaltet BASF die Agrarsparte ab?
Eigenständigkeit schafft Wert. Als Teil eines breit aufgestellten Chemiekonzerns konkurriert das Agrargeschäft intern um Kapital und wird an der Börse im Verbund niedriger bewertet als reine Agrarchemie-Werte wie der US-Rivale Corteva. Die Abspaltung soll genau diesen Bewertungsabschlag beseitigen.
Der Umbau reicht tief in die Prozesse. BASF überführt das Agrargeschäft weltweit in eigene Gesellschaften und stützt den Schnitt auf ein branchenspezifisches ERP-System, das die Sparte technisch vom Mutterkonzern löst. Diese digitale Entflechtung ist die eigentliche Schwerarbeit hinter der Schlagzeile, denn ohne getrennte IT- und Finanzsysteme lässt sich kein Geschäft an die Börse bringen.
Die neue rechtliche Hülle ist eine Europa-AG. In dieser Rechtsform bündelt BASF alle globalen Agrar-Einheiten und will nach dem Börsengang Mehrheitseigner bleiben, um am Wachstum weiter zu verdienen. Der Schritt gehört zur 2024 ausgerufenen Strategie „Winning Ways“, mit der Vorstandschef Markus Kamieth den Konzern in Kerngeschäfte und abtrennbare Sparten sortiert.[1]
Ein Börsengang beginnt nicht an der Frankfurter Börse, sondern im ERP-System. Erst die saubere Trennung von Daten, Verträgen und Bilanzen macht ein herausgelöstes Milliardengeschäft überhaupt verkäuflich.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Schritt für Standort und Anleger?
Frankfurt bekommt einen Schwergewichts-Kandidaten. Ein Listing der Agrarsparte in Deutschland wäre eine der größten Neuemissionen seit dem Börsengang von Porsche 2022 und ein seltenes Signal in einem schwachen europäischen IPO-Markt. Der Fall fügt sich in die Debatte um den Standort Deutschland ein.
In Medienberichten kursieren Bewertungen zwischen 20 und 30 Milliarden Euro, bestätigt hat BASF keine Zahl. Für Anleger hängt viel an der EU-Regulierung: Der Pflanzenschutz steht unter dem Druck strengerer Zulassungsregeln und der Debatte um Wirkstoffe wie Glyphosat, was die Erträge der Sparte schwanken lässt.
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum ist der Fall eine Blaupause. Die deutsche Chemie steht unter Kostendruck, wie die Werksschließungen bei Evonik und der Stellenabbau in Ludwigshafen zeigen, und viele Konzerne prüfen die Trennung von Randgeschäften. Ob der Carve-out gelingt, entscheidet weniger die Börsenstimmung als die technische Reife der abgespaltenen Einheit.
Für Beobachter lohnt der Blick auf den Kapitalmarkttag im November: Dort legt BASF die Zahlen offen, an denen sich die kolportierte Bewertung messen lassen muss. Erst danach entscheidet sich, ob aus der Absichtserklärung 2027 ein echter Börsengang wird.
FAQ: BASF mandatiert vier Großbanken für den Agrar-Börsengang
Wann geht BASF Agricultural Solutions an die Börse?
Einen festen Termin gibt es nicht. BASF strebt die Börsenreife für Mitte 2027 an, hält die endgültige Entscheidung über einen Börsengang aber ausdrücklich offen. Der Kapitalmarkttag am 23. und 24. November 2026 liefert die nächsten Details.
Welche Banken begleiten den BASF-Börsengang?
Als globale Koordinatoren hat BASF Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan mandatiert. Diese vier Institute steuern die Vorbereitung der geplanten Neuemission an der Frankfurter Börse.
Was macht BASF Agricultural Solutions?
Die Sparte bündelt das Agrargeschäft von BASF: chemischen und biologischen Pflanzenschutz, Saatgut sowie digitale Anwendungen für die Landwirtschaft. 2025 erzielte sie rund 9,6 Milliarden Euro Umsatz mit weltweit mehr als 14.000 Beschäftigten.
Bleibt BASF nach dem Börsengang beteiligt?
Ja. BASF will auch nach einem Börsengang Mehrheitseigner der neuen Europa-AG bleiben und weiter am Wachstum des Agrargeschäfts verdienen. Vorgesehen ist damit ein Teilbörsengang, keine vollständige Trennung.
Wie viel ist die BASF-Agrarsparte wert?
BASF hat keine Bewertung genannt. In Medienberichten kursieren Schätzungen zwischen 20 und 30 Milliarden Euro. Eine belastbare Einordnung liefern erst der Kapitalmarkttag und später die konkrete Preisspanne des Börsengangs.
Quelle
[1] BASF: „IPO Readiness of BASF Agricultural Solutions“
Mehr Newshunger?
- Evonik klettert auf Baa1: Moody’s belohnt den Schuldenabbau in der Chemiekrise
- Wacker Chemie streicht 1.300 Stellen am Standort Burghausen
- Nächster Chemie-Zukauf: Mutares übernimmt Symrises US-Terpengeschäft
- Miele baut in den USA aus und warnt vor dem Standort Deutschland
- Standort Deutschland: Ist da noch was zu retten?