Mutares wächst im Chemiegeschäft schneller, als die meisten Konzerne dort schrumpfen. Der Münchner Sanierungsinvestor übernimmt von Symrise das US-Geschäft mit Terpen-Inhaltsstoffen, gebündelt in der Gesellschaft AmeriTerpenes. Einen Kaufpreis nennt keine der beiden Seiten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Mutares übernimmt AmeriTerpenes, das US-Terpengeschäft von Symrise: rund 174 Millionen Euro Umsatz, 170 Beschäftigte, zwei Werke in Florida und Georgia.
- Den Kaufpreis nennt keine Seite, Signing und Closing fielen auf denselben Tag.
- Symrise verbucht durch den Verkauf einen nicht zahlungswirksamen Abschreibungsverlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich.
- Für Mutares ist es nach der SABIC-Kunststoffsparte der nächste Baustein des jungen Segments Chemicals & Materials.
Was übernimmt Mutares von Symrise?

Mutares übernimmt mit AmeriTerpenes ein Geschäft, das Symrise aus dem Konzern ausgliedert.[1] Der Bereich steht für rund 174 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt etwa 170 Menschen und betreibt zwei Werke in Jacksonville (Florida) und auf Colonels Island (Georgia).
Die Rohstoffe stammen aus Kiefernharz, einem nachwachsenden Ausgangsstoff. AmeriTerpenes ist der größte nordamerikanische Hersteller von Dihydromyrcenol und liefert außerdem Linalool und Anethol, Bausteine für Parfums, Reinigungsmittel und Lebensmittelaromen.[1]
„Mit dieser Transaktion fügen wir unserem Segment Chemicals & Materials eine starke Plattform hinzu und stärken zugleich unsere Präsenz im US-Markt“, sagt Johannes Laumann, Investmentchef von Mutares.
Warum trennt sich Symrise mit Verlust?
Symrise nimmt für den Verkauf einen Abschreibungsverlust in Kauf, nicht zahlungswirksam und im mittleren zweistelligen Millionenbereich, der das Ergebnis 2026 belastet.[2] Signing und Closing fielen auf denselben Tag.
Hinter dem Verkauf steht die Strategie ONE Symrise: Das Unternehmen aus Holzminden konzentriert sich auf die margenstärkeren Geschäfte mit Duft, Geschmack und Ernährung und trennt sich von Randbereichen. Zugleich kauft der Konzern gezielt zu, etwa die Naturrohstoffe von Floral Concept in Grasse. Terpene aus Kiefernharz dagegen sind kapitalintensiv, rohstoffabhängig und liegen weit vom Kern entfernt.
Die terpenbasierten Rohstoffe bezieht Symrise über einen langfristigen Liefervertrag weiter von AmeriTerpenes.[2]
Mutares verdient nicht am Wachstum, sondern an den Bilanzsorgen anderer. Jede Sparte, die einem Chemiekonzern zu teuer oder zu klein geworden ist, wird zur Beute, und das Terpengeschäft von Symrise reiht sich nahtlos hinter der SABIC-Sparte ein.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für die deutsche Chemiebranche?
Der Zukauf ist kein Einzelfall. Erst vor gut einer Woche übernahm Mutares die Kunststoffsparte von SABIC und gründete daraus das Segment Chemicals & Materials. AmeriTerpenes wird dessen zweiter Pfeiler.
Deutschlands Chemiekonzerne misten ihre Portfolios aus. In Ludwigshafen ist die Stammbelegschaft von BASF erstmals seit 1954 unter 30.000 Stellen gefallen, und Evonik baut Schulden ab, wofür Moody’s den Konzern gerade hochgestuft hat.
Für Mutares ist diese Schwäche das Geschäftsmodell: Der Investor kauft ungeliebte Sparten oft unter Buchwert, saniert sie und verkauft nach einigen Jahren weiter. Ähnlich gab Knorr-Bremse sein Bahn-Klimageschäft Merak an den Finanzinvestor OpenGate ab. Zulieferer und Standortplaner sollten den Eigentümerwechsel deshalb früh einordnen, denn ein Sanierungsinvestor misst eine Sparte an Renditezielen und hält die Weiterführung nach dem Wiederverkauf offen.
Quellen
[1] Mutares SE & Co. KGaA: „Mutares has acquired AmeriTerpenes LLC, the US Terpene Ingredients business of Symrise“
[2] Symrise AG: „Symrise signs agreement to divest its terpene ingredients business to Mutares SE & Co. KGaA“
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