Knorr-Bremse gibt sein weltweites Klimageschäft für Züge ab und verkauft die Sparte Merak an den US-Finanzinvestor OpenGate Capital. Der Schritt gehört zum Konzernprogramm BOOST, mit dem der MDAX-Zulieferer sein Portfolio auf das margenstarke Kerngeschäft zuspitzt.

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Rund 360 Millionen Euro Jahresumsatz wandern mit einer Unterschrift aus der Bilanz: Knorr-Bremse hat am 28. Juli 2026 den Verkauf seiner Klimatechnik-Tochter Merak besiegelt. Hinter dem nüchternen Vollzug steckt eine strategische Rechnung, die weit über eine einzelne Sparte hinausreicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Käufer ist OpenGate Capital, ein auf Industrie-Ausgliederungen spezialisierter US-Investor.
  • Merak setzt rund 360 Millionen Euro um und beschäftigt etwa 1.500 Menschen.
  • Der Verkauf soll die operative Marge der Rail-Sparte anheben.
  • Der Abschluss ist für Ende 2026 geplant, vorbehaltlich der Freigaben.

Was Knorr-Bremse an OpenGate abgibt

Modelleisenbahnwaggons auf Gleis, grauer Waggon mit „verkauft“-Schild, daneben Leitkegel
Merak mit Sitz in Getafe bei Madrid liefert Heiz-, Lüftungs- und Klimasysteme für Schienenfahrzeuge und beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter an europäischen, nordamerikanischen, chinesischen und australischen Standorten

Merak liefert Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme für Schienenfahrzeuge und sitzt mit seiner Zentrale im spanischen Getafe bei Madrid.[1] Die Sparte arbeitet an Standorten in Europa, Nordamerika, China und Australien, alle rund 1.500 Beschäftigten wechseln mit. Vollständige Übernahme also, samt Belegschaft und Verträgen.

Käufer ist OpenGate Capital, ein US-Investor aus Los Angeles mit gut 1,5 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen. Seit 2005 hat die Firma über 40 solcher Ausgliederungen aus Industriekonzernen übernommen und für 2026 gezielt weitere europäische Carve-outs angekündigt.

Warum trennt sich Knorr-Bremse ausgerechnet jetzt?

Klimatechnik ist ein vergleichsweise wettbewerbsintensives Zuliefergeschäft mit dünnen Margen. Das Kerngeschäft rund um Bremssysteme, Zugsteuerung und digitale Bahntechnik trägt dagegen höhere Renditen, weil hier Sicherheitszulassungen den Markt vor billiger Konkurrenz schützen. Margenlogik statt Wachstum um jeden Preis.

Genau daran setzt das Programm BOOST an: Knorr-Bremse spitzt das Portfolio auf die eigenen technologischen Kernkompetenzen zu und rechnet nach dem Verkauf mit einer höheren operativen Marge in der Rail-Sparte.[1]

Sichtbar wird der Fokus dort, wo der Konzern investiert. Für Fortescues Erzbahn in Australien liefert Knorr-Bremse die digitale Signaltechnik zum Bahn-Upgrade, und für den fahrerlosen Lkw bringt der Zulieferer 2027 ein redundantes Bremssystem in Serie. Digitaler Kern, an dem der Konzern festhält.

Knorr-Bremse verkauft Merak
Ein 360-Millionen-Geschäft verlässt den Konzern
Die Klimatechnik-Sparte geht an den US-Finanzinvestor OpenGate Capital
360 Mio. €
erwarteter Umsatz der Sparte Merak im Jahr 2026
1.500
Beschäftigte wechseln vollständig zum neuen Eigentümer
4 Kontinente
Standorte in Europa, Nordamerika, China und Australien
Ende 2026
geplanter Abschluss, vorbehaltlich der Freigaben

Warum der Verkauf

Mit dem Programm BOOST schärft Knorr-Bremse sein Portfolio. Das margenschwächere Klimageschäft geht, das margenstarke Kerngeschäft aus Bremssystemen und digitaler Bahntechnik bleibt. Rechnerisch hebt das die operative Marge der Rail-Sparte.

Der Verkauf von Merak ist kein Rückzug, sondern eine Ansage: Knorr-Bremse verdient künftig lieber an sicherheitskritischer Digitaltechnik als an austauschbaren Klimaanlagen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Ein Muster, das die deutsche Industrie prägt

Der Fall reiht sich in eine Serie ein. Continental hat sein Industriegeschäft ContiTech für vier Milliarden Euro abgegeben und sich zum reinen Reifenhersteller verschlankt. Evonik stößt ganze Chemieparks ab, und bei BASF und den Stahlkonzernen läuft derselbe Konzernumbau.

Das gemeinsame Motiv heißt Konglomeratsabschlag: Der Kapitalmarkt bewertet fokussierte Konzerne höher als gemischte Portfolios. Spezialisierte Finanzinvestoren wie OpenGate füllen die Lücke und kaufen genau die Randgeschäfte, die den Kern verwässern.

Für die rund 1.500 Merak-Beschäftigten beginnt damit ein Kapitel unter dem Renditedruck, wie er für Private-Equity-Eigentum typisch ist. Kunden und Zulieferer der Sparte sollten vor dem Abschluss Ende 2026 Vertragslaufzeiten und Investitionszusagen des neuen Eigentümers absichern. Handlungsdruck entsteht also nicht erst nach dem Closing.

Quelle

[1] Knorr-Bremse: „Knorr-Bremse verkauft sein weltweites Geschäft mit Klimasystemen für Züge“ (28. Juli 2026)

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