Kaum ein KI-Rechenzentrum läuft ohne die winzigen optischen Module, die tausende Grafikchips per Lichtsignal verbinden. Genau dieses Geschäft bringt der Hisense-Konzern jetzt als eigene Firma namens Ligent an die Hongkonger Börse, mit einem Volumen von bis zu 630 Millionen Euro. Der Börsengang zeigt, wie viel Geld im unscheinbaren Rückgrat des KI-Booms steckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenOptische Module sind der Teil der KI-Infrastruktur, über den kaum jemand spricht. Trotzdem hängt das Tempo ganzer Rechenzentren daran. Am 22. September 2026 startet mit Ligent Technologies der weltweit fünftgrößte Modulhersteller an der Börse in Hongkong. Der Zeitpunkt passt zum Markt: Der Bau von KI-Fabriken treibt die Nachfrage nach genau dieser Technik.
Das Wichtigste in Kürze
- Ligent Technologies, die optische Modulsparte von Hisense, geht am 22. September 2026 in Hongkong an die Börse und nimmt bis zu 630 Millionen Euro ein.
- Das Unternehmen liegt bei optischen Modulen weltweit auf Platz fünf und liefert die Lichtverbindungen für KI-Rechenzentren.
- 2025 setzte Ligent rund 1,0 Milliarde Euro um, im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz um 124 Prozent; die Sparte für optische Chips schreibt aber Verlust.
- Europas KI-Ausbau hängt an einer Lieferkette für optische Technik, die chinesische Hersteller dominieren.
Wozu braucht ein KI-Rechenzentrum optische Module?

Ein modernes KI-Cluster verschaltet zehntausende Grafikchips, etwa in den geplanten 100.000-GPU-Clustern chinesischer Anbieter. Je größer das Modell, desto mehr Daten müssen die Chips untereinander austauschen. Kupferkabel stoßen schon nach wenigen Metern an ihre Grenze, deshalb übernehmen optische Module den Verkehr im KI-Rechenzentrum und wandeln die Daten in Lichtsignale um.
Ligent gehört zu den wenigen Herstellern, die Module und die darin verbauten optischen Chips selbst entwickeln und in Serie fertigen. Diese Fertigungstiefe erklärt den weltweiten Rang fünf und einen Marktanteil von 2,9 Prozent im Jahr 2024.
Warum kommt der Börsengang gerade jetzt?
Ligents Umsatz kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 124 Prozent, für das Gesamtjahr 2025 stehen rund 1,0 Milliarde Euro in den Büchern (8,36 Milliarden Yuan, umgerechnet zum Kurs von etwa 0,12 Euro je Yuan am 14. September 2026).[1]
Frisches Kapital soll die Fertigung ausbauen. Bis zu 630 Millionen Euro (727 Millionen US-Dollar, Kurs rund 0,87 Euro je Dollar) nimmt Hisense über 172 Millionen Aktien zu je 32,96 Hongkong-Dollar ein. Als Konsortialbanken begleiten Citigroup und CITIC Securities den Börsengang.
Ein Schwachpunkt bleibt sichtbar: Die Sparte für optische Chips schreibt weiter Verlust, während die Module das Geld verdienen. Ähnlich hat sich ZTE vom reinen Netzausrüster zum KI-Zulieferer gedreht. Nach dem Schritt an die Börse hält Hisense 48,61 Prozent an der Tochter, die als sechstes Konzernunternehmen ein eigenes Listing bekommt.
Alle starren auf die Grafikchips, dabei entscheidet oft die Optik dazwischen über Tempo und Kosten eines KI-Rechenzentrums. Ligents Börsengang macht sichtbar, wie stark Europas KI-Ausbau an einer Lieferkette hängt, die in Asien sitzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Rechenzentren?
Für europäische Betreiber von KI-Rechenzentren zählt vor allem eines: Die optische Vernetzung kommt fast vollständig aus Asien. Ligent beliefert bereits große Netzbetreiber und Cloud-Anbieter; die führenden Modulhersteller sitzen überwiegend in China. So wächst eine Abhängigkeit, die bei jeder Ausbaustufe von Telekom, Google oder STACKIT mitspielt.
Wie heikel das politisch ist, zeigt der Blick in die USA: Dort bereitet die Regulierung einen Importstopp für chinesische optische Transceiver vor. Europa kennt bisher keine vergleichbare Hürde, prüft die Lieferketten kritischer Infrastruktur unter NIS2 aber zunehmend streng. Beim Bau einer KI-Fabrik gehören Bezugsquellen, Zweitlieferanten und Vorlaufzeiten deshalb von Anfang an in die Kalkulation.
Europäische Alternativen existieren, bleiben aber kleiner: Adtran verdient im optischen Geschäft wieder Geld, LPKF liefert die Serientechnik fürs optische Packaging. Für große KI-Projekte lohnt der Blick auf beide Seiten der Lieferkette.
FAQ: Ligents Börsengang und optische Module
Was ist Ligent Technologies?
Ligent Technologies ist die optische Modulsparte des chinesischen Hisense-Konzerns. Das Unternehmen entwickelt und fertigt optische Module und Chips, die in KI-Rechenzentren tausende Grafikchips per Lichtsignal verbinden, und rangiert damit weltweit auf Platz fünf.
Wann geht Ligent Technologies an die Börse?
Der erste Handelstag an der Hongkonger Börse ist für den 22. September 2026 geplant. Ligent gibt 172 Millionen Aktien zu je 32,96 Hongkong-Dollar aus und nimmt damit bis zu 630 Millionen Euro ein.
Worin unterscheiden sich optische Module und optische Chips?
Der optische Chip erzeugt und empfängt das Lichtsignal, das Modul fasst Chip, Elektronik und Steckverbindung zu einem einsatzfertigen Bauteil zusammen. Ligent stellt beides her, verdient das Geld bislang aber mit den Modulen, während die Chipsparte Verlust schreibt.
Welche europäischen Anbieter für optische Netztechnik gibt es?
Zu den europäischen Namen zählen Adtran, das im optischen Geschäft wieder Gewinn macht, und LPKF, das Serientechnik für optisches Packaging liefert. Beide bleiben deutlich kleiner als die führenden Hersteller aus China.
Quelle
[1] Ligent Technologies (HKEX): Listing Document / Börsenprospekt, September 2026
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