Die Adtran Networks SE hat im zweiten Quartal 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft, ausgerechnet mit dem Geschäft, das eine reißerische Börsenschlagzeile am Dienstag als Schock verkaufte. Der Umsatz stieg um 21,6 Prozent auf 133,4 Millionen Euro, das operative Ergebnis drehte von einem Verlust auf ein klares Plus.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDahinter steckt eine Einordnung, die jeden Betreiber digitaler Infrastruktur angeht. Am KI-Boom verdienen nicht nur die Chiphersteller wie Nvidia, sondern auch die Anbieter, die das Licht durch die Glasfaser schicken.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz der Adtran Networks SE legte im zweiten Quartal 2026 um 21,6 Prozent auf 133,4 Millionen Euro zu.
- Das operative Ergebnis drehte auf 4,4 Millionen Euro, nach einem Verlust von 7,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
- Treiber ist das optische Netzgeschäft, das Rechenzentren und Glasfasernetze mit Bandbreite versorgt.
- Die US-Muttergesellschaft ADTRAN Holdings verfehlte parallel ihre eigene Umsatzprognose, wegen eines verschobenen Kundenprojekts.
Wie kam die Wende in die Gewinnzone zustande?

Getragen hat die Wende das optische Netzgeschäft. Die Bruttomarge kletterte auf 35,3 Prozent, der Bruttogewinn auf 47,1 Millionen Euro. Aus dem operativen Verlust von 7,4 Millionen Euro im Vorjahresquartal wurde ein Gewinn von 4,4 Millionen Euro, bei 133,4 Millionen Euro Umsatz.[1]
Die börsennotierte Sparte ist das frühere ADVA Optical Networking und bündelt in der Gruppe das Geschäft mit optischer Übertragungstechnik. Genau diese Technik entscheidet, wie viele Daten sich über eine bestehende Glasfaser jagen lassen. Dort zieht die Nachfrage an.
Warum ist das optische Netz der Engpass des KI-Booms?
Jedes KI-Modell braucht Bandbreite. Training und Betrieb erzeugen Datenmengen, die zwischen Servern und ganzen Rechenzentren fließen. Dieser Verkehr läuft über Glasfaser und über optische Technik, die das Signal bündelt und weiterreicht. Adtran bedient ihn mit der FSP-3000-Familie, mit kohärenter Optik für 400 und 800 Gigabit und mit stromsparenden Steckmodulen für die Verbindung von Rechenzentren.[2]
Der Bauboom bei KI-Rechenzentren wirkt so bis in die Netztechnik durch, ähnlich wie beim Baukonzern Hochtief, der zum heimlichen Gewinner des KI-Booms wurde. Auch das Rohmaterial gehört dazu: Der Werkstoffkonzern Heraeus fährt sein stillgelegtes Quarzglaswerk wieder hoch, aus eben jenem Quarzglas entstehen die Vorformen der Glasfaser. Wo Rechenleistung wächst, verschieben sich die Engpässe entlang der Kette, vom Chip über das Stromnetz, in das E.ON 40 Milliarden Euro steckt, bis zur Faser. Die Grundlagen dieser Verkettung ordnet die Themenseite zur künstlichen Intelligenz ein.
Der KI-Boom entscheidet sich nicht nur am Rechenchip, sondern an der Glasfaser dahinter. Adtran beweist, dass ein europäischer Netzausrüster genau dort Geld verdient, wo die Datenmengen am schnellsten wachsen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Treiber: optische Netze
Rechenzentren und Glasfasernetze verlangen nach immer mehr Bandbreite. Systeme wie die FSP-3000-Familie mit 400- und 800-Gigabit-Optik verbinden Rechenzentren und tragen so den Datenverkehr des KI-Booms.
Was bedeutet der Riss zwischen US-Mutter und Optiksparte?
Die Schockschlagzeile stammt von der Mutter, nicht von der Sparte. ADTRAN Holdings meldete für das zweite Quartal 2026 vorläufig rund 244 Millionen Euro Umsatz und verfehlte damit die eigene Prognose von 246 bis 264 Millionen Euro, wegen eines einzelnen verschobenen Kundenprojekts sowie hoher Bauteil- und Frachtkosten.[1] Die optische Tochter wuchs im selben Zeitraum.
Der Kontrast ist das eigentliche Signal. Ein Quartalsfehlschlag auf Gruppenebene ist kein Nachfrageeinbruch bei der Optik. Beides gehört sauber getrennt. Vergleichbar liegt der Fall bei Aixtron, das Rekordaufträge für KI-Laser sammelt und im Halbjahr trotzdem rote Zahlen schreibt: Die KI-Nachfrage zieht, die Konzernbilanz hinkt der Auftragslage hinterher.
Für den DACH-Raum zählt die Herkunft. Mit der Adtran Networks SE sitzt einer der wenigen europäischen Anbieter optischer Transporttechnik in Deutschland. Die EU peilt bis 2030 flächendeckende Gigabit-Netze an. Jedes KI-Rechenzentrum in Europa braucht zudem optische Strecken für den Datenaustausch. Ein profitabler europäischer Ausrüster stärkt die Lieferkette der digitalen Infrastruktur gegenüber den großen Anbietern aus den USA und China.
Für Entscheider mit Rechenzentrums- oder Netzprojekten lohnt der zweite Blick. Ein Konzernquartal unter Plan sagt wenig über die Nachfrage nach 800-Gigabit-Optik aus, die für den Datenaustausch zwischen KI-Standorten den Ausschlag gibt. Für die eigene Bandbreitenplanung zählt die Roadmap für kohärente Optik samt Lieferfähigkeit über mehrere Anbieter, nicht eine einzelne Quartalszahl.
FAQ: Adtran Networks und das optische Netzgeschäft
Was macht die Adtran Networks SE?
Die Adtran Networks SE ist der Optiknetz-Spezialist der ADTRAN-Gruppe und ging aus der früheren ADVA Optical Networking hervor. Das Unternehmen baut optische Übertragungstechnik, mit der Betreiber Rechenzentren, Metro- und Fernnetze über Glasfaser mit hoher Bandbreite verbinden.
Worin unterscheiden sich Adtran Networks SE und ADTRAN Holdings?
ADTRAN Holdings ist die US-amerikanische Muttergesellschaft, die Adtran Networks SE die börsennotierte deutsche Tochter mit dem optischen Netzgeschäft. Die Zahlen beider Ebenen laufen auseinander: Die SE wuchs im zweiten Quartal 2026, die Gruppe verfehlte ihre Umsatzprognose.
Was bedeutet Data Center Interconnect?
Data Center Interconnect, kurz DCI, verbindet mehrere Rechenzentren über optische Strecken zu einem gemeinsamen Rechenverbund. Der Datenverkehr zwischen KI-Rechenzentren wächst besonders schnell, weshalb die Nachfrage nach DCI-Technik mit 400- und 800-Gigabit-Optik zunimmt.
Warum profitieren Netzausrüster vom KI-Boom?
Jedes KI-Modell erzeugt beim Training und im Betrieb enorme Datenmengen, die zwischen Servern und Standorten fließen. Diese Bandbreite läuft über Glasfaser und optische Übertragungstechnik. Steigt der Bedarf, wächst das Geschäft der Ausrüster hinter dem Rechenchip.
Ist Adtran ein deutsches Unternehmen?
Die Adtran Networks SE hat ihren Sitz in Deutschland und ist an der Börse notiert, gehört aber zur US-amerikanischen ADTRAN Holdings. Als einer der wenigen europäischen Anbieter optischer Transporttechnik zählt die Sparte zur digitalen Infrastruktur des Kontinents.
Quellen
[1] ADTRAN Holdings: „ADTRAN Holdings, Inc. announces certain preliminary second quarter 2026 results“
[2] Adtran: „Adtran to showcase industry-leading open optical networking for the AI era at OFC 2026“
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