Der Stellenabbau bei Nutanix trifft rund 5 Prozent der Belegschaft, gemessen an den zuletzt ausgewiesenen 7.800 Beschäftigten also etwa 390 Stellen. Zehn Wochen zuvor hatte der Virtualisierungsanbieter seine Jahresprognose angehoben. Über Tempo und Kosten entscheiden nun europäische Betriebsräte mit.

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Die Meldung steht seit dem 4. August 2026 als Pflichtbericht bei der US-Börsenaufsicht.[1] Nutanix veranschlagt Vorsteuerkosten zwischen 28,7 und 37,4 Millionen Euro, überwiegend Abfindungen und überwiegend zahlungswirksam (Umrechnungskurs 0,87 am Meldetag). Bis Ende Oktober soll der Umbau stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Stellenabbau bei Nutanix erfasst rund 5 Prozent der Belegschaft weltweit und kostet 28,7 bis 37,4 Millionen Euro vor Steuern.
  • Der Schnitt beginnt drei Tage nach dem Ende des Geschäftsjahres, das am 31. Juli 2026 auslief.
  • Im dritten Quartal wuchs der wiederkehrende Jahresumsatz um 15 Prozent, der ausgewiesene Umsatz nur um 10 Prozent.
  • In Europa verschieben Konsultationspflicht und Anzeigefrist den Vollzug um mindestens 30 Tage.

Warum trifft der Stellenabbau ein wachsendes Geschäft?

Wanderkarte der Alpenregion mit Sanduhr und orangefarbener Markierungsfahne auf einem Holzstuhl
Nutanix erzielte im April-Quartal 611,7 Mio. Euro Umsatz, operative Marge von 22,3 Prozent und freien Cashflow von 171,6 Mio. Euro. Die Jahresprognose wurde erhöht

Nutanix verdient Geld. Im Quartal bis Ende April lag der Umsatz bei 611,7 Millionen Euro, die operative Marge nach eigener Rechnung bei 22,3 Prozent und der freie Cashflow bei 171,6 Millionen Euro.[2] Ende Mai hob Finanzchefin Rukmini Sivaraman die Jahresprognose sogar an. Ein Sanierungsfall sieht anders aus.

Die Lücke sitzt im Tempo. Der wiederkehrende Jahresumsatz stieg um 15 Prozent auf 2,11 Milliarden Euro, der ausgewiesene Umsatz nur um 10 Prozent. Im Geschäftsjahr 2025 hatte Nutanix noch 18 Prozent zugelegt, die eigene Prognose für 2026 liegt bei gut 11 Prozent. Der Vertriebsapparat ist auf das alte Tempo gebaut. Die Abbaukosten fallen bereits ins neue Geschäftsjahr.

Was folgt auf eine Migrationswelle?

Den Zulauf verdankt Nutanix seinem Wettbewerber. Nach Broadcoms Übernahme von VMware zogen die Lizenzpreise an, fünf europäische Cloud-Verbände beziffern den Aufschlag in ihrer Beschwerde bei der EU-Kommission auf bis zu 1.000 Prozent. Nutanix meldete daraufhin 30.000 Wechsler, die Handelskette Tesco verlagerte 40.000 Server-Workloads.

Eine Migration bleibt allerdings Projektgeschäft. Der Wechsel bringt einen Vertrag über im Schnitt 3,4 Jahre, danach zieht derselbe Kunde kein zweites Mal um. Das Kartellverfahren der EU-Kommission gegen Broadcom läuft weiter, der Eilantrag des Konzerns scheiterte Anfang August. Die Welle läuft also weiter, flacht aber ab.

Der Stellenabbau bei Nutanix in Zahlen
Ein profitables Geschäftsjahr endet, drei Tage später beginnt der Schnitt
rund 390
Stellen entsprechen 5 Prozent der zuletzt ausgewiesenen 7.800 Beschäftigten
28,7 bis 37,4 Mio. €
Vorsteuerkosten, überwiegend Abfindungen und überwiegend zahlungswirksam
59 Prozent
der Beschäftigten arbeiten außerhalb der USA, viele davon in Europa
30 Tage
Mindestfrist nach der Anzeige, bevor Massenentlassungen in der EU wirksam werden

Wiederkehrender und ausgewiesener Umsatz im Quartal bis 30. April 2026

Wiederkehrender Jahresumsatz plus 15 Prozent
Ausgewiesener Umsatz plus 10 Prozent

Nutanix hat den VMware-Exodus eingesammelt und merkt jetzt, dass jeder Kunde nur einmal umzieht. Für den deutschen Mittelstand steckt darin die wichtigere Nachricht als in den 390 Stellen: Der Preisdruck von Broadcom verschwindet dadurch nicht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum bestimmen Betriebsräte den Zeitplan des Stellenabbaus?

59 Prozent der Belegschaft arbeiten außerhalb der USA.[3] In den USA vertritt keine Gewerkschaft die Beschäftigten, in mehreren europäischen Ländern sitzen Betriebsräte am Tisch und gelten Branchentarifverträge. Genau darauf verweist der Bericht an die Börsenaufsicht selbst: Umfang, Zeitpunkt und Umsetzung könnten je nach Rechtsraum abweichen, abhängig von Konsultationsverfahren und der Einbindung von Arbeitnehmervertretungen.

Die EU-Richtlinie über Massenentlassungen verlangt vom Arbeitgeber, rechtzeitig zu konsultieren, um zu einer Einigung zu gelangen. Angezeigte Entlassungen werden frühestens 30 Tage nach Eingang der Anzeige bei der zuständigen Behörde wirksam.[4] In Deutschland kommen Interessenausgleich und Sozialplan nach dem Betriebsverfassungsgesetz hinzu, dazu die Massenentlassungsanzeige nach § 17 Kündigungsschutzgesetz. Die Lufthansa hat diesen Weg gerade vorgemacht und ihren Verwaltungsabbau mit einem Freiwilligenprogramm eröffnet.

Für IT-Verantwortliche zählt am Stellenabbau eine andere Frage als die Personalzahl: Trifft der Schnitt die Betreuung der eigenen Migration? Prüfen Sie gerne die vertraglich zugesagten Reaktionszeiten und lassen Sie sich den Ansprechpartner für laufende Projekte schriftlich bestätigen. Beim Umzug ganzer Serverflotten lohnt ein Blick auf die größten Rechenzentren in Deutschland und auf das Geschäftsmodell von Dell, weil die Hardware im selben Projekt mitentschieden wird.

Quellen

[1] Nutanix: Bericht an die US-Börsenaufsicht vom 4. August 2026, Punkt 2.05 „Costs Associated with Exit or Disposal Activities“

[2] Nutanix: „Nutanix Reports Third Quarter Fiscal 2026 Financial Results“ (27. Mai 2026)

[3] Nutanix: Jahresbericht Form 10-K für das Geschäftsjahr bis 31. Juli 2025, Abschnitt „Employees and Human Capital“

[4] Europäische Union: Richtlinie 98/59/EG über Massenentlassungen, Artikel 2 und Artikel 4

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