Prediction Markets brachten Robinhood im zweiten Quartal 2026 rund 136 Millionen Euro und damit mehr als der Aktienhandel. Bei 13,6 Milliarden gehandelten Kontrakten bleibt dem Broker etwa ein Cent je Stück. In der EU ist genau dieses Geschäft für Privatanleger verboten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPrediction Markets zählten bei Robinhood im zweiten Quartal 2026 rund 13,6 Milliarden gehandelte Kontrakte, von Zinsentscheidungen bis zu Sportergebnissen. Die Erlöse daraus übertrafen erstmals den klassischen Aktienhandel. Für dieses Geschäft hat Robinhood im Juni sogar eine eigene Börse eröffnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Ereigniskontrakte brachten Robinhood im zweiten Quartal 2026 rund 136 Millionen Euro, mehr als das Zehnfache des Vorjahreswerts.
- Der Aktienhandel lag bei 112,2 Millionen Euro, das Kryptogeschäft sank um 38 Prozent auf 87 Millionen Euro.
- Je gehandeltem Kontrakt bleibt Robinhood etwa ein Cent, den Umsatz macht die schiere Menge.
- Die ESMA ordnet solche Kontrakte als binäre Optionen ein, für Privatanleger in der EU sind sie damit gesperrt.
Warum bringen Prediction Markets mehr ein als der Aktienhandel?

Robinhood kassiert bei Ereigniskontrakten eine feste Gebühr je Stück, unabhängig vom Einsatz des Kunden. Aus 13,6 Milliarden Kontrakten wurden so 135,7 Millionen Euro, also rund ein Cent pro Stück.[1] Der Aktienhandel folgt einer anderen Logik: 831,7 Milliarden Euro Ordervolumen ergaben dort nur 112,2 Millionen Euro. Den Ausschlag gibt damit die Frequenz der Abschlüsse.
Rechnerisch entfallen auf jeden der 28,4 Millionen Kunden 479 Kontrakte im Quartal. Ein Ereigniskontrakt läuft oft nur Stunden, ein Depotwert liegt Jahre. Diese Umschlaggeschwindigkeit macht das Produkt für einen Broker lukrativer als die klassische Kauforder. Das Kryptogeschäft fiel im selben Zeitraum um 38 Prozent auf 87 Millionen Euro und landete damit hinter beiden.
Was ändert die eigene Börse Rothera am Geschäftsmodell?
Im Juni startete Robinhood zusammen mit Susquehanna International Group die Börse Rothera, von der US-Terminaufsicht CFTC als Handelsplatz und als Clearingstelle zugelassen. Über 3,5 Milliarden Kontrakte liefen seither darüber.[1] Robinhood kassiert damit zusätzlich zur Vermittlung auch die Handelsplatzgebühr, die bisher an fremde Börsen floss.
Dasselbe Muster zeigte der Broker schon bei seiner eigenen Blockchain für tokenisierte Aktien. Auch Mastercard und Visa kaufen sich gerade die Schienen, über die ihr Geschäft läuft. Besitzt ein Anbieter die Infrastruktur, verdient er doppelt.
Die vier Erlösquellen im Größenvergleich
13,6 Milliarden gehandelte Ereigniskontrakte ergaben 135,7 Millionen Euro. Der gesamte Nettoumsatz des Quartals lag bei 1,14 Milliarden Euro.
Robinhood verdient nicht mehr am Kursgewinn seiner Kunden, sondern an der Zahl ihrer Entscheidungen. Die eigene Börse macht aus dieser Gebühr gleich zwei Einnahmen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum bleiben Prediction Markets in Europa gesperrt?
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat am 3. Juli 2026 klargestellt, dass Ereigniskontrakte mit binärer Auszahlung als Derivate gelten, sobald ihr Basiswert unter Anhang I Abschnitt C Nummer 4 bis 10 der MiFID II fällt.[2] Damit greifen die nationalen Produktinterventionsmaßnahmen gegen binäre Optionen, die seit 2019 in allen Mitgliedstaaten gelten. Der Vertrieb an Privatkunden ist verboten; der Produktname ändert daran nichts.
In Deutschland setzt die BaFin diese Sperre per Allgemeinverfügung durch, zusätzlich prüfen die Glücksspielaufseher solche Angebote nach dem Glücksspielstaatsvertrag. Mehrere EU-Staaten haben Kalshi und Polymarket bereits blockiert, darunter Spanien, die Niederlande und Belgien. Für deutsche Broker wie flatexDEGIRO bleibt diese Erlösquelle verschlossen, Robinhood selbst bietet in Europa nur Kryptohandel und Perpetual Futures an.
Fintechs mit Europa-Plänen lassen Prediction Markets vor dem Start am besten juristisch prüfen, denn schon der Vertrieb an professionelle Kunden verlangt eine MiFID-II-Zulassung. Entscheidend ist der Basiswert. Ein Kontrakt auf einen Zinssatz gilt als Finanzinstrument, einer auf ein Sportergebnis als Wette. Beide Wege führen über eine Lizenz, nur zu unterschiedlichen Behörden.
Quellen
[1] Robinhood Markets: „Robinhood Reports Second Quarter 2026 Results“ (Form 8-K, Exhibit 99.1, 29. Juli 2026). Alle Dollarbeträge umgerechnet mit 0,87 Euro je US-Dollar, Stand 4. August 2026.
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