Robinhood betreibt seit dem 1. Juli 2026 eine eigene Blockchain. In der ersten Woche liefen darüber Geschäfte für rund 2,7 Milliarden Euro. Doch was dort gehandelt wird, hat mit den beworbenen Aktien wenig zu tun.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit Robinhood Chain hat der US-Broker seine tokenisierten Aktien auf eine selbst gebaute Infrastruktur verlagert. Die Kette soll Aktien rund um die Uhr handelbar machen, verwahrt in der eigenen Wallet des Nutzers. Der frühe Erfolg wirft allerdings eine unbequeme Frage auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Robinhood Chain ist eine Ethereum-Layer-2 auf Arbitrum-Basis, seit dem 1. Juli 2026 öffentlich.
- In sieben Tagen liefen rund 2,7 Milliarden Euro Handelsvolumen über die Kette, laut der Investmentbank Bernstein ein Platz unter den Top fünf.
- Getrieben wird der Handel bislang von Memecoins, nicht von den tokenisierten Aktien.
- In der EU prüfen die Aufseher das Aktien-Token-Modell schon seit Sommer 2025.
Warum baut ein Broker seine eigene Blockchain?

Eine eigene Blockchain verschafft Robinhood die Kontrolle über die Schienen, auf denen die Zahlungen laufen. Technisch setzt der Broker auf Arbitrum, eine etablierte Ethereum-Layer-2 mit 100 Millisekunden Blockzeit. Robinhood beschreibt die Kette selbst als offen und für reale Vermögenswerte gebaut.[1]
Der eigentliche Zweck sind tokenisierte Aktien. Ein solcher Token bildet den Kurs von Nvidia, Google oder Apple nach und lässt sich rund um die Uhr handeln, auch nachts und am Wochenende, wenn die Börsen geschlossen sind. Die dafür nötige On-Chain-Infrastruktur zählt zu den prägenden Kryptoprojekten des Jahres.
Für Robinhood liegt der Reiz im Geschäftsmodell. Die Kontrolle über die Kette bedeutet, an jeder Transaktion mitzuverdienen und 28 Millionen Bestandskunden ans eigene Ökosystem zu binden. Diesen Sprung vom Vermittler zur Finanzinfrastruktur gehen derzeit mehrere Fintechs, wie das Übernahmeduell um PayPal zeigt, bei dem Stripe und Advent 46 Milliarden Euro bieten. Den gleichen Weg hat zuvor die Kryptobörse Coinbase mit ihrer Kette Base eingeschlagen.
Aktien-Kette oder Spielcasino?
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte als das Marketing. Bei einem Tagesvolumen von rund 496 Millionen Euro lag der auf der Kette gebundene Wert bei nur 18,9 Millionen Euro, ein Verhältnis von 26 zu 1. Ein solcher Wert existiert sonst nirgends im dezentralen Finanzwesen.
Der Grund liegt in der Praxis: Nicht Aktien treiben den Handel, sondern Memecoins. Von den tokenisierten Aktien halten die Nutzer bislang nur rund 11,3 Millionen Euro, dazu kommen 261 Millionen Euro in Stablecoins. Ob eine Blockchain überhaupt echten Nutzen stiftet, entscheidet sich am Anwendungsfall, nicht am Volumen, wie der Blick auf funktionierende Blockchain-Anwendungen im Mittelstand zeigt.
Eine eigene Blockchain macht aus einem Broker noch keine Bank für digitale Vermögenswerte. Solange darauf vor allem Spielgeld zirkuliert, ist der Milliardenumsatz eher ein Lauffeuer als ein Fundament.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Anleger in Europa?
Der entscheidende Punkt für deutsche Anlegerinnen und Anleger steckt in der Rechtskonstruktion. Ein Robinhood-Nvidia-Token ist keine Aktie, sondern ein Derivat auf den Kurs. Die Papiere zu OpenAI und SpaceX bilden sogar nur eine Zweckgesellschaft ab, die Anteile hält, nicht das Unternehmen selbst.
Diese Feinheit ist bereits eskaliert. OpenAI hat im Sommer 2025 öffentlich klargestellt, keine Partnerschaft mit Robinhood zu unterhalten und die OpenAI-Token nicht als Eigenkapital anzuerkennen. Die litauische Zentralbank, Robinhoods EU-Aufseher, hat daraufhin Aufklärung über Struktur und Kommunikation verlangt.
In Europa beruft sich Robinhood auf eine MiCA-Lizenz aus Litauen und bietet die Aktien-Token unter der Finanzmarktrichtlinie MiFID II als Derivate an. Die Tokenisierung allein ist aber kein Freifahrtschein in den EU-Markt, wie die Aufseher betonen.
Für Entscheider heißt das konkret: Tokenisierte Aktien gehören vor dem Kauf auf ihre rechtliche Natur geprüft, und das Emittentenrisiko der dahinterstehenden Zweckgesellschaft muss in die Kalkulation. Zusätzlich lohnt der Blick auf die BaFin-Hinweise zu Krypto-Derivaten. Der 24-Stunden-Handel ist bequem, das dahinterliegende Papier bleibt ein Derivat mit eigenem Ausfallrisiko.
Quelle
[1] Robinhood: „Robinhood Chain: Built for onchain finance“ ↩
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