Das Security Lakehouse greift die Preislogik an, mit der klassische SIEM-Systeme nach Datenvolumen abrechnen. Databricks hat dafür am 3. August 2026 die Übernahme des SOC-Anbieters Panther vollzogen, sechs Wochen nach der Ankündigung. Für europäische Sicherheitsteams entscheidet diese Rechnung, wie lange Protokolldaten liegen bleiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Security Lakehouse kostet Databricks eine Firma, die Investoren im Dezember 2021 mit umgerechnet 1,22 Milliarden Euro bewerteten (Kurs 0,87, Stand 4. August 2026). Panther gehört seit dem 3. August 2026 zum Konzern, den Kaufpreis nennt keine der beiden Seiten.[1] Spannender als der Preis bleibt die Frage, wo Protokolldaten künftig liegen und wer für ihre Aufbewahrung zahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Databricks vollzog die Übernahme von Panther am 3. August 2026, angekündigt am 16. Juni.
- Panther liefert Erkennungsregeln als Code, über 100 fertige Anschlüsse und eine KI-gestützte Vorsortierung der Alarme.
- Das Security Lakehouse trennt die Ablage der Protokolle von deren Auswertung.
- Für Unternehmen unter NIS2 entscheidet die Aufbewahrungsdauer darüber, ob die 72-Stunden-Meldung belastbar ausfällt.
Was unterscheidet das Security Lakehouse vom klassischen SIEM?

Klassische SIEM-Systeme rechnen nach eingelesenem Datenvolumen ab, das Security Lakehouse trennt die Ablage von der Auswertung. Protokolle landen in offenen Dateiformaten im Objektspeicher, die Analyse bucht Rechenzeit separat dazu. Telemetrie muss deshalb nicht mehr nach 30 oder 90 Tagen verschwinden, nur um die Lizenz zu schonen.
Databricks nennt die hauseigene Auswertungsschicht Lakewatch, ein agentenbasiertes SIEM auf genau dieser Ablage, mit Telemetrie im Petabyte-Bereich in offenen Formaten wie OCSF, Delta und Parquet.[1] Panther steuert die Erkennungslogik bei: Regeln als Code, mehr als 100 fertige Anschlüsse an Cloud- und Identitätsdienste sowie eine KI-gestützte Vorsortierung der Alarme.
Warum kauft Databricks ausgerechnet einen SOC-Anbieter?
Panther bringt mit, was ein Datenlager allein nicht hat: geprüfte Erkennungsregeln und einen eingespielten Arbeitsablauf im Sicherheitsbetrieb. Jack Naglieri gründete die Firma auf Basis des Open-Source-Projekts StreamAlert aus seiner Zeit bei Airbnb.
Ali Ghodsi, Mitgründer und Vorstandschef von Databricks, benennt den Bruch knapp: „Klassisches SIEM war nie für KI gebaut.“ Zu den Kunden des Zukaufs zählt Anthropic. Tim Nguyen, dort Leiter der Abwehr, sagt: „Panther hat uns geholfen, einen software-technischen Ansatz in die Angriffserkennung zu bringen.“[2]
Ein Sicherheitsteam, das Protokolle nach 30 Tagen löscht, spart genau an der Stelle, an der später die Aufsicht nachfragt. Databricks verkauft mit dem Security Lakehouse vor allem eine längere Aufbewahrung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Zukauf reiht sich in eine Konsolidierungswelle ein. Cisco bezahlte für Splunk umgerechnet rund 24,4 Milliarden Euro und schloss den Kauf am 18. März 2024 ab. Seither wandert die Protokollhaltung Schritt für Schritt aus dem Spezialwerkzeug in die allgemeine Datenplattform.
24 und 72 Stunden: die Uhr läuft ab Kenntnis
Die EU-Richtlinie NIS2 verlangt eine Frühwarnung binnen 24 Stunden und eine Meldung binnen 72 Stunden. Beide Fristen setzen Protokolle aus der Zeit vor dem Alarm voraus.
Was bedeutet das Security Lakehouse für Unternehmen in der EU?
Unter NIS2 zählt vor allem, wie weit ein Unternehmen zurückschauen kann. Die Richtlinie verlangt eine Frühwarnung binnen 24 Stunden und eine Meldung binnen 72 Stunden nach Kenntnis des Vorfalls.[3] Ohne Protokolle aus der Zeit vor dem Alarm bleibt jede Meldung eine Vermutung.
Die Praxis sieht anders aus. Analog Devices bestätigte einen Datenabfluss erst 36 Tage nach dem Erpresser-Eintrag. Bei den Angriffen auf 30 Wasserwerke in Minnesota tappten die Betreiber tagelang im Dunkeln. Für deutsche Betriebe wird die Produktionshalle damit zur Haftungsfalle, während Brüssel 28.700 Mittelständler von der Hauptlast befreit.
Für die Beschaffung heißt das: die Aufbewahrungsdauer je Datenquelle dokumentieren und die Lizenzkosten pro Gigabyte gegen reinen Objektspeicher gegenrechnen. Der EU-Data-Act verpflichtet Cloud-Anbieter seit dem 12. September 2025 dazu, einen Anbieterwechsel zu unterstützen; offene Tabellenformate machen diesen Anspruch erst praktisch einlösbar. Genau an dieser Stelle bleibt Cybersecurity Chefsache.
Quellen
[1] Databricks: „Databricks Completes Acquisition of Panther: Accelerating the Security Lakehouse Era“
[2] Databricks: „Databricks Agrees to Acquire Panther, Further Establishing the Security Lakehouse Category“
[3] Amtsblatt der EU: Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS2), Artikel 23
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