Dell galt jahrzehntelang als Kastenschieber ohne Glanz, als Lieferant grauer Rechner mit hauchdünner Marge. Ein einziges Quartal hat dieses Bild erschüttert. Seit die Rechenzentren der Welt nach KI-Servern gieren, verdient der Konzern aus dem texanischen Round Rock plötzlich an einer Stelle, die kaum jemand auf der Rechnung hatte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDell Technologies meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 am 28. Mai 2026 einen Umsatz von 38,1 Mrd. Euro, ein Plus von 88 Prozent binnen zwölf Monaten. Der Auslöser trägt einen Namen: KI-Server. Allein mit ihnen setzte der Konzern 14,0 Mrd. Euro um, 757 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, während sich die Auftragsbücher um weitere 21,2 Mrd. Euro füllten. Hinter dem Zahlenrausch steckt ein Geschäftsmodell, das seit vier Jahrzehnten nach denselben zwei Regeln funktioniert.
Das Wichtigste in Kürze
- Dell meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 38,1 Mrd. Euro, ein Plus von 88 Prozent, getrieben von KI-Servern.
- Das Modell ruht auf zwei Säulen: der großen, margenarmen PC-Sparte (rund 42,2 Mrd. Euro) und der ertragsstarken Infrastruktursparte (37,9 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2025).
- Die Marge sitzt im Server, nicht im Notebook: 12,8 Prozent bei Infrastruktur gegenüber rund 8 Prozent bei PCs.
- Der größte Gewinner jedes KI-Servers ist Nvidia, das den Löwenanteil des Preises kassiert, während Dell die schmalere Spanne behält.
- Michael Dell kontrolliert über eine Doppelklassen-Aktie 46,8 Prozent der Stimmrechte und damit den ganzen Konzern.
Wie fing alles im Studentenwohnheim an?
Dell begann 1984 als Ein-Mann-Betrieb im Studentenwohnheim der University of Texas in Austin, wo der damals 19-jährige Michael Dell mit rund 870 Euro Startkapital PC-Klone zusammenschraubte und ohne Zwischenhändler direkt an Kunden verkaufte. Aus dieser schmalen Idee wuchs ein Weltkonzern, doch der Kern blieb erstaunlich unverändert.
Die Firma hieß zunächst PC’s Limited und entstand am 3. Mai 1984 in Zimmer 2713. Michael Dell hatte eine schlichte Beobachtung gemacht. Ein IBM-Rechner kostete im Laden ungefähr das Dreifache seiner Bauteile, und ein großer Teil dieser Spanne versickerte bei Händlern, die technisch wenig beitrugen. Sein Direktvertrieb schnitt genau diese Zwischenstufe heraus.
Der junge Gründer hatte sein Medizinstudium bereits im ersten Jahr abgebrochen, weil das Computergeschäft mehr abwarf als jede Vorlesung. Schon im ersten vollen Jahr setzte PC’s Limited mehrere Millionen um. Diese Frühreife des Unternehmens ist bemerkenswert, denn ein Teenager baute hier bereits einen ernstzunehmenden Industriebetrieb auf.
1987 folgte die Umbenennung in Dell Computer Corporation, ein Jahr später der Gang an die Börse. Der Börsengang von 1988 spülte dem Konzern rund 26 Mrd… nein, rund 26 Mio. Euro in die Kasse und finanzierte die erste große Expansion nach Europa. Dieser Kapitalschub machte aus der Garagenfirma einen internationalen Anbieter.
Der Gründer verkaufte nicht nur Rechner, sondern ein Versprechen. Jede Maschine entstand erst nach der Bestellung, nach den Wünschen des Käufers. Dieses Build-to-Order-Prinzip drückte die Lagerkosten gegen null und machte Übervorräte überflüssig, die andere Hersteller regelmäßig abschreiben mussten.
1Wie viel Umsatz machte Dell im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 allein mit KI-Servern?Aufklappen ↓
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2In welchem Jahr gründete Michael Dell sein Unternehmen im Studentenwohnheim?Aufklappen ↓
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3Welches Unternehmen kassiert bei jedem KI-Server den größten Preisanteil?Aufklappen ↓
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4Wie hoch war die operative Marge der Infrastruktursparte im Geschäftsjahr 2025?Aufklappen ↓
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5Wie viel Prozent der Stimmrechte kontrolliert Michael Dell?Aufklappen ↓
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Genau daraus zog Dell einen Vorteil, den Wettbewerber jahrelang nicht kopierten. Kunden zahlten, bevor der Konzern seine Zulieferer bezahlen musste. Dell arbeitete also mit dem Geld anderer Leute, ein Modell mit negativem Betriebskapital, das den Gewinn still, aber verlässlich trug.
Die Frühphase zeigt bereits das ganze Unternehmen im Keim. Kein Ladennetz, keine teure Grundlagenforschung, kein eigener Chip. Stattdessen ein Vertriebsapparat, der Standardkomponenten fremder Hersteller schneller und günstiger zum Kunden brachte als jeder Konkurrent.
Michael Dell selbst formulierte die Logik nüchtern. Technologie sei ein „ändere dich oder stirb“-Geschäft, sagte er 2016 gegenüber dem US-Sender CNBC. Diese Nüchternheit erklärt, warum der Konzern nie den Ehrgeiz entwickelte, das schönste Produkt zu bauen, sondern das effizienteste Vertriebssystem.
Schon 1992 war Michael Dell mit 27 Jahren der jüngste Vorstandschef, der es je in die Liste der 500 größten US-Konzerne geschafft hatte. Sein Aufstieg verlief steiler als der fast jedes Zeitgenossen. Diese Frühkarriere prägte das Selbstverständnis eines Konzerns, der Tempo über Bedachtsamkeit stellte.
Das Katalog- und Telefongeschäft der Anfangsjahre wirkt heute altmodisch, war damals aber revolutionär. Kunden konfigurierten ihren Rechner am Telefon, Dell baute ihn und schickte ihn per Post. Diese Nähe zum Käufer lieferte Marktdaten, von denen Konkurrenten mit ihren Händlernetzen nur träumen konnten.
Die ursprüngliche Idee und das heutige Modell liegen weiter auseinander, als es scheint. Aus dem Verkäufer günstiger Heimrechner wurde ein Ausrüster ganzer Rechenzentren. Dieser Wandel vollzog sich schrittweise, doch das Grundprinzip, Standardtechnik effizient zum Kunden zu bringen, blieb über vier Jahrzehnte dasselbe.
Wie wurde aus dem Direktvertrieb ein Weltkonzern?
Aus dem Direktvertrieb wurde ein Weltkonzern, weil Dell dreimal radikal die Eigentümerstruktur wechselte: Rückzug von der Börse 2013, Rekordübernahme des Speicherriesen EMC 2016 und Rückkehr an die Börse 2018. Jeder dieser Schritte verschob das Geschäft weg vom reinen PC.
In den neunziger Jahren wurde Dell zur Ikone des Interneteinkaufs. Über die eigene Website verkaufte der Konzern zeitweise Rechner im Wert von mehreren Millionen Euro pro Tag, lange bevor Onlinehandel selbstverständlich war. Dieser Vorsprung im Direktkanal machte Dell um die Jahrtausendwende kurzzeitig zum größten PC-Hersteller der Welt.
Dann kam die Delle. Konkurrenten wie HP und der Aufsteiger Lenovo holten auf, das Ladengeschäft gewann zurück an Boden, und Dells Vorsprung schmolz. Der Preisverfall bei Standard-PCs zwang den Konzern, sich neu zu erfinden, weg vom reinen Kistenverkauf, hin zur Unternehmensinfrastruktur.
2013 nahm Michael Dell seinen Konzern gemeinsam mit dem Finanzinvestor Silver Lake für rund 21,2 Mrd. Euro von der Börse. Aktionäre erhielten 13,65 US-Dollar je Anteil. Der Rückzug gab dem Gründer Luft, das Unternehmen fernab der Quartalshektik umzubauen, ohne ständig auf den Aktienkurs schielen zu müssen.
Der eigentliche Bruch kam 2016. Dell übernahm den Speicher- und Rechenzentrumsspezialisten EMC für 58,3 Mrd. Euro, damals die teuerste Übernahme der Technologiegeschichte. Mit EMC kam auch die Mehrheit an der Virtualisierungsfirma VMware, ein Kronjuwel mit fetten Softwaremargen.
Der Preis war Schulden in Rekordhöhe. Dell schulterte einen Berg von über 40 Mrd. Euro und musste ihn Jahr für Jahr abtragen. Diese Verschuldung prägte fortan jede strategische Entscheidung, denn ein hoch belasteter Konzern kann sich teure Experimente nicht leisten.
2018 kehrte Dell Technologies an die Börse zurück, elegant an einem klassischen Börsengang vorbei. Über einen Tausch der VMware-Tracking-Aktie floss der Konzern in eine notierte Struktur, in einer Transaktion mit einem Gesamtwert von rund 61 Mrd. Euro. Dieser Kunstgriff sparte Gebühren und hielt die Kontrolle beim Gründer.
2021 trennte sich Dell wieder von VMware und spaltete den 81-Prozent-Anteil ab. Der Schritt entlastete die Bilanz spürbar und ließ einen fokussierten Hardwarekonzern zurück. Dieser Abschied von der Softwaretochter wirkte im Rückblick wie das Ende einer strategischen Zwischenehe.
Heute beschäftigt Dell rund 108.000 Menschen und residiert unverändert in Round Rock bei Austin. Aus dem Studentenzimmer ist ein Apparat geworden, der jährlich mehr umsetzt als das Bruttoinlandsprodukt manches EU-Staates. Diese Größe ist das Ergebnis konkreter Entscheidungen, nicht eines Naturereignisses.
Am Ende dieser Odyssee stand kein neues Dell, sondern ein geschärftes altes. Server, Speicher und Netzwerk auf der einen, Notebooks und Arbeitsplatzrechner auf der anderen Seite. Diese Zweiteilung prägt bis heute jede Zeile im Geschäftsbericht.
Nach der Rückkehr an die Börse arbeitete Dell hart an der Entschuldung. Der Schuldenberg sank von einst rund 50 Mrd. Euro spürbar, auch dank des Verkaufs von Randgeschäften. Diese Disziplin beim Schuldenabbau verschaffte dem Konzern wieder Spielraum für Dividenden und Aktienrückkäufe.
Der Umbau vom PC-Verkäufer zum Infrastrukturanbieter war kein Marketing, sondern eine echte Verlagerung des Schwerpunkts. Server, Speicher und Dienstleistungen rückten ins Zentrum, das reine Endkundengeschäft an den Rand. Diese Neuausrichtung zahlte sich aus, als der KI-Boom ausgerechnet die Infrastruktursparte erfasste.
Wie verdient Dell heute wirklich sein Geld?

Dell verdient sein Geld mit zwei ungleichen Geschäften: der großen, margenarmen Client Solutions Group rund um PCs und der kleineren, ertragsstärkeren Infrastructure Solutions Group rund um Server und Speicher, die dank KI gerade explodiert. Dazu kommen stille Erlösquellen, die im Bericht nur als Randnotiz auftauchen.
Woher der Umsatz kommt: PCs gegen Server
Im Geschäftsjahr 2025 setzte Dell laut eigenem Geschäftsbericht 83,2 Mrd. Euro um, ein Plus von 8 Prozent. Die Client Solutions Group steuerte davon rund 42,2 Mrd. Euro bei, also fast die Hälfte, und blieb doch praktisch auf der Stelle. Die Infrastructure Solutions Group kam auf 37,9 Mrd. Euro und legte um 29 Prozent zu. Diese Verschiebung zwischen beiden Lägern ist das eigentliche Thema.
Innerhalb der Infrastruktursparte wuchs das Server- und Netzwerkgeschäft um 54 Prozent auf 23,6 Mrd. Euro, während der Speicherbereich mit 14,4 Mrd. Euro nur um 1 Prozent zulegte. Die Rechenkraft in den Kisten stammt dabei von Zulieferern, deren Marktmacht wir im Porträt zum Chip-Pionier Intel zerlegt haben. Dell selbst baut keinen einzigen Prozessor.
Die versteckten Erlösströme
Neben dem Kastengeschäft betreibt Dell eine hauseigene Bank. Dell Financial Services finanzierte im Geschäftsjahr 2025 Neugeschäfte im Wert von 7,3 Mrd. Euro und führte ein Forderungsportfolio von 9,7 Mrd. Euro. Ein Jahr später kletterten die Originierungen auf 10,4 Mrd. Euro und das Portfolio auf 12,4 Mrd. Euro. Diese Finanzierung bindet Kunden länger und verdient nebenbei an Zinsen.
Noch wichtiger sind Dienstleistungen und Support. Wartungsverträge, verlängerte Garantien und Managed Services liefern wiederkehrende Umsätze mit deutlich fetteren Margen als die Hardware. Diese Ströme stehen im Bericht als aufgeschobene Erlöse, sogenannte Deferred Revenue, und summieren sich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.
Seit einigen Jahren drängt Dell zusätzlich ins Abogeschäft. Unter dem Namen APEX vermietet der Konzern Rechenzentrumstechnik als Dienstleistung, abgerechnet nach Verbrauch statt per Einmalkauf. Dieses Mietmodell glättet die Ertragskurve und macht Dell ein Stück weit unabhängiger vom Auf und Ab der Hardwarezyklen.
Reine Datenverkäufe oder Werbeerlöse fehlen bei Dell dagegen völlig, anders als bei Google oder Meta. Der Konzern betreibt keine Plattform, auf der Nutzerdaten zu Geld werden. Dieser Unterschied erklärt, warum ein Datenstrom-Kapitel hier entfallen kann: Dell lebt von Geräten und Verträgen, nicht von Klicks und Profilen.
Wo die Marge wirklich sitzt
Die Margen-Asymmetrie ist das Herz des Modells. Die Infrastruktursparte erzielte im Geschäftsjahr 2025 ein operatives Segmentergebnis von 4,85 Mrd. Euro, eine Marge von 12,8 Prozent. Die PC-Sparte kam auf geschätzte 8 Prozent. Ein einzelnes Notebook wirft also kaum Rendite ab, ein voll bestückter Server dagegen ordentlich.
Infrastruktur (ISG)
Server, Speicher, Netzwerk. Kleinerer Umsatz, klar höhere Rendite, Motor des KI-Booms.
PCs (CSG)
Notebooks und Desktops. Größter Umsatz, aber im harten Preiskampf gefangen.
Daraus folgt eine stille Quersubventionierung. Das riesige PC-Volumen hält die Beziehung zu Großkunden, füllt die Vertriebskanäle und finanziert die Fixkosten, während die Server die eigentlichen Gewinne bringen. Der Volumenhebel im PC-Geschäft ist weniger Geldquelle als Eintrittskarte in die Rechenzentren derselben Konzerne.
Der Direktvertrieb verstärkt beide Effekte. Weil Dell ohne Händlermarge verkauft und erst nach Auftrag produziert, sinken die Kosten pro verkaufter Einheit mit jeder zusätzlichen Bestellung. Diese Skalenökonomie wirkt umso stärker, je größer die Stückzahlen, und macht kleine Wettbewerber chancenlos.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Modell spürbar verschoben. Der KI-Server war 2021 kaum eine eigene Zeile, heute ist er der Wachstumsmotor schlechthin. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 setzte Dell 14,0 Mrd. Euro allein mit KI-Servern um und meldete einen Auftragseingang von 21,2 Mrd. Euro. Diese Wette auf die KI-Infrastruktur ist heute der wichtigste Hebel des ganzen Konzerns.
Wie stark die Wucht ist, zeigt der Gewinn je Aktie. Er sprang im selben Quartal um 282 Prozent auf umgerechnet 4,56 Euro, und die Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2027 hob Dell auf rund 145,3 Mrd. Euro an. Dieser Sprung macht aus dem behäbigen Kistenbauer vorübergehend eines der heißesten Papiere der Wall Street.
Ein Blick auf die Bruttomarge zeigt die Grenzen des Modells. Über alle Sparten hinweg behält Dell nur gut ein Fünftel des Umsatzes als Rohertrag, weit weniger als reine Softwarekonzerne einstreichen. Diese Enge zwingt den Konzern, an jeder Stelle Kosten zu drücken, statt sich auf hohe Stückmargen zu verlassen.
Der wahre Trumpf steckt im Betriebskapitalzyklus. Weil Dell erst nach Auftrag fertigt und Großkunden oft im Voraus zahlen, finanziert das Wachstum sich zu einem Teil selbst. Dieser Kreislauf aus schneller Fertigung und zügiger Bezahlung ist ein Vorteil, den bilanzschwere Wettbewerber nur schwer nachbilden.
Am Ende ruht das Erlösmodell auf zwei, drei Mechanismen, der Rest ist Beiwerk. Direktvertrieb und Skaleneffekt drücken die Kosten, Service und Finanzierung liefern die stabile Marge, der KI-Server liefert das Wachstum. Diese Nüchternheit des Modells ist zugleich seine größte Stärke und sein größtes Risiko.
Wie groß ist Dells Marktmacht wirklich?

Dells Marktmacht ist geteilt: Bei PCs rangiert der Konzern mit 13,6 Prozent Weltmarktanteil nur auf Platz drei hinter Lenovo und HP, bei Servern für Künstliche Intelligenz zählt er dagegen zu den zwei, drei größten Anbietern überhaupt. Die Machtfrage hängt also davon ab, welches Geschäft man betrachtet.
Im PC-Markt zeigt die Statistik des Analysehauses IDC für das zweite Quartal 2026 ein schrumpfendes Feld. Weltweit gingen die Auslieferungen um 4,9 Prozent auf 68,2 Millionen Geräte zurück. Lenovo führte mit 24,4 Prozent, HP folgte mit 19,1 Prozent, Dell hielt 13,6 Prozent und verlor 5 Prozent an Stückzahl. Der Preiskampf um Notebooks bleibt brutal.
Im Speichermarkt hingegen gehört Dell seit der EMC-Übernahme zu den Marktführern. Bei externen Speichersystemen für Unternehmen rangiert der Konzern regelmäßig auf Platz eins oder zwei. Diese Spitzenposition jenseits des PC-Geschäfts wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft übersehen.
Ganz anders als bei Notebooks sieht die Lage im Rechenzentrum aus. Dort gehört Dell zu den wenigen Anbietern, die komplette KI-Systeme mit Nvidia-Chips in großen Stückzahlen ausliefern können. Der Konzern verkauft nicht einzelne Server, sondern ganze Fabriken aus Rechenkraft, gekühlt, verkabelt und vorkonfiguriert.
Die ernsthaften Herausforderer heißen hier Supermicro, Hewlett Packard Enterprise und die Eigenbauten der großen Cloudkonzerne. Sobald ein Kunde eigene Server entwirft, braucht er Dell nicht mehr. Diese Bedrohung durch die Selbstversorger schwebt über dem gesamten Infrastrukturgeschäft.
Dells eigentlicher Burggraben ist weniger Technik als Logistik. Kaum ein Wettbewerber kann eine Bestellung über zehntausende Server so schnell fertigen, ausliefern und warten. Diese Lieferfähigkeit in Kombination mit weltweitem Vor-Ort-Service ist der Grund, warum Großkunden bei Dell bleiben.
Lock-in entsteht zudem über die Verwaltungssoftware und die Finanzierung. Sobald ein Betrieb seine gesamte Flotte über Dell-Werkzeuge steuert und über Dell Financial Services least, wechselt er nicht leichtfertig. Diese Bindung macht aus einem Hardwarekauf eine jahrelange Beziehung.
Kartellrechtlich steht Dell bislang im Windschatten. Die Aufmerksamkeit der Behörden gilt Nvidia, Microsoft und den Plattformkonzernen, nicht dem Kistenbauer aus Texas. Diese Unauffälligkeit ist ein unterschätzter Vorteil im aktuellen Klima schärferer Regulierung.
Bei den reinen Stückzahlen im Servermarkt liefert Dell regelmäßig die meisten Einheiten weltweit aus. Der Konzern verkauft mehr Server als jeder andere Anbieter, wenn man klassische und KI-optimierte Systeme zusammenzählt. Diese Mengenführerschaft ist die Basis für Einkaufsmacht gegenüber den Zulieferern.
Die Vielfalt der Konfigurationen ist selbst eine Waffe. Dell kann tausende Varianten fertigen und trotzdem schnell liefern, weil die Prozesse seit vier Jahrzehnten auf genau diese Flexibilität getrimmt sind. Diese Anpassungsfähigkeit hält Kunden davon ab, zu einem starreren Anbieter zu wechseln.
Wer ist bei Dell eigentlich das Produkt?

Bei Dell ist nicht der PC-Käufer das Produkt, sondern der Großkunde als langfristiger Vertragspartner: Der einzelne Rechner ist nur der Einstieg in eine Beziehung aus Wartung, Finanzierung und Nachbestellung, aus der Dell über Jahre Umsatz zieht. Die eigentliche Ware ist die Kundenbindung.
Der private Notebook-Käufer spielt für die Bilanz kaum eine Rolle. Das große Geld liegt bei Konzernen, Behörden und Cloudanbietern, die auf einen Schlag tausende Systeme ordern. Diese Firmenkunden sind Absatzmarkt und Datenlieferant für die Nachfrageplanung zugleich.
Auf der anderen Seite der Wertschöpfung stehen die Zulieferer, und hier verschiebt sich die Macht deutlich. Nvidia liefert die begehrten KI-Chips und diktiert Preise wie Liefermengen. Dell reicht diese Abhängigkeit weitgehend an die eigenen Kunden weiter, verdient aber nur die Spanne dazwischen.
Die eigentliche Fertigung liegt gar nicht bei Dell selbst. Auftragsfertiger in Asien schrauben die Geräte zusammen, Dell steuert Design, Vertrieb und Logistik. Diese Arbeitsteilung hält die eigenen Fixkosten niedrig und verlagert das Produktionsrisiko auf spezialisierte Zulieferbetriebe.
Genau darin ähnelt Dells Rolle dem Wandel des Tech-Dinosauriers IBM vom Hardwarebauer zum Dienstleister. Beide Konzerne haben gelernt, dass die Maschine selbst kaum Geld bringt, der Servicevertrag ringsherum dagegen sehr wohl.
Auch die Vertriebspartner tragen einen Teil der Last. Zwar verkauft Dell viel direkt, doch ein wachsender Teil läuft über Systemhäuser und Reseller, die auf schmale Margen angewiesen sind. Diese Partner übernehmen Risiko und Kundenkontakt, während die Marke Dell die Bilanz füllt.
Der Kunde erlebt Dell meist als verlässlichen, unspektakulären Ausrüster. Aus dessen Sicht kauft er ein Werkzeug, kein Erlebnis. Genau diese Nüchternheit ist Teil des Geschäftsmodells, denn wo keine Emotion verkauft wird, muss auch keine teure Markenwelt finanziert werden.
Unterm Strich sitzt Dell an einer klugen Stelle der Kette. Der Konzern besitzt weder die wertvollen Chips noch die Endkundenbeziehung eines Apple, kontrolliert aber den Zusammenbau und die Auslieferung. Diese Mittelposition ist weniger glamourös als die Extreme, dafür erstaunlich schwer angreifbar.
Die Einkaufsmacht gegenüber Bauteillieferanten ist enorm. Ein Konzern, der jährlich Millionen Prozessoren, Festplatten und Speicherriegel ordert, verhandelt Preise, von denen Mittelständler nur träumen. Diese Beschaffungsmacht verschafft Dell einen Kostenvorteil, den es teilweise an Großkunden weiterreicht.
Diese Mittelposition hat aber auch ihren Preis. Weil Dell weder die Chips noch die Endkunden wirklich besitzt, sitzt der Konzern zwischen zwei Stühlen und muss seinen Wert ständig neu beweisen. Diese Sandwichlage zwingt Dell, mit Service, Tempo und Verlässlichkeit zu punkten, wo Produkt und Marke allein nicht reichen.
Ein wachsender Teil des Geschäfts läuft über ein Netz aus Vertriebspartnern, das Dell über Jahre aufgebaut hat. Diese Händler und Systemintegratoren erreichen Kunden, die der Direktvertrieb allein nie erschlösse. Dieses Partnernetz erweitert die Reichweite, kostet aber einen Teil der Marge.
Was kostet ein Dell-Server wirklich?

Der Listenpreis eines Dell-Servers besteht zum größten Teil aus fremden Bauteilen: 55 bis 70 Prozent fließen an Chip- und Speicherhersteller wie Nvidia und Intel, während Dell selbst nur eine schmale Spanne aus Montage, Vertrieb und Service behält. Der wahre Preis entsteht erst im Kleingedruckten.
Kaum ein Großkunde zahlt den Listenpreis. Rabatte von 20, 30 oder mehr Prozent sind bei Rahmenverträgen üblich, ausgehandelt über Menge und Laufzeit. Der Nachlass ist Teil des Spiels und macht den offiziellen Preis fast zur Fiktion.
Die eigentliche Rechnung geht über die Jahre. Wartungsverträge, Ersatzteile, Softwarelizenzen und spätere Erweiterungen summieren sich oft auf ein Vielfaches des Anschaffungspreises. Diese Folgekosten sind Dells verlässlichste und ertragreichste Einnahme.
Die Tabelle zerlegt, wohin das Geld eines typischen KI-Servers fließt. Auffällig ist, wie wenig beim Hersteller hängen bleibt und wie viel an die Chiplieferanten geht. Diese Aufteilung erklärt, warum Volumen für Dell wichtiger ist als der Einzelabschluss.
| Kostenbestandteil | Anteil am Verkaufspreis | Wer profitiert |
|---|---|---|
| Prozessoren, GPUs, Speicher | rund 55 bis 70 Prozent | Nvidia, Intel, Speicherhersteller |
| Gehäuse, Netzteil, Kühlung, Montage | rund 10 bis 15 Prozent | Auftragsfertiger, Dell |
| Vertrieb, Logistik, Marketing | rund 8 bis 12 Prozent | Dell, Vertriebspartner |
| Support, Garantie, Software | rund 5 bis 10 Prozent | Dell (hohe Marge) |
| Operativer Gewinn Dell | rund 8 bis 13 Prozent | Dell und Aktionäre |
Beim Mietmodell APEX verschiebt sich die Rechnung noch stärker in die Zukunft. Statt einer großen Anschaffung zahlt der Kunde monatlich für Rechenleistung, oft über viele Jahre. Dieses Abo senkt die Einstiegshürde und sichert Dell einen planbaren, wiederkehrenden Zahlungsstrom.
Die Kostenlast trägt am Ende der Kunde, doch verteilt über Jahre und Verträge. Sobald ein Unternehmen eine Dell-Flotte betreibt, zahlt es für Support und Erweiterungen weiter, ob es will oder nicht. Diese Bindung verwandelt einen einmaligen Kauf in eine dauerhafte Zahlungsbeziehung.
Bemerkenswert ist die Asymmetrie bei Preisbewegungen. Steigen die Chippreise, gibt Dell sie zügig weiter, sinken sie, dauert die Weitergabe länger. Diese Verzögerung schützt die Marge in guten wie in schlechten Zeiten und geht zulasten der Käufer.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Folgekosten. Angenommen, ein Mittelständler kauft Server für 100.000 Euro, dann summieren sich Wartung, Support und Erweiterungen über fünf Jahre leicht auf denselben Betrag noch einmal. Dieses Rechenbeispiel zeigt, warum der Anschaffungspreis nur die halbe Wahrheit ist.
Die Premium-Supportpakete sind ein Geschäft für sich. Schnellere Reaktionszeiten, Vor-Ort-Techniker und vorausschauende Überwachung kosten Aufpreis und bringen Dell verlässliche Zusatzerlöse. Diese Servicestaffel trennt zahlungskräftige von preissensiblen Kunden, ohne den Grundpreis anzutasten.
Wer profitiert, und wer zahlt drauf?

Am stärksten profitieren Nvidia und die Dell-Aktionäre, allen voran Michael Dell mit 46,8 Prozent der Stimmrechte, während die eigene PC-Belegschaft und kleine Systemhäuser den Preisdruck tragen. Der KI-Boom verteilt die Gewinne sehr ungleich.
Der größte Gewinner sitzt gar nicht im Konzern. Nvidia kassiert den Löwenanteil jedes verkauften KI-Servers, weil die Chips das Herzstück und den teuersten Posten bilden. Dell ist in dieser Kette der Zusammenbauer, der die schmalere Spanne behält.
Auch die Aktionäre feiern. Der Kurssprung von 33 Prozent an einem einzigen Handelstag im Mai 2026 war der stärkste seit der Rückkehr an die Börse 2018. Dieser Kursgewinn fließt vor allem dem Gründer zu, der den mit Abstand größten Aktienblock hält.
Auf der Verliererseite steht paradoxerweise das Geschäft, mit dem alles begann. Die PC-Sparte liefert zwar Volumen, doch der harte Preiskampf lässt kaum Luft für Gehaltssteigerungen oder Investitionen. Diese Zweiklassengesellschaft innerhalb des Konzerns wächst mit jedem KI-Quartal.
Auch die kleinen Vertriebspartner geraten unter Druck. Zwischen Dells Direktvertrieb und den aggressiven Rabatten für Großkunden bleibt ihnen wenig Spielraum. Diese Klemme ist das Pendant zum Plattform-Fluch: einmal drin im Ökosystem, akzeptiert man immer schmalere Konditionen.
Die Tabelle ordnet Gewinner und Verlierer entlang der Wertschöpfung. Sie macht sichtbar, dass der Jubel über Rekordzahlen nicht bei allen gleich ankommt. Diese Ungleichheit ist kein Betriebsunfall, sondern in der Struktur des Modells angelegt.
| Gruppe | Gewinnt oder verliert | Warum |
|---|---|---|
| Aktionäre und Michael Dell | Klarer Gewinner | Aktie plus 33 Prozent an einem Tag, Kontrolle über 46,8 Prozent der Stimmen |
| Nvidia | Größter Gewinner | Kassiert den Löwenanteil jedes KI-Servers |
| Großkunden mit KI-Budget | Gewinner | Bekommen fertige Rechenfabriken schnell geliefert |
| PC-Sparte und ihre Belegschaft | Verlierer | Stagnierender Umsatz, dünne Marge, Preisdruck |
| Kleine Systemhäuser | Verlierer | Geraten zwischen Direktvertrieb und Rabattschlachten |
Für deutsche Standorte bleibt Dell ein wichtiger, aber nüchterner Arbeitgeber. Vertrieb, Beratung und Rechenzentrumsdienste sichern hierzulande Stellen, große Produktionswerke fehlen dagegen. Diese Arbeitsteilung ist typisch für einen Konzern, der in Asien fertigt und weltweit verkauft.
Der Plattform-Fluch trifft vor allem kleinere Zulieferer und Partner. Einmal in Dells Ökosystem eingebunden, akzeptieren sie schrittweise schmalere Konditionen, weil ein Ausstieg zu teuer wäre. Dieser Sog ähnelt dem Muster großer Handelsplattformen, nur in der Welt der Unternehmenshardware.
Für die Belegschaft hängt viel davon ab, in welcher Sparte sie arbeitet. Der wachsende Serviceteil bietet Perspektiven, der schrumpfende PC-Vertrieb spürt den Sparzwang. Diese Spreizung innerhalb desselben Konzerns wird mit dem KI-Boom eher größer als kleiner.
Am deutlichsten zeigt sich die Schieflage im Vergleich der Bewertungen. Die Aktionäre feiern Kursrekorde, während die eigentliche Wertschöpfung an den Chiplieferanten hängt. Diese Kluft zwischen Börsenjubel und industrieller Realität sollte niemand übersehen, der die Rekordmeldungen liest.
Dell setzt inzwischen mehr als ein Drittel des Umsatzes mit KI-Servern um, deren Marge dünner ausfällt als im alten PC-Geschäft. Der Konzern tauscht Rendite gegen Größe und wettet darauf, dass Nvidia-Chips nie knapp und die Hyperscaler nie zu eigenen Bauherren werden.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Dell?

Dell agiert politisch leiser als die großen Plattformkonzerne, gab in den USA 2024 aber rund 5,5 Mio. Euro für Lobbyarbeit aus und sichert sich über eine Doppelklassen-Aktie die Kontrolle des Gründers bei nur einem Bruchteil des Kapitals. Die eigentliche Macht liegt in der Struktur.
Nach Daten der Transparenzorganisation OpenSecrets meldete Dell für 2024 Lobbyausgaben von rund 5,5 Mio. Euro, ein üblicher Wert für einen Konzern dieser Größe. Die Themen reichen von Handelszöllen über Exportregeln für Chips bis zur Beschaffungspolitik der Behörden. Diese Einflussnahme läuft diskret, aber stetig.
Der brisanteste Hebel ist die Aktienstruktur. Michael Dell und Silver Lake halten stimmrechtsstarke Sonderaktien, die dem Gründer 46,8 Prozent der Stimmen sichern, gemessen am 31. März 2026. Diese Kontrolle entkoppelt Macht vom Kapitalanteil und macht feindliche Übernahmen praktisch unmöglich.
Beim Thema Steuern nutzt Dell die üblichen Instrumente global aufgestellter Konzerne. Verrechnungspreise, Holdingstandorte und die Verteilung von Gewinnen auf Landesgesellschaften senken die effektive Quote. Diese Optimierung ist legal, entzieht aber Standortstaaten wie Deutschland einen Teil der Bemessungsgrundlage.
Am Heimatstandort spielt Dell zugleich die Rolle des Wohltäters. In Round Rock bei Austin ist der Konzern der größte private Arbeitgeber und verhandelte in der Vergangenheit Steuernachlässe mit der Kommune. Diese Verflechtung zwischen Konzern und Standort ist typisch für die amerikanische Wirtschaftsförderung.
Auffallend ist, wie wenig Gegenwind Dell aus der Regulierung spürt. Während Brüssel und Washington gegen Plattformmacht vorgehen, gilt ein Hardwareanbieter als harmlos. Diese Zurückhaltung der Behörden verschafft dem Konzern Handlungsfreiheit, die anderen fehlt.
In der öffentlichen Wahrnehmung positioniert sich Dell als bodenständiger Ausrüster der digitalen Wirtschaft, nicht als Datenkrake. Dieses Framing passt zum Geschäftsmodell und hält den Konzern aus den großen Technologiedebatten heraus, was ihm strategisch nützt.
In Europa gerät Dell zunehmend zwischen die Handelsfronten. Exportkontrollen für Hochleistungschips nach China und neue Zölle zwingen den Konzern, seine Lieferketten ständig neu zu ordnen. Diese Geopolitik ist für einen global fertigenden Hardwarebauer kein Randthema, sondern Chefsache.
Zugleich profitiert Dell von staatlicher Förderung für Halbleiter und Rechenzentren. Programme in den USA und Europa subventionieren genau die Infrastruktur, die Dell verkauft. Diese Rückendeckung aus öffentlichen Kassen stützt indirekt das Wachstum des Konzerns.
Was könnte Dell zu Fall bringen?

Dell zu Fall bringen würde am ehesten der Verlust seines wichtigsten Nachschubs: Ohne Nvidia-Chips oder falls die großen Cloudkonzerne ihre Server selbst bauen, bräche das gerade erst entfachte KI-Geschäft weg. Die größten Gefahren sitzen an beiden Enden der Lieferkette.
Das erste Risiko heißt Klumpenbildung. Dells Wachstum hängt fast vollständig an der Verfügbarkeit von KI-Beschleunigern eines einzigen Herstellers. Sobald Nvidia knapper liefert oder Preise anzieht, gerät Dells Kalkulation ins Rutschen, ohne dass der Konzern gegensteuern kann.
Das zweite Risiko sind die eigenen Großkunden. Cloudkonzerne wie die Betreiber riesiger Rechenzentren entwerfen zunehmend eigene Server und umgehen den Zwischenhändler. Jeder solche Selbstbauer ist ein dauerhaft verlorener Kunde, kein vorübergehender Auftragsrückgang.
Das dritte Risiko liegt in der Marge selbst. KI-Server bringen Umsatz in Rekordhöhe, aber dünnere Rendite als klassische Systeme, weil die teuren Chips den Preis dominieren. Wächst der Umsatz schneller als der Gewinn, entpuppt sich der Boom als Wachstum ohne entsprechende Wertschöpfung.
Nvidia-Klumpenrisiko
Ohne verfügbare KI-Chips bricht das wichtigste Wachstumsgeschäft weg. Preis und Menge diktiert der Zulieferer.
Hyperscaler bauen selbst
Große Cloudkonzerne entwerfen eigene Server und umgehen Dell. Jeder Selbstbauer ist ein verlorener Großkunde.
Dünne Marge im KI-Server
Wachstum ja, Rendite mau. Steigt der Umsatz schneller als der Gewinn, leidet die Bewertung.
Zölle und Exportregeln
Handelsschranken für Chips und fertige Systeme verteuern die Lieferkette und treffen die globale Logistik.
Hinzu kommt die alte Last aus der EMC-Übernahme. Trotz aller Tilgung trägt Dell weiter einen beträchtlichen Schuldenberg, der in Zeiten steigender Zinsen teurer wird. Diese Verschuldung engt den Spielraum ein, sollte das KI-Geschäft einmal ins Stocken geraten.
Auch die Konjunktur der Bauteilpreise schwankt heftig. Speicherchips durchlaufen regelmäßig Zyklen aus Überangebot und Knappheit, die Dells Kalkulation durcheinanderwirbeln. Diese Zyklik ist ein strukturelles Merkmal der Branche, kein einmaliger Ausreißer.
Als Gegengewicht bleibt die Software- und Datenbankschicht, in der Häuser wie der Datenbank-Riese Oracle die profitablen Ebenen besetzen, weitgehend außer Reichweite. Dell verdient an der Hardware, nicht an der Wertschöpfung darüber, und bleibt damit angreifbarer als reine Softwarekonzerne.
Drei Szenarien sind für die nächsten fünf Jahre realistisch. Im besten Fall bleibt Dell der bevorzugte Integrator der KI-Welle, im mittleren teilt es sich den Markt mit HPE und Supermicro, im schlechtesten wird es zum austauschbaren Auftragsfertiger. Welches Szenario eintritt, entscheidet vor allem die Chipversorgung.
Eine unterschätzte Abhängigkeit ist die von einer einzigen Person. Michael Dell verkörpert den Konzern seit vier Jahrzehnten und kontrolliert ihn über seine Stimmrechte. Diese Schlüsselperson ist Stärke und Risiko zugleich, denn ein Wechsel an der Spitze wäre ein Bruch ohne Beispiel.
Als schwarzer Schwan gälte ein abrupter Einbruch der KI-Investitionen. Sollten die großen Rechenzentrumsbetreiber ihre Budgets plötzlich zusammenstreichen, träfe das Dell mit voller Wucht. Dieses Nachfragerisiko spiegelt auf der Kundenseite das Chiprisiko auf der Angebotsseite.
Langfristig könnte auch ein technologischer Umbruch die Karten neu mischen. Neue Rechnerarchitekturen oder eine Verlagerung der KI-Last in spezialisierte Chips würden Dells heutige Systeme entwerten. Diese Disruption ist heute noch abstrakt, doch die Halbleiterbranche hat schon manchen Führenden über Nacht alt aussehen lassen.
Was bedeutet Dell für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Unternehmer ist Dell vor allem ein Ausrüster für die eigene KI-Infrastruktur, für Verbraucher ein solider, selten spektakulärer PC-Lieferant, dessen Preise mit den Chipkosten steigen und fallen. Die Rekordzahlen aus Texas landen früher oder später auch in deutschen Angeboten.
Mittelständler spüren Dell zuerst als Anbieter fertiger Rechenlösungen. Sofern ein Betrieb eigene KI-Modelle betreiben will, ohne die knappe Cloudkapazität der Hyperscaler zu mieten, findet er bei Dell vorkonfigurierte Systeme. Diese Unabhängigkeit von der Cloud hat ihren Preis, verschafft aber Kontrolle über sensible Daten.
Gerade für deutsche Betriebe mit strengen Datenschutzpflichten ist dieser Punkt gewichtig. Eigene Hardware im eigenen Rechenzentrum hält personenbezogene Daten im Haus, statt sie einem US-Cloudanbieter anzuvertrauen. Diese Datenhoheit wird für Kanzleien, Kliniken und Behörden zunehmend zum Entscheidungskriterium.
Für deutsche IT-Dienstleister ist Dell zugleich Partner und Konkurrent. Sie verdienen an Beratung und Betrieb rund um Dell-Hardware, konkurrieren aber mit dem Direktvertrieb des Konzerns. Diese Doppelrolle zwingt kleinere Anbieter, sich auf Beratung und Nähe zu spezialisieren, statt über den Preis zu kämpfen.
Verbraucher trifft vor allem die Preisdynamik. Steigen die Speicher- und Chippreise, wie zuletzt im Zuge des KI-Booms, verteuern sich auch Notebooks und Fertigrechner. Diese Kettenreaktion vom Rechenzentrum bis zum Elektronikmarkt trifft am Ende jeden Käufer.
Drei Entwicklungen sind für die kommenden zwölf Monate denkbar. Optimistisch fallen die Chippreise und PCs werden wieder günstiger, realistisch bleibt das Preisniveau hoch, pessimistisch sorgt eine neue Knappheit für weitere Aufschläge. Der Ausgang hängt an Faktoren weit jenseits von Dells Einfluss.
Als Handlungsempfehlung bleibt Nüchternheit. Großkunden sollten Rahmenverträge hart verhandeln und Folgekosten einrechnen, Verbraucher Anschaffungen antizyklisch planen. Diese Gelassenheit gegenüber der Marketingwelle ist der beste Schutz vor dem Rekordfieber der Branche.
Für den deutschen Mittelstand lohnt der nüchterne Vergleich mehrerer Anbieter. Neben Dell drängen Lenovo, HPE und Systemhäuser wie Bechtle in denselben Markt, oft mit ähnlicher Technik. Dieser Wettbewerb gibt Einkaufsverantwortlichen Verhandlungsmacht, die sie konsequent nutzen sollten.
Auch der Gebrauchtmarkt verdient einen Blick. Generalüberholte Server und Notebooks aus Leasingrückläufern kosten einen Bruchteil und reichen für viele Zwecke völlig aus. Diese Alternative entlastet knappe IT-Budgets, gerade wenn die Neupreise dem KI-Boom folgen.
Unterm Strich bleibt Dell für deutsche Entscheider ein verlässlicher, aber teurer Partner, dessen Preise die Weltmarktlage abbilden und dessen Angebote den Rhythmus der globalen Chipmärkte mitgehen. Wer die Mechanik hinter den Rekordzahlen kennt, verhandelt besser, plant ruhiger und lässt sich von Schlagzeilen nicht treiben. Diese Klarheit über das Geschäftsmodell ist am Ende der praktische Ertrag dieser Analyse, gerade in einem Jahr voller Superlative.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Dells Geschäftsmodell

Betriebskapital
Betriebskapital bezeichnet die Mittel, die ein Unternehmen für das laufende Geschäft bindet. Dell erzielte lange ein negatives Betriebskapital, weil Kunden zahlten, bevor Lieferanten bezahlt wurden. Dieser Effekt finanzierte das Wachstum ohne teure Kredite.
Build-to-Order
Build-to-Order meint die Fertigung erst nach Auftragseingang. Dell baut Rechner nach der Bestellung zusammen, statt auf Lager zu produzieren. So sinken Lagerkosten und das Risiko, unverkaufte Ware abschreiben zu müssen.
Client Solutions Group (CSG)
Client Solutions Group (CSG) ist Dells Sparte für Arbeitsplatzrechner: Notebooks, Desktops und Monitore. Sie liefert den größten Umsatzanteil, arbeitet aber mit dünnen Margen in einem schrumpfenden, hart umkämpften Markt.
Commoditisierung
Commoditisierung beschreibt, wie ein Produkt zur austauschbaren Massenware wird und der Preis zum einzigen Unterscheidungsmerkmal. PCs sind weitgehend commoditisiert, weshalb Dell dort nur über Volumen und Effizienz Geld verdient.
Deferred Revenue
Deferred Revenue sind aufgeschobene Erlöse aus im Voraus bezahlten, aber noch nicht erbrachten Leistungen. Bei Dell entstehen sie vor allem aus mehrjährigen Wartungs- und Supportverträgen und liefern planbare, margenstarke Umsätze.
Dell Financial Services (DFS)
Dell Financial Services (DFS) ist die hauseigene Finanzierungssparte. Sie verleast Hardware an Kunden und finanzierte im Geschäftsjahr 2025 Neugeschäfte von 7,3 Mrd. Euro. DFS bindet Kunden und erzielt zusätzliche Zinserträge.
Direktvertrieb
Direktvertrieb bezeichnet den Verkauf ohne Zwischenhändler direkt an den Endkunden. Dell machte dieses Prinzip 1984 zum Kern und sparte so die Händlermarge, was den Preis senkte und die Kundenbeziehung dem Konzern zuordnete.
EBIT
EBIT steht für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, also den operativen Gewinn. Die EBIT-Marge zeigt, wie viel eines Umsatzeuros als operativer Gewinn bleibt. Bei Dells Infrastruktursparte lag sie zuletzt bei 12,8 Prozent.
Infrastructure Solutions Group (ISG)
Infrastructure Solutions Group (ISG) bündelt Dells Server-, Speicher- und Netzwerkgeschäft. Die Sparte ist kleiner als die PC-Sparte, aber deutlich ertragsstärker und trägt den aktuellen KI-Boom.
Lock-in
Lock-in beschreibt Wechselhürden, die Kunden an einen Anbieter binden. Bei Dell entsteht Lock-in über Verwaltungssoftware, Serviceverträge und Leasing, sodass ein Wechsel zum Konkurrenten teuer und aufwendig wird.
Quersubventionierung
Quersubventionierung meint, dass ein margenschwaches Geschäft ein margenstarkes stützt oder umgekehrt. Bei Dell hält das große PC-Volumen die Kundenbeziehung, während die Server die eigentlichen Gewinne erwirtschaften.
Vendor Financing
Vendor Financing ist die Finanzierung des Kaufs durch den Verkäufer selbst. Über Dell Financial Services stellt der Konzern seinen Kunden Kredite und Leasing, senkt so die Kaufhürde und verdient zusätzlich an der Finanzierung.
FAQ: Dell: Wie verdient der PC-Riese heute sein Geld?

Ist Dell noch ein PC-Hersteller oder ein Serverkonzern?
Dell ist beides, verlagert sein Schwergewicht aber rasch zu Servern. Die PC-Sparte liefert mit rund 42,2 Mrd. Euro den größten Umsatz, die margenstärkere Infrastruktursparte mit 37,9 Mrd. Euro und dem KI-Boom aber das Wachstum und den Gewinn.
Warum ist Dells Aktie 2026 so stark gestiegen?
Weil die Nachfrage nach KI-Servern explodierte. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz um 88 Prozent auf 38,1 Mrd. Euro, der KI-Server-Umsatz um 757 Prozent. Die Aktie legte am Tag danach rund 33 Prozent zu.
Verdient Dell an einem KI-Server viel Geld?
Weniger, als der Umsatz vermuten lässt. Von jedem KI-Server fließen 55 bis 70 Prozent an Chiphersteller wie Nvidia. Dell behält nur eine schmale Spanne aus Montage, Vertrieb und Service, verdient das eigentliche Geld über Support und Finanzierung.
Wem gehört Dell Technologies?
Die Kontrolle liegt bei Gründer Michael Dell. Über eine Doppelklassen-Aktie hält er 46,8 Prozent der Stimmrechte, gemeinsam mit dem Finanzinvestor Silver Lake. Der Rest der Anteile ist frei an der Börse handelbar.
Wie unabhängig ist Dell von Nvidia?
Kaum. Dells KI-Geschäft hängt fast vollständig an Nvidia-Chips, deren Preis und Menge der Zulieferer bestimmt. Diese Abhängigkeit gilt als größtes Einzelrisiko für das aktuelle Wachstum des Konzerns.
Was bedeuten Dells Rekordzahlen für PC-Preise in Deutschland?
Sie können Notebooks verteuern. Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Speicher und Chips, was die Bauteilpreise steigen lässt. Diese Kettenreaktion erreicht über höhere Gerätepreise am Ende auch deutsche Verbraucher.
Quellen
- Dell Technologies | Form 10-K, Geschäftsjahr 2025 (endete 31.01.2025) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1571996/000157199625000034/dell-20250131.htm | besucht am 31.07.2026
- Dell Technologies | Ergebnisse erstes Quartal Geschäftsjahr 2027, Pressemitteilung 28.05.2026 | https://www.dell.com/en-us/dt/corporate/newsroom/announcements/detailpage.press-releases~usa~2026~05~dell-technologies-delivers-first-quarter-fiscal-2027-financial-results.htm | besucht am 31.07.2026
- Dell Technologies | Dell AI Factory mit NVIDIA, Pressemitteilung 22.06.2026 | https://www.dell.com/en-us/dt/corporate/newsroom/announcements/detailpage.press-releases~usa~2026~06~the-dell-ai-factory-with-nvidia-advances-supercomputing-class-infrastructure-powering-the-next-generation-of-hpc-and-ai.htm | besucht am 31.07.2026
- IDC | Worldwide Quarterly Personal Computing Device Tracker, zweites Quartal 2026 | https://www.idc.com/promo/pcdforecast | besucht am 31.07.2026
- OpenSecrets | Dell Technologies Lobbying Profile | https://www.opensecrets.org/federal-lobbying/clients/summary?id=D000000585 | besucht am 31.07.2026
- Dell Technologies | Form 10-K, Geschäftsjahr 2026 (endete 30.01.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1571996/000157199626000008/dell-20260130.htm | besucht am 31.07.2026