IBM zieht seine Marge aus einer Maschine, die kaum jemand mehr sehen will und die trotzdem 70 Prozent aller Finanztransaktionen der Welt bewegt. Der Konzern verkauft nicht Technik, er vermietet Unverzichtbarkeit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIBM meldete am 22. Juli 2026 einen Quartalsumsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar, und trotzdem verlor die Aktie nach einer Gewinnwarnung Mitte Juli fast ein Viertel ihres Werts. Ein Konzern, der seit 1911 existiert und schon einmal fast pleiteging, steht wieder an einem Wendepunkt. Genau hier lohnt der Blick in die Blackbox des Erlösmodells.
Das Wichtigste in Kürze
- IBM setzte im Geschäftsjahr 2025 rund 67,5 Milliarden US-Dollar um, davon fast die Hälfte mit Software und deren Wartung.
- Die eigentliche Gewinnmaschine ist das Softwaregeschäft mit einer Bruttomarge von 83,5 Prozent und wiederkehrenden Erlösen von 23,6 Milliarden US-Dollar im Jahr.
- Über 90 Prozent aller Großrechner der Welt tragen ein IBM-Logo, rund 70 Prozent der Finanztransaktionen nach Wert laufen darüber.
- Das Geschäft mit generativer KI wuchs auf ein Auftragsvolumen von mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar, doch rund 80 Prozent davon sind margenschwache Beratung.
- IBM zahlt seit 110 Jahren ununterbrochen Dividende und ersetzte zugleich hunderte Personalstellen durch KI-Agenten.
Sind Sie fit im Maschinenraum der Weltwirtschaft?
1Welcher Geschäftsbereich bringt IBM die mit Abstand höchste Bruttomarge?Aufklappen ↓
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2Wie groß ist IBMs Anteil an den weltweit installierten Großrechnern?Aufklappen ↓
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3Wie hieß IBM bei der Gründung 1911?Aufklappen ↓
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4Wie viel von IBMs KI-Auftragsvolumen entfällt auf margenschwache Beratung?Aufklappen ↓
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5Warum brach die IBM-Aktie im Juli 2026 fast um ein Viertel ein?Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter IBM und wie fing alles an?
Am 16. Juni 1911 verschmolzen drei Firmen zur Computing-Tabulating-Recording Company, kurz CTR. Die wichtigste Zutat brachte Herman Hollerith mit, dessen Lochkartenmaschinen die US-Volkszählung von 1890 auswerteten, Jahre schneller als jede Handzählung.
Diese Volkszählung war die Geburtsstunde eines Prinzips, das IBM bis heute trägt. Behörden, Banken und Versicherungen, die riesige Datenmengen sortieren müssen, brauchen eine Maschine, der sie blind vertrauen. IBM verkaufte von Anfang an nicht Geschwindigkeit, sondern Verlässlichkeit im großen Maßstab.
Den Konzern formte allerdings ein Verkäufer. Thomas J. Watson senior übernahm 1914 die Leitung und prägte eine Firmenkultur, die bis heute nachwirkt. Auf jedem Schreibtisch stand ein Schild mit einem einzigen Wort: THINK.
Watson verkaufte keine Maschinen, er verkaufte ein Versprechen von Ordnung. Behörden, Versicherer und Eisenbahnen mieteten die Lochkartensysteme, statt sie zu kaufen, und banden sich damit an einen einzigen Lieferanten. Diese Mietlogik, aus der wiederkehrende Zahlungen statt einmaliger Verkäufe entstehen, trägt IBM ein Jahrhundert später noch immer.
1924 taufte Watson die Firma auf einen Namen, der Weltmacht signalisierte, bevor sie existierte: International Business Machines. Ein Ingenieurbüro nannte sich fortan wie ein Weltreich, und über die Jahrzehnte wurde der Anspruch zur Beschreibung.
Schon damals verdiente IBM nicht am einzelnen Verkauf, sondern am dauerhaften Vertrag. Jeder Kunde, der eine Lochkartenanlage mietete, bezog die Karten fortlaufend nach, verpflichtete sich zu Wartung und band sein Rechnungswesen an ein einziges System. Aus dieser frühen Bindung erwuchs eine Marktstellung, die dem Konzern über Jahrzehnte kartellrechtliche Verfahren einbrachte.
In der Nachkriegszeit machte IBM den Sprung von der Zählmaschine zum Computer und wurde zum unangefochtenen Herrn der kommerziellen Datenverarbeitung. Der Konzern galt lange als sicherste Aktie der Welt, ein Ruf, der auf einem einfachen Satz beruhte: Niemand wurde je gefeuert, weil er IBM gekauft hatte.
Wie wurde aus Lochkarten ein Welt-Imperium?

Den entscheidenden Sprung brachte 1964 das System/360. IBM baute erstmals eine Familie kompatibler Großrechner, bei der ein Kunde nach oben wachsen konnte, ohne seine Programme neu zu schreiben. Der Konzern setzte damit den Standard für die kommerzielle Datenverarbeitung und verdiente an jeder Stufe mit.
Die Entwicklung war eine Wette um die Existenz des Konzerns. IBM steckte über Jahre gewaltige Summen in das Projekt und riskierte die eigene Zukunft, um alle bestehenden Rechnerlinien durch eine einzige, kompatible Familie zu ersetzen. Die Wette ging auf und machte IBM zum Betriebssystem der Weltwirtschaft, dessen Nachfolger heute noch als IBM Z laufen.
1981 brachte IBM den ersten Personal Computer und definierte, wie ein Bürorechner auszusehen hat. Den Betriebssystemvertrag überließ der Konzern einer kleinen Firma namens Microsoft, ein Geschäft, das Microsoft groß machte und IBM später teuer zu stehen kam.
Anfang der Neunziger geriet der Riese ins Wanken. 1993 verbuchte IBM einen Rekordverlust von rund 8,1 Milliarden US-Dollar, damals der höchste Jahresverlust der US-Unternehmensgeschichte. Analysten hielten die Zerschlagung für beschlossene Sache.
Der Manager Lou Gerstner drehte den Konzern in eine Richtung, die niemand von einem Hardwarehersteller erwartete: hin zu Dienstleistungen und Software. Statt Kisten zu verkaufen, verkaufte IBM fortan das Versprechen, die Technik der Kunden am Laufen zu halten. Diese Wende rettete das Unternehmen und legte das heutige Erlösmodell an.
Konsequent trennte sich IBM danach von allem, was viel Umsatz, aber wenig Marge brachte. 2005 verkaufte der Konzern seine PC-Sparte an den chinesischen Hersteller Lenovo und verabschiedete sich vom Geschäft mit Endkunden, das er einst selbst erfunden hatte.
2021 folgte der nächste radikale Schnitt mit der Abspaltung von Kyndryl, dem personalintensiven Betrieb fremder Rechenzentren. Rund 90.000 Beschäftigte und etwa 19 Milliarden US-Dollar Umsatz verließen den Konzern, der damit kleiner, aber profitabler wurde. Parallel kaufte IBM gezielt Software zu, allen voran 2019 den Open-Source-Spezialisten Red Hat für 34 Milliarden US-Dollar.
Der eigentliche Wendepunkt der Firmengeschichte war jedoch 1993. In diesem Jahr entschied sich, ob IBM als ein Konzern überlebt oder in Einzelteile zerfällt, wie viele Berater damals empfahlen. Die Entscheidung, zusammenzubleiben und auf Dienstleistung umzuschwenken, prägt den Konzern bis heute stärker als jede einzelne Übernahme.
Wie verdient IBM tatsächlich sein Geld?

Der Konzern setzte 2025 rund 67,5 Milliarden US-Dollar um und wuchs damit um 8 Prozent. Hinter dieser einen Zahl verbergen sich vier Geschäfte, die sich in Marge und Wachstum stark unterscheiden.
Das größte und wichtigste ist Software. Der Bereich brachte 2025 knapp 29,96 Milliarden US-Dollar und legte um 10,6 Prozent zu. Dazu zählen die Cloud-Plattform Red Hat, Automatisierungswerkzeuge, Datenprodukte und die klassische Transaktionssoftware auf dem Großrechner.
Die zweite Säule ist die Beratung mit 21,06 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Geschäft, das kaum wächst und im Jahr 2025 nur 1,8 Prozent zulegte. Beratung bindet Personal und skaliert schlecht, öffnet aber die Tür zu langfristigen Softwareverträgen.
Die dritte Säule ist die Infrastruktur, also das Großrechnergeschäft, mit 15,72 Milliarden US-Dollar. Angetrieben vom neuen Mainframe z17 wuchs der Bereich 2025 um 12,1 Prozent und erreichte den höchsten Großrechnerumsatz seit zwanzig Jahren.
Die vierte, kleinste Säule ist die Finanzierung mit 0,74 Milliarden US-Dollar. Über diese hauseigene Bank verleiht IBM Geld an Kunden, damit diese die eigenen Großrechner und Softwarelizenzen leasen können, ein stiller Baustein, der den Verkauf ankurbelt und zugleich Zinsen abwirft.
Die stille Gewinnmaschine im Rechenzentrum
Das Erlösmodell entscheidet sich nicht am Umsatz, sondern an der Bruttomarge. Und hier liegt das Softwaregeschäft mit 83,5 Prozent uneinholbar vorn. Von jedem eingenommenen Dollar bleibt nach den direkten Kosten fast keiner für die Herstellung übrig, weil eine einmal geschriebene Software beliebig oft verkauft werden kann.
Noch wichtiger als die Höhe ist die Verlässlichkeit dieser Erlöse. IBM weist ein wiederkehrendes Vertragsvolumen von 23,6 Milliarden US-Dollar aus, sogenannte Jahresabonnements, die unabhängig vom Tagesgeschäft Jahr für Jahr fließen. Eine Bank, deren Kernprozesse an der Transaktionssoftware eines Großrechners hängen, kündigt diese nicht mal eben.
Der zweite versteckte Hebel sind die Datenströme. Mit der Plattform watsonx und den Zukäufen von Confluent und HashiCorp positioniert sich IBM als Verwalter der Datenpipelines, auf denen Unternehmens-KI läuft. Das Datengeschäft wuchs 2025 zweistellig, weil generative KI ohne saubere, verfügbare Daten wertlos bleibt.
Das Geschäft mit generativer KI klingt gewaltig, ein Auftragsvolumen von mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Doch ein genauer Blick lohnt sich, denn rund 80 Prozent davon entfallen auf Beratung und nicht auf skalierbare Software. IBM verdient an der KI vorerst als Dienstleister, der sie bei Kunden einführt, nicht als Plattform, die von allein Geld druckt.
An dieser Stelle offenbart das Modell seine zentrale Asymmetrie. Die Beratung bringt fast ein Drittel des Umsatzes, aber nur einen Bruchteil des Gewinns, weil jede Projektstunde bezahlte Arbeitszeit kostet. Die Software dagegen bringt bei ähnlichem Umsatz einen Vielfachen an Gewinn, weil ein einmal geschriebenes Programm ohne Zusatzkosten hunderttausendfach läuft.
Diese Rechnung erklärt, warum der Konzern das eine Geschäft nutzt, um das andere zu finanzieren. Die hochprofitable Software trägt die dünnen Margen der Beratung mit, und die Beratung liefert im Gegenzug den Nachschub an neuen Softwarekunden. Der bloße Blick auf den Umsatz übersieht, dass ein einziger Bereich fast den gesamten Gewinn erzeugt.
Der Skaleneffekt verstärkt sich mit jedem Jahr. Je mehr Großrechner und Softwarelizenzen im Markt stehen, desto größer wird der Sockel an wiederkehrenden Wartungserlösen, der ohne nennenswerte Zusatzkosten wächst. Ab einer bestimmten Größe kostet jeder weitere Vertrag fast nichts mehr, während er voll auf den Gewinn durchschlägt.
Wie hart die Datenwette gemeint ist, zeigen die jüngsten Zukäufe. Nach dem Automatisierungsspezialisten HashiCorp für 6,4 Milliarden US-Dollar übernahm IBM im März 2026 den Streaming-Anbieter Confluent für rund 11 Milliarden US-Dollar. Beide liefern die Rohre, durch die Unternehmensdaten in Echtzeit fließen, und genau diese Rohre will IBM künftig kontrollieren.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Modell spürbar verschoben. Mit der Abspaltung des Rechenzentrumsgeschäfts als Kyndryl 2021 trennte sich IBM von rund 19 Milliarden US-Dollar Umsatz, der kaum Gewinn abwarf. Übrig blieb ein kleinerer, aber deutlich profitablerer Konzern, dessen freier Cashflow 2025 auf 14,7 Milliarden US-Dollar stieg.
Der Preis dieser Umbaustrategie zeigte sich im zweiten Quartal 2026. IBM meldete am 22. Juli nur noch 17,2 Milliarden US-Dollar Umsatz und ein Wachstum von einem Prozent, während der Großrechnerbereich IBM Z um 42 Prozent absackte. Ein Konzern, der so stark an wenigen Produktzyklen hängt, bleibt anfällig, sobald Kunden ihr Budget umlenken.
Unterm Strich beruht das ganze Modell auf einem einzigen Grundgedanken. IBM verzichtet bewusst auf das schnelle Wachstum der Cloud-Riesen und setzt stattdessen auf einen breiten Sockel wiederkehrender Erlöse, den kaum ein Kunde kündigt. Die hohe Softwaremarge und der stabile Cashflow sind der Lohn für diese Geduld, das langsame Wachstum ihr Preis.
Wie groß ist die Marktmacht von IBM?

Die reine Größe täuscht über die eigentliche Machtquelle hinweg. IBM ist im Cloud-Rennen gegen Amazon, Microsoft und Google nur ein Nischenspieler, doch an einer Stelle herrscht ein Quasi-Monopol. Über 90 Prozent aller Großrechner der Welt tragen das Kürzel IBM Z.
Diese Maschinen stehen unsichtbar im Maschinenraum der Weltwirtschaft. Nach Angaben von IBM laufen rund 70 Prozent aller Finanztransaktionen nach Wert und etwa 90 Prozent aller Kreditkartenzahlungen über Großrechner. Bei jeder Überweisung berühren Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine IBM-Maschine, ohne davon zu wissen.
Die Macht speist sich aus Wechselkosten, die kaum ein anderer Markt kennt. Eine Bank, deren Kernbanksystem seit Jahrzehnten auf einem Großrechner läuft, kann nicht einfach umziehen, weil Millionen Zeilen erprobter Programmlogik daran hängen. Ein Wechsel dauert Jahre, kostet ein Vermögen und riskiert Ausfälle im laufenden Betrieb.
Der neue Mainframe z17, seit 2025 im Markt, verlängert diese Bindung in die KI-Ära. Der Rechner verarbeitet nach Angaben von IBM täglich hunderte Milliarden Vorgänge und rechnet KI-Analysen direkt am Ort der Transaktion, etwa um Kartenbetrug in Echtzeit zu erkennen. Damit gibt IBM den Kunden einen frischen Grund, beim Großrechner zu bleiben, statt in die Cloud abzuwandern.
Neben dem Großrechner sichert IBM seine Position über die offene Plattform OpenShift aus dem Hause Red Hat. Statt gegen die Cloud-Riesen anzutreten, verkauft IBM eine neutrale Schicht, die über deren Rechenzentren gelegt wird. Damit verdient der Konzern auch dann, wenn ein Kunde parallel bei Amazon, Microsoft und Google einkauft, ein Muster, das dem großen Cloud-Geschäft von Microsoft bewusst ausweicht.
Ein zweites Machtfundament ist die schiere Menge an Patenten. IBM führte 29 Jahre in Folge die Rangliste der in den USA erteilten Patente an, ein Rekord, den kein anderer Konzern erreicht. Nach Angaben des Analysehauses IFI Claims fiel IBM 2025 erstmals seit Jahrzehnten aus den ersten zehn Plätzen, weil der Konzern seine Patentstrategie bewusst auf Qualität statt Masse umstellte.
Ernsthafte Herausforderer finden sich nur in Teilbereichen. Im Cloud-Massengeschäft dominieren die Hyperscaler, in der Beratung konkurrieren Accenture und die großen indischen Dienstleister, im Großrechnergeschäft dagegen steht IBM praktisch allein. Genau diese Nische ohne echten Wettbewerber macht den Konzern so widerstandsfähig.
Wer ist bei IBM eigentlich das Produkt?

Anders als bei einer Plattform, die Nutzerdaten verkauft, sitzt bei IBM der zahlende Firmenkunde klar auf der Kostenseite. Die Wertschöpfung tragen Banken, Versicherer, Behörden und Konzerne, die für die Verlässlichkeit ihrer Kernsysteme fast jeden Preis zahlen.
Für diese Kunden ist IBM zugleich Retter und Fessel. Der Großrechner läuft jahrzehntelang stabil, doch genau diese Stabilität macht abhängig. Jede Preiserhöhung bei Wartung und Software lässt sich schwer verhandeln, weil die Alternative ein riskanter Systemwechsel wäre.
Die eigentliche Wertschöpfung leisten dabei die Fachabteilungen der Kunden selbst. Sie kennen die Geschäftsprozesse, sie füttern die Systeme mit Daten, sie tragen das Risiko, wenn etwas schiefgeht. IBM liefert die Maschine und die Verlässlichkeit, doch der eigentliche Wert entsteht erst durch die Arbeit, die der Kunde darauf verrichtet.
Eine zweite Gruppe trägt das Modell unsichtbar mit: die Entwickler. Über die quelloffene Software von Red Hat bindet IBM eine weltweite Gemeinschaft von Programmierern, deren freiwillige Arbeit die Plattform verbessert. IBM verkauft anschließend Support und Zertifizierung für Software, die zu großen Teilen in offener Gemeinschaftsarbeit entsteht.
Dieses Vorgehen ist elegant und zugleich umstritten. Kritiker werfen IBM vor, den guten Namen der Open-Source-Bewegung zu verkaufen, während die eigentliche Wertschöpfung bei unbezahlten Beitragenden liegt. Verteidiger halten dagegen, dass erst IBMs Geld und Vertrieb quelloffene Software überhaupt in großen Konzernen salonfähig machen.
Auch die Beratung folgt dieser Logik. Ein Kunde, der IBM ein KI-Projekt anvertraut, kauft nicht nur Arbeitszeit, sondern öffnet die Tür für die anschließende Software. Die Berater sind der Türöffner, das eigentliche Geschäft folgt später über Lizenzen und Wartung.
Aus der Sicht des Lesers erleben Sie IBM fast nie direkt. Sie begegnen dem Konzern als unsichtbarer Schicht, sobald Sie am Geldautomaten Bargeld ziehen oder eine Überweisung auslösen. Das Geschäft ist so tief im Fundament vergraben, dass seine Marktmacht im Alltag komplett verschwindet.
Was kostet ein Großrechner wirklich, und wer trägt die Kosten?

Der Kaufpreis eines Großrechners ist nur die Anzahlung. IBM veröffentlicht keine Preislisten, doch das Modell ist klar erkennbar: Die einmalige Hardware ist der kleinere Posten, die laufenden Kosten über die Lebensdauer sind der größere.
Über die Jahre summieren sich vier Kostenblöcke, die zusammen die eigentliche Rechnung ergeben. Die folgende Übersicht zeigt, woraus sich der Preis eines Großrechnersystems zusammensetzt und wer ihn am Ende trägt.
| Kostenblock | Was er umfasst | Wer ihn trägt |
|---|---|---|
| Hardware | Der Großrechner selbst, einmalige Anschaffung, oft geleast statt gekauft | Kunde, meist über mehrjährige Leasingverträge |
| Betriebssystem und Software | Das Betriebssystem z/OS, Datenbanken und Transaktionssoftware, laufend lizenziert | Kunde, jährlich wiederkehrend |
| Wartung und Support | Rund um die Uhr verfügbarer Herstellersupport, Sicherheitsupdates, Ersatzteile | Kunde, als Pflichtvertrag über die gesamte Laufzeit |
| Migration und Beratung | Anpassung, Modernisierung und der teure Umzug alter Programme | Kunde, oft an die Beratungssparte von IBM |
Besonders schwer wiegt der letzte Block, die Modernisierung. Alte Programme laufen zwar zuverlässig, doch jede Anpassung an neue Vorschriften oder Schnittstellen verlangt seltene Fachkräfte, die IBM oder seine Partner stellen. Der Kunde zahlt also nicht nur für die Maschine, sondern dauerhaft für das Wissen, sie am Leben zu halten.
Die Kostenlogik erklärt, warum IBM auch ohne neue Kunden verdient. Jeder installierte Großrechner erzeugt einen Strom aus Software- und Wartungsgebühren, der Jahr für Jahr fließt, unabhängig davon, ob der Kunde neue Technik kauft. Das Neugeschäft ist die Kür, das Bestandsgeschäft die Pflicht.
Bemerkenswert ist die Preisdynamik in eine Richtung. Neue Funktionen und Preiserhöhungen gibt IBM zügig weiter, während Preissenkungen selten sind, weil der Kunde ohnehin gebunden ist. Der Anbieter diktiert das Tempo, der Kunde folgt, solange der Umzug teurer bliebe als die höhere Rechnung.
Am Ende trägt die Kosten der Endkunde der Kunden. Zahlt eine Bank höhere Gebühren für ihren Großrechner, fließen diese über Kontoführungsentgelte und Zinsmargen zurück an die Sparer und Kreditnehmer. IBM sitzt so weit unten im Fundament, dass seine Preise am oberen Ende der Kette kaum noch als IBM-Preise erkennbar sind.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Zu den klaren Gewinnern zählen die Aktionäre. IBM zahlt seit 110 Jahren ununterbrochen Dividende und hat die Ausschüttung 30 Jahre in Folge erhöht, ein Status, den Anleger als Dividendenaristokrat feiern. Anleger kassieren damit einen verlässlichen Anteil am Cashflow der Großrechner.
Auch ein ganzes Netz an Partnern lebt vom IBM-Ökosystem. Beratungshäuser, Softwarefirmen und Schulungsanbieter verdienen daran, dass Unternehmen ihre IBM-Systeme betreiben, anpassen und ihr Personal darauf zertifizieren lassen. Je tiefer ein Kunde im System steckt, desto größer wird der Kreis derer, die an seiner Abhängigkeit mitverdienen.
Für die Aktionäre ist diese Verlässlichkeit bares Geld. Seit über einem Jahrhundert fließt die Dividende ohne Unterbrechung, und der freie Cashflow von 14,7 Milliarden US-Dollar erlaubt großzügige Ausschüttungen an die Anleger. Ein IBM-Aktionär kauft damit weniger Wachstum als einen zuverlässigen Zahlungsstrom.
Auf der anderen Seite stehen die eigenen Beschäftigten. Konzernchef Arvind Krishna bestätigte 2025, dass IBM einige hundert Stellen in der Personalabteilung durch KI-Agenten ersetzt hat, deren Assistent AskHR inzwischen 94 Prozent der Routineanfragen automatisiert. Krishna betont zwar, die Gesamtbeschäftigung sei gestiegen, doch die betroffenen Sachbearbeiter erleben die eigene Technik als Jobkiller.
Hier zeigt sich ein Muster, das man den Plattform-Fluch nennen könnte. Wer einmal tief im IBM-Ökosystem steckt, akzeptiert über die Jahre schleichend schlechtere Konditionen, weil der Ausstieg teurer wäre als das Ertragene. Die Verlässlichkeit, die anfangs überzeugt, wird zur Falle, aus der ein Ausbruch Jahre und Millionen kostet.
Auch die Kunden zahlen einen Preis für die Verlässlichkeit, den sie selten offen beklagen. Die Abhängigkeit vom Großrechner verschafft IBM eine Verhandlungsmacht, die sich in stabilen, oft steigenden Wartungsgebühren niederschlägt. Die folgende Übersicht ordnet Gewinner und Verlierer des Modells.
Gewinner
- Aktionäre mit 110 Jahren ununterbrochener Dividende
- Das Top-Management und Schlüsselentwickler
- Beratungspartner, die an Modernisierungsprojekten mitverdienen
- Bestandskunden, deren Kernsysteme stabil laufen
Verlierer
- Personalstellen, die KI-Agenten ersetzen
- Kunden im Lock-in mit schwacher Verhandlungsposition
- Wettbewerber ohne eigenen Großrechner-Standard
- Sparer und Kreditnehmer am Ende der Kostenkette
IBM verkauft keine Großrechner, IBM vermietet die Angst vor dem Umzug. Die Wartungsgebühr ist der eigentliche Kaufvertrag, der Kaufpreis nur die Eintrittskarte in ein Jahrzehnt der Abhängigkeit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist IBM?

IBM pflegt seine Nähe zur Macht seit den Tagen von Thomas Watson, der Präsidenten hofierte. 2024 gab der Konzern nach Angaben der Transparenzplattform OpenSecrets rund 5,5 Millionen US-Dollar für Lobbyarbeit in Washington aus.
Die Erfahrung mit Regulierern reicht weit zurück. Über ein Jahrzehnt lang führte das US-Justizministerium ein Kartellverfahren gegen IBM, das erst 1982 fallengelassen wurde und den Konzern zwang, Hardware und Software getrennt zu verkaufen. Diese Trennung legte ungewollt den Grundstein für eine eigenständige Softwareindustrie und damit für IBMs heutiges wichtigstes Geschäft.
Politisch heikel ist derzeit vor allem die Arbeitsplatzfrage. Als einer der ersten Großkonzerne räumte IBM offen ein, Verwaltungsstellen durch KI zu ersetzen, und lieferte damit ungewollt die Vorlage für eine gesellschaftliche Debatte. Konzernchef Krishnas Botschaft, unterm Strich seien mehr Jobs entstanden, überzeugt die Kritiker nur halb.
Bemerkenswert ist, wie geschickt IBM diese Botschaft rahmt. Der Konzern präsentiert die eingesparten Stellen nicht als Kündigungswelle, sondern als Beleg für den klugen Einsatz eigener Technik im eigenen Haus. Ein Konzern, der seine KI an Kunden verkaufen will, muss vormachen, dass sie funktioniert, und IBM nutzt die eigene Personalabteilung als Schaufenster.
Zugleich inszeniert sich IBM als Standortpartner. Am 20. November 2025 weihte der Konzern seine neue Deutschlandzentrale in Ehningen bei Stuttgart ein, im Beisein von Digitalminister Karsten Wildberger, mit rund 3.500 Arbeitsplätzen und einem Quantenrechenzentrum in Reichweite.
Auch bei der Steuer nutzt der Konzern seinen globalen Spielraum. Wie viele US-Technologiekonzerne verteilt IBM Gewinne und Rechte über Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern, um die Abgabenlast zu senken. Der Konzern hält sich dabei an geltendes Recht, doch die Struktur zeigt, dass Steueroptimierung fester Bestandteil des Modells bleibt.
Diese Bühne ist kein Zufall, sondern Teil einer alten Strategie. IBM verkauft sich seit jeher als seriöser, staatstragender Technologiepartner, der Verlässlichkeit über Tempo stellt. Genau dieses Image rechtfertigt die hohen Preise für seine Großrechner.
Was könnte IBM zu Fall bringen?

Das größte strukturelle Risiko ist die Zyklizität des Großrechnergeschäfts. Im zweiten Quartal 2026 brach der Umsatz mit IBM Z um 42 Prozent ein, weil Kunden ihr Investitionsbudget kurzfristig auf KI-Server und Speicher umschichteten. Der Bruch zeigt, wie abhängig der Konzern von den Kaufzyklen einer einzigen Produktlinie bleibt.
Das zweite Risiko sitzt im gefeierten KI-Geschäft selbst. Solange vier Fünftel der KI-Erlöse aus Beratung stammen, verdient IBM an der Welle mit Muskelkraft statt mit Software. Sollten Kunden ihre KI-Projekte lieber mit den Werkzeugen von Datenbankkonzernen wie Oracle oder den Cloud-Riesen umsetzen, verliert IBM den margenstarken Teil des Kuchens.
Ein drittes, langsameres Risiko ist die Alterung der Belegschaft, die Großrechner noch programmieren kann. Die Sprache Cobol, in der viele Kernbanksysteme geschrieben sind, beherrschen immer weniger Fachkräfte. Für IBM ist das kurzfristig ein Geschäft, langfristig eine Wette darauf, dass niemand den Absprung wagt.
Hinzu kommt der strukturelle Rückstand in der Cloud. Während Amazon, Microsoft und Google das Massengeschäft mit Rechenleistung unter sich aufteilen, bleibt IBM auf die Rolle des neutralen Vermittlers beschränkt. Sollte diese Nische schrumpfen, fehlt dem Konzern das zweite Standbein neben dem alternden Großrechner.
Ein selteneres, aber schweres Szenario wäre ein Vertrauensbruch. Fiele ein großer Mainframe-Betreiber durch einen Ausfall oder ein Datenleck auf, das die Verlässlichkeit des Systems infrage stellt, geriete das wichtigste Verkaufsargument ins Wanken. IBMs Preise beruhen auf dem Versprechen, dass diese Maschinen nie stillstehen.
Drei Szenarien sind für die nächsten fünf Jahre realistisch. Im optimistischen Fall wird IBM mit watsonx zur führenden Plattform für Unternehmens-KI und verwandelt die Beratungserlöse in skalierbare Software. Im mittleren Fall bleibt der Konzern die verlässliche, langsam wachsende Cash-Maschine. Im pessimistischen Fall erodiert das Großrechnergeschäft schneller als das neue Geschäft wächst.
Was bedeutet IBM für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für die deutsche Wirtschaft ist IBM näher, als viele denken. Mit der neuen Zentrale in Ehningen und rund 3.500 Arbeitsplätzen bleibt der Konzern ein bedeutender Arbeitgeber und Technologiepartner im Südwesten der Republik.
Besonders eng ist die Verflechtung im Finanzsektor. Viele Sparkassen, Banken und Versicherer betreiben ihre Kernsysteme auf IBM-Großrechnern und lassen sich von der IBM-Beratung bei Informationssicherheit und Notfallmanagement unterstützen. Sobald Sie in Deutschland ein Konto führen, hängt Ihr Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer dieser Maschinen.
Für Sie als Verbraucher ist das zunächst eine gute Nachricht. Die Stabilität der Großrechner ist ein Grund, warum Überweisungen in Deutschland zuverlässig funktionieren und Kartenzahlungen selten ausfallen. Der Preis dieser Verlässlichkeit steckt versteckt in den Gebühren, die Ihre Bank an IBM weiterreicht.
Für deutsche Mittelständler ergibt sich daraus eine klare Abwägung. Die Großrechnerwelt bietet unerreichte Verlässlichkeit, bindet aber an einen einzigen Anbieter und dessen Preise. Bei einer Neuplanung sollten Sie die Gesamtkosten über zehn Jahre rechnen, nicht nur den Anschaffungspreis, und Ausstiegsklauseln früh verhandeln.
Als Wettbewerber deutscher Softwarehäuser tritt IBM vor allem über die Beratung auf und konkurriert dort mit heimischen Systemhäusern um dieselben Digitalprojekte. Als Geschäftspartner wiederum kann der Konzern ein mächtiger Hebel sein, wenn ein Mittelständler die offene Red-Hat-Plattform nutzt, statt sich früh an eine einzelne Cloud zu ketten.
Für Sie als Entscheider bedeutet das drei konkrete Schritte. Prüfen Sie, an welchen Stellen Ihr Betrieb bereits von IBM-Technik abhängt, verhandeln Sie Wartungs- und Lizenzverträge in kürzeren Laufzeiten, und halten Sie sich mit offenen Standards die Tür zu einem Anbieterwechsel offen. Mit Kenntnis der Gesamtkosten verhandeln Sie auf Augenhöhe statt aus der Position des Gefangenen.
Drei Szenarien zeichnen sich für die kommenden zwölf Monate ab. Optimistisch betrachtet stabilisiert sich das Großrechnergeschäft nach dem Z-Einbruch und die KI-Nachfrage stützt die Beratung. Realistisch bleibt IBM ein solider, aber langsam wachsender Partner mit hoher Preismacht. Pessimistisch drückt ein weiterer Investitionsstopp der Kunden auf Umsatz und Aktie, so wie im Juli 2026 geschehen. Als Verbraucher spüren Sie davon wenig, als Unternehmer sollten Sie Ihre Abhängigkeit kennen und ihren Preis, wie ihn auch das Geschäftsmodell von SAP im Kern zeigt.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum IBM-Geschäftsmodell

ARR
ARR steht für Annual Recurring Revenue, also den jährlich wiederkehrenden Umsatz aus Abonnements und Wartungsverträgen. Bei IBM belief sich diese verlässliche Erlösbasis 2025 auf 23,6 Milliarden US-Dollar und macht das Geschäft planbar.
Bruttomarge
Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil vom Umsatz nach Abzug der direkten Herstellkosten übrig bleibt. IBMs Softwaregeschäft erreicht 83,5 Prozent, weil digitale Produkte fast ohne Materialkosten vervielfältigt werden.
Cobol
Cobol ist eine seit 1959 verwendete Programmiersprache, in der viele Kernbanksysteme geschrieben sind. Ihre Verbreitung auf Großrechnern bindet Kunden an IBM, weil erfahrene Cobol-Fachkräfte selten werden.
Dividendenaristokrat
Ein Dividendenaristokrat ist ein Unternehmen, das seine Dividende über viele Jahre ununterbrochen erhöht hat. IBM zahlt seit 110 Jahren Dividende und hob sie 30 Jahre in Folge an, was Anleger als Zeichen von Stabilität werten.
Freier Cashflow
Der freie Cashflow ist das Bargeld, das nach allen Investitionen übrig bleibt und für Dividenden, Zukäufe oder Schuldenabbau zur Verfügung steht. IBM erwirtschaftete 2025 rund 14,7 Milliarden US-Dollar davon.
Generative KI
Generative KI bezeichnet Systeme, die aus Trainingsdaten neue Texte, Bilder oder Code erzeugen. IBM bündelt sein Angebot in der Plattform watsonx und meldet dafür ein Auftragsvolumen von mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar.
Hybrid Cloud
Hybrid Cloud nennt sich die Mischung aus eigenen Rechenzentren und öffentlichen Cloud-Diensten mehrerer Anbieter. IBM verkauft mit Red Hat die verbindende Schicht, statt selbst als reiner Cloud-Riese aufzutreten.
Lock-in
Lock-in beschreibt die Bindung eines Kunden an einen Anbieter durch hohe Wechselkosten. Bei IBM entsteht sie dadurch, dass Kernsysteme jahrzehntelang auf Großrechnern laufen und ein Umzug Jahre dauert.
Mainframe
Mainframe ist der englische Begriff für Großrechner, eine besonders ausfallsichere Maschine für sehr große Transaktionsmengen. IBMs Baureihe IBM Z stellt über 90 Prozent dieser Systeme weltweit.
OpenShift
OpenShift ist eine Plattform von Red Hat, mit der Anwendungen über verschiedene Cloud-Anbieter hinweg betrieben werden. Sie ist der Kern von IBMs Strategie, an fremden Clouds mitzuverdienen.
Quersubventionierung
Quersubventionierung liegt vor, wenn ein profitables Geschäft ein schwächeres finanziert. Bei IBM stützt die hohe Softwaremarge die personalintensive Beratung, die für sich genommen kaum Gewinn abwirft.
Red Hat
Red Hat ist ein 2019 für 34 Milliarden US-Dollar übernommener Anbieter quelloffener Software. IBM verdient mit Red Hat an Support und Zertifizierung für Programme, die in offener Gemeinschaftsarbeit entstehen.
Segmentmarge
Die Segmentmarge zeigt den operativen Gewinn eines Geschäftsbereichs im Verhältnis zum Umsatz. IBMs Software erreicht 33,1 Prozent und ist damit der profitabelste Teil des Konzerns.
watsonx
watsonx ist IBMs Plattform für Unternehmens-KI, die Modelle, Daten und Steuerung bündelt. Sie soll die heute noch beratungslastigen KI-Erlöse künftig in skalierbare Softwareumsätze verwandeln.
FAQ: IBM: Wie überlebt der Tech-Dinosaurier seit 1911?

Was kostet ein IBM-Großrechner?
IBM veröffentlicht keine Preislisten, doch ein Großrechnersystem kostet über die Lebensdauer weit mehr als die einmalige Hardware. Zu Anschaffung oder Leasing kommen jährliche Lizenzen für Betriebssystem und Software, laufende Wartung rund um die Uhr sowie Kosten für Anpassung und Migration. Über zehn Jahre übersteigen diese laufenden Posten den Anschaffungspreis meist deutlich.
Ist IBM größer als SAP?
Nach Gesamtumsatz ist IBM mit rund 67,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 deutlich größer als SAP. Im engeren Markt für Unternehmenssoftware verschieben sich die Gewichte, dort ist SAP vor allem in Europa und der Industrie stark, während IBM seine Stärke aus Großrechnern, Beratung und der offenen Cloud-Plattform Red Hat zieht.
Wem gehört IBM?
IBM ist ein börsennotierter Konzern ohne dominanten Einzeleigentümer. Die Anteile liegen überwiegend bei institutionellen Investoren wie großen Fondsgesellschaften, dazu kommen zahlreiche Privatanleger. IBM zahlt seit 110 Jahren ununterbrochen Dividende und hob sie 30 Jahre in Folge an.
Was ist watsonx?
watsonx ist IBMs Plattform für Unternehmens-KI. Sie bündelt KI-Modelle, den Zugriff auf Unternehmensdaten und Werkzeuge zur Steuerung an einem Ort. IBM will damit die heute noch stark beratungslastigen KI-Erlöse künftig in skalierbare Softwareumsätze verwandeln.
Warum ist die IBM-Aktie 2026 gefallen?
Die Aktie brach im Juli 2026 nach einer Gewinnwarnung fast um ein Viertel ein. Auslöser war der Großrechnerbereich, dessen Umsatz um 42 Prozent einbrach, weil Kunden ihr Investitionsbudget kurzfristig auf KI-Server und Speicher umschichteten. Zugleich senkte IBM die Wachstumsprognose.
Was bringt Red Hat für IBM?
Red Hat ist ein 2019 für 34 Milliarden US-Dollar übernommener Anbieter quelloffener Software. Der Kern ist die Plattform OpenShift, mit der Kunden Anwendungen über mehrere Cloud-Anbieter hinweg betreiben. IBM verdient daran mit Support und Zertifizierung und kann so auch an fremden Clouds mitverdienen.
Quellen
IBM | Ergebnisse zweites Quartal 2026 | newsroom.ibm.com | besucht am 30.07.2026
IBM | Geschäftsbericht 2025 und Ergebnisse viertes Quartal | newsroom.ibm.com | besucht am 30.07.2026
SEC | IBM Form 10-K Geschäftsjahr 2025 | sec.gov | besucht am 30.07.2026
Mordor Intelligence | Mainframe Market Analyse 2025 | mordorintelligence.com | besucht am 30.07.2026
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