Biomasse deckt 47 Prozent der erneuerbaren Energie in Deutschland und bleibt damit deren größte einzelne Quelle. Rund 9.900 Biogasanlagen vergären Gülle und Mais, in Millionen Kellern brennen Holzpellets für 6,7 Cent je Kilowattstunde. Ausgerechnet dieser größte Erneuerbare steuert gerade auf eine Förderklippe zu.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 1. Oktober 2026 entscheidet die nächste Ausschreibung der Bundesnetzagentur, welche Biomasseanlagen künftig noch eine Vergütung bekommen. Für tausende Betreiber läuft die zwanzigjährige EEG-Förderung aus. Wer verstehen will, warum ein Haufen Gülle und ein Sack Holzpellets über Wärme, Strom und Klimaziele mitentscheiden, muss die Geschichte dieses Rohstoffs von vorne kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Biomasse liefert 47 Prozent der erneuerbaren Energie in Deutschland und liegt damit über alle Sektoren vor Wind und Sonne.
- Der Rohstoff reicht von Holzpellets über Biogas aus Gülle und Mais bis zu Altspeisefett im Diesel.
- Rund 9.900 Biogasanlagen und Millionen Pelletheizungen hängen an einer Förderung, die für viele Anlagen gerade ausläuft.
- Die Klimabilanz bleibt umstritten, weil Verbrennung das CO₂ sofort freisetzt, der Wald aber erst über Jahrzehnte nachwächst.
1 Wie viel der erneuerbaren Energie in Deutschland liefert die Biomasse? Aufklappen ↓
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2 Woraus entsteht Biogas in den meisten deutschen Anlagen? Aufklappen ↓
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3 Welches Land war lange ein großer Pellet-Lieferant, bis ein Embargo kam? Aufklappen ↓
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4 Warum ist die Klimabilanz der Holzverbrennung umstritten? Aufklappen ↓
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5 Was steht der deutschen Biomasse am 1. Oktober 2026 bevor? Aufklappen ↓
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Was ist Biomasse und wie entsteht sie?
Biomasse ist gespeicherte Sonnenenergie: jedes organische Material, das Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen aufbauen und das sich zu Wärme, Strom oder Kraftstoff nutzen lässt. Vom Holzscheit über den Maiskolben bis zum Klärschlamm zählt alles dazu, was einmal gelebt hat.
Am Anfang steht fast immer die Photosynthese. Pflanzen binden mit Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid Energie in Zuckern, Zellulose und Öl. Genau diese Energie holt der Mensch später wieder heraus, ob durch Verbrennen, Vergären oder chemisches Umwandeln.
Der Rohstoff tritt in drei Aggregatzuständen auf und jeder bedient eine andere Baustelle der Energiewende. Die feste Biomasse heizt, die gasförmige macht Strom und speist das Gasnetz, die flüssige treibt Motoren an.
| Form | Beispiele | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| Fest | Holzpellets, Scheitholz, Stroh, Altholz | Heizung, Wärmenetze, Kraftwerke |
| Gasförmig | Biogas, Biomethan aus Gülle, Mais, Bioabfall | Strom, Wärme, Gasnetz, Kraftstoff |
| Flüssig | Biodiesel, Bioethanol, HVO aus Raps, Zuckerrohr, Altfett | Kraftstoff im Verkehr |
Der entscheidende Unterschied zur Kohle steckt in der Zeit. Ein Wald wächst in Jahrzehnten nach, eine Maisernte in einer einzigen Saison, während fossile Kohle Jahrmillionen brauchte. Diese kurze Nachwuchszeit macht die Biomasse erneuerbar, doch die Qualität schwankt stark: Trockene Holzpellets liefern rund 4,8 Kilowattstunden je Kilogramm, feuchtes Holz kaum die Hälfte. Der Klassiker unter den festen Energieträgern bleibt das Holz, das die Menschheit seit dem ersten Lagerfeuer verbrennt.
Biomasse ist chemisch gespeicherte Sonnenenergie in fester, gasförmiger und flüssiger Form. Ihr Vorteil gegenüber der Kohle ist die kurze Nachwuchszeit, ihr Schwachpunkt die schwankende Qualität je nach Restfeuchte.
Wer machte aus Feuerholz einen Industriezweig?

Aus dem Lagerfeuer wurde ein Industriezweig, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 die Biogasanlage vom Bauern-Bastelprojekt zur planbaren Geldanlage machte. Erst die garantierte Vergütung über zwanzig Jahre trieb den Boom.
Die Grundlagen lagen aber viel früher. Schon im 19. Jahrhundert nutzten Städte das Faulgas ihrer Abwasserkanäle zur Beleuchtung und der Ingenieur Karl Imhoff baute die Vergärung in die Kläranlage ein. Rudolf Diesel führte 1900 auf der Pariser Weltausstellung einen Motor vor, der mit Erdnussöl lief, dem Urahn des heutigen Biodiesels.
Den nächsten Schub gab die Ölkrise der 1970er Jahre. Brasilien startete mit dem Proálcool-Programm die Ethanol-Wirtschaft aus Zuckerrohr, während Europa über Alternativen zum teuren Öl nachdachte. Die Idee, aus Feldern Kraftstoff zu machen, war geboren.
Zum Weltmeister der Vergärung wurde Deutschland nach der Jahrtausendwende. Die feste Vergütung ließ die Zahl der Anlagen in wenige Jahre vervielfachen und der Gedanke, nie mehr zu ernten als nachwächst, ist keineswegs neu: Wie aus der nackten Not im Erzgebirge die Idee der Nachhaltigkeit entstand, zeigt schon die Forstgeschichte des 18. Jahrhunderts.
- 19. Jahrhundert: Städte fangen das Faulgas ihrer Kanäle ein, Kläranlagen vergären systematisch.
- 1900: Rudolf Diesel führt einen Motor mit Erdnussöl vor.
- Ab 2000: Das EEG macht Deutschland mit garantierter Vergütung zum Biogas-Weltmeister.
Wie hat Biomasse die Weltkarte verändert?

Biomasse verschiebt keine Grenzen wie das Öl, aber sie verknüpft Kontinente zu einer stillen Lieferkette: Amerikas Wälder heizen Europas Kraftwerke und ein Embargo kann diese Ströme über Nacht umlenken. Der Rohstoff ist Politik, sobald er auf ein Schiff geht.
Der sichtbarste Handel läuft mit Holzpellets. Die Wälder im Südosten der USA liefern Industriepellets nach Europa, wo Großkraftwerke ihre Kohle darauf umstellten. Der britische Konzern Drax presste 2025 rund 4,2 Millionen Tonnen Pellets, einen Rekord, der die Debatte über gerodete Urwälder in Übersee anheizt.
Wie schnell Geopolitik durchschlägt, zeigte 2022 das Embargo gegen Russland. Bis dahin lieferte das Land große Mengen Pellets nach Europa, seit Juli 2022 sind diese Importe verboten. Die Ware wanderte in die Türkei, Europa deckte sich verstärkt im Baltikum und in Nordamerika ein.
Noch heikler ist die flüssige Biomasse. Palmöl aus Indonesien und Malaysia landete lange im europäischen Biodiesel und machte die Tankfüllung zum Motor der Regenwald-Rodung. Die EU zieht mit ihrer Entwaldungsverordnung EUDR und den Nachhaltigkeitskriterien der Richtlinie RED III die Zügel an, um den Import von Rodungsware zu stoppen.
Sechs Herkunftsregionen und eine Abhängigkeit ohne Weltmarkt
Warum ist Biomasse für die Weltwirtschaft so wichtig?

Biomasse ist der meistgenutzte erneuerbare Energieträger der Welt und deckt rund 9 Prozent der globalen Primärenergie, in vielen ärmeren Ländern noch mehr, weil dort Milliarden Menschen mit Holz und Dung kochen. Kein anderer Erneuerbarer ist so weit verbreitet.
In Deutschland trägt die Bioenergie 47 Prozent der erneuerbaren Energie, ausgewiesen von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Im reinen Stromsektor lieferte Biomasse 2024 laut Umweltbundesamt 28,1 Terawattstunden oder 6,5 Prozent der Erzeugung, ihre wahre Stärke aber liegt in der Wärme, wo sie den größten erneuerbaren Anteil stellt.
Anders als Öl kennt Biomasse keinen einzigen Weltmarkt. Pellets handeln über regionale Indizes, Ethanol läuft über Warenbörsen in Chicago und São Paulo, Biogas bleibt fast immer lokal. Ein Preisschock trifft deshalb selten alle Formen gleichzeitig.
Die Abhängigkeit ist zweischneidig. Deutschland presst seine Pellets überwiegend aus heimischen Sägeresten und ist dort kaum auf Importe angewiesen, importiert aber einen erheblichen Teil der Rohstoffe für Biodiesel. Steht die Biomasse still, fehlt nicht nur Wärme, sondern auch die regelbare Reserve, die einspringt, wenn Wind und Sonne pausieren.
Weltweit ist Biomasse der verbreitetste Erneuerbare, in Deutschland mit 47 Prozent der größte. Ihre Stärke liegt in der Wärme und in der Fähigkeit, planbar einzuspringen, wenn Wind und Sonne fehlen.
In welchen Produkten steckt Biomasse und was verschwindet ohne sie?

Biomasse steckt in fast jeder Tankfüllung und jeder zweiten neuen Heizung, meist unbemerkt: in E10, im Diesel, im Gasnetz und im Ökostrom. Der Rohstoff arbeitet im Verborgenen.
In jeder Tankfüllung E10 stecken bis zu 10 Prozent Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben. Im Diesel stecken 7 Prozent Biodiesel aus Raps und Altspeisefett, ausgewiesen als B7. Aufbereitetes Biomethan strömt als Erdgas-Ersatz durch die Leitungen und aus gebrauchtem Frittierfett entsteht hydriertes Pflanzenöl für Lastwagen und Schiffe.
Im Keller läuft die stille Karriere der festen Biomasse. Millionen Pelletheizungen verbrennen gepresste Sägespäne, ganze Wärmenetze hängen an Holzhackschnitzeln und Biogas-Blockheizkraftwerke liefern Strom und Wärme zugleich.
Fällt die Biomasse weg, zeigt sich die Kipp-Logik. E10 und B7 verlieren ihren erneuerbaren Anteil, tausende Höfe bleiben auf ihrer Gülle sitzen und dem Netz fehlt eine regelbare Reserve. Für die reine Wärme lässt sich eine Wärmepumpe einbauen, für die Gülleverwertung und die schnelle Regelleistung fehlt ein einfacher Ersatz.
Sechs Produkte, in denen der Rohstoff steckt, und was ohne ihn kippt
Wie setzt sich der Preis einer Tonne Holzpellets zusammen?

Eine Tonne lose Holzpellets kostet in Deutschland rund 355 Euro, das entspricht etwa 6,7 Cent je Kilowattstunde Wärme und dieser Preis besteht nur zu gut einem Drittel aus dem eigentlichen Rohstoff. Den Rest tragen Verarbeitung, Handel und Steuer.
Der Rohstoff selbst ist billig, weil Pellets aus Sägenebenprodukten entstehen, den Spänen und Hobelresten der Holzindustrie. Teuer wird die Weiterverarbeitung: Das Trocknen und Pressen frisst viel Energie und genau dieser Posten schwankt mit den Strom- und Gaspreisen.
Dazu kommen Logistik, Handelsmarge und die Mehrwertsteuer. Holzpellets unterliegen in Deutschland dem ermäßigten Satz von 7 Prozent, anders als die meisten Waren. Die Zahlen des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) zeigen zudem ein klares Muster: Im Sommer ist die Ware günstig, in der Heizperiode zieht der Preis an.
Ein Dollar-Kurs spielt beim Pellet fast keine Rolle, weil der Rohstoff überwiegend aus heimischen Wäldern kommt. Das unterscheidet den Preis grundlegend vom Öl, dessen Endpreis jede Wechselkurs-Bewegung mitmacht.
Preiszusammensetzung als gerundetes Rechenbeispiel
Modellhafte Aufteilung einer Tonne loser Holzpellets
Wer verdient an Biomasse und wer zahlt drauf?

An der Biomasse verdienen vor allem Landwirte, Sägewerke und Anlagenbauer, während Anwohner, ferne Wälder und mancher Stromkunde den Preis dafür zahlen. Kaum ein Rohstoff verteilt Gewinn und Last so ungleich.
Auf der Gewinnerseite stehen die Höfe. Betreiber einer Biogasanlage verdienen an der Vergütung, verwerten die eigene Gülle und pachten Flächen für Energiemais. Sägewerke machen aus ihrem Abfall Geld, indem sie Späne zu Pellets pressen.
| Seite | Wer | Was |
|---|---|---|
| Gewinner | Landwirte und Sägewerke | Pachterlöse, Reststoff-Verwertung, verkaufte Pellets aus Sägeresten |
| Gewinner | Anlagenbauer und Wärmenetze | langfristige Vergütung, planbare Grundlast |
| Verlierer | Naturschutz und Böden | Monokulturen durch Energiemais, belastete Äcker |
| Verlierer | Wälder in Übersee | Rodung für Pellets und Palmöl in den USA und Südostasien |
Die Verlierer sind oft weit weg oder leise. Der Anbau von Energiemais fördert Monokulturen, was Kritiker als Vermaisung der Landschaft geißeln. In den USA und Südostasien fallen Wälder für Pellets und Palmöl. Anwohner von Pelletwerken klagen über Staub und Lärm.
Biomasse ist der einzige Erneuerbare, der zugleich Müllabfuhr, Kraftwerk und Heizung spielt. Genau diese Dreifachrolle macht den Rohstoff unverzichtbar und zum Sündenbock zugleich, sobald Mais das Feld statt den Teller füllt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Selbst die Riesen des Geschäfts stehen auf wackligem Grund. Der weltgrößte Pelletproduzent Enviva aus den USA meldete im März 2024 ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 an und schloss die Reorganisation im Dezember 2024 ab. Der britische Rivale Drax stellte einst sein größtes Kraftwerk von Kohle auf Pellets um und liefert heute Rekordmengen.
Biomasse macht Landwirte und Sägewerke zu Energieproduzenten, belastet aber Böden und ferne Wälder. Dass selbst der weltgrößte Pelletproduzent durch die Insolvenz musste, zeigt, wie schmal die Margen sind.
Wie mächtig ist die Biomasse-Lobby?

Die Biomasse-Lobby ist gut organisiert und verkauft ihren Rohstoff geschickt als klimaneutrale Brückentechnologie, auch wenn die Klimabilanz je nach Herkunft stark schwankt. Ihre stärkste Waffe ist ein Wort.
Verbände wie der Fachverband Biogas, der Deutsche Bauernverband und der DEPV bündeln die Interessen von zehntausenden Betrieben. Ihr Framing ist eingängig: erneuerbar, heimisch, speicherbar, ein Baustein der Wärmewende.
Der Hebel liegt in der Förderung. Über das EEG flossen über Jahre Milliarden in die Vergütung und mit dem Biomassepaket von 2025 stieg der Flexibilitätszuschlag von 65 auf 100 Euro je Kilowatt und Jahr. Hinzu kommen der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Pellets und die Heizungsförderung über BAFA und KfW.
Gegen dieses Netz stehen Umweltverbände, die den Tank-Teller-Konflikt und die Monokulturen anprangern. Ihr Etat ist kleiner, ihr Argument aber wirkmächtig: Ein Feld, das nur noch für die Anlage wächst, ernährt niemanden mehr.
- Verbände: Fachverband Biogas, Bauernverband und DEPV bündeln zehntausende Betriebe.
- Geld: EEG-Milliarden, Flexibilitätszuschlag jetzt 100 Euro je Kilowatt, ermäßigte Steuer.
- Gegenwind: Umweltverbände kritisieren Vermaisung und den Tank-Teller-Konflikt.
Wie unabhängig können wir von der Biomasse werden?

Von der Biomasse ganz loszukommen ist weder möglich noch nötig, doch ihre Zukunft liegt in Reststoffen statt im Anbau und in den Nischen, wo kein anderer Erneuerbarer einspringt. Ersetzbar ist der Rohstoff nur zum Teil.
Im Stromsektor übernehmen zunehmend Wind, Sonne und Batteriespeicher, sodass die Biomasse dort vom Grundlastlieferanten zum flexiblen Lückenfüller wird. In der Gebäudewärme ersetzt die Wärmepumpe viele Pelletheizungen, wenn auch mit hohen Umbaukosten.
Unverzichtbar bleibt der Rohstoff dort, wo Strom nicht reicht. Der schwere Luft- und Schiffsverkehr braucht flüssige Kraftstoffe und die Verwertung von Gülle, Stroh und Altholz erzeugt Energie aus Abfall, der ohnehin anfällt. Genau hier verschiebt sich die Debatte weg von der Energiepflanze hin zum Reststoff.
Der Zeithorizont ist lang. Anders als die Wasserkraft, deren beste Standorte längst vergeben sind, hat die Biomasse noch Reserven im Abfall, stößt aber an die Grenze der verfügbaren Fläche. Ein kompletter Ausstieg wäre teuer und würde eine planbare Reserve aus dem System reißen.
Strom und Wärme aus Biomasse lassen sich zunehmend durch Wind, Sonne und Wärmepumpen ersetzen. Im Flug- und Schiffsverkehr und bei der Reststoff-Verwertung bleibt der Rohstoff vorerst unverzichtbar.
Was bedeutet die neue Förderrunde für Deutschlands Biomasse?

Am 1. Oktober 2026 vergibt die Bundesnetzagentur die nächste Biomasse-Vergütung, mit Höchstwerten von 19,43 Cent je Kilowattstunde für neue und 19,83 Cent für bestehende Anlagen und für viele Altanlagen zählt diese Runde als letzte Chance. Der Genehmigungsstichtag am 3. September 2026 ist bereits verstrichen.
Der Hintergrund ist die Förderklippe. Für tausende Anlagen läuft nach zwanzig Jahren die erste EEG-Vergütung aus. Ohne einen Zuschlag in der Ausschreibung rechnet sich der Weiterbetrieb für viele nicht mehr, obwohl die Technik funktioniert.
Die Politik hat mit dem Biomassepaket von 2025 nachjustiert. Das Ausschreibungsvolumen stieg für 2026 auf 1.126 Megawatt, verteilt auf zwei Termine und der höhere Flexibilitätszuschlag soll Anlagen belohnen, die bedarfsgerecht Strom liefern. Für den Termin am 1. Oktober 2026 stehen rund 617 Megawatt zur Vergabe.
Für Verbraucher und Betriebe zeichnen sich drei Szenarien ab. Optimistisch füllen sich die Ausschreibungen, die Anlagen laufen flexibel weiter und stabilisieren das Netz. Realistisch überlebt vor allem, wer auf Biomethan und Flexibilität umstellt. Pessimistisch gehen zu viele Altanlagen vom Netz und dem System fehlt Regelleistung. Haushalte mit Pelletheizung kaufen am besten im Sommer und nutzen die Heizungsförderung über BAFA und KfW.
Die Ausschreibung am 1. Oktober 2026 entscheidet über die Zukunft vieler Altanlagen, deren EEG-Förderung ausläuft. Das Biomassepaket hebt Volumen und Flexibilitätszuschlag an, doch ob das die Förderklippe entschärft, ist offen.
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Biomasse

Biodiesel
Biodiesel bezeichnet einen Kraftstoff aus Pflanzenölen und Altspeisefetten, chemisch aufbereitet zu Fettsäure-Methylester. Dem normalen Diesel sind in Deutschland 7 Prozent beigemischt, gekennzeichnet als B7.
Bioethanol
Bioethanol ist Alkohol, der durch Vergärung von Zucker und Stärke aus Getreide, Zuckerrüben oder Zuckerrohr entsteht. In Deutschland steckt er als Beimischung im Benzin, etwa bis zu 10 Prozent in der Sorte E10.
Biogas
Biogas entsteht, wenn Bakterien unter Luftabschluss Gülle, Energiepflanzen oder Bioabfall vergären. Das Gemisch besteht etwa zur Hälfte aus Methan und dient zur Erzeugung von Strom und Wärme.
Biomethan
Biomethan ist auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas. Nach der Reinigung strömt das Gas ins Erdgasnetz und lässt sich wie fossiles Gas nutzen, auch als Kraftstoff für Lastwagen.
EEG
EEG steht für das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Seit dem Jahr 2000 sichert das Gesetz Betreibern erneuerbarer Anlagen eine feste Vergütung für zwanzig Jahre zu und löste den deutschen Biogas-Boom aus.
EUDR
EUDR ist die EU-Verordnung gegen Entwaldung. Die Verordnung verlangt für Rohstoffe wie Holz, Soja und Palmöl einen Nachweis, dass für ihre Erzeugung kein Wald gerodet wurde, und betrifft damit Biomasse-Importe.
Flexibilitätszuschlag
Flexibilitätszuschlag ist eine EEG-Prämie, die Biogasanlagen dafür belohnt, Strom bedarfsgerecht zu liefern statt rund um die Uhr. Mit dem Biomassepaket stieg er von 65 auf 100 Euro je Kilowatt und Jahr.
Heizwert
Heizwert gibt an, wie viel Energie ein Brennstoff bei der Verbrennung freisetzt. Trockene Holzpellets erreichen rund 4,8 Kilowattstunden je Kilogramm, weshalb ihre Restfeuchte streng begrenzt wird.
Holzpellet
Holzpellet nennt man einen kleinen, unter Druck gepressten Zylinder aus getrockneten Sägespänen und Hobelresten. Das Gütesiegel ENplus regelt Restfeuchte, Abrieb und Aschegehalt der Ware.
Nachwachsende Rohstoffe
Nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) sind land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, die nicht als Nahrung, sondern stofflich oder energetisch genutzt werden, etwa Energiemais, Raps oder Kurzumtriebsholz.
Photosynthese
Photosynthese ist der Prozess, mit dem Pflanzen aus Sonnenlicht, Wasser und CO₂ Biomasse aufbauen. In ihr steckt die gespeicherte Sonnenenergie, die jede Form von Bioenergie später wieder freisetzt.
RED III
RED III ist die dritte Fassung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie. Die Richtlinie schreibt Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse fest und wird in Deutschland unter anderem über die Biomasseverordnung umgesetzt.
Reststoffe
Reststoffe sind biogene Abfälle wie Gülle, Stroh, Altholz und gebrauchtes Speisefett. Als Substrat für Bioenergie gelten diese Abfälle als klimafreundlicher als eigens angebaute Energiepflanzen, weil sie keine Anbaufläche binden.
FAQ: Biomasse: die grüne Nummer eins der Energiewende

Ist Biomasse wirklich klimaneutral?
Rechnerisch gilt Biomasse als klimaneutral, weil beim Wachsen so viel CO₂ gebunden wird wie beim Verbrennen frei wird. Umstritten bleibt die zeitliche Lücke: Das CO₂ entweicht sofort, der Wald wächst erst über Jahrzehnte nach. Bei Reststoffen wie Gülle und Altholz fällt die Bilanz deutlich besser aus als bei frisch gerodetem Holz.
Was kostet eine Tonne Holzpellets aktuell?
Eine Tonne lose Holzpellets kostet in Deutschland rund 355 Euro, das entspricht etwa 6,7 Cent je Kilowattstunde Wärme. Sackware liegt etwas höher. Die Preise schwanken saisonal und sind im Sommer meist günstiger als in der Heizperiode, so der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband.
Wie viele Biogasanlagen betreibt Deutschland?
In Deutschland waren 2024 rund 9.900 Biogasanlagen an etwa 8.600 Standorten in Betrieb, mit einer elektrischen Gesamtleistung von rund 5.900 Megawatt. Die Anlagen vergären vor allem Gülle, Energiepflanzen und Bioabfälle zu Strom, Wärme und Biomethan.
Ist Heizen mit Pellets günstiger als mit Gas oder Öl?
Pellets sind mit rund 6,7 Cent je Kilowattstunde in den letzten Jahren meist günstiger gewesen als Heizöl und Erdgas, vor allem seit deren Preissprüngen ab 2022. Die Anschaffung einer Pelletheizung ist allerdings teurer, wird aber über BAFA und KfW mit bis zu 70 Prozent gefördert.
Was ist der Unterschied zwischen Biogas und Biomethan?
Biogas ist das rohe Gasgemisch, das in einer Anlage aus vergorener Biomasse entsteht, mit rund der Hälfte Methan. Biomethan ist auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, das ins Erdgasnetz eingespeist und wie fossiles Gas genutzt werden kann, auch als Kraftstoff.
Warum ist der Anbau von Mais für Biogas umstritten?
Kritiker sprechen von der Vermaisung der Landschaft: Große Flächen wachsen nur noch für die Biogasanlage, was Monokulturen fördert und den Boden belastet. Zudem konkurriert der Energiemais mit der Nahrungsmittelproduktion. Reststoffe wie Gülle und Bioabfall gelten deshalb als der bessere Weg.
Quellen
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) | Basisdaten Bioenergie Deutschland | https://www.fnr.de/ | besucht am 15.09.2026
Umweltbundesamt / AGEE-Stat | Erneuerbare Energien in Deutschland 2024 | https://www.umweltbundesamt.de/themen/solarstrom-waermepumpen-treiben-erneuerbare | besucht am 15.09.2026
Bundesnetzagentur | Ausschreibung Biomasse, Gebotstermin 1. Oktober 2026 | https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Biomasse/Okt2026/artikel.html | besucht am 15.09.2026
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat | Biomasse-Paket | https://www.bmleh.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Presse/2025/250203-biomasse-paket.html | besucht am 15.09.2026
Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV/DEPI) | Pelletpreis September 2026 | https://www.depv.de/pelletpreis/ | besucht am 15.09.2026
Fachverband Biogas | Branchenzahlen Biogasanlagen | https://www.biogas.org/ | besucht am 15.09.2026
U.S. Securities and Exchange Commission | Enviva Inc., Form 8-K zur Chapter-11-Reorganisation | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1592057/000110465924096073/tm2423134d1_8k.htm | besucht am 15.09.2026
Biomass Magazine | Drax produces record 4.2 million metric tons of wood pellets in 2025 | https://biomassmagazine.com/articles/drax-produces-record-42-million-metric-tons-of-wood-pellets-in-2025 | besucht am 15.09.2026