Industriemessen gelten vielen als Auslaufmodell, und doch versammelt die bauma 600.000 Menschen in München. Während die Hannover Messe schrumpft, feiern Landtechnik, Verpackung und Nutzfahrzeuge auf demselben Boden Rekorde. Welche acht Leitmessen die deutsche Industrie noch prägen und wo China längst die Stände füllt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Deutschland stellt bei den Industriemessen die Weltleitmessen fast im Alleingang: Alle acht hier verglichenen Leitmessen finden hierzulande statt.
- Die Kurven laufen auseinander: Die Hannover Messe schrumpft, bauma, Agritechnica und interpack melden Rekorde.
- Chinesische Aussteller übernehmen zunehmend die Flächen, die europäische Firmen frei machen, sichtbar auf Achema, bauma und EMO.
- Automatisierung und KI sind das Thema, das sich durch alle Hallen zieht, von der Werkzeugmaschine bis zum Nutzfahrzeug.
Für Entscheider im Maschinenbau, in der Prozess- oder Verpackungsindustrie stellt sich jedes Jahr dieselbe Frage: Auf welche Messe gehört das Budget, und lohnt der Aufwand überhaupt noch? Die Bilanzen der jüngsten Ausgaben liefern eine klarere Antwort als der Stammtisch über das Ende der Messe. Manche Leitmesse verliert, andere platzt aus allen Nähten.
Dieser Vergleich ordnet die acht wichtigsten Industriemessen ein, mit belegten Zahlen aus der jeweils letzten Ausgabe. Er ist die Branchen-Vertiefung zum großen Überblick aller Messen und zeigt, wo Deutschlands industrielle Stärke noch steht und wo sie bröckelt.
Ein Hinweis vorab zur Auswahl. Verglichen werden hier die acht industriellen Schwergewichte mit durchgehend aktuellen, geprüften Zahlen. Reine Robotik- und Labormessen wie die Automatica und die Analytica in München gehören zur erweiterten Familie und kommen im Text vor, bleiben aber aus der Tabelle heraus, damit jede Zeile denselben Stand hat.
Die Zahlen stammen ausnahmslos aus der jeweils letzten durchgeführten Ausgabe und sind über offizielle Abschlussmeldungen und geprüfte Statistiken belegt. Weil die Messen in unterschiedlichem Takt laufen, vergleicht die Tabelle nicht dasselbe Kalenderjahr, sondern den jeweils aktuellen Stand jeder Veranstaltung. So lassen sich sehr verschieden getaktete Schauen ehrlich nebeneinanderstellen, ohne eine künstliche Gleichzeitigkeit vorzutäuschen.
Wo die deutsche Industrie noch Weltmeister ist

Ein Blick auf die Tabelle genügt für die erste Erkenntnis: Jede einzelne dieser acht Leitmessen findet in Deutschland statt. Kein Zufall der Auswahl, sondern ein Abbild der Realität. Rund zwei Drittel der weltweit führenden Messen laufen hierzulande, und bei den industriellen Schwergewichten ist der Anteil noch höher.
Vier Standorte teilen den industriellen Kuchen unter sich auf. Hannover stellt mit Hannover Messe, Agritechnica, IAA Transportation und EMO gleich vier Weltleitmessen. München punktet mit der bauma, Düsseldorf mit interpack und drupa, Frankfurt mit der Achema. Kein anderes Land verfügt über eine vergleichbare Ballung aus Hallenkapazität, Verbandsstruktur und internationalem Ruf.
Gewachsen ist diese Vormacht über Jahrzehnte, in denen Deutschland als neutraler Boden zwischen den Weltregionen galt und die Maschinenbauer der Welt an einen zentral gelegenen Ort zog. Ein Naturgesetz folgt daraus nicht. Wie schnell ein Standort ins Rutschen kommt, führt ausgerechnet das Aushängeschild vor.
Wie groß dieser Vorsprung ist, zeigt der europäische Vergleich. Nach den Euro Fair Statistics des Weltverbands UFI zählt die Hannover Messe seit Jahren zu den drei ausstellerstärksten Messen Europas, und Hannover ist neben Düsseldorf die einzige Stadt mit gleich mehreren Top-Veranstaltungen. Die deutsche Messewirtschaft stellt damit nicht einzelne Leitmessen, sondern ein ganzes Ökosystem aus Hallen, Verbänden und Dienstleistern.
Hinter diesem Ökosystem stehen starke Branchenverbände, die zugleich als Veranstalter auftreten. Der VDMA und der VDW richten die industriellen Schauen aus, die DLG die Agritechnica, die DECHEMA die Achema. Diese enge Verbindung zwischen Verband und Messe sichert die fachliche Tiefe und erklärt, warum die Weltleitmessen kaum abwandern: Diese Messen hängen an Institutionen und gewachsener Kompetenz, nicht allein an Hallenmieten. Wo ein Verband seine Leitmesse betreibt, entscheidet nicht der höchste Standpreis über die Zukunft, sondern der Nutzen für eine ganze Branche. Genau das unterscheidet die etablierten Plätze von rein kommerziell getriebenen Veranstaltungen, die schneller kommen und gehen.
Acht Industriemessen, eine Tabelle

Die folgende Übersicht stellt die acht wichtigsten Industriemessen nebeneinander, gemessen an Ausstellern, Besuchern und Fläche der jeweils letzten Ausgabe. Tippen Sie auf eine Spaltenüberschrift, um zu sortieren. Über die Schalter darüber filtern Sie nach Branchengruppe.
| Messe | Ort | Branche | Turnus | Aussteller | Besucher | Fläche (m²) | Trend |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| bauma München | DE | Baumaschinen | alle 3 Jahre | 3.601 | ~600.000 | 614.000 | wächst |
| Agritechnica Hannover | DE | Landtechnik | alle 2 Jahre | 2.849 | ~476.000 | ~390.000 | wächst |
| Hannover Messe Hannover | DE | Industrie | jährlich | ~3.000 | ~110.000 | k. A. | schrumpft |
| interpack Düsseldorf | DE | Verpackung | alle 3 Jahre | 2.804 | ~127.000 | k. A. | wächst |
| Achema Frankfurt | DE | Prozessindustrie | alle 3 Jahre | 2.842 | ~106.000 | k. A. | wächst |
| IAA Transportation Hannover | DE | Nutzfahrzeuge | alle 2 Jahre | ~1.700 | ~145.000 | k. A. | wächst |
| EMO Hannover Hannover | DE | Werkzeugmaschinen | alle 2 Jahre | 1.629 | ~77.600 | 200.100 | hält |
| drupa Düsseldorf | DE | Druckmaschinen | alle 4 Jahre | 1.643 | ~170.000 | k. A. | schrumpft |
Deutsche Messen, FKM-geprüfte Werte wo verfügbar, jeweils letzte Ausgabe. EMO-Fläche als Bruttofläche. „k. A.“ = keine belastbare Flächenangabe. Quellen am Artikelende.
Die Trend-Spalte teilt das Feld sauber. Sechs Messen wachsen oder halten, zwei verlieren. Und die Verliererinnen erzählen jede für sich eine eigene Geschichte.
Auffällig ist die Spannweite der Größen. Zwischen der bauma mit 600.000 Besuchern und der EMO mit knapp 78.000 liegt fast der Faktor acht, obwohl beide Weltleitmessen ihrer Sparte sind. Größe misst hier nicht Bedeutung, sondern die Zahl der Menschen, die eine Branche mobilisiert. Eine Baumaschinenmesse zieht Bauunternehmer und Publikum, eine Werkzeugmaschinenmesse spricht einen engen Kreis von Fertigungsprofis an.
Ein zweiter Grund für die großen Unterschiede liegt im Publikum. Die bauma und die Agritechnica öffnen ihre Tore auch für private Interessierte, für Landwirte, Bauunternehmer und Technikfans, was die Besucherzahlen in die Hunderttausende treibt. Die EMO, die Achema und die interpack dagegen sind reine Fachmessen, zu denen nur beruflich Qualifizierte Zutritt haben. Ihre kleineren Zahlen bedeuten deshalb keine geringere Bedeutung, im Gegenteil: Jeder Besucher zählt hier als potenzieller Entscheider mit Budget. Ein voller Gang auf der EMO ist geschäftlich mehr wert als eine volle Halle mit Schaulustigen.
Die Schere von Hannover

Am schärfsten zeigt sich die Spreizung auf einem einzigen Gelände. Die Hannover Messe, Weltleitmesse der produzierenden Industrie, kam 2019 noch auf 215.000 Besucher. 2026 zählte sie rund 110.000 und kürzt ihre Laufzeit ab 2027 von fünf auf vier Tage. Der Rückgang hat handfeste Gründe: Drei Jahre Wirtschaftsflaute haben viele Aussteller in Sparprogramme gezwungen.
Auf demselben Boden feiert die Agritechnica derweil ein Rekordjahr. 476.000 Fachbesucher aus 171 Ländern kamen zur Weltleitmesse der Landtechnik, die Anfahrtswege verstopften halb Hannover. Und die IAA Transportation, die Leitmesse der Nutzfahrzeuge, legte gegenüber 2022 um zehn Prozent auf 145.000 Besucher zu.
Gleiche Stadt, gleiche Hallen, gegenläufige Kurven. Der Befund widerlegt die einfache Erzählung vom digitalen Ende der Messe. Wo eine Branche investiert und wächst, wächst ihre Leitmesse mit. Wo sie spart, schrumpft die Schau. Der Messeplatz ist nicht das Problem, sondern der Seismograf.
Die Zahlen aus Hannover verdienen einen zweiten Blick, weil sie das Muster verschärfen. Streiks im Flug- und Nahverkehr erschwerten 2026 die Anreise, doch der Rückgang begann früher und reicht tiefer. Messechef Köckler sprach offen von einer Delle in der Fläche, weil viele Aussteller kleiner kommen oder ganz fehlen. Die neue Center Stage zog zwar über alle Tage rund 30.000 Besucher an, den Substanzverlust in den Hallen gleicht sie aber nicht aus.
Die wachsenden Messen zeigen im Gegenzug, wie ernst es den Branchen mit der Transformation ist. Die Agritechnica lief 2025 komplett mit Ökostrom und verband jedes Ticket über das Programm WeReforest mit einem Aufforstungsprojekt. Die IAA Transportation präsentierte über 145 Welt- und Europapremieren, viele davon elektrische Lastwagen und Lieferwagen, und drehte sich fast vollständig um klimaneutrale Mobilität und Ladeinfrastruktur. Solche Themen holen die Branche in die Halle, weil eine neue Antriebstechnik erklärt, angefasst und Probe gefahren werden will. Ein Datenblatt überzeugt keinen Fuhrparkleiter, eine Testfahrt schon.
China baut die Stände

Die zweite Bewegung in diesen Hallen kommt aus dem Osten. Auf der Achema, der Weltleitmesse der Prozessindustrie, stellten 2024 nach Deutschland bereits chinesische Firmen die zweitgrößte Ausstellergruppe, mit 438 Ständen. Der Auslandsanteil erreichte mit 63 Prozent einen Rekord.
Ein ähnliches Bild auf der bauma und der Hannover Messe. Chinesische Hersteller bauten ihre Präsenz gegenüber den Vorjahren spürbar aus und füllten die Flächen, die europäische Aussteller frei machten. Rund ein Viertel der Hannover-Aussteller reiste zuletzt aus China an.
Für deutsche Entscheider hat dieser Wandel zwei Seiten. Der Wettbewerb steht nicht mehr in der Nachbarhalle, sondern kommt aus Guangzhou und Shenzhen direkt an den eigenen Standort. Zugleich lässt sich die Verschiebung der Weltwirtschaft nirgends so früh ablesen wie zwischen den Ständen einer Leitmesse. Wer die Konkurrenz von morgen sehen will, geht auf die Messe von heute.
Die Achema liefert dazu die deutlichste Zahl. Neben der chinesischen Rekordbeteiligung verzeichnete die Prozessindustrie-Messe 2024 auch die bislang höchste Beteiligung aus Indien mit 185 Ständen. Die Weltkarte der Aussteller verschiebt sich also nicht nur nach China, sondern in Richtung Asien insgesamt, während der deutsche Heimatmarkt an relativem Gewicht verliert.
Wie tief der Umbruch reicht, zeigt ein Blick über den Cluster hinaus. Der traditionsreiche Genfer Auto-Salon, jahrzehntelang das Schaufenster der Autobranche, ringt seit Jahren um seine Existenz, während die Auto Shanghai über eine Million Besucher zieht. In der Nutzfahrzeug- und Landtechnik hält Deutschland seine Leitmessen bislang, doch der Druck aus Asien wächst auch hier. Die deutsche Stärke bei den Industriemessen ist also kein sicherer Besitz, sondern ein Vorsprung, den die Branche in jeder Ausgabe neu verteidigen muss.
Automatisierung ist das eine Thema

Quer durch alle acht Messen zieht sich ein gemeinsamer roter Faden: die Automatisierung. Auf der EMO, der Weltleitmesse der Produktionstechnologie, waren 2025 rund 140 Roboterhersteller vertreten, und bei einem großen Aussteller liefen 33 von 40 gezeigten Maschinen automatisiert. Rund die Hälfte der befragten Fachbesucher kam eigens wegen dieses Themas.
Der Treiber ist kein Techniktrend, sondern der Fachkräftemangel. Wo Personal fehlt, übernimmt der Roboter, und die Messe wird zur Kaufberatung für die Fertigung von morgen. Die reine Robotik-Leitmesse Automatica in München bildet diesen Sog als eigene Veranstaltung ab, ebenso die Analytica für die Labor- und Analysetechnik. Beide gehören zur erweiterten Familie der industriellen Leitmessen.
Bemerkenswert ist, dass gerade dieses Zukunftsthema die klassischen Hallen füllt und nicht in den digitalen Raum abwandert. Ein Cobot, der Werkstücke einlegt, überzeugt am Stand, nicht im Datenblatt. Die Automatisierung, das große Digitalversprechen der Industrie, verteidigt damit ausgerechnet den physischen Messestand.
Sichtbar wird der Trend auch an den Standards, die auf den Messen gesetzt werden. Auf der EMO demonstriert die Konnektivitätsinitiative umati von VDW und VDMA, wie sich Maschinen unterschiedlicher Hersteller weltweit einheitlich vernetzen lassen. Solche Weichenstellungen entstehen im direkten Austausch der Ingenieure vor Ort, nicht in einer Videokonferenz, und binden die Branche an ihre Leitmesse.
Die EMO liefert ein gutes Beispiel für die gemischte Lage. Die Werkzeugmaschinen-Nachfrage aus Deutschland brach zuletzt um satte 22 Prozent ein, dennoch berichteten Aussteller wie DMG Mori von guten Verkäufen an internationale Kunden. Ab 2027 wechselt die Messe turnusgemäß nach Mailand, bevor sie 2029 nach Hannover zurückkehrt. Dieser Wanderrhythmus zwischen Deutschland und Italien führt vor, dass selbst eine Weltleitmesse ihren festen Platz nicht als selbstverständlich betrachten kann und sich der europäischen Konkurrenz stellt.
Der Takt entscheidet

Wer eine Messestrategie plant, muss den Rhythmus kennen. Die acht Leitmessen laufen in sehr unterschiedlichem Takt. Die Hannover Messe kommt jährlich, Agritechnica, IAA Transportation und EMO alle zwei Jahre, bauma, Achema und interpack alle drei Jahre. Die drupa erscheint sogar nur alle vier Jahre.
Der lange Turnus ist kein Zufall, sondern hängt an den Investitionszyklen der jeweiligen Branche. Eine Druckmaschine oder eine Verpackungsanlage kauft niemand jedes Jahr, also braucht die Schau ihren Vorlauf an echten Neuheiten. Genau daraus zieht eine Dreijahresmesse wie die bauma ihre Wucht: Aufgestaute Nachfrage entlädt sich in einer einzigen Woche.
Für Aussteller bedeutet der Takt Planungssicherheit und Druck zugleich. Wer eine Ausgabe verpasst, wartet oft Jahre auf die nächste Gelegenheit im selben Rahmen. Der seltene Termin macht die Präsenz teurer im Einzelfall, aber wertvoller im Ergebnis, weil die gesamte Branche gleichzeitig hinschaut.
Wie stark der aufgestaute Bedarf wirkt, führt die bauma selbst vor. 2022 kam sie auf rund 495.000 Besucher, 2025 auf 600.000, ein Plus von über 100.000 in einem einzigen Zyklus. Der lange Abstand von drei Jahren sammelt Investitionsentscheidungen an, die sich dann in einer Woche entladen. Genau diese Ballung macht den seltenen Termin für Aussteller so wertvoll.
Am unteren Ende der Trend-Spalte steht die drupa stellvertretend für eine ganze Entwicklung. Elf Tage lang zeigte die Druckmaschinenmesse 2024 ihre Neuheiten, doch mit 170.000 Besuchern lag sie ein Drittel unter dem Wert von 2016. Das Wachstum der Branche verlagert sich sichtbar von der klassischen Druckmaschine zur Verpackung, weshalb die interpack in Düsseldorf mit einem Ausstellerrekord glänzt, während die drupa im selben Haus verliert. Zwei Nachbarmessen, dieselbe Stadt, und doch trennt sie die Richtung ihres Marktes.
Für Entscheider: welche Messe zählt

Die praktische Lehre aus dem Vergleich ist einfach. Nicht jede Messe verdient Budget, aber die eine Leitmesse der eigenen Branche fast immer. Diese eine Messe bündelt Kundschaft, Wettbewerb und Zulieferer in wenigen Tagen an einem Ort und liefert damit eine Kontaktdichte, die kein Kalender voller Videocalls erreicht.
Die Auswahl folgt der Sache, nicht der Größe. Ein Werkzeugmaschinenbauer gehört auf die EMO, ein Verpackungsspezialist auf die interpack, ein Anlagenbauer auf die Achema. Die breite Präsenz auf vielen Schauen kostet mehr, als sie bringt. Wer digitale Werkzeuge für die Vor- und Nachbereitung sucht, wird in der Vergleiche-Sektion von Dr. Web fündig, vom Cloud-Server für die Messe-Datenbank bis zum KI-Textgenerator für die Nachfass-Mails.
Der zweite Rat betrifft die Erwartung. Eine Messe schließt selten am Stand den Vertrag ab, sie öffnet die Tür. Der eigentliche Wert entsteht in den Wochen danach, wenn aus dem Gespräch am Stehtisch ein Projekt wird. Wer die Messe als Startpunkt einer Beziehung begreift und nicht als Verkaufsautomat, rechnet sie am Ende positiv ab.
Ein dritter Punkt betrifft das Timing im Turnus. Wer auf einer Dreijahresmesse wie der bauma oder der interpack ausstellt, plant den Auftritt am besten als Höhepunkt einer längeren Kampagne, mit Vorlauf in den Fachmedien und Nachlauf in der Kundenpflege. Die Messe ist dann nicht der ganze Marketingplan, sondern sein Zentrum, um das sich alles andere gruppiert.
Bleibt die Kostenfrage, die kein Vergleich beschönigen sollte. Ein Auftritt auf einer Weltleitmesse bindet erhebliche Summen für Standfläche, Bau, Personal und Logistik, gerade bei den seltenen Dreijahresterminen. Der Auftritt rechnet sich deshalb nur mit klarem Ziel: definierte Gespräche, konkrete Leads, sichtbare Neuheiten. Wer ohne Plan und ohne Nachbereitung ausstellt, verbrennt Budget in schöner Kulisse. Wer die Messe als gezieltes Werkzeug einsetzt, holt aus wenigen Tagen mehr heraus als aus monatelanger Kaltakquise.
Ein Wort zur Zählweise

Veranstalter und geprüfte Statistik weichen oft leicht voneinander ab. Für die deutschen Messen nennt die Tabelle, wo verfügbar, die von der FKM geprüften Werte, sonst die offizielle Abschlussmeldung des Veranstalters. Die EMO etwa meldet gerundet rund 80.000 Besucher, die geprüfte Zählung weist 77.575 Eintritte aus.
Solche Differenzen gehen auf unterschiedliche Erhebungsstände und Definitionen zurück, nicht auf Schönfärberei. Für einen fairen Vergleich zählt die konsistente Quelle mehr als die höchste Zahl. Wer Angebote von Messeplätzen prüft, sollte deshalb immer nach geprüften Kennzahlen fragen und die runde Veranstalterzahl als das lesen, was sie ist: eine Momentaufnahme mit Interesse am großen Ergebnis.
Wer tiefer einsteigen will, findet die geprüften Kennzahlen jeder deutschen Messe frei zugänglich bei der FKM und beim Messeverband AUMA. Diese Quellen erlauben einen Vergleich, der nicht von Marketing-Interessen gefärbt ist, und bilden auch die Grundlage dieser Übersicht. Für Aussteller lohnt der Blick in die geprüften Strukturdaten doppelt, weil sie neben der reinen Zahl auch den Auslandsanteil und die Fachbesucherquote ausweisen, also genau die Werte, die über den Nutzen eines Auftritts entscheiden.
Glossar
- Leitmesse
- Die Messe, die in ihrer Branche den Ton angibt und an der die weltweit relevanten Aussteller kaum vorbeikommen. Pro Branche gibt es meist nur eine.
- FKM
- Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen. Prüft Aussteller-, Besucher- und Flächenangaben deutscher Messen unabhängig und macht sie vergleichbar.
- Turnus
- Der zeitliche Abstand zwischen zwei Ausgaben einer Messe, von jährlich bis alle vier Jahre. Er richtet sich meist nach den Investitionszyklen der Branche.
Welche ist die größte Industriemesse der Welt?
Nach Fläche und Publikum ist die bauma in München die größte Industriemesse der Welt, mit 614.000 Quadratmetern und rund 600.000 Besuchern je Ausgabe. Als Weltleitmesse der produzierenden Industrie über alle Branchen hinweg gilt die Hannover Messe, die allerdings deutlich kleiner und rückläufig ist.
Warum schrumpft die Hannover Messe?
Die Hannover Messe kam 2019 auf 215.000 Besucher, 2026 nur noch auf rund 110.000, und kürzt ihre Laufzeit ab 2027 auf vier Tage. Gründe sind die Sparprogramme der deutschen Industrie und der Rückzug vieler Aussteller, deren Flächen zunehmend chinesische Firmen übernehmen.
Wie oft finden die großen Industriemessen statt?
Der Takt ist sehr unterschiedlich. Die Hannover Messe läuft jährlich, Agritechnica, IAA Transportation und EMO alle zwei Jahre, bauma, Achema und interpack alle drei Jahre und die drupa nur alle vier Jahre. Der lange Turnus hängt an den Investitionszyklen der jeweiligen Branche.
Lohnt sich ein Messeauftritt für Industrieunternehmen noch?
Für die eine Leitmesse der eigenen Branche in der Regel ja. Eine Baumaschine oder eine Werkzeugmaschine will vor Ort begangen und vorgeführt werden, und die Dichte an Entscheidern erzeugt in wenigen Tagen mehr qualifizierte Kontakte als ein Quartal aus Einzelterminen. Entscheidend ist die gezielte Auswahl statt der breiten Präsenz.
Quellen
- Messe München / Allgemeine Bauzeitung | bauma 2025 | https://allgemeinebauzeitung.de/abz/600-000-besucher-bei-der-bauma-2025-aufbruchstimmung-in-muenchen-60590 | besucht am 12.09.2026
- DLG / Hannover.de | Agritechnica 2025 | https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Hannover.de/Aktuelles/Wirtschaft-Wissenschaft-2025/Positive-Bilanz-der-Agritechnica-2025-in-Hannover | besucht am 12.09.2026
- Deutsche Messe AG / Produktion.de | Hannover Messe 2026 | https://www.produktion.de/wirtschaft/hannover-messe-verliert-13000-besucher/2653370 | besucht am 12.09.2026
- Messe Düsseldorf / foodtec-insider | interpack 2026 | https://www.foodtec-insider.de/interpack-2026-rekordmesse-verpackungsmaschinen-duesseldorf-a-60226e1e3020088ca2360786cf69913a/ | besucht am 12.09.2026
- DECHEMA / chemie.de | Achema 2024 | https://www.chemie.de/news/1183784/abschlussbericht-achema-2024.html | besucht am 12.09.2026
- VDA / Hannover.de | IAA Transportation 2024 | https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Hannover.de/Aktuelles/Wirtschaft-Wissenschaft-2024/IAA-Transportation-mit-Rekord-Zahlen | besucht am 12.09.2026
- VDW / AUMA | EMO Hannover 2025 (FKM-geprüft) | https://www.auma.de/messen-finden/details/?tfd=hannover_emo_222719 | besucht am 12.09.2026
- Messe Düsseldorf / Printweek | drupa 2024 | https://www.printweek.com/content/news/drupa-numbers-revealed | besucht am 12.09.2026