Die CeBIT ist tot, und trotzdem war Technik nie präsenter auf den Messen der Welt. Was einst die Weltleitmesse der IT in Hannover an einem Ort bündelte, verteilt sich heute auf ein halbes Dutzend Spezialisten, von Las Vegas bis Dubai. Acht Tech-Messen im Vergleich, und die Frage, wer das Erbe der CeBIT wirklich angetreten hat.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die CeBIT starb 2018 nicht an der Digitalisierung, sondern an ihrer Breite. Ihre Aufgaben übernahmen spezialisierte Messen.
  • Die Rollen sind heute klar verteilt: die CES für Consumer-Technik, der MWC für Mobilfunk, die GITEX für Enterprise-IT, VivaTech und Web Summit für Startups.
  • Fast alle acht wachsen, getrieben vom einen großen Thema Künstliche Intelligenz, das sich über jede Bühne legt.
  • Den größten Andrang stellt ausgerechnet das Gaming: Die Gamescom zählt mehr Besucher als jede andere Tech-Messe.

Für Entscheider aus IT, Elektronik und digitalem Geschäft stellt sich jedes Jahr dieselbe Frage: Auf welche der vielen Tech-Messen gehört Zeit und Budget? Seit die eine große Antwort namens CeBIT fehlt, ist die Auswahl unübersichtlicher geworden. Wo früher ein Termin in Hannover genügte, buhlt heute ein halbes Dutzend Städte um dieselben Fachleute.

Dieser Vergleich ordnet die acht wichtigsten Tech-Messen ein, mit belegten Zahlen aus der jeweils letzten Ausgabe. Er ist die Branchen-Vertiefung zum großen Überblick aller Messen und zeigt, welche Bühne für welchen Zweck taugt. Die Gesamtschau steht im großen Vergleich der internationalen Messen.

Ein Hinweis zur Auswahl vorab. Verglichen werden hier die acht größten Tech-Messen mit aktuellen, belegten Zahlen, quer über die Sparten von Consumer-Elektronik bis Gaming. Reine Fachkongresse ohne nennenswerte Ausstellung bleiben außen vor, ebenso regionale Ableger wie die neue GITEX Europe in Berlin, die erst 2025 an den Start ging. So bleibt der Vergleich zwischen sehr unterschiedlichen Formaten belastbar, ohne Äpfel mit Birnen zu verrechnen. Alle acht Messen finden jährlich statt, was den Vergleich gegenüber den Industriemessen mit ihren langen Zyklen zusätzlich erleichtert.

Als die CeBIT starb

Ein Wegweiser mit CeBIT-Schild, Entfernungen zu Städten und einer Miniaturfigur auf weiß
CeBIT in Hannover war Jahrzehnte das IT-Zentrum mit über 800.000 Besuchern Anfang der 2000er. Die Messe endete 2018, weil das Internet sie überflüssig machte

Über Jahrzehnte war die CeBIT in Hannover das Zentrum der IT-Welt. Auf dem Höhepunkt Anfang der 2000er kamen über 800.000 Besucher, um Rechner, Software und das frühe Internet zu bestaunen. 2018 fand die Messe zum letzten Mal statt, danach zog der Veranstalter den Schlussstrich. Der naheliegende Nachruf lautete: Das Internet hat die Internet-Messe überflüssig gemacht.

So einfach war es nicht. Die CeBIT scheiterte weniger am Digitalen als an ihrer eigenen Größe. Eine Messe, die vom Heim-PC über Großrechner bis zur Behörden-IT alles zeigen wollte, sprach am Ende niemanden mehr gezielt an. Wer einen Laptop kaufen wollte, ging in den Handel, wer Enterprise-Software suchte, zum spezialisierten Anbieter. Die Universalmesse verlor ihren Zweck, weil ihre Zielgruppen auseinanderliefen.

Genau diese Aufgaben haben sich seither auf spezialisierte Schauen verteilt. Die CES in Las Vegas übernahm die Consumer-Technik, der Mobile World Congress in Barcelona den Mobilfunk, die GITEX in Dubai das Enterprise-Geschäft, VivaTech und Web Summit die junge Gründerszene. Aus einer sterbenden Weltleitmesse wurden mehrere kerngesunde Spezialisten. Der Markt fragte keine breite Bühne mehr nach, sondern tiefe.

Die Fallhöhe war beträchtlich. Zur Jahrtausendwende galt ein CeBIT-Auftritt als Pflicht für jedes Technologieunternehmen, die Hotelpreise in Hannover explodierten für eine Woche, und die Tagesschau berichtete von der Eröffnung. 2001 kamen über 800.000 Menschen, 2017 nur noch rund 200.000. Der Absturz vollzog sich also über anderthalb Jahrzehnte, nicht über Nacht. Jedes Jahr wanderte ein Stück des Programms zu einer spezialisierten Veranstaltung ab, bis vom Kern zu wenig übrig blieb. Am Ende stand eine Messe, die zu groß für ihre Nische und zu unscharf für das große Publikum war.

Die CeBIT ist nicht an der Digitalisierung gestorben, sondern an ihrer eigenen Breite. Wer alles zeigen will, zeigt am Ende nichts, das man nicht auch online sehen könnte.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Acht Tech-Messen, eine Tabelle

Waage der Wertigkeit 2024 mit Controller, Rakete und Ticket-Preis-Anhänger
Acht Tech-Messen im direkten Vergleich, nach Ausstellern, Besuchern und Trend.

Die folgende Übersicht stellt die acht wichtigsten Tech-Messen nebeneinander, gemessen an Ausstellern, Besuchern und Fläche der jeweils letzten Ausgabe. Tippen Sie auf eine Spaltenüberschrift, um zu sortieren. Über die Schalter darüber filtern Sie nach Typ.

MesseOrtTyp TurnusAussteller BesucherFläche (m²) Trend
Gamescom
Köln, DE
DeutschlandGamingjährlich1.743~368.000233.000wächst
IFA
Berlin, DE
DeutschlandConsumer Electronicsjährlich~2.000~240.000190.000wächst
GITEX Global
Dubai, VAE
VAEIT / KIjährlich~6.800~200.000k. A.wächst
VivaTech
Paris, FR
FrankreichTech-Festivaljährlich~14.000*~180.000k. A.wächst
CES
Las Vegas, USA
USAConsumer Techjährlich~4.100~148.000241.500wächst
MWC Barcelona
Barcelona, ES
SpanienMobilfunkjährlich~2.900~109.000k. A.hält
Web Summit
Lissabon, PT
PortugalTech-Konferenzjährlich~2.725*~71.400k. A.wächst
Computex
Taipeh, TW
TaiwanHardwarejährlich1.400~86.50080.000wächst

* VivaTech und Web Summit zählen ausstellende Startups statt klassischer Aussteller. Alle acht Messen finden jährlich statt, Zahlen aus der jeweils letzten Ausgabe, gerundet. „k. A.“ = keine belastbare Flächenangabe. Quellen am Artikelende.

Ein Muster fällt sofort auf: Bis auf den Mobile World Congress, der sein hohes Niveau hält, wächst jede dieser Messen. Von einem Sterben der Tech-Messe kann keine Rede sein, im Gegenteil. Die Frage ist nicht mehr, ob man ausstellt, sondern wo.

Auffällig ist die Spannweite der Formate hinter ähnlichen Zahlen. Die Gamescom bewegt mit 368.000 Menschen ein Massenpublikum, die Computex mit 86.500 einen hochspezialisierten Fachkreis, und doch sind beide Weltleitmessen ihrer Sparte. Größe misst hier nicht Bedeutung, sondern die Art des Publikums. Eine Consumer-Messe lebt vom Andrang, eine Zulieferermesse von der Qualität der wenigen richtigen Kontakte. Wer die Tabelle sortiert, sollte deshalb im Kopf behalten, dass die höchste Zahl nicht automatisch die wichtigste Messe markiert, sondern nur die mit den meisten Menschen an der Kasse.

Ein Blick in die Trend-Spalte lohnt sich besonders. Sieben der acht Messen wachsen, und selbst der stabile Mobile World Congress hält ein sehr hohes Niveau. Von einem allgemeinen Messesterben kann in der Technik also keine Rede sein, wohl aber von einer Verschiebung: Die Gewinner sind entweder streng spezialisiert oder als großes Festival breit aufgestellt, während die alte Universalmesse dazwischen keinen Platz mehr fand. Genau in dieser Lücke verschwand die CeBIT.

Amerika zeigt, Europa redet, Asien baut

Blauer Rollkoffer mit ausgezogenem Griff und mehreren bunten Anhängern auf hellem Grund
Amerika zeigt, Europa redet, Asien baut: Jede Region hat ihren eigenen Messetyp.

Die acht Messen ähneln sich in den Zahlen, unterscheiden sich aber grundlegend im Charakter. Die CES in Las Vegas ist die große Produktschau, auf der Konzerne im Januar die Trends des Jahres setzen und die Weltpresse zusieht. Rund 148.000 Teilnehmer kamen zuletzt, auf einer Fläche größer als 33 Fußballfelder.

Europa dagegen redet lieber, als es zeigt. VivaTech in Paris und der Web Summit in Lissabon sind weniger Produktmessen als Konferenzen mit Ausstellung, auf denen Vorträge, Panels und Investorengespräche im Mittelpunkt stehen. Die IFA in Berlin hält als klassische Consumer-Messe die deutsche Fahne hoch und punktet mit ihrer Nähe zum Weihnachtsgeschäft im September.

Asien schließlich baut. Die Computex in Taipeh ist die Hardware-Messe der Welt, auf der die Zulieferkette der gesamten Computerindustrie zusammenkommt, von den Chipherstellern bis zu den Gehäusebauern. Wo die CES das fertige Gerät feiert, zeigt die Computex, woraus es besteht. Diese Arbeitsteilung nach Kontinenten ist kein Zufall, sondern folgt der Struktur der Branche selbst.

Deutschland spielt in diesem Reigen eine eigentümliche Rolle. Mit der IFA in Berlin und der Gamescom in Köln stellt es zwei der besucherstärksten Tech-Messen der Welt, verlor mit der CeBIT aber ausgerechnet die eine, die den Standort im professionellen IT-Geschäft verankerte. Der Verlust wiegt schwerer, als die glänzenden Zahlen von IFA und Gamescom vermuten lassen, denn beide sind stark vom Konsumenten geprägt. Im reinen Business-Segment, wo Verträge und Budgets verhandelt werden, hat Deutschland seit dem Ende der CeBIT keine eigene Weltleitmesse mehr. Diese Lücke füllen heute Las Vegas, Barcelona und Dubai.

Der Startup-Boom füllt neue Hallen

Papprakete mit „Startup“-Schriftzug startet von Pappbox auf weißem Grund
Der Startup-Boom füllt neue Hallen, wo früher fertige Produkte standen.

Am deutlichsten hat sich die Tech-Messe dort gewandelt, wo früher gar keine war. VivaTech versammelte 2025 rund 14.000 Startups aus 171 Ländern und über 3.600 Investoren, der Web Summit in Lissabon 2.725 Startups und fast 1.900 Kapitalgeber. Diese Zahlen sprengen alles, was klassische Ausstellerlisten kennen, weil hier nicht Konzerne Stände buchen, sondern Gründer ihre Idee pitchen.

Der Treiber ist das viele Kapital, das in europäische Technologie fließt, und die simple Erkenntnis, dass sich Vertrauen schlecht per Videocall aufbaut. Ein Investor entscheidet über eine Finanzierung lieber nach einem Gespräch am Stand als nach einer Präsentation im Browser. Der Web Summit hat dafür eigens ein Matchmaking-Werkzeug gebaut, weil sich jenseits einiger tausend Teilnehmer kein Kontakt mehr zufällig ergibt.

Für die etablierten Messen ist dieser Boom Chance und Warnung zugleich. Die IFA und die CES richten längst eigene Startup-Areale ein, um die junge Energie einzufangen. Wer die Gründer von morgen sehen will, findet sie nicht mehr nur in Paris und Lissabon, sondern zunehmend auch in den Nebenhallen der großen Consumer-Schauen.

Bemerkenswert ist, wie stark diese Festivals inzwischen politisch aufgeladen sind. Auf der VivaTech 2025 stand die Frage nach europäischer Technologie-Souveränität im Zentrum, samt Vorstellung einer eigenen KI-Infrastruktur für den Kontinent. Der Web Summit wiederum meldete trotz vorsichtiger Investoren einen Rekord bei den teilnehmenden Kapitalgebern, ein Signal gegen den Trend der Branche. Für Gründer bedeutet das konkrete Chancen, weil an keinem anderen Ort so viele Geldgeber in so kurzer Zeit erreichbar sind. Der Messebesuch wird damit zum Teil der Finanzierungsstrategie, nicht nur des Marketings.

Der Mobile World Congress verdient dabei eine eigene Betrachtung, weil er als einzige der acht Messen nicht wächst, sondern sein Niveau hält. Nach dem Einbruch der Pandemiejahre kehrte er auf rund 109.000 Besucher zurück, ohne die alten Rekorde zu erreichen. Der Grund liegt in der Reife des Mobilfunkmarkts: Die großen Sprünge von 3G zu 5G sind vollzogen, die Aufmerksamkeit wandert zu KI und Netzsoftware. Der MWC bleibt für Netzbetreiber und Gerätehersteller trotzdem der Pflichttermin, an dem sich die Branche einmal im Jahr vollständig trifft. Stabilität ist in einem reifen Markt kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von Verlässlichkeit.

Zusammengenommen ergibt sich ein klares Bild. Die acht Messen bilden kein Chaos, sondern eine arbeitsteilige Landschaft, in der jede eine bestimmte Rolle spielt. Was früher die eine CeBIT unter einem Dach vereinte, verteilt sich heute auf spezialisierte Bühnen, von denen jede für sich größer und schärfer ist als die alte Universalmesse in ihren letzten Jahren. Für Aussteller und Besucher bedeutet das mehr Auswahl, aber auch mehr Entscheidungsdruck.

Diese Übersicht bildet den Auftakt einer Reihe. Nach dem Blick auf Industrie und Technik folgen weitere Branchen, von der Mobilität rund um die großen Autosalons bis zur Medizin und Ernährung, jede mit eigener Tabelle und eigenem Ranking. Gemeinsam ergeben sie nach und nach das vollständige Bild der Messewelt, wie es der große Überblick aller internationalen Messen verspricht. Wer heute eine Standentscheidung trifft, sollte den Vergleich der eigenen Branche ebenso kennen wie den Blick aufs große Ganze.

Künstliche Intelligenz ist das eine Thema

Bildschirm mit „KI“, daneben Gehirnmodell mit Hinweis „Bedienungsanleitung fehlt“
Künstliche Intelligenz ist das eine Thema, das über allen Bühnen schwebt.

Quer durch alle acht Messen zieht sich seit zwei Jahren ein einziges Leitthema: die Künstliche Intelligenz. Auf der Computex hielt Nvidia-Chef Jensen Huang die vielbeachtete Eröffnungsrede, auf der VivaTech stellte Mistral seine europäische KI-Infrastruktur vor, und die GITEX in Dubai vermarktet sich inzwischen offen als KI-Leitmesse.

Bemerkenswert ist, wie sehr dieses digitale Thema die physischen Hallen füllt statt sie zu leeren. Eine KI-Anwendung überzeugt am ehesten, wenn man sie ausprobiert und den Entwicklern direkt Fragen stellen kann. Auf der CES drehten sich zuletzt ganze Hallen um KI-Assistenten, auf dem MWC um KI in Netzen und Endgeräten. Das Versprechen der Automatisierung verkauft sich am besten im persönlichen Gespräch.

Für Aussteller bedeutet der KI-Sog, dass die Abgrenzung zwischen den Messen unschärfer wird. Eine KI-Firma passt heute auf die CES, die VivaTech, die GITEX und den MWC zugleich. Die Auswahl entscheidet sich damit weniger am Thema als an der Zielgruppe: Wer Endkunden sucht, geht nach Las Vegas, wer Kapital sucht, nach Paris, wer den Nahen Osten erschließen will, nach Dubai.

Diese Allgegenwart der KI birgt für Aussteller eine Falle. Wenn jede Messe dasselbe Thema feiert, droht die eigene Botschaft im Grundrauschen unterzugehen. Der Ausweg liegt in der Fokussierung auf das jeweilige Publikum der Veranstaltung. Ein Anbieter von KI für Fabriken ist auf der Hannover Messe besser aufgehoben als auf der CES, ein KI-Start-up für Endkunden umgekehrt. Die Kunst besteht darin, nicht überall ein bisschen dabei zu sein, sondern auf der einen richtigen Bühne laut. Eine klare Positionierung schlägt die breite Streuung, gerade in einem Jahr, in dem alle über dasselbe reden.

Gaming ist erwachsen geworden

Silberner Xbox-Controller auf Ständer neben Schild mit Text „Nummer eins nach Besuchern“
Gaming ist erwachsen geworden und stellt den größten Andrang aller Tech-Messen.

Die größte Einzelzahl dieser Tabelle stammt nicht aus der klassischen IT, sondern aus dem Spiel. Die Gamescom in Köln zog zuletzt rund 368.000 Besucher an und ist damit die besucherstärkste Tech-Messe der Welt. Was als Nischentreffen begann, ist zu einem Massenphänomen mit eigener Eröffnungsshow und weltweitem Livestream gewachsen.

Der Aufstieg der Gamescom fällt mit dem Ende eines Konkurrenten zusammen. Die E3 in Los Angeles, jahrzehntelang das Schaufenster der Spielebranche, fand zum letzten Mal statt und wurde 2023 offiziell beerdigt. Die Branche zog ihre Weltbühne von Kalifornien nach Köln, wo Publikum und Fachbesucher an getrennten Tagen zusammenkommen.

Für Entscheider außerhalb der Spielebranche ist das mehr als eine Randnotiz. Gaming ist längst ein Technologietreiber, von Grafikchips über Streaming bis zur virtuellen Realität, und die Gamescom zeigt diese Techniken vor einem Millionenpublikum. Wer verstehen will, wohin Unterhaltungstechnik läuft, kommt an Köln so wenig vorbei wie an Las Vegas.

Wirtschaftlich hat die Spielebranche die klassische Unterhaltung längst überholt. Der weltweite Umsatz mit Videospielen übertrifft Kino und Musik zusammen, und entsprechend groß ist das Interesse von Hardware-Herstellern, Chipfirmen und Werbetreibenden an der Gamescom. Für die Stadt Köln ist die Messe zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, der Hotels und Gastronomie eine Woche lang füllt. Der Trend zeigt zugleich, dass eine Messe wachsen kann, indem sie das Publikum ernst nimmt statt es auszusperren. Die strikte Trennung von Fach- und Publikumstagen macht aus dem Massenandrang keinen Widerspruch zum Geschäft, sondern seine Bühne.

Für die übrige Technikwelt strahlt die Gamescom weit über das Spiel hinaus aus. Grafikkarten, Displays und Streaming-Technik feiern hier ihre Premiere vor einem kaufkräftigen, technikaffinen Publikum, lange bevor sie in andere Branchen wandern. Wer wissen will, welche Hardware in fünf Jahren im Büro steht, findet erste Hinweise oft zuerst in Köln. Die Grenze zwischen Unterhaltung und professioneller Technik verschwimmt dabei zusehends.

Für Entscheider: wo sich der Flug lohnt

Handzähler mit Zahl 2725 und zwei Zetteln
Startups oder Aussteller: Warum die Zählweise über die Rangfolge entscheidet.

Die praktische Lehre aus dem Vergleich ist eindeutig. Seit die CeBIT fehlt, gibt es keine eine Pflichtmesse mehr, sondern für jeden Zweck eine passende. Wer Consumer-Produkte plant, gehört auf CES oder IFA, wer im Mobilfunk arbeitet, auf den MWC, wer Kapital für ein Startup sucht, auf VivaTech oder Web Summit, wer den Golfraum erschließen will, auf die GITEX.

Der zweite Rat betrifft die Mischung aus Präsenz und Vorbereitung. Eine Tech-Messe belohnt niemanden, der nur einen Stand aufbaut und wartet. Der Wert entsteht aus gezielten Terminen, klaren Botschaften und einer sauberen Nachbereitung. Wer die digitalen Werkzeuge dafür sucht, wird in der Vergleiche-Sektion von Dr. Web fündig, vom Cloud-Server für die Lead-Datenbank bis zum KI-Textgenerator für die Nachfass-Kommunikation.

Der dritte Punkt ist die Kostenrechnung. Ein Auftritt auf der CES oder der VivaTech verschlingt schnell sechsstellige Beträge, wenn man Fläche, Bau, Reise und Personal zusammenzählt. Für viele mittelständische Anbieter ist der gezielte Besuch ohne eigenen Stand die klügere Wahl, um Kontakte zu knüpfen und den Markt zu lesen, bevor sie das große Budget in eine einzige Bühne stecken.

Ein vierter Gedanke betrifft den Kalender. Die acht Messen verteilen sich übers Jahr, von der CES im Januar über den MWC im Frühjahr und die VivaTech im Juni bis zur IFA und Gamescom im Spätsommer. Wer strategisch plant, wählt nicht nur die passende Bühne, sondern auch den passenden Zeitpunkt im eigenen Produktzyklus. Eine Neuheit, die im Januar auf der CES Premiere hat, wirkt im September auf der IFA bereits vertraut. Der richtige Termin entscheidet oft mehr über die Wirkung als der Standort.

Am Ende zahlt sich der Blick über die einzelne Messe hinaus aus. Wer versteht, wie sich die Tech-Landschaft nach dem Ende der CeBIT neu geordnet hat, plant seine Auftritte klüger als der, der jedes Jahr reflexhaft zur selben Schau fährt. Die passende Bühne, der richtige Zeitpunkt und ein klares Ziel schlagen jedes große Budget ohne Plan.

Ein Wort zur Zählweise

Ein Vergleich von Tech-Messen stößt schnell an die Grenzen der Statistik, weil die Häuser Unterschiedliches zählen. Die CES, die IFA und die GITEX weisen klassische Aussteller aus, VivaTech und der Web Summit dagegen ausstellende Startups, deren Zahl naturgemäß viel höher liegt. Ein direkter Vergleich der Aussteller-Spalte führt deshalb in die Irre.

Dazu kommt die Frage, wer als Besucher gilt. Fachmessen wie der MWC lassen nur beruflich Qualifizierte zu, Publikumsmessen wie die Gamescom zählen jede Person am Eingang. Eine hohe Besucherzahl bedeutet also nicht automatisch mehr geschäftlichen Wert, sondern manchmal nur mehr Andrang. Für einen fairen Vergleich zählt der Typ der Messe mehr als die nackte Zahl.

Diese Übersicht macht die Unterschiede deshalb sichtbar, statt sie zu glätten. Die Startup-Zahlen sind als solche markiert, der Typ jeder Messe steht in einer eigenen Spalte. Wer Angebote von Veranstaltern prüft, sollte immer nachfragen, was genau gezählt wurde, und die runde Schlagzeile als das lesen, was sie ist: eine Momentaufnahme mit Interesse am großen Ergebnis.

Wer die Zahlen selbst prüfen will, findet die belastbarsten Quellen bei den Veranstaltern und den unabhängigen Prüfstellen. Für die deutschen Messen liefert die FKM geprüfte Werte, international ordnet der Messeweltverband UFI die Größenordnungen ein. Diese Übersicht stützt sich durchweg auf offizielle Abschlussmeldungen der jeweils letzten Ausgabe. Wo eine Messe Startups statt Aussteller zählt, ist das kenntlich gemacht, damit die Rangfolge nicht durch unterschiedliche Definitionen verzerrt wird.

Glossar

Leitmesse
Die Messe, die in ihrer Branche den Ton angibt und an der die weltweit relevanten Aussteller kaum vorbeikommen. Nach dem Ende der CeBIT gibt es in der IT keine einzelne Leitmesse mehr, sondern mehrere nach Themen.
Keynote
Die zentrale Eröffnungsrede einer Messe, oft von einem Branchenchef gehalten. Auf Tech-Messen setzt die Keynote häufig den Ton für das ganze Jahr, etwa die Nvidia-Rede auf der Computex.
Matchmaking
Ein von den Veranstaltern gesteuertes Verfahren, das passende Kontakte zusammenbringt, etwa Startups und Investoren. Auf großen Konferenzen wie dem Web Summit ersetzt es die zufällige Begegnung.

Welche ist die größte Tech-Messe der Welt?

Nach Besuchern liegt die VivaTech in Paris mit rund 180.000 Teilnehmern vorn, dicht gefolgt von der Gamescom in Köln mit 368.000, die allerdings ein Publikumsevent ist. Bei den klassischen Fachmessen führt die GITEX Global in Dubai mit rund 6.800 Ausstellern, bei der Fläche die CES in Las Vegas.

Gibt es die CeBIT wirklich nicht mehr?

Richtig, die CeBIT in Hannover fand 2018 zum letzten Mal statt und wurde eingestellt. Ihre einstige Rolle als IT-Weltleitmesse haben spezialisierte Nachfolger übernommen: die CES für Consumer-Technik, der MWC für Mobilfunk, die GITEX für Enterprise-IT und die VivaTech für Startups.

Welche Tech-Messe lohnt sich für Startups?

Für Startups sind die kuratierten Festivals am ergiebigsten. Die VivaTech in Paris versammelt rund 14.000 Startups und 3.600 Investoren, der Web Summit in Lissabon 2.725 Startups und fast 1.900 Investoren. Beide setzen auf Matchmaking, das den Kontakt zu Kapitalgebern gezielt herstellt.

Was ist der Unterschied zwischen CES und IFA?

Beide sind Consumer-Electronics-Messen, unterscheiden sich aber in Publikum und Termin. Die CES in Las Vegas findet im Januar statt, ist reine Fachmesse und gibt die Jahrestrends vor. Die IFA in Berlin läuft im September, ist zusätzlich fürs Publikum geöffnet und näher am Weihnachtsgeschäft.

Quellen

  • CTA | CES 2026 Audit | https://www.ces.tech/press-releases/ces-2026-audit-shows-four-percent-growth-in-participation-as-innovators-showed-up-in-las-vegas | besucht am 12.09.2026
  • GFU / IFA Management | IFA 2025 Bilanz | https://gfu.de/en/ifa-2025-draws-a-successful-conclusion/ | besucht am 12.09.2026
  • DWTC / Euronews | GITEX Global 2025 | https://www.euronews.com/2025/10/24/gitex-global-2025-draws-record-crowds-to-dubai-for-45th-edition-of-tech-show | besucht am 12.09.2026
  • Viva Technology / Yahoo Finance | VivaTech 2025 | https://finance.yahoo.com/news/vivatech-2025-record-setting-edition-063000511.html | besucht am 12.09.2026
  • GSMA | MWC Barcelona 2025 | https://www.gsma.com/newsroom/press-release/gsma-celebrates-a-resoundingly-successful-mwc25-barcelona/ | besucht am 12.09.2026
  • Web Summit | Web Summit 2025 by the numbers | https://websummit.com/blog/news/record-investors-at-web-summit-2025-bucking-industry-trends/ | besucht am 12.09.2026
  • TAITRA | Computex 2025 | https://www.computextaipei.com.tw/en/menu/CD908435F3DAD09DD0636733C6861689/info.html | besucht am 12.09.2026
  • game / Koelnmesse | Gamescom 2026 | https://www.it-boltwise.de/gamescom-zieht-368-000-besucher-an-ausstellerzahl-steigt-deutlich.html | besucht am 12.09.2026
4,1 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?